Berlin-Chemie Newsletter vom 31. August 2023

Berlin-Chemie Newsletter vom 31. August 2023

Interview:

  • Innovation trifft Datenschutz – Zukunft der datengesteuerten Gesundheitsversorgung
    EinBlick sprach mit Dr. Henrik Matthies über die datenschutzkonforme Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke

Kurzstrecke:

  • Eingriffe am Gehirn mittels Datenbrille
    Universitätsklinikum Leipzig testet Augmented-Reality-Navigation

  • Ohne Digitalisierung geht es nicht!
    Ärzt:innen sollen Bedenken endlich überwinden

  • Telemedizin-Dienstleister plant Offensive im niedergelassenen Bereich
    Angebot für Praxisinhaber:innen, die Schwierigkeiten haben, Nachfolger:innen zu finden

  • Medizinstudierende offen für Niederlassung, wenn Bedingungen stimmen
    70 Prozent können sich vorstellen, eine eigene Praxis zu gründen

  • Nachwuchs zögerlich gegenüber Allgemeinmedizin trotz Förderprogrammen
    Fördermittel allein genügen nicht, um den Mangel an Hausärzt:innen zu beheben

  • BMG sieht Risiken im EU-Pharmapaket: Verunsicherung könnte Investitionen bremsen
    Kritik an Plänen zur Verkürzung des Unterlagenschutzes und unklaren Kriterien bei seltenen Erkrankungen

  • Schüler:innen nutzen YouTube und Soziale Medien zur Gesundheitsrecherche
    Das ist das Ergebnis einer Studie der Barmer Krankenkasse in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen

Interview:

  • ›Versorgt am Ort‹ als Unterstützung für die Hausarztpraxis
    EinBlick sprach mit Franziska Beckebans über ein wegweisendes Pilotprojekt zur wohnortnahen Versorgung im ländlichen Raum

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Potenzial von Telemonitoring ungenutzt
    Telemedizinische Gesellschaft bemängelt Gesetzesentwurf

  • KBV-Krisensitzung drängt auf politisches Handeln
    Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen fordern Rettung bedrohter Praxen

  • Arztbriefgenerator
    Natural Language Processing (NLP) für den medizinischen Bereich


Interview:

Innovation trifft Datenschutz – Zukunft der datengesteuerten Gesundheitsversorgung

EinBlick sprach mit Dr. Henrik Matthies über die datenschutzkonforme Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke

 

 

Dr. Henrik Matthies

ist CEO und Mitbegründer von Honic, der datenschutzkonformen Forschungsplattform für Gesundheitsdaten. Vorher war er bis Ende 2021 drei Jahre lang Managing Director des Health Innovation Hubs des Bundesgesundheitsministeriums.

 

 

 

Herr Dr. Matthies, Ihr Unternehmen ›Honic‹ verwendet die Metapher der Honigbienen, obwohl es sich nicht um Imkerei, sondern um die Nutzung von Patientendaten für Forschungszwecke handelt. Können Sie Ihren Ansatz erläutern?
Mit der Metapher des Honigs wollen wir verdeutlichen, dass wir die vielen verschiedenen dezentralen Datenquellen im Gesundheitswesen gemeinschaftlich nutzen möchten, ähnlich wie Bienen, die zusammenarbeiten, um Honig zu produzieren. Wir möchten sicherstellen, ähnlich den Wächterbienen bei starkem Wind, dass die Daten von hoher Qualität sind und dass die Ergebnisse der Analysen tatsächlich medizinischen Fortschritt bringen, also echten ›Honig‹ und nicht nur einen undefinierbaren Brei. Aus diesem Grund haben wir von Beginn an eng mit der Landesdatenschutzaufsicht zusammengearbeitet und ein Datenschutzkonzept entwickelt, um sicherzustellen, dass wir alle Bedenken und Anliegen der Behörde berücksichtigen. Unser Ziel ist es, eine Plattform zu betreiben, die es ermöglicht, Gesundheitsdaten strukturiert für die Forschung in großem Umfang zu nutzen.

Sie haben gemeinsam mit einigen Mitstreiter:innen aus dem Health Innovation Hub, der Ende 2021 auslief, Honic ins Leben gerufen. Wie weit ist Ihr Projekt fortgeschritten und gibt es bereits erste Anwendungen?
Wir starteten im Januar 2022, nachdem der Health Innovation Hub (hih) im Dezember 2021 endete. Viele von uns, die im Kern des Hubs tätig waren, setzen sich nun auch für Honic ein. Vorher ist das Thema Datennutzung oft vernachlässigt worden. In zahlreichen Gesprächen hörten wir immer wieder Kritik, dass viele Aspekte, die wir für moderne Medizin benötigen, in Deutschland aufgrund strenger Datenschutzregeln nicht umsetzbar sind. Das wollten wir ändern, da die DSGVO europaweit gilt, aber andere Länder, wie etwa Finnland, umfassende Datennutzung erlauben, während Deutschland zögert. Aktuell läuft unser Betrieb, die Plattform steht. Wir haben ein größeres Team aus Entwickler:innen und Datenexpert:innen dafür gewonnen und arbeiten bereits an ersten Forschungsprojekten. Dabei decken wir ein breites Spektrum ab – von kleinskaliger Forschung bis zur Analyse von Volkskrankheiten und der Krebsforschung - , wir nutzen hierfür verschiedene Datenquellen und strukturieren die Daten für Forschungszwecke.

