Berlin-Chemie Newsletter vom 29. April 2021

Berlin-Chemie Newsletter vom 29. April 2021

Interview:

  • Unterstützung von Doctolib: Terminvergabe beim Impfen
    EinBlick sprach mit Eugenia Levine über das Berliner Pilotprojekt

Kurzstrecke:

  • Plattform zur kontinuierlichen Überwachung von SARS-CoV-2-Mutationen
    Neue Plattform von verschiedenen Instituten entwickelt

  • Zurück zu den Grundrechten
    Digitaler Impfpass soll noch vor den Sommerferien kommen

  • Wohlbefinden von Kindern leidet im Lockdown
    Neue Studie aus Leipzig bestätigen psychische Probleme

  • Pflegebedürftige sind mit der Begutachtung des MDK zufrieden
    Neue Ergebnisse einer bundesweiten Versichertenbefragung

  • Innovationen für bessere Versorgung durch Krankenkassen?
    Veranstaltungsreihe des BKK-Dachverbandes

  • Cloudbasierte Lösungen im Gesundheitswesen auf dem Vormarsch
    Microsoft akquiriert Nuance

Young Health:

  • Digitale Plattform für das Entlassmanagement
    EinBlick sprach mit Maximilian Greschke über die digitale Optimierung der Gesundheitsversorgung

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Patient:innenumfrage
    Darauf achten die Deutschen bei der Arztsuche

  • Chronische Beschwerden
    Forscher:innen untersuchen, warum Symptome langwierig werden

  • G-BA nimmt Stellungnahmen entgegen
    Versicherteninformation für Tests, um Trisomien zu erkennen

  • Studienlage ist dünn
    Gesünder und schlanker werden durch Apps

  • Beitragserhöhungen in der GKV
    Gewährt die Pandemie nur einen Aufschub?


Ihre Stimme ist gefragt:

Welchen Einfluss hat der digitale Wandel während und nach der Pandemie?

Neue digitale Diagnostik- und Therapieverfahren, sowie die fortschreitende Vernetzung von Leistungserbringern bieten große Chancen, den Versorgungsalltag besser und effizienter zu gestalten. In der ersten Befragung von Expert:innen im Gesundheitswesen haben wir Ende 2019 Ihre Einschätzung und Erwartungen in Bezug auf die digitale Transformation in der ärztlichen Praxis erfasst.

Wir bitten Sie um Ihre Einschätzung, wie tief die Digitalisierung im Gesundheitswesen bereits verankert ist, oder ob sie nur unter dem Druck der Krise eine vorübergehende Bedeutung erfährt. Wird uns das, was sich jetzt bewährt, auch langfristig weiter begleiten?
Unterstützen Sie unsere Befragung und profitieren Sie im Nachgang von den Ergebnissen.

Hier können Sie an der Befragung teilnehmen: https://fihc.gesundheitsnetzwerker.de/erhebung-zum-stand-der-digitalisierung-2021


Interview

 

Unterstützung von Doctolib: Terminvergabe beim Impfen

Einblick sprach mit Eugenia Levine über das Berliner Pilotprojekt

 

 

 

Eugenia Levine

ist Head of Healthcare Institutions bei Doctolib in Deutschland und zuständig für Public Affairs sowie für Partnerschaften. Zuvor sammelte sie Erfahrung in Public Affairs und Kommunikation in der Gesundheitsbranche. Sie war in verschiedenen Funktionen in Berlin, Brüssel und Leverkusen in der Abteilung für globale Gesundheitspolitik und Kommunikation bei der Pharma-Division der Bayer AG tätig. Zudem beriet sie bei der internationalen Kommunikationsberatung MSL Germany diverse Pharma- und Gesundheitsunternehmen.

 

In Berlin startete mit Doctolib das erste Pilotprojekt zur Online-Terminvergabe für Impftermine. Wie genau funktioniert das?
Unsere Softwarelösung ist in Berlin seit dem 27. Dezember 2020 im Einsatz, also seit dem ersten Tag der Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland. Zuvor hatte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Doctolib im Ergebnis eines offiziellen Wettbewerbs als Partner für die digitale Koordination von Impfterminen in der Hauptstadt ausgewählt. Von Beginn an unterstützen wir neben den sechs Berliner Impfzentren auch 40 mobile Impfteams. Etