Berlin-Chemie Newsletter vom 04. November 2016

Berlin-Chemie Newsletter vom 04. November 2016

  • Büchse der Pandora geöffnet oder endlich Wettbewerb?
  • Mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen
  • Morbi-RSA: Wenn nicht jetzt, wann dann?
  • Elektronische Patientenakte: in Deutschland mehr schlecht als recht?
  • Bluthochdruck: Immer mehr Hypertonie-Diagnosen
  • Gebührenordnung für Ärzte: Ansetzen zum Endspurt
  • Statistisches Jahrbuch: Älter, dicker, zufriedener
  • Medikationsplan: Zum Scheitern verurteilt?
  • Zukunftstag Diabetologie: Gut gerüstet gegen die Volkskrankheit?

Büchse der Pandora geöffnet oder endlich Wettbewerb?

Der Weckruf für die deutsche Gesundheitspolitik war klar und kam aus Luxemburg. Dort entschieden die Richter des Europäischen Gerichtshofs vor wenigen Tagen zugunsten von Doc Morris, künftig Rabatt auf verschreibungspflichtige Arzneimittel (Rx) gewähren zu dürfen, die nach Deutschland geliefert werden. Damit ist die Rx-Festpreisbindung faktisch aufgelöst. Während die deutsche Apothekerschaft damit Rahmenvertrag und flächendeckende Versorgung in Gefahr sieht, wirbt Doc Morris bereits mit bis zu 12 Euro Nachlass pro Rezept. Politiker, Ärzte und Pharmazeuten sehen die „Büchse der Pandora“ geöffnet. Deutsche Versandhändler fürchten jetzt eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten von Anbietern jenseits der Grenzen.

Nachdem die Politik die sich in Luxemburg über Monate anbahnende EuGH-Entscheidung zunächst ignorierte oder die „nationalen Regeln des deutschen Sozialsystems“ für unantastbar hielt, macht sich quer über alle Parteien nun großer Aktionismus breit. Haupt-Ziellinie eines Vorstoßes von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und einigen Bundesländern: Ein Verbot des Versandhandels generell. Gröhe will in der Beurteilung der Wettbewerbsbedingungen einen deutlich stärkeren Fokus auf die „pharmazeutische Kompetenz und die unmittelbare persönliche Verantwortung der freiberuflichen Apotheker vor Ort“ legen. Entgegen der ersten Erwartungen wird das Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz (AM-VSG) nun doch schneller beraten. Staatssekretär Lutz Stroppe kündigte für ein mögliches Versandhandelsverbot „wochen- und monatelange“ Prüfungen an. Ein Verbot wird im AM-VSG also wohl kaum einen Platz finden. Eine Verabschiedung noch in dieser Legislaturperiode erscheint folglich fraglich.

Bei der SPD ist man zurückhaltender, hatte doch SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt Versandhandel 2004 ermöglicht. Nach mehr als zehn Jahren wird allerdings auch dem Versandhandel eine hohe Beratungskompetenz und Zuverlässigkeit attestiert. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund weitergehender Internet-Vernetzung macht sich deshalb die E-Health-Expertin und Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert (CDU) für den Versandhandel stark und stellt sich damit gegen Gröhe. Sie begrüßt das Urteil als Wettbewerbsanreiz. Noch 1993 hatte der EuGH den Konflikt zwischen freiem Preiswettbewerb und einem Wettbewerbsausschluss zu Gunsten einer unter wirtschaftlich tragbaren Bedingungen organisierten flächendeckenden Versorgung durch „Universaldienstleister“ festgestellt und 2005 explizit die Sonderrolle der Arzneimittelversorgung hervorgehoben. Die Arzneimittel-Festpreise blieben vor allem zum Bestandschutz kleinerer Apotheken in der Region. Parallel hatten Gesetzgeber und Bundesverfassungsgericht allerdings 2003/2004 den Versandhandel von Arzneimitteln ermöglicht. Auch, um eine intensive Beschränkung der Berufsausübungsfreiheit zu vermeiden. Seinerzeit hatte der EuGH den Mitgliedsstaaten interessanterweise noch freigestellt, den Versandhandel mit Rx-Arzneien zu verbieten. Ein Argument, das in den Äußerungen des aktuellen Prozesses den Rabatt-Gegnern entgegengehalten wurde.