Die COVID-19-Pandemie hat die Debatte um die Nutzung von Gesundheitsdaten enorm beschleunigt. Wir mussten feststellen, dass Deutschland nicht einmal in der Lage war, Informationen über die dominierende Virusvariante zu sammeln oder wirksame Medikamente und Impfstoffe zu identifizieren, sondern dabei abhängig von Daten aus anderen Ländern waren. Dies führte zu einem wachsenden Bewusstsein, dass unser Datenschutzverständnis nicht mehr zeitgemäß ist, denn mit unseren Vorschriften zum Datenschutz können wir keine moderne Medizin betreiben und nicht angemessen auf Krisen wie Pandemien reagieren. Wir stecken fest und können nicht einmal den Zustand unseres Gesundheitssystems effektiv erfassen, geschweige denn Lösungen für eine bessere Zukunft entwickeln.

Honic nutzt Cloud-Technologien zur Datenvernetzung und Datenspeicherung. Wie gewährleisten Sie die Sicherheit Ihrer Daten in der Cloud? Und wie schützen Sie Ihr Unternehmen vor möglichen Cyberangriffen, die kürzlich bei Anwendungen von Krankenkassen offensichtlich wurden?
Die Sicherheit unserer Daten in der Cloud ist von zentraler Bedeutung und erfordert eine komplexe Herangehensweise. Ich werde mich auf das Wesentliche beschränken, da dies ein umfangreiches Thema ist. Uns wurde diese Frage von Beginn an von der Datenschutzaufsicht gestellt. Wir haben fast ein Jahr lang intensiv mit ihnen zusammengearbeitet, um ein umfassendes Sicherheitskonzept zu entwickeln. Die Sicherheit wird durch eine Vielzahl von ineinandergreifenden Maßnahmen gewährleistet. Zum Beispiel arbeiten wir ausschließlich mit deutschen und europäischen Unternehmen zusammen, die Zugriff auf die Daten erhalten. Unsere Cloud wird von einem deutschen Anbieter bereitgestellt. Dies gewährleistet, dass keine Daten an nichteuropäische Anbieter übertragen werden können. Und wir arbeiten mit der Bundesdruckerei zusammen, die unsere externe Datenverwaltung übernimmt und Hardware bereitstellt, um die Daten aufzusplitten. Außerdem erhalten wir niemals direkt personenidentifizierbare Daten. Diese werden bereits bei Leistungserbringern wie Laboren oder Hausärzt:innen verschlüsselt, bevor die Daten zu uns gelangen. Direkt personenidentifizierende Informationen werden verschlüsselt und dann an die Bundesdruckerei geschickt, die ein Pseudonym erstellt. Wir verwenden einen Master Patient Index, der verschiedene pseudonymisierte Daten zu einem einheitlichen Pseudonym zusammenführt. Dies ermöglicht uns, die Daten auf sichere Weise zu verknüpfen, ohne die Identität der Person zu kennen.

Ein weiteres Beispiel ist unser Ansatz zur Anonymisierung. Wir geben keine Rohdaten an Forscher:innen weiter, sondern diese erhalten stattdessen temporären Zugriff auf vorbereitete und über Silos hinweg kombinierte Daten, die aufwendig anonymisiert wurden. Wir haben sogar Patente in diesem Bereich angemeldet, da dies eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe ist, um sicherzustellen, dass die Daten für den spezifischen Anwendungsfall und die verwendeten Methoden wirklich anonym sind. Die Sicherung der Daten in der Cloud erfordert also eine Kombination aus technischen Maßnahmen, Partnerschaften mit vertrauenswürdigen Unternehmen und sorgfältiger Anonymisierung.

Ein Kritikpunkt an Ihrem Modell lautet, dass Sie Patientendaten ohne explizite Zustimmung nutzen. Was ist Ihre Antwort auf solche Bedenken?
Die DSGVO wurde bisher in Deutschland oft so verstanden, dass die Nutzung von Daten nur mit Zustimmung möglich ist. Doch das ist nicht vollkommen korrekt. Die DSGVO bietet verschiedene Möglichkeiten, den Zugang zu Daten zu regulieren, um sicherzustellen, wer wann und unter welchen Bedingungen auf Daten zugreifen darf und für welche Forschungszwecke. Andere Länder, wie beispielsweise Finnland, praktizieren dies seit Jahren anders als wir in Deutschland. Unser Ziel ist es nicht, Daten ohne jegliche Regelungen zu nutzen, sondern unser Bestreben ist vielmehr, mit Hilfe einer Reihe von Maßnahmen, die ich eben benannt habe und die wir mit der Datenschutzaufsicht abgestimmt haben, sicherzustellen, dass weder wir noch andere die Identität hinter den Daten erkennen können.

Des Weiteren ist es unrealistisch, täglich von 80 Millionen Deutschen Einwilligungen für die Vielzahl von medizinischen Daten einholen zu wollen, die notwendig wären, um sinnvolle Forschung zu betreiben. Bisher beschränkte sich medizinische Forschung in Deutschland auf aufwendige einwilligungsbasierte Studien mit geringer Datenmenge. Im Gegensatz dazu gibt es im Ausland, wie den USA, Israel und Großbritannien, bereits Forschung mit sogenannten Real-World-Daten, die aus der Versorgung stammen. Diese Daten sind realistischer und repräsentativer für die Allgemeinheit. Wir haben eine aufwendige, datenschutzkonforme Infrastruktur geschaffen, die sicherstellt, dass Daten geschützt sind und nicht zurück identifiziert werden können. Dieser Ansatz ermöglicht relevante medizinische Forschung in Deutschland und reagiert auf den Bedarf, wie ihn die Pandemie verdeutlicht hat. Die Datenschutzdebatte hat sich weiterentwickelt, indem wir nicht mehr nur auf Papiere vertrauen, sondern auf komplexe Sicherheitsarchitekturen, die Datenbestände schützen.

Letzte Frage: Was ist Ihr Wunsch für das Gesundheitswesen in Deutschland?
Während meiner Zeit im hih durfte ich einen Helikopterflug über das Gesundheitswesen machen. Dabei habe ich täglich völlig neue Organisationen kennengelernt, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existierten. Dies half mir zu begreifen, wie umfassend die verschiedensten Akteure im Gesundheitswesen tätig sind. Wenn alle Entscheidungsträger:innen zumindest ein grundlegendes technisches Verständnis besitzen und offen für eine zukünftige Realität sein würden, die anders ist als das, was sie bisher kennen, könnten sie sich datenbasiert mit den Vor- und Nachteilen von Innovationen auseinandersetzen. Leider sind wir davon bis heute noch sehr weit entfernt.

Das komplette Gespräch mit Herr Dr. Henrik Matthies finden Sie als Podcast-Folge EinBlick – nachgefragt hier in unserem Podcast-Portal https://soundcloud.com/einblick-berlin-chemie/einblick-nachgefragt-20230825


Kurzstrecke

 

Eingriffe am Gehirn mittels Datenbrille

Eingriffe am Gehirn mittels Datenbrille

In der Neurochirurgie des Universitätsklinikums Leipzig wird eine selbst entwickelte Software getestet, die bei Eingriffen am Gehirn mit Augmented Reality (AR) unterstützt. Die Software liest Bilder aus Computertomographen und Magnetresonanztomographen aus und projiziert diese mit Hilfe einer AR-Brille ins Innere des Gehirns. Dieser Blick, der aktuell an einem Modellkopf simuliert wird, erleichtert den Chirurg:innen die Kathetergeführte Operation.

Die Vorteile der neuen Arbeitsweise liegen in der detailgetreuen Abbildung. Bislang wurden die Katheter anhand von Erfahrungswerten und Lehrmeinungen platziert. Bei rund 70 Prozent der Operationen funktioniert dieses Verfahren traditionell gut, allerdings gibt es bei 30 Prozent Abweichungen von der Normalität, die mit der neuen Technologie besser berücksichtigt werden können. Zudem werden hochsensible Strukturen sichtbar gemacht und vor Berührungen während der Operation geschützt. Die Entwicklung findet in Kooperation mit dem Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz und der ISD Group statt.    

 

Ohne Digitalisierung geht es nicht!

Ärzt:innen sollen Bedenken endlich überwinden

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen muss laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach insbesondere von der Ärzteschaft vermehrt vorangetrieben werden. Aufgrund von Kritik, Bedenken und Unwillen habe Deutschland einen 20-jährigen Rückstand aufzuholen, so Lauterbach bei einem Pressetermin in Berlin. Das Digitalgesetz (DigiG) und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) würden zügig beschlossen und die gematik mit Hilfe eines weiteren Gesetzes zur Digitalisierungsagentur umgebaut.

Bei einem Besuch in einer Charlottenburger Arztpraxis und Apotheke überzeugte sich der Minister von der Funktion des elektronischen Rezeptes. Gemäß gematik-Dashboard wurden bislang mehr als zwei Millionen eRezepte eingelöst. Allerdings sei dieser Prozess nur teilweise digital, erklärte ein beteiligter Arzt dem Ärzteblatt. Er beschrieb seine Kolleg:innen als Innovationstreiber, die im Gegensatz zu Lauterbachs Darstellung funktionale Lösungen voranbringen wollen, doch mit zahlreichen Herausforderungen wie Softwareabstürzen, Personalmangel und Dysfunktionalität in ihrer ohnehin schon knappen Zeit zurechtkommen müssten

 

Telemedizin-Dienstleister plant Offensive im niedergelassenen Bereich

Angebot für Praxisinhaber:innen, die Schwierigkeiten haben, Nachfolger:innen zu finden

Der schwedische Telemedizin-Dienstleister Doktor.De, plant eine Offensive zur Übernahme von Arztpraxen in Deutschland. Im Fokus stehen vor allem Praxisinhaber:innen, die Schwierigkeiten haben, Nachfolger:innen zu finden. Hierzulande operiert das Unternehmen bereits am Limit seiner Kapazitäten und sieht im Ausbau des analogen Segments eine vielversprechende Möglichkeit zur Expansion. Dabei spielt auch die aktuelle Gesetzeslage eine Rolle, die digitale Behandlungsmodelle zwar fördert, aber auch limitiert.

Nach dem Kauf der Praxis-Klinik Bergedorf in Hamburg konnte Doktor.De bereits Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründen, die nun als Partnerpraxen fungieren. Die Offensive kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt für Telemedizin in Deutschland durchaus Herausforderungen zeigt. Während das Interesse an digitalen Gesundheitsdiensten groß ist, stehen hohe regulatorische Hürden dem unkomplizierten Ausbau im Weg. Laut Susanne Kreimer, der Deutschlandchefin des Unternehmens, sollen weitere Praxen in verschiedenen Regionen akquiriert werden, um ein Netz an Partnerpraxen aufzubauen. Dabei steht insbesondere der Aspekt der „hybriden Versorgung“ im Mittelpunkt: Die Verschmelzung von analoger und digitaler medizinischer Versorgung soll den Praxen nicht nur Zukunftsfähigkeit verleihen, sondern auch aktuelle Herausforderungen wie die schlechte Versorgung in ländlichen Gebieten adressieren.

 

Medizinstudierende offen für Niederlassung, wenn Bedingungen stimmen

70 Prozent können sich vorstellen, eine eigene Praxis zu gründen

In einer aktuellen Umfrage der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) zeigt sich, dass rund 70 Prozent der angehenden Mediziner:innen im Bereich der Humanmedizin sich eine Niederlassung als berufliche Option vorstellen können. Für einen solchen Schritt seien vor allem eine ausgeglichene Work-Life-Balance und gute Praxisbedingungen entscheidend.

Von den männlichen Studierenden planen 79 Prozent eine Niederlassung, bei den Frauen sind es 66 Prozent. Während die Praxislage als ausschlaggebendes Kriterium weniger wichtig ist (65 Prozent), hat der Zustand der potenziell zu übernehmenden Praxis mehr Bedeutung. Dabei sind für die Befragten vor allem qualifiziertes Personal (98 Prozent) und funktionierende Abläufe (92 Prozent) elementar, neue Geräte (84 Prozent) und ein hoher Grad der Digitalisierung (83 Prozent) gehören ebenfalls dazu. Zudem befürworten 90 Prozent die Vorbereitung auf eine mögliche Niederlassung während des Medizinstudiums. Inhaltlich sollte es dabei vor allem um rechtliche, unternehmerische und steuerliche Aspekte der Selbstständigkeit gehen sowie um Informationen zu Niederlassungsmöglichkeiten und Kooperationen.

 

Nachwuchs zögerlich gegenüber Allgemeinmedizin trotz Förderprogrammen

Fördermittel allein genügen nicht, um den Mangel an Hausärzt:innen zu beheben

Trotz intensiver Bemühungen von Politik und Selbstverwaltung, den medizinischen Nachwuchs für die Allgemeinmedizin zu begeistern, bleibt die Bereitschaft, eine Hausarztpraxis zu eröffnen, verhalten. Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen, die monatlich bis zu 5.400 Euro für die allgemeinmedizinische Weiterbildung bereitstellen, scheinen die Attraktivität der Allgemeinmedizin nur marginal zu steigern. Ein Report der Robert-Bosch-Stiftung warnt vor bis zu 11.000 unbesetzten Hausarztstellen im Jahr 2035, was die Dringlichkeit des Problems unterstreicht.

Die Zahlen des medizinischen Nachwuchses in der Allgemeinmedizin sind zwar leicht gestiegen, reichen jedoch nicht aus, um den bevorstehenden Mangel an Hausärzt:innen auszugleichen. Neben finanziellen Anreizen gibt es auch Bildungsinitiativen, die junge Mediziner:innen auf eine Tätigkeit in der Allgemeinmedizin vorbereiten sollen. Doch trotz dieser Maßnahmen entscheiden sich immer mehr junge Ärzt:innen für Spezialisierungen oder für Teilzeittätigkeiten statt für eine vollumfängliche Niederlassung als Hausarzt/Hausärztin. Expert:innen fordern daher eine Reform des Medizinstudiums und der Weiterbildungsmaßnahmen, um die Attraktivität der Allgemeinmedizin nachhaltig zu steigern.

 

BMG sieht Risiken im EU-Pharmapaket: Verunsicherung könnte Investitionen bremsen

Kritik an Plänen zur Verkürzung des Unterlagenschutzes und unklaren Kriterien bei seltenen Erkrankungen

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat sich kritisch zu den geplanten Änderungen des EU-Arzneimittelrechts geäußert. In einem Positionspapier betont das Ministerium, dass die vorgesehenen Neuerungen zur Verkürzung des Unterlagenschutzes "beträchtliche Risiken" bergen würden. Während das BMG grundsätzlich die Vereinfachung bürokratischer Prozesse und schnellere Zulassungsverfahren befürwortet, sieht es in der Unsicherheit, die durch die potenzielle Verkürzung des Unterlagenschutzes entsteht, eine Gefahr für die Innovationsfähigkeit der Arzneimittelindustrie. Ein Rückgang der Investitionen könne die Folge sein, so das Ministerium.

Besondere Bedenken äußert das BMG auch im Hinblick auf die Entwicklungen neuer Arzneimittel für seltene Erkrankungen. Obwohl die Grundidee, die Forschung und Industrie in diesem Bereich zu fördern, positiv gesehen wird, mangelt es nach Auffassung des Ministeriums an Transparenz und klaren Kriterien. Insbesondere müssten Begriffe wie ›well-established use orphan products‹ und ›high unmet medical need‹ präziser definiert werden, um unnötige Hindernisse für Hersteller zu vermeiden. Damit rückt das BMG auch die Bedeutung eines klaren und handhabbaren Systems für die Arzneimittelindustrie in den Vordergrund.

 

Schüler:innen nutzen YouTube und Soziale Medien zur Gesundheitsrecherche

Das ist das Ergebnis einer Studie der Barmer Krankenkasse in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen

Schüler:innen zwischen neun und 18 Jahren nutzen vor allem YouTube, Messenger-Dienste und Soziale Medien für ihre Recherchen zu Gesundheitsthemen. Das ergab eine Studie der Technischen Universität München und der Hochschule Fulda in Zusammenarbeit mit der Barmer Krankenkasse. So suchen laut Untersuchung 22 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche auf YouTube nach Gesundheitsinformationen, 21 Prozent nutzen dabei Messenger-Dienste wie Whatsapp, und knapp 19 Prozent suchen auf Plattformen wie Instagram, Facebook und Twitter.

Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, betont, dass junge Menschen digitale Gesundheitskompetenz benötigen, um die Zuverlässigkeit der Informationen zu bewerten. Deshalb habe die Krankenkasse nun ein Projekt initiiert, das Schüler:innen, Lehrkräften und Eltern Material zur digitalen Gesundheitsbildung bereitstellt. »Es ist unsere Aufgabe, junge Menschen fit im Umgang mit Informationsquellen zu machen,« betont Straub. Die Barmer strebt an, jährlich 2.500 Schulen der Sekundarstufe 1 mit dem Projekt zu erreichen, um kontinuierlich Gesundheitsprävention in den Schulalltag zu integrieren.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zwölf Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Interview:

 

›Versorgt am Ort‹ als Unterstützung für die Hausarztpraxis

EinBlick sprach mit Franziska Beckebans über ein wegweisendes Pilotprojekt zur wohnortnahen Versorgung im ländlichen Raum

 

 

Franziska Beckebans

ist seit 2012 für die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) in verschiedenen Positionen in den Bereichen Versorgung und Pflege tätig. In ihrer derzeitigen Position als Leiterin des Bereichs Kundenmanagement und Versorgung obliegt ihr das Versorgungs- und Dienstleistungsangebot der SBK. Bevor sie zur SBK wechselte, war die Gesundheitsökonomin Geschäftsstellenleiterin der Gesundes Kinzigtal GmbH.

 

 

Frau Beckebans, was verbirgt sich hinter dem Namen VERAH am Ort?
Unser Projekt soll insbesondere die Versorgungslage in unterversorgten ländlichen Regionen verbessern. Ursprünglich hieß es VERAH am Ort, aber da VERAH – Versorgungsassistent:in in der Hausarztpraxis – ein geschützter Begriff für eine Ausbildung beim Hausärzteverband ist, heißt es jetzt Versorgt am Ort. Ich finde den aktuellen Namen sehr passend, weil die Versorgungsassistent:innen zunächst für die Hausarztpraxis bzw. für Hausbesuche ausgebildet sind. Versorgt am Ort ist eine Ergänzung, da es sich um eine ortsnahe Betreuung und Grundversorgung in bestehenden Räumlichkeiten handelt, die von den Assistent:innen übernommen wird, wenn keine Ärzt:innen vorhanden sind. Ältere oder eingeschränkt mobile Menschen profitieren so von kürzeren Fahrstrecken. Aufgrund der demographischen Situation wird dies in Zukunft noch wichtiger sein als heute.

Warum ist die Versorgung in der Fläche besonders herausfordernd und wo setzt das Projekt an?
Die hausärztliche Versorgung ist besonders in den ländlichen Regionen gefährdet. Bei uns handelt es sich um das Streutal in Unterfranken, hier startet das Projekt. Noch ist die Versorgung im Tal zwar gesichert, aber perspektivisch wird sie immer schlechter: In den nächsten Jahren werden nur noch drei von aktuell acht Hausarztpraxen vorhanden sein. Ob sich Nachfolger:innen finden, ist unklar. Wenn ältere Personen oder auch Eltern mit Kindern sehr weite Strecken fahren müssen, um medizinisch versorgt zu werden, ist das ein Thema, das alle betrifft. Jeder möchte an einem Ort wohnen, in dem ärztliche Leistungen vorhanden sind. Deshalb haben sich die Verantwortlichen im Streutal frühzeitig Gedanken gemacht, damit es nicht zu Abwanderung und Unterversorgung kommt.

Welche Aufgaben übernehmen die Assistent:innen vor Ort und was obliegt Ärzt:innen?
Die VERAHs übernehmen arztentlastende und delegierte Aufgaben bei der Sicherstellung der Patientenbetreuung, beispielsweise die Versorgung von Wunden, den Verbandswechsel, die Anamnese und die Messung von Vitaldaten oder Blutzucker. Das Assistenzpersonal ist zu festen Zeiten vor Ort und mit entsprechender Kommunikationstechnik ausgestattet, um bei Bedarf die Niedergelassenen im Umkreis hinzuziehen. Ärztinnen entscheiden weiterhin über Diagnose, Therapie und Medikation. Die Assistent:innen unterstützen beim Erstellen der Versorgungspläne und beim Fallmanagement. Weil sie mit den Patient:innen sprechen und ihre Sorgen beziehungsweise Lebenssituation gut kennen, haben sie gegebenenfalls einen umfassenderen Blick auf die Patient:innen und sehen nicht nur eine Momentaufnahme eines speziellen Problems.

Wie kann man sich zur VERAH Fachkraft ausbilden lassen?
Dabei handelt es sich um eine Zusatzausbildung für MFA und andere medizinische Fachberufe. Diese gibt es als Kompaktseminar oder auch in einzelnen Modulen mit 200 Einheiten, inklusive einem Präsenz- und Praxisteil. Angeboten wird die Ausbildung vom Institut für hausärztliche Fortbildung im Hausärzteverband, weitere Infos findet man unter www.verah.de.

Wo startete das Projekt und wer steht dahinter bzw. finanziert es?
Gestartet sind wir im unterfränkischen Streutal in der Rhön; getragen und weiterentwickelt wird das Projekt von der Streutal-Allianz aus elf Gemeinden, die auf verschiedenen Ebenen im ländlichen Raum und auch für den Bereich Gesundheit agieren und kooperieren. Die Zusammenarbeit erfolgt mit engagierten Heimatunternehmen aus der Rhön sowie weiteren Netzwerken vor Ort, der Universität Bayreuth und dem Zentrum für Telemedizin in Bad Kissingen. Insbesondere die telemedizinische Konsultation wird immer wichtiger werden und soll hier durch Zentren von außerhalb eingebracht werden. Zudem sind Ärzteverbände, die KV, das Landratsamt und andere Institutionen involviert, neben uns als SBK. Finanziert wird das Projekt vom bayerischen Staatsministerium, das dafür eine Förderzusage von knapp einer halben Million Euro gegeben hat.

Welche Perspektiven hat das Projekt nach Ablauf der Pilotphase?
Wir hoffen, dass sich die Versorgung durch die Praxen schon heute verbessert und darüber hinaus auch künftig sichergestellt werden kann. Die Menschen hier sollen sich gut versorgt fühlen. Wir möchten zudem die Ärzteschaft entlasten und einen Anreiz bieten, dass sich junge Ärzt:innen in der Fläche ansiedeln, weil sie ein Konzept sehen, das ihnen hilft und sie nicht nur mit Arbeit überflutet. Zusätzlich beinhaltet das Projekt eine Aufwertung des MFA-Berufs mit der Weiterbildung zur VERAH.

Wichtig ist natürlich die Evaluierung des Projekts. So soll eine Studie die medizinische und wirtschaftliche Eignung dieser Art der Versorgung nachweisen, damit sie später in den vorhandenen Strukturen abgebildet werden kann und abrechenbar wird. Wir hoffen, dass das Projekt zum Selbstläufer wird, das dann andere Regionen mit ähnlichen Strukturen übernehmen. Noch ein Benefit: In den von den VERAHs genutzten Räumen können sich weitere medizinische Dienstleister ansiedeln und zu einer Art Gesundheitszentrum zusammenwachsen, eine Podologin hat sich bereits dazu entschlossen.


Startup-Telegram

 

Midge Medical hält mobile, miniaturisierte Tests für eine schnelle Diagnostik bereit. Die einfach durchzuführende Blutentnahme inklusive Testung kann beim Arzt, in der Apotheke oder zu Hause durchgeführt werden. Das zwei Zentimeter kleine Gerät wird per Smartphone ausgelesen, die Werte werden digital übermittelt. Das Angebot umfasst neben Blutparametern auch Biomarker und molekulare Tests. https://www.midgemedical.com/de

DasLab hat eine Interoperabilitätsplattform auf Basis des Datenstandards FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources) entwickelt. Über diese digitale Infrastruktur für die medizinische Diagnostik kommen Labore, Gesundheitsdienstleister und Patient:innen direkt miteinander in Kontakt, unnötige Tests sollen damit vermieden werden. https://daslab.health/de

Eine diagnostische Schnelltest-Plattform für die In-vitro-Diagnostik bietet Abionic an. Basierend auf Nanotechnologie wird eine Patientenprobe variabler Körperflüssigkeiten in fünf Minuten auf mehr als ein Dutzend Biomarker untersucht. Das handliche Gerät kann überall eingesetzt werden und ermöglicht schnelle klinische Entscheidungen. https://abionic.com/fr/contact


Meldungen

 

Potenzial von Telemonitoring ungenutzt

Telemedizinische Gesellschaft bemängelt Gesetzesentwurf

Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) kritisiert den Referentenentwurf zum Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (Digital-Gesetz – DigiG) und betont die darin ungenutzten Chancen auf eine verbesserte Versorgung durch Telemonitoring.

In ihrer Stellungnahme bemängelt die DGTelemed das Fehlen klarer Ansätze zur Stärkung des Telemonitorings, wodurch eine wichtige Gelegenheit zur Verbesserung der Versorgung durch Digitalisierung vergeben werde. Die Gesellschaft plädiert für eine Neubewertung des Telemonitorings als Prozess anstelle einer neuen medizinischen Methode, um so die Integration dieser wichtigen Technologie zu erleichtern.

Die DGTelemed betont die Bedeutung des Telemonitorings als Instrument zur digital gestützten Verlaufskontrolle von chronisch kranken Patient:innen und unterstreicht, dass eine engmaschige Überwachung mit Hilfe von Telemonitoring Ärzt:innen in die Lage versetzt, bequem von zu Hause gemessene Vitalwerte ihrer Patient:innen kontinuierlich in Echtzeit überwachen und nutzen zu können, um diese optimal zu betreuen. Dies habe nicht nur positive Auswirkungen auf die Ressourceneffizienz, sondern auch auf die Lebensqualität der Patient:innen.

Die Verfasser:innen bedauern, dass der Referentenentwurf diese Chance zur Stärkung des Telemonitorings nicht erkenne und somit chronisch kranken Patient:innen eine vielversprechende Versorgungsform vorenthalten werde. Die DGTelemed weist darauf hin, dass bis zu zehn Millionen Menschen in Deutschland unter chronischen Erkrankungen leiden, bei denen eine kontinuierliche Beobachtung des Krankheitsverlaufs essenziell ist.

 

KBV-Krisensitzung drängt auf politisches Handeln

Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen fordern Rettung bedrohter Praxen

Bei einer Krisensitzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen einstimmig Forderungen zur Rettung der ambulanten Versorgung verabschiedet.

Zur Krisensitzung waren sowohl die Mitglieder der 17 regionalen Vertreterversammlungen sowie der beratenden Fachausschüsse der KBV als auch Vertreter:innen der Berufsverbände aus den Praxen eingeladen. Der Gesetzgeber wurde aufgefordert, dringend notwendige Schritte einzuleiten, um den drohenden Zusammenbruch einer Vielzahl von Praxen zu verhindern. Der Forderungskatalog umfasst dabei eine tragfähige Finanzierung, das Ende der Budgetierung, die zügige Umsetzung der Ambulantisierung, sinnvolle Digitalisierung, Bürokratieabbau und eine verstärkte Weiterbildung in den Praxen. Die KBV-Vertreterversammlung hat den Forderungskatalog einstimmig verabschiedet und erwartet bis zum 13. September 2023 eine klare Stellungnahme des Bundesgesundheitsministers dazu.

»Budgets auf der einen Seite und Rund-um-die-Uhr-Leistungsversprechen auf der anderen passen einfach nicht zusammen. Apropos Versprechen: Auch die Ambulantisierung und ein Bürokratieabbaupaket hatte die Bundesregierung vollmundig angekündigt – bisher ist davon rein gar nichts zu sehen«, sagt Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.

»Was wir brauchen, ist ein Praxiszukunftsgesetz, das die erforderlichen Investitionen der Praxen in ausreichend getestete, nutzerfreundliche und funktionstüchtige Technik kostendeckend absichert«, fordert KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner. Die Ärzteschaft sei Treiber der Modernisierung und nicht ihr Bremser, wie es immer wieder kommuniziert werde, betont sie.

 

Arztbriefgenerator

Natural Language Processing (NLP) für den medizinischen Bereich

Ein neues Whitepaper vermittelt, wie Künstliche Intelligenz (KI) das Schreiben von Arztbriefen vereinfachen kann. Die Forscher:innen zweier Fraunhofer Institute sowie von Universitäten aus NRW zeigen darin aktuelle Entwicklungen und Möglichkeiten dokumentenbasierter Prozesse im medizinischen Bereich auf, von denen einige bereits eingesetzt werden.

Da Arztbriefe in Texten verfasst werden und medizinische Daten vermehrt in dieser Form vorliegen, sind automatisierte Textverarbeitungslösungen eine sinnvolle und zeitsparende Alternative zur manuellen Durchführung. Beim NLP, einer Kombination aus Algorithmen und KI, werden Informationen aus Texten extrahiert und in strukturierter Form zur Verfügung gestellt. Dieser Vorgang ermöglicht neben der Erzeugung von Arztbriefen auch anschließende Prozesse wie Qualitätssicherung, klinische Entscheidungsunterstützung, Abrechnung und Statistik.

Die Universitätsmedizin Essen soll im Jahr 2024 einen Prototyp des NLP-gestützten Arztbriefgenerators bei der Erstellung von Entlassbriefen testen. Jeder automatisch entstandene Text wird durch die Mediziner:innen kontrolliert und ggf. ergänzt oder geändert. Zusätzlich sollen leicht verständliche Erklärungen die Patient:innen in die Behandlung einbeziehen.

Das Whitepaper beschäftigt sich ferner mit Large Language Models wie ChatGPT. Derartige Modelle werden künftig multimodal eingesetzt und sollen Bilder, Tabellen sowie weitere Daten mit dem Ziel verarbeiten, Personal zu entlasten und Behandlungsprozesse zu verbessern. Realisiert werden die Anwendungen durch das Fraunhofer Healthcare-Analytics-Team innerhalb des Projekts SmartHospital.NRW. Neben der Universitätsmedizin Essen als Konsortialführerin sind die Fraunhofer-Institute IAIS und MEVIS, die RWTH Aachen, die TU Dortmund und zwei Softwareanbieter beteiligt.


Bemerkt

 

 

»Mit unserem KI-Aktionsplan wollen wir dem deutschen KI-Ökosystem neue Impulse geben, um den rasanten Entwicklungen Rechnung zu tragen. Unser Ziel ist, dass Deutschland und Europa in einer Welt – ›Powered by AI‹ – eine Spitzenposition einnehmen können. «

Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung bei der Vorstellung des Aktionsplans Künstliche Intelligenz. Auch das Gesundheitswesen soll mit diesem Plan gefördert werden.
Insgesamt sind Investitionen von über 1,6 Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode geplant.

 

 


Empfehlung

 

Strategische und taktische Vorgehensweisen für Angriff und Verteidigung im digitalen Zeitalter

›Die Kunst des Cyberkrieges‹, verfasst von Peter Kestner, ist ein Buch, das sich mit den vielfältigen Aspekten und Strategien des modernen Cyberkrieges auseinandersetzt. Der Autor ist Experte auf dem Gebiet der Cybersicherheit und beleuchtet die komplexe Welt der digitalen Konflikte. Das Buch wirft einen kritischen Blick auf die Balance zwischen der Notwendigkeit, staatliche Interessen zu schützen, und den potenziell negativen Auswirkungen von Cyberoperationen auf die Privatsphäre und die grundlegenden Rechte von Individuen.

Kestner behandelt Themen wie Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und die Auswirkungen von Cyberoperationen auf nationale Sicherheit, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Buch gewährt Einblicke in die Methoden und Techniken, die von Staaten, Organisationen und Hackern genutzt werden, um digitale Angriffe durchzuführen oder sich davor zu schützen. Dabei analysiert der Autor Fallstudien vergangener Cyberangriffe und ihre Auswirkungen auf politische Beziehungen zwischen Staaten. Auch der ethische Aspekt des Cyberkrieges und die Frage der Verantwortlichkeit bei digitalen Konflikten werden thematisiert.

Weitere Informationen finden Sie hier https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-40058-3


Zuletzt:

 

Hautkrebsrisiko steigt durch Klimawandel

Die positiven Auswirkungen von Sonnenschein auf unsere Stimmung sind bekannt, da er die Serotoninproduktion anregt. In Deutschland hat die UV-Strahlenbelastung aufgrund der Klimaveränderungen erheblich zugenommen, was auch das Hautkrebsrisiko ansteigen lässt. Laut Kaufmännischer Krankenkasse (KKH) haben im letzten Jahr 31 Prozent mehr Menschen die Diagnose ›Schwarzer Hautkrebs‹ erhalten als noch im Jahr 2012. Auch der ›Weiße Hautkrebs‹ (Basalzell- und spinozelluläres Karzinom) nimmt zu. Die Krankenkasse verzeichnet bei ihren Versicherten einen Anstieg von Hautkrebserkrankungen um etwa 60 Prozent zwischen 2012 und 2022.

Dermatologinnen und Dermatologen betonen die Dringlichkeit der Prävention, wie das Vermeiden von Sonnenbaden in der Mittagszeit, das Nutzen schattiger Stellen im Freien und das Tragen schützender Kleidung. Besonders gefährdet seien Menschen mit heller Haut, Sommersprossen, vielen Pigmentflecken, hellem Haar und familiärer Vorbelastung. Die Früherkennung spielt eine entscheidende Rolle in der Hautkrebsbekämpfung. »Allerdings nehmen nur wenige Menschen das Hautkrebs-Screening in Anspruch, obwohl die Erkrankungsraten steigen«, sagt Aurelia Tegtmeyer, Fachärztin bei der KKH. Ab dem 35. Lebensjahr haben gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose Untersuchung. Verdächtige Hautveränderungen sollten sofort ärztlich abgeklärt werden, um frühzeitig Vorstufen oder Frühstadien von Tumoren zu erkennen und behandeln zu können.

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