Berlin-Chemie Newsletter vom 30. Juni 2022

Berlin-Chemie Newsletter vom 30. Juni 2022

Interview:

  • »Ich freue mich einfach auf den Kongress«
    EinBlick sprach mit vier Referent:innen vom 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker

Kurzstrecke:

  • G-BA überarbeitet DMP bei Typ-2-Diabetes
    Änderungen betreffen Empfehlungen zur Arzneimitteltherapie und Stärkung der Gesundheitskompetenz

  • Neues Fachmagazin für Digitalisierung und moderne Praxisorganisation
    Informationen zum Umdenken für das gesamte Praxisteam

  • Neue Finanzprognose befeuert Debatte um mehr Geld für Krankenkassen
    Institut für Gesundheitsökonomik spricht von 25 Milliarden Euro Defizit

  • Digitale Innovationen im Diabetesmanagement
    Konferenz in Barcelona informierte über Trends und Technologien

Young Health:

  • Wie das Datennutzungsgesetz die gesundheitliche Versorgung verbessern kann
    EinBlick sprach mit Sophie Marie Meiser Managerin Government Affairs bei Stryker

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Zi-Trendreport
    Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen zeig(t)en hohe Einsatzbereitschaft in der Pandemie

  • Forschungsprojekt untersucht Vorteile des stationären Markts
    Vor-Ort-Apotheke vs. Onlinehandel

  • Pandemie in Afrika
    Wissenschaftler:innen untersuchen Infrastruktur

  • NRW-Kongress Telemedizin 2022
    Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für das Telemonitoring



Interview

 

»Ich freue mich einfach auf den Kongress«

EinBlick sprach mit vier Referent:innen des 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker

 

Pia Maier

ist Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Internetmedizin. Sie ist Specialist Digital bei Medtronic Governmental Affairs. Zuvor war sie von 2008 bis 2020 bei Berlin-Chemie für Strategisches Gesundheitsmanagement zuständig.

Pia Maier wird am 6. September das ›Herstellerforum Erfahrungsaustausch DiGA‹ moderieren.

 


Dr. Christian Möhlen

ist Rechtsanwalt und Head of Legal and Public Affairs Germany bei KRY.

Dr. Christian Möhlen ist am 7. September mit einem Kurzvortrag und in der Diskussion zum Thema ›Gekommen, um zu bleiben: Telemedizin‹ zu hören.

 

 


Laura Wamprecht

ist Managing Director bei Flying Health. Mit dem Innovationsnetzwerk begleitet sie große und kleine Unternehmen auf dem Weg ins Gesundheitswesen 2.0.

Laura Wamprecht wird am 7. September die Kurzvorträge mit anschließender Diskussion zum Thema: ›Digitale Forschung – Fast forward für digitale Lösungen‹ moderieren.

 


Sebastian Vorberg

ist Fachanwalt für Medizinrecht und Inhaber der Kanzlei Vorberg.Law in Hamburg. Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit engagiert sich Sebastian Vorberg als Vorstandssprecher des Bundesverbands Internetmedizin und ist selbst Förderer innovativer Projekte im Bereich der Digitalisierung der Medizin.

Sebastian Vorberg wird am 7. September einen Kurzvortrag zum Thema: ›Digitale Forschung – Fast forward für digitale Lösungen‹ halten und das Panel ›Gekommen, um zu bleiben: Telemedizin‹ moderieren.

 

Sie können die Interviews als ›EinBlick – nachgefragt‹ hier als Podcast hier anhören: https://t1p.de/ke98c

 

Frau Maier, Sie arbeiten mit am Programm des 17. Kongresses für Gesundheitsnetzwerker, und zwar auf der Strecke der Internetmedizin. Was wären denn aus Ihrer Sicht für unsere Hörer:innen die Highlights im Programm?
Pia Maier: Wir werden wieder einen Erfahrungsaustausch der DiGA-Hersteller auf dem Kongress organisieren, sodass wir einige Hersteller bitten, hier öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen. Es ist einiges passiert seit dem letzten Kongress. Und wir möchten natürlich wieder gute Lösungen für digitale Produkte vorstellen, also Beispiele, die als DiGA oder andere Medizinprodukte auf dem Markt sind, sodass man sehen kann, was tatsächlich schon geht. Und wir wollen auch auf die digitale Forschung eingehen. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um mit Daten interessante Ergebnissen zu generieren und in der Forschung voranzukommen. Auch dazu wird es ein Panel geben.

Sie hatten beruflich viele Jahre mit dem Kongress für Gesundheitsnetzwerker zu tun. Wie schätzen Sie die Bedeutung dieses Kongresses ein, was schätzen Sie an dem Kongress?
Pia Maier: Der Kongress ist insofern ein echter Netzwerkerkongress, als sich hier Menschen treffen, die ein Interesse daran haben, auch andere Bereiche kennenzulernen. Deswegen war dieser Kongress schon vor Jahren in der Lage, auch die digitalen Themen offen und zugewandt zu diskutieren, während sich andere Kongresse entweder allein auf die technische Seite konzentriert haben, oder diese Themen eher als Gefahr angesehen haben. Der Netzwerkerkongress zeichnet sich wirklich durch diese Offenheit für Neues, durch Offenheit für Kooperation und für Kollaboration aus, und ich bin überzeugt davon, dass er das auch in diesem Jahr wieder unter Beweis stellen wird.

Herr Dr. Möhlen, Sie nehmen teil am Panel ›Gekommen, um zu bleiben –Telemedizin‹. Meine Frage: Wie kann diese die Versorgung ändern?
Dr. Christian Möhlen: Ich glaube, dass es, wenn wir den richtigen Weg der Digitalisierung einschlagen, ein enormes Verbesserungspotenzial der ohnehin schon sehr guten Versorgung in Deutschland mit Blick auf die Zukunft gibt, weil wir in der Lage sind, mit Videosprechstunden oder auch Telemonitoring den Patient:innen ermöglichen, über lange Distanzen bestimmte medizinische Behandlungen zu erhalten, ohne in die Praxis kommen zu müssen. Und umgekehrt wird es für die Ärzt:innen durch die richtige Anwendung einiger dieser digitalen Möglichkeiten sehr viel leichter sein, in Zukunft Patient:innen zu behandeln, indem sie Zugriff auf Daten haben, für die sonst in der Vergangenheit die Patient:innen notgedrungen in die Praxis hätten kommen müssen.

Herr Vorberg, wir haben zurzeit die Debatte um das E-Rezept und die e-AU und viele andere Dinge. Wenn wir jetzt einmal den Blick nach vorne richten: Wo sehen Sie die digitale Gesundheitsversorgung in fünf Jahren?
Sebastian Vorberg: Wir werden fünf bis zehn Jahre breite Diskussionen über Grundstandards und Ermöglichungsfähigkeiten haben. Da sehe ich keine große Entwicklung. Eigentlich hatten wir nach dem DVG und dem ganzen Corona-Boom so einen Stoß in die Breite, und damit hat es sich verloren. Ich hoffe, dass wir wieder innovative Spitzen bekommen.

Die Ampelkoalition hat ihren Koalitionsvertrag betitelt: Mehr Fortschritt wagen. Wo fordern Sie mehr Fortschritt im Gesundheitswesen von der Regierung?
Sebastian Vorberg: Ehrlich gesagt ist das hoffnungslos. Wir werden jetzt nicht auf die Politik warten, bis die uns vernünftige Vorgaben macht. Wenn wir darauf warten, dann haben wir die Innovation verschlafen. Ich hoffe einfach nur, dass die Regierung es nicht kaputt macht.

Frau Wambrecht, Digitalisierung im Gesundheitswesen beinhaltet auch den Aspekt, dass die Forschung digitale Wege einschlägt. Wo stehen wir hier?
Laura Wamprecht: Ich glaube, wir stehen da eigentlich noch relativ am Anfang. Wir haben zwar schon ein paar Möglichkeiten, einige Projekte auch wirklich durchzuführen, die sehr spannend sind. Aber gerade bei der Vielzahl von Forschungsprojekten bleiben wir in Deutschland einfach hinter unseren Möglichkeiten zurück. Und ein Grund dafür ist aus meiner Sicht, dass wir eigentlich die Infrastruktur, vor allem für den digitalen Datenaustausch, noch gar nicht gewährleistet haben. Da müssen wir schauen, wie wir da besser werden und noch besser zusammenarbeiten können?

Was für Erwartungen haben Sie an den Kongress jenseits des Panels, bei dem Sie selber dabei sind?
Laura Wamprecht: Ach, ich freue mich einfach auf den Kongress. Ich freue mich darauf, wieder mit so vielen Leuten in den Austausch zu kommen. Und was ich an dem Kongress sehr schätze, ist, dass man dort eine Community hat, die sehr divers zusammengesetzt ist. Es ist ein Kongress, der verschiedene Stakeholder einbindet, der einen branchenübergreifenden Austausch ermöglicht, und das in einer sehr vertrauten Atmosphäre. Und ich bin gespannt darauf, welche Themen sich auch weiterentwickelt haben in den letzten Jahren.


Kurzstrecke

 

G-BA überarbeitet DMP bei Typ-2-Diabetes

Änderungen betreffen Empfehlungen zur Arzneimitteltherapie und Stärkung der Gesundheitskompetenz

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat Mitte Juni Aktualisierungen beim Disease Management Programm (DMP) bei Diabetes Typ 2 beschlossen. Die Änderungen betreffen die Empfehlungen zur Arzneimitteltherapie, den Umgang mit Begleit- und Folgeerkrankungen sowie Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Der aktuelle Beschluss hat auch Auswirkungen auf die DMP-Vertragspartner. Innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Beschlusses müssen die laufenden DMP-Verträge, die zwischen Krankenkassen, Arztpraxen und Krankenhäusern bestehen, an die neuen Anforderungen angepasst werden.

»Patientinnen und Patienten mit Typ 2-Diabetes können sich darauf verlassen, im DMP nach dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens behandelt zu werden. Das ist möglich, weil der Gemeinsame Bundesausschuss regelmäßig die geltenden Anforderungen überprüft und sie bei Bedarf anpasst«, sagt Karin Maag, unparteiisches Mitglied des G-BA. »Gestützt haben wir uns hierbei ganz wesentlich auf die Bewertung der medizinischen Leitlinien durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.« In Deutschland nutzen rund 4,7 Millionen gesetzlich Versicherte, die an Typ 2-Diabetes erkrankt sind, ein DMP-Programm.

 

Neues Fachmagazin für Digitalisierung und moderne Praxisorganisation

Informationen zum Umdenken für das gesamte Praxisteam

Das neue Fachmagazin ›praxismanagement heute‹ informiert Ärzt:innen und das gesamte Team in der Praxis über Themen der Digitalisierung, der Praxisorganisation und über aktuelle Studien. Veröffentlicht wird es vom E-Health Unternehmen Doctolib und dem Medienunternehmen MedTriX, dem Herausgeber von ›Medical Tribune‹ und ›Arzt & Wirtschaft‹. Beiden Unternehmen ist es wichtig, nicht nur Ärzt:innen, sondern jedes Teammitglied einer Praxis sprachlich sowie thematisch anzusprechen.

Das im Juni erstmals erschienene Magazin wurde kostenfrei an alle Niedergelassenen in Deutschland verschickt und ist auch als e-Paper verfügbar. Die Beiträge fokussieren sich auf Arbeitsabläufe, Kommunikation und Verwaltung in den Praxen – angereichert mit Erfahrungsberichten plus Tipps. Neue Tools wie Videosprechstunden und Online- Terminbuchung erfordern ein Umdenken. Sie ermöglichen zudem neue Prozesse, die vermehrt auf die Bedürfnisse der Patient:innen eingehen und dem drohenden Fachkräftemangel begegnen.

 

Neue Finanzprognose befeuert Debatte um mehr Geld für Krankenkassen

Institut für Gesundheitsökonomik spricht von 25 Milliarden Euro Defizit

Eine neue Prognose des Instituts für Gesundheitsökonomik (IfG) zeigt: Den Krankenkassen könnten im kommenden Jahr rund 25 Milliarden Euro fehlen. Der GKV- Spitzenverband ging noch vor kurzem von einem Defizit von rund 17 Milliarden Euro aus. In die Berechnungen des IfG sind jedoch die Kosten infolge der steigenden Inflation bereits mit eingeflossen.