Ein Vorstoß zu einem generellen Rx-Versandhandelsverbot, so Experten, dürfte rechtlich kaum durchsetzbar oder langfristig haltbar sein. Der renommierte Medizinrechtler Prof. Dr. Thomas Schlegel sieht den Gesetzgeber jedoch in der Pflicht zur Aufrechterhaltung des Sozialstaatsprinzips bei der Versorgung gesetzlich Versicherter zugunsten der flächendeckenden Apothekenversorgung „kompensatorisch tätig zu werden“. In einem regulierten Umfeld seien nicht so einfach existenzielle Rahmenbedingungen zu verändern ohne dass Ersatz geschaffen werde. Kappt man auf der einen Seite die wirtschaftliche Absicherung von Apotheken indem man die Preisbindung abschafft, kann auf der anderen Seite natürlich das gesamte und komplexe Rabattsystem nicht mehr funktionieren. Die Finanzierungsgrundlage der GKV würde angegriffen. Nicht unwahrscheinlich, dass es einen Dominoeffekt ergibt, der am Ende sämtliche Rabattsysteme zu Gunsten der solidarischen GKV in Frage stellt. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, hat offenbar ähnliche Befürchtungen, wenn er fordert: „Einsparmöglichkeiten, die es beim Arzneimittelkauf gibt, sollten allen Versicherten und Kassen zugutekommen und nicht nur einzelnen Patienten, die bei besonders günstigen Auslandsapotheken bestellen“. Das Institut für Handelsforschung (IFH Köln) hat ermittelt, dass der Betriebsgewinn von Apotheken im Schnitt gerade mal bei 1,5 Prozent liegt. In Deutschland gilt ein Mehrbesitzverbot, das Großapotheken – außer vielleicht in Krankenhäusern – zur Seltenheit macht. Möglicherweise könnte das Urteil hier eine Änderung auslösen. Dann aber wohl auch zu Gunsten von Versandhändlern, die sich inzwischen hierzulande gut vernetzt haben. Aktuell werden viele Stellschrauben diskutiert. Gedacht wird beispielsweise an ein Absenken des Zwangsrabatts, den der Apotheker der GKV gewährt oder an ein Einkassieren der Boni zugunsten der Sozialkassen (Vorschlag BMWI). Das würde dem Versandhandel zwar den Wettbewerbsvorteil nehmen – aber wie umsetzen? Eine Lösung scheint weit entfernt.

Mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen

Empfehlung für Bürgerpauschale mit integriertem Sozialausgleich bleibt

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat sein Jahresgutachten Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgelegt. Das Ergebnis: In der ablaufenden Legislaturperiode wurden viele Reformmöglichkeiten verschenkt. In der Gesundheitsversorgung sei deutlich mehr Wettbewerb nötig, befanden die Wirtschaftsweisen um den Vorsitzenden Prof. Christoph Schmidt. In dem jüngsten Urteil des EuGH, wonach die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland im Widerspruch zum EU-Recht steht, sieht der Sachverständigenrat eine Chance für mehr Wettbewerb unter Apotheken. Grundsätzlich würden die Gesundheitsausgaben die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte in erheblichem Maße beeinflussen. Und da sie infolge des demografischen Wandels und des medizinisch-technischen Fortschritts perspektivisch ansteigen werden, sei es umso wichtiger, „zu verhindern, dass sie durch Ineffizienzen im Gesundheitswesen zusätzlich gesteigert werden“. Im Einzelnen schlagen die Wirtschaftsweisen darum vor, die Vertragsfreiheit zu stärken und die Selektivverträge häufiger zu nutzen, künftig zu einer monistischen Krankenhausfinanzierung überzugehen, die Praxisgebühr wiedereinzuführen und zielführend weiterzuentwickeln, das Fremd- und Mehrbesitzverbot von Apotheken aufzuheben sowie die Kosten-Nutzen-Analysen im Arzneimittelbreich auch auf den Bereich der alternativen Medizin auszuweiten. In einer weiteren Empfehlung verweisen die Berater auf einen altbekannten Finanzierungsvorschlag für die Gesetzliche Krankenversicherung: Eine einkommensunabhängige Bürgerpauschale mit integriertem Sozialausgleich sei aus ihrer Sicht die beste Finanzierungsform.

Morbi-RSA: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Eine neue Datenbasis soll helfen die Qualität der RSA-Diskussion wieder anzuheben

Von der Axt, welche die AOK an die Solidarität der GKV lege, sprachen BKK, IKK und die Ersatzkassen mit Blick auf mögliche Vorteile seitens der Ortskrankenkassen. Diskussionen über den Finanzausgleich erinnerten zuletzt immer mehr an die absurden Zankereien im US-Wahlkampf. Doch nun endlich erhält die Diskussion wieder Substanz, denn in der Kassenlandschaft sind sie sich bei immerhin einem Thema einig: Die Politik möge doch bitte noch in dieser Legislaturperiode – am besten sofort – den Auftrag zur Evaluation des Morbi-RSA erteilen. Es braucht schließlich einen fairen RSA für alle Kassenarten. Wolfgang B. Schnaase, Vorstand BKK Mobil Oil und Sprecher der RSA-Allianz, einem Zusammenschluss von 13 Krankenkassen aus drei verschiedenen Kassenarten (Betriebs-, Ersatz- und Innungskassen), spricht sich für das Schaffen von Datengrundlagen mit einer empirischen Auswertung des GKV-Gesamtdatensatzes aus. Dem schließt sich Frank Plate, Präsident des Bundesversicherungsamtes (BVA), an: „Wir sollten jetzt von der Politik den Auftrag für eine Evaluation des RSA bekommen, damit Lösungsvorschläge zur nächsten Legislaturperiode vorliegen können. Ich bin nicht gegen eine Reform des RSA, sondern gegen übereilte Schnellschüsse.“ Prof. Dr. Jürgen Wasem, der seit 2009 den Vorsitz des Wissenschaftlichen Beirats zur Weiterentwicklung des RSA beim BVA innehat, möchte, dass die Evaluation durch den wissenschaftlichen Beirat erfolgt. Dieser habe eine plurale Expertise. „Über die Form, wie man externe Expertisen einbindet, müsste man noch nachdenken“, ergänzt er. Ein erster neuer Evaluationsbericht bis Mitte 2017 ist ein ambitioniertes Ziel. Aber wenn nicht jetzt vor der Wahl, wann bitte dann?

Elektronische Patientenakte: in Deutschland mehr schlecht als recht?

Ein Blick auf eine Studie, welche die deutsche Situation beschönigt.

Deutschland liegt bei der Implementierung der elektronischen Patientenakte (ePA) im Vergleich von zwanzig europäischen Ländern auf Rang zehn. Die Spitzenplätze in der Untersuchung der Stiftung Münch und des Instituts für Angewandte Versorgungsforschung (inav) belegen Dänemark, Schweden und Estland. Und Deutschland kommt sogar noch zu gut weg. Die Gematik verschiebt die Online-Tests, der Patient und sein Mitspracherecht werden gekonnt übersehen und eine nationale Strategie gibt es für die ePA auch nicht. Dass Deutschland im Bereich von Frankreich, welches in der digitalen Vernetzung Patienten-zentriert voranprescht, und Österreich, das die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) trotz Verzögerungen seit Ende 2015 in Krankenhäusern einführt, eingeordnet wird, sollte skeptisch machen. Damit Deutschland zu den bereits genannten führenden Ländern - und diese sind wirklich einige Schritte weiter - aufschließen kann, ist eine langfristige, nationale eHealth-Strategie erforderlich. Bei der Umsetzung müssen dann modulare und pragmatische Ansätze im Vordergrund stehen, sind die Studienautoren überzeugt. In den Entwicklungsprozess müssen zudem Erfahrungen und Fehler aus anderen Ländern einfließen können, heißt es im Studienergebnis. Dänemark hat schließlich seit zwanzig Jahren eine ePA und wenig Diskussionen über den Datenschutz.

Bluthochdruck: Immer mehr Hypertonie-Diagnosen

Anstieg in allen Altersklassen / Männer häufiger betroffen

Jedes Jahr lässt sich fast die Hälfte aller Todesfälle auf Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems zurückführen. Dies beläuft sich nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Internisten auf mehr als 400.000 Todesfälle pro Jahr. „Die Betroffenen sollten Bluthochdruck nicht auf die leichte Schulter nehmen, weil er zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann. Bei der Hypertonie ist eine frühzeitige Therapie nötig, um ernsthafte Folgeerkrankungen zu vermeiden“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK. „Regelmäßig durchgeführte Check-up-Untersuchungen helfen, eine schleichende Blutdruckerkrankung rechtzeitig zu erkennen“, so Marschall. Und sie warnt nicht ohne Grund: Immer mehr Menschen in Deutschland müssen wegen Bluthochdruck zum Arzt. Im Jahr 2014 bekamen 28,7 Prozent die Diagnose Hypertonie gestellt. Das sind rund neun Prozent mehr als im Jahr 2009, ergab eine Auswertung der Kasse unlängst. Dabei sei in allen Altersklassen der Anteil der Hypertonie-Patienten gestiegen. Im Jahr 2014 bekamen knapp 30 Prozent der Frauen und gut 34 Prozent der Männer zwischen 40 und 65 Jahren die Diagnose Bluthochdruck gestellt, ein Anstieg um sieben und 13 Prozent gegenüber 2009. Von den Frauen zwischen 65 und 80 Jahren waren im Jahr 2014 sogar rund 67 Prozent und von den Männern 69,8 Prozent betroffen. Dies entspricht Steigerungen um knapp vier beziehungsweise sechs Prozent.

Gebührenordnung für Ärzte: Ansetzen zum Endspurt

Kein großer Sprung in Sicht – maximal 6,4 Prozent

Bei der neuen Gebührenverordnung für Ärzte rückt der Endspurt immer näher. Die arztinterne Konsensfindung scheint abgeschlossen. Bis Jahresende soll das Paket nun mit den Kostenträgern abgestimmt werden. Dem Vorsitzenden des Ausschusses Gebührenordnung der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Klaus Reinhardt, ist es gelungen, zumindest für den inhaltlichen Teil der neuen GOÄ 130 Fachgesellschaften und Verbände mit ins Boot zu bekommen, um eine präzise Leistungsbeschreibung der 4800 Gebührenordnungspositionen zu erreichen. „Je exakter unsere Leistungsbeschreibung erfolgt, umso leichter fällt anschließend die Bewertung“, sagt er. Im Frühjahr war die erste Version der neuen GÖÄ bei der BÄK durchgefallen. Eine erneute Fahrt in die Sackgasse wolle man unbedingt verhindern. Der Weg scheint jedenfalls der richtige zu sein. Die Nachbesserungen sitzen – jede vierte Leistung wurde noch einmal angepasst. Und worauf können sich die Ärzte einstellen? Ihre Erwartungen sind extrem hoch, erbringen sie doch seit mehr als 20 Jahren die Leistungen zum selben Punktwert. Reinhardt muss diese hohen Erwartungen allerdings enttäuschen: Der Kostenrahmen für die Einführung der neuen GOÄ werde bei maximal 6,4 Prozent liegen. Möglich sind jedoch noch Zuwächse durch eine Änderung der Morbidität und durch neue Leistungen. Die Ärzte seien allerdings nicht ganz unschuldig an der Entwicklung der Verhandlungen. Eine alte Sünde würde sie wieder einholen – zu oft haben Ärzte von den Steigerungsmöglichkeiten bei den Abrechnungen Gebrauch gemacht. Wenn faktisch 95 Prozent der Leistungen nach dem 2,3-fachen Satz abgerechnet werden, dann müsse sich Reinhardt zufolge niemand wundern, wenn die Steigerungsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Blöd nur für alle Ärzte, die tatsächlich je nach Aufwand abgerechnet haben. Auch sie können künftig nur noch in Ausnahmefällen von Steigerungsmöglichkeiten Gebrauch machen.

Statistisches Jahrbuch: Älter, dicker, zufriedener

328 Milliarden in die Gesundheit investiert/Adipositas wird trotzdem zum Problem

In den großen Städten wird sichtbar, dass gesunde Ernährung längst zum Trend geworden ist. Überall sprießen Bio-Supermärkte aus dem Boden, vegane Restaurants sind keine Seltenheit mehr und Superfood wie Gojibeeren und Chia-Samen gibt es in jedem Supermarktregal. Viele treiben heute auch mehr Sport, achten auf eine gesunde Ernährung und verzichten zunehmend auf Alkohol und Zigaretten. Der Durchschnittsdeutsche rauchte 2015 insgesamt 1041 Zigaretten, Zigarillos oder Zigarren – das sind 170 weniger als 2005. Seinen Alkoholkonsum reduzierte er um anderthalb Kästen auf 98 Liter. All das geht aus dem Statistischen Jahrbuch 2016 hervor, das gerade in Berlin vorgestellt wurde. „2014 wurden insgesamt rund 328 Milliarden Euro in die Gesundheit investiert, das sind elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts und pro Kopf etwa 4050 Euro“, sagt Dieter Sarreither, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Die Investitionen scheinen sich bezahlt zu machen: Die Deutschen werden immer älter, neugeborene Jungen werden etwa 78 Jahre alt, neugeborene Mädchen rund 83 Jahre. Auch das subjektive Gefühl, gesund zu sein, breitet sich aus. Rund zwei Drittel (65%) aller Deutschen bewerten ihre Gesundheit als gut oder sehr gut. Zehn Jahre zuvor waren es noch 60 Prozent. Die Spätfolgen der ungesunden Lebensweise in den vergangenen Jahren machen sich im Statistischen Jahrbuch bemerkbar: Im Jahr 2014 wurden 210.200 Patienten wegen bösartiger Neubildungen des Kehlkopfes, der Luftröhre, der Bronchien und der Lungen in deutschen Krankenhäusern vollstationär behandelt. Männer wurden dabei mit 66 Prozent häufiger wegen dieser Krebsarten behandelt als Frauen mit 34 Prozent. Allein an Lungen- und Bronchialkrebs verstarben im Jahr 2014 insgesamt 45.000 Menschen in Deutschland. Bei Männern mit 29.500 Fällen war das sogar die zweithäufigste Todesursache. Auf Platz eins liegen Durchblutungsstörungen des Herzmuskels und auf Platz drei der akute Herzinfarkt. Bei den Frauen liegen auf Platz eins ebenfalls Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, auf Platz zwei folgt Herzschwäche und auf Platz drei genau wie bei den Männern der akute Herzinfarkt. Zu einem ernstzunehmenden Problem entwickelt sich die Zivilisationskrankheit Adipositas. Knapp 16 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland hatte 2013 einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 und mehr und gilt damit als stark übergewichtig. Männer waren mit 17 Prozent häufiger fettleibig als Frauen mit 14 Prozent. Im Jahr 1999 lag der Anteil bei den Männern noch bei 12 Prozent, bei Frauen 11 Prozent. Für sie steigt das Risiko an Diabetes zu erkranken drastisch.

>Medikationsplan: Zum Scheitern verurteilt?

Medikationsmanagement ist mehr als Medikationsplan, Mitarbeit von Apothekern und elektronische Vernetzung als Ziele

Seit 1. Oktober haben Patienten, die mehr als drei verschreibungspflichtige Arzneimittel einnehmen, einen gesetzlichen Anspruch auf einen Medikationsplan. Der große Ansturm auf die Hausärzte ist bislang aber ausgeblieben. Ist der Medikationsplan schon gescheitert? So weit möchte sich der Hausärzteverband noch nicht aus dem Fenster lehnen. Mit einer Bewertung wolle man noch warten. Andere Projekte, die für mehr Medikamentensicherheit sorgen sollen, hält der Hausärzteverband für vielversprechender – so wie die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN). Während der bundeseinheitliche Medikationsplan allein vom Arzt erstellt wird und nur von Apothekern auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten ergänzt wird, arbeiten bei ARMIN Apotheker und Ärzte enger zusammen, allerdings gibt der Arzt hier seine Hoheit der Produktauswahl komplett an den Apotheker ab. Der Medikationsplan liegt darüber hinaus zurzeit nur als Papierausdruck vor, bei ARMIN gibt es eine elektronische Vernetzung. Die Daten werden auf einem Medikationsplanserver im Sicheren Netz der KV hinterlegt und sind jederzeit von Arzt und Apotheker einsehbar. Für alle Versicherten soll das mit der elektronischen Gesundheitskarte erst 2018 so weit sein. Vor allem in Sachen Abrechnung bietet ARMIN Vorteile für die Ärzte: Der erwartete zeitliche Aufwand für das Medikationsmanagement je Patient liegt bei 1,5 Stunden im Quartal. Ärzte bekommen für das Erstgespräch 97,30 Euro vergütet und 22 Euro je Quartal und Patient in den Folgequartalen. Für den Medikationsplan bekommen Ärzte maximal rund vier Euro Honorar im Jahr. Da ist klar, wo die Prioritäten des Hausärzteverbandes liegen: Intensive Beratung für die Patienten, die es brauchen, die dann auch honoriert wird.

Zukunftstag Diabetologie: Gut gerüstet gegen die Volkskrankheit?

Neue Möglichkeiten, die Volkskrankheit einzudämmen und zu behandeln

Mehr als sechs Millionen Menschen leiden bereits heute an Diabetes mellitus. Und jedes Jahr werden es mehr. Doch wie gut ist Deutschland darauf vorbereitet? Auf dem Zukunftstag Angewandte Diabetologie am 1. Dezember im Spreespeicher Berlin (Stralauer Straße 2) wird diese Frage in all ihren Details diskutiert. Experten versuchen einen Weg vorzugeben, wie die Diabetikerversorgung zukunftsfest gemacht werden kann. Die gemeinsame Veranstaltung vom Berufsverband der niedergelassenen Diabetologen, des wissenschaftlichen Instituts der niedergelassenen Diabetologen, der Deutschen Diabetes Gesellschaft, diabetesDE und DDH-M richtet sich vor allem an Mitarbeiter von Krankenkassen und Mitarbeiter in der Gesundheitswirtschaft. Von 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr wird thematisiert, inwiefern Patienten im Mittelpunkt stehen, was die DDG-Task Force zur Zukunft der Therapie beitragen kann, ob Versorgungsforschung zum Beleg der Behandlungsqualität erfolgen muss, wie Versorgungsstrukturen in Zukunft aussehen müssen, wie die Digitalisierung die Versorgung verändert, welche Herausforderungen es im Allgemeinen gibt, welche neuen Wege es in der Primärprävention gibt, wie der Weg von der Schulung zum Coaching gelingen kann, wie man dem Nachwuchsmangel an dialektologischem Nachwuchs begegnen kann und welche Herausforderungen es für die Politik gibt.

Anmeldung mit Betreff „Zukunftstag angewandte Diabetologie 2025“ an g.heinemann@science-co.com. Der Eintritt ist frei.

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