»Die Inflation lässt in Praxen und Kliniken die Ausgaben steigen, während die Aussichten für den Arbeitsmarkt im Herbst eher schlecht sind«, sagt Günter Neubauer, Geschäftsführer des IfG. In diesem Kontext fordern die Krankenkassen mehr Steuermittel vom Bund. Der Vorstandsvorsitzende der DAK Gesundheit, Andreas Storm, sagt:
»Lauterbach muss jetzt gemeinsam mit dem Bundesfinanzminister den 70 Millionen Versicherten die Frage beantworten, ob und wie er den drohenden Beitragstsunami noch verhindern will.« Laut Storm würde die Branche auf den angekündigten Gesetzesentwurf zur Stabilisierung der Finanzen der gesetzlichen Kassen bereits seit drei Monaten warten. Auch Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, forderte mehr finanzielle Stabilität.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach stellte am 28. Juni die Eckpunkte seiner GKV-Finanzreform vor. In unserem EinBlick-Podcast thematisieren wir die
Eckpunkte sowie die Reaktionen darauf. Sie können ab 1. Juli 2022 den EinBlick-Podcast hier anhören www.einblick-newsletter.de.

 

Digitale Innovationen im Diabetesmanagement

Konferenz in Barcelona informierte über Trends und Technologien

Bereits zum 15. Mal tagte die internationale Diabetes-Konferenz ›Advanced Technologies & Treatments for Diabetes‹ (ATTD). Präsent in Barcelona waren unter den mehr als 4000 Teilnehmer:innen auch die Mitglieder des Zukunftsbords Digitalisierung (zd). Sie stellten ihre Tagungs-Highlights auf der Fortbildungsplattform Berliner-Akademie.de vor. Dort gibt es eine on-demand verfügbare Sendung mit Interviews und Diskussionen über besonders relevante Entwicklungen für die Praxis.

Neue Technologien sollen das Leben für Menschen mit Diabetes erleichtern. Die Anwendung von Continous-Glucose-Monitoring (CGM) und Automated-Insulin-Delivery (AID) Systemen wird immer breiter. So wurden sowohl die Anwendung von CGM- Systemen in Krankenhäusern als auch der Wunsch nach einem Standard für diese Messsysteme diskutiert. Neu ist die Erkenntnis, dass Patient:innen mit einer schlechten glykämischen Kontrolle besonders von AID-Systemen profitieren: Die Technik hilft dabei, bessere Therapieentscheidungen zu treffen. Für Menschen ohne eine Insulinpumpentherapie sind dagegen vernetzte Insulinpens eine gute Alternative.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Young Health

 

Wie Gesundheitsdatenutzung die gesundheitliche Versorgung verbessern kann

EinBlick sprach mit Sophie Meiser, Managerin Government Affairs bei Stryker

 

Sophie Marie Meiser

ist Managerin Government Affairs beim Medizintechnologieunternehmen Stryker. Sie ist studierte Politologin mit Fokus auf Gesundheitspolitik. Nach Stationen im Bundesministerium für Gesundheit, bei Bayer und dem europäischen Medizintechnikverband MedTech Europe ist sie seit April 2021 bei Stryker in Deutschland tätig.

 

 

 

 

Frau Meiser, was macht Stryker genau?
Stryker ist ein amerikanisches Medizintechnologieunternehmen. In Deutschland sind wir aber auch präsent. Wir haben wichtige Produktions- und Forschungsstandorte u.a. in Freiburg und Kiel. Unser Produktportfolio reicht von Implantaten und einem robotischen Assistenzsystem in der Endprothetik, über Pflegetechnologien hinzu Produkten für den Rettungsdienst. Strykers Fokus liegt damit hauptsächlich auf dem Krankenhaussektor bzw. auf der Rettungsdienstkette, also bevor Patient:innen ins Krankenhaus kommen. Es ist unsere Mission, gemeinsam mit unseren Kund:innen die Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Welches Thema ist für Sie inhaltlich relevant?
In meiner Rolle als Managerin Government Affairs betrachte ich das politische Umfeld sowie die bestehenden Gesetze und Gesetzesinitiativen, die jetzt anstehen. Aktuell liegt ein Fokus meiner Arbeit auf dem im Koalitionsvertrag vereinbarte Gesundheitsdatennutzungsgesetz. Wir schauen gespannt, was hier jetzt seitens der Politik passieren wird. Wir wissen, dass für Anfang nächsten Jahres ein Entwurf geplant ist. Als forschendes Medizintechnologieunternehmen sehen wir in einer solchen Gesetzesinitiative großes Potenzial für eine bessere Patient:innen-Versorgung. Es geht darum, die Daten für den Patienten oder die Patientin zu nutzen.

Wie würde Stryker die Nutzung von Daten genau helfen? Können Sie ein Beispiel nennen?
Gesundheitsdaten können dazu verwendet werden, Krankheiten vorzubeugen, diese frühzeitig zu erkennen und passgenau zu behandeln. Ihre Nutzung ermöglicht uns schnelle und effektive Produktentwicklungen und -verbesserungen und sichern damit eine bedarfsgerechte Patient:innen-Versorgung auf einem qualitativ und technisch hohen Niveau. Gesundheitsdaten sind sensibel. Der Datenschutz darf dabei in keiner Weise kompromittiert werden.

Das Thema Technologien in der Pflege beschäftigt Sie ebenfalls. Wie kann die Pflege von neuen Technologien profitieren?
Wir haben einige Technologien, bei denen Pflegende im Krankenhaus Anwender:innen sind oder und davon indirekt profitieren. Zum Beispiel ein Krankenbett, das automatisch das Gewicht eines Patienten oder einer Patientin misst und der Pflegekraft diese Informationen zukommen lässt. Das ist ein smartes Krankenbett. Daran kann man gut sehen, wie die Pflege durch Technologien entlastet werden kann. Ohne smartes Bett müsste die Patientin oder Patient aus dem Bett gehoben werden. Die körperliche Belastung, die Pflegende erfahren, wird dabei eingedämmt. Außerdem ist es auch eine Prozess-Frage. In dieser Zeit kann die Pflegekraft andere Aufgaben übernehmen, sich zum Beispiel mehr um die Patient:innen kümmern. So können Technologien körperliche und mentale Belastungen verringern, aber auch den Prozess optimieren. Wenn wir über die Begegnung des Fachkräftemangels und attraktivere Arbeitsbedingungen in der Pflege diskutieren, sollten wir auch die Rolle der Technologie als Teil der Lösung mitdenken.


Startup-Telegram

 

In dieser Ausgabe stellen wir Start-ups vor, die Menschen mit Einschränkungen unterstützen. Die Anwendung ›Kontakt‹ von der Seracom GmbH aus Stuttgart ist eine augengesteuerte Kommunikationstechnologie für Menschen mit Behinderungen. Über diese Technik wird der Gesprächskontext mithilfe von KI analysiert, anschließend werden entsprechende Antwortvorschläge angeboten. So können die Menschen wieder Kontakte aufbauen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. http://www.seracom.de

Die ›EiS-App‹ der Wörterfabrik für unterstützte Kommunikation aus Hamburg beinhaltet ein digitales Wörterbuch. Damit können Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen und ihre Angehörigen spielerisch einen Grundwortschatz der deutschen Gebärdensprache (DGS) erlernen. https://www.eis-app.de/

Die munevo GmbH aus München hat eine intelligente Brille für Menschen mit mobilitätseinschränkenden Behinderungen entwickelt, die deren Kopfbewegungen über integrierte Sensoren erkennt. So unterstützt sie unter anderem Querschnittsgelähmte bei unterschiedlichen Tätigkeiten wie der Fortbewegung mit einem Rollstuhl oder der Bedienung von Computern, Mobiltelefonen bzw. Smart-Home-Systemen. https://www.munevo.com

 


Meldungen

 

Zi-Trendreport

Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen zeig(t)en hohe Einsatzbereitschaft in der Pandemie

Der jüngste Trendreport des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) beleuchtet die Entwicklung der vertragsärztlichen Leistungen bis zum Ende des Jahres 2021. Fakt: Der Einsatz der Ärzt:innen und Therapeut:innen unter Pandemiebedingungen war hoch.

Für den neuen Trendreport wurden aggregierte Informationen aus den Abrechnungsdaten von 16 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen im Zeitraum Q1/2019 bis Q4/2021 übermittelt. Die Auswertung der Daten bezog sich dabei auf die Frage, wie sich die Fallzahlen, die Anzahl der abrechnenden Ärzt:innen und die Häufigkeit bestimmter Leistungen im Hinblick auf vorangegangene Jahre verändert haben.

Im Gegensatz zum stationären Bereich verzeichnete die ambulante Versorgung im Pandemiejahr 2021 im Vergleich zu 2019 ein leichtes Plus von 0,9 Prozent. Insgesamt bewegten sich die Fallzahlen mit realem Kontakt bei den Hausärzt:innen um 0,6 Prozent über den Ausgangswerten von 2019, während sie bei den Kinderärzten mit -3,1 Prozent unter den Werten vor der Pandemie lagen. Die Ärzt:innen haben sich trotz aller Einschränkungen verstärkt der Prävention gewidmet: Bei der Darmkrebsvorsorge, dem Mammographie-Screening und den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder gab es mehr Fälle als 2019 (+4,3 Prozent, +3,9 Prozent, +1,8 Prozent). Nur das Hautkrebsscreening und die DMP-Schulungen schnitten mit einem Minus von je 10 Prozent schlechter ab als im Jahr 2019.

Für diese starke Versorgungsleistung, die zusätzlich in hohem Umfang durchgeführten Impfungen und die psychotherapeutischen Leistungen sprach der Zi- Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried den über 183.000 niedergelassenen Ärz:tinnen und Psychotherapeut:innen seinen Dank aus. Für ihn bleibt die Arztpraxis der zentrale Ort des Gesundheitsschutzes. Mit den vermehrten telefonischen Beratungsleistungen und Videosprechstunden, die sich aktuell auf einem Niveau von 180.000 bis 300.000 Konsultationen pro Monat bewegen, liefern die Praxen auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung.

 

Forschungsprojekt untersucht Vorteile des stationären Markts

Vor-Ort-Apotheke vs. Onlinehandel

Welche Vorteile bieten Vor-Ort-Apotheken gegenüber Apotheken, die ausschließlich online arbeiten? Diese Frage plant das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen mit Hilfe eines neuen Forschungsprojekts zu beantworten.

Im Mittelpunkt der Apotheken-Forschung steht ein System, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Durch KI wollen die Forscher:innen mögliche Vorteile von Vor-Ort-Apotheken herausfinden. Zum einen gehen sie der Frage nach, wie Kundenbedürfnisse bedient werden können, ohne unnötig viele und womöglich teure Medikamente auf Lager halten zu müssen. Auf der anderen Seite analysieren die Wissenschaftler:innen, welche Lösungen es gibt, ohne Fachpersonal mit Routineaufgaben, wie beispielsweise Bestellungen und Bestandsüberprüfungen, zu belasten. Effizient wären laut den Expert:innen jene Apotheken, die ihre zukünftigen Bedarfe möglichst genau kennen, mit den eigenen Beständen abgleichen sowie daraufhin entsprechende Bestellungen auslösen würden. Im besten Falle liefe dieser Prozess automatisiert ohne große Mehrarbeit der Mitarbeitenden. Bei solchen Prozessabläufen könnte Künstliche Intelligenz helfen, denn dadurch sei es möglich, automatisiert optimale Entscheidungen zu treffen.
 
Das Projekt ›KIBA – KI-basierte Bestandsplanung für Apotheken‹ soll mit einer KI- basierten Prognose den Bedarf an einzelnen Medikamenten vorhersagen. Dabei würden sowohl saisonale Komponenten als auch wiederkehrende Muster, wie beispielsweise die regelmäßige Abnahme bestimmter Medikamente durch Stammkunden, berücksichtigt. Ein mathematisches Optimierungsmodell verbindet in dieser Versuchsanordnung anschließend diese Prognose mit anderen Voraussetzungen, unter anderem der Lagergröße, und liefert so den Apotheken die optimale Bestellentscheidung. Auf diese Weise könnten Kundenbedarfe direkt bedient und gleichzeitig die Kapitalbindung durch Waren im Lager niedrig gehalten werden.

Das Forschungsprojekt ›KIBA – KI-basierte Bestandsplanung für Apotheken‹ läuft von 2022 bis 2024 und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und dem Bayerischen Verbundforschungsprogramm (BayVFP) – Digitalisierung gefördert.

 

Pandemie in Afrika

Wissenschaftler:innen untersuchen Infrastruktur

Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, wie das Verhalten von Menschen dazu beitragen kann, eine Pandemie einzudämmen. Eingehaltene Hygiene- und Abstandsregeln sind dabei elementare Faktoren. Doch diese können durch fehlende Infrastruktur nicht überall auf der Welt gleichermaßen angewendet werden. Ein Team aus Forscher:innen der ETH Zürich und des Schweizerischen Tropen- und Public Health- Instituts hat nun in Afrika untersucht, in welchen Ländern es an grundlegender Infrastruktur dafür fehlt.

Die Analyse zeigt: In einigen afrikanischen Ländern fehlt es den Haushalten an einfachster Infrastruktur, die notwendig wäre, um Abstandsregeln einzuhalten. So müssen zum Beispiel Trinkwasserentnahmestellen oder Toiletten häufig mit anderen Haushalten geteilt werden. Außerdem leben Familien teilweise in einem einzigen Raum. »Wir sehen, dass zur Pandemiebekämpfung nicht nur die Gesundheitssysteme ausgebaut und ein gerechterer Zugang zu Impfstoffen gewährleistet werden muss, sondern unbedingt auch mehr in private Infrastruktur investiert werden sollte«, sagt Isabel Günther, ETH- Professorin für Entwicklungsökonomie und eine der Studienleiterinnen. Zwischen den 34 afrikanischen Ländern, welche die Forschenden untersucht haben, gibt es allerdings große Unterschiede. Die Situation in Westafrika, wie etwa in Nigeria, ist deutlich herausfordernder als beispielsweise in Namibia. Aber auch innerhalb eines Landes unterscheidet sich die Lage oft stark von Region zu Region. So gibt es etwa in Südafrika einen größeren Infrastrukturmangel in den nordöstlichen Regionen. Zudem fehle nicht überall die gleiche Infrastruktur. Während sich in Benin viele Haushalte sanitäre Anlagen mit mehreren Haushalten teilen müssen, mangelt es in Äthiopien in erster Linie an privaten Transportmöglichkeiten.

Für ihre Analyse nutzten die Forschenden Daten aus Haushaltsbefragungen durch die jeweiligen nationalen Statistikinstitute. Insgesamt wurden 273.000 Haushalte befragt. Aus den Daten haben die Forschenden zunächst sechs Faktoren ermittelt, die für die Einhaltung von Abstandsregeln wichtig sind. Dazu zählen etwa die Anzahl der Bewohner:innen pro Zimmer, Trinkwasser im eigenen Haushalt oder der Besitz eines Mobiltelefons, um auch auf Distanz kommunizieren zu können. „Unsere Ergebnisse können Regierungen dabei unterstützen, zielgerichtet in bestimmten Regionen zu investieren und etwa Informations- und Impfkampagnen durchzuführen, oder die fehlende Infrastruktur auszubauen und damit zur Pandemiebekämpfung und -prävention beizutragen“, sagt Jürg Utzinger, Direktor des Swiss TPH und Mitautor. Die Berechnungen können nun auf einer interaktiven Karte eingesehen werden.

 

NRW-Kongress Telemedizin 2022

Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für das Telemonitoring

Im Juni beschäftigte sich der NRW-Kongress Telemedizin unter dem Motto ›Telemonitoring – zeitgemäß versorgen‹ mit der Frage, ob die derzeitigen Rahmenbedingungen für das Telemonitoring zur aktuellen Versorgung passen. Der Kongress fand als Onlineformat der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed e. V.) und des Zentrums für Telematik und Telemedizin (ZTG GmbH) mit rund 200 Teilnehmer:innen statt.

Auch wenn das Telemonitoring im Bereich Herzinsuffizienz als medizinische Anwendung bei Krankenkassen seit Anfang dieses Jahres abrechenbar ist, steht es für allgemeine Erkrankungen wie COPD oder Diabetes noch nicht zu Verfügung. Für diese und andere chronische Erkrankungen wäre es jedoch ein digitaler Durchbruch - insbesondere als Zukunftsmodell für die Hausarztpraxis im ländlichen Raum.

Die Anzahl von chronisch Erkrankten und deren Wunsch nach tagesaktueller Überwachung steigen. Doch eine verlässliche Betreuung kann die Präsenzmedizin nicht leisten. Durch das Telemonitoring könnte hier ein gesundheitsökonomischer Nutzen generiert werden, wenn es in der Fläche angeboten würde und die Rahmenbedingungen für die Ärzt:innen passen. Noch aber gibt es zu viele Barrieren, wie beispielsweise den hohen zeitlichen Aufwand bei gleichzeitig geringer Vergütung, die diesbezüglich fehlende Ausbildung der Praxisteams und technische Probleme mit Schnittstellen oder der Telematikinfrastruktur (TI).

Die telemedizinische Versorgung ist jedoch vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen und des Fachkräftemangels ein sinnvoller Weg. In der Herzinsuffizienz- Betreuung wurden damit bereits große Erfolge erzielt: Neben deutlich niedrigerer Mortalität reduzierten sich auch Hospitalisierungen und Behandlungskosten. Deshalb fordern Telemediziner:innen klare Richtlinien und Vergütungsstrukturen – und daneben einen erleichterten Zugang zur Telemedizin und zum Telemonitoring.


Bemerkt

 

 

»Ich plädiere dringend dafür, noch vor der Sommerpause die Weichen zu stellen, sonst setzt sich die Politik unter erheblichen Druck.«

 

Dr. med. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband im Interview mit der ›Neuen Osnabrücker Zeitung‹ (NOZ).

Der Ärzteverband mahnt schnellere Corona- Beschlüsse für den Herbst an.

 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Studie zeigt Daten zu lebensbedrohlichen Erkrankungen von Kindern

Wie viele Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von lebensbedrohlichen und lebensverkürzenden Erkrankungen betroffen? Erstmals hat die Humboldt-Universität zu Berlin dazu geforscht und repräsentative Zahlen herausgegeben. So entwickelten die Wissenschaftler:innen Prof. Dr. Sven Jennessen und Dr. Nadja Melina Burgio vom Institut für Rehabilitationswissenschaften Daten zur Häufigkeit von Diagnosen lebensbedrohlicher und lebensverkürzender Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter bis 19 Jahren in Deutschland.

Hierfür arbeiteten sie mit dem GKV-Spitzenverband und dem Institut für angewandte Gesundheitsforschung Berlin GmbH (InGef) zusammen. Die Studie entstand im Rahmen des Projekts ›PraeKids‹ in Kooperation mit der Stiftung des Kinderhospizes Regenbogenland in Düsseldorf, welche das Projekt maßgeblich gefördert hat. Grundlage der Studie sind Behandlungsdiagnosen, die in den Abrechnungsdaten der Krankenkassen dokumentiert sind. Um diese auszuwerten, griffen die Wissenschaftler:innen auf ICD-10- Kodierungen zurück, die der amtlichen Klassifikation für Diagnosen dienen. Gemeinsam mit Palliativmediziner:innen der Kinder- und Jugendmedizin erarbeiteten sie eine Liste an Kodierungen, anhand derer sie die Prävalenz bestimmten, also die Häufigkeit der diagnostizierten lebensbedrohlichen und lebensverkürzenden Erkrankungen.

Hier kommen Sie zur direkt zur Studie: https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/25451


Empfehlung

 

Podcast: ›Wie künstliche Gehirne die Robotik der Zukunft prägen könnten‹

›Deep Learning‹, ›Quanten-Computing‹ und ›Künstliche Intelligenz‹ sind nur drei Fachwörter, die in der aktuellen Folge des Podcast ›TUCscicast‹ erläutert werden. Prof. Dr. Florian Gunter Röhrbein von der Technischen Universität Chemnitz gibt einen Einblick in seine aktuelle Forschungen im Bereich Schnittstellen zwischen Mensch und Technik.
Darüber hinaus spricht er über die Ziele des Human Brain Projekts, in dem im Auftrag der Europäischen Kommission der Wissensstand über das menschliche Gehirn zusammengefasst und in Computermodelle übertragen werden soll. Die TU Chemnitz präsentiert seit 2018 im Podcast ›TUCscicast‹ aktuelle Forschung an der TU Chemnitz. Zu Wort kommen Forscher:innen, die im Gespräch über ihre Arbeit und ihre Erkenntnisse berichten.

Hier können Sie die aktuelle Folge anhören: https://www.tu-chemnitz.de/tu/pressestelle/tucscicast.php


Zuletzt:

 

Wechsel beim Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg):

Melanie Wendling ist neue Geschäftsführerin

Nachdem Ex-Chef Sebastian Zilch ins Bundesministerium für Gesundheit gewechselt ist, hat den Chefinnenposten nun Melanie Wendling übernommen. Die Journalistin und Rechtswissenschaftlerin war zuletzt als Abteilungsleiterin Gesundheit und Rehabilitation bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung tätig. Davor arbeitete sie als persönliche Referentin von Bundesministerin Ulla Schmidt und Bundesminister Philipp Rösler im Bundesministerium für Gesundheit. Im Anschluss wechselte sie zu Telekom Healthcare Solutions, wo sie die Politik und Verbandsvertretung verantwortete.

»Die Digitalisierung des Gesundheitswesens hat in den letzten Jahren rasant an Tempo gewonnen. Ich freue mich sehr darauf, diesen Wandel zusammen mit dem Team des Bundesverbandes Gesundheits-IT aktiv mitzugestalten – zum Wohle der Patient:innen und als vernehmbare Stimme der IT-Anbieter in Deutschland«, sagte Wendling.

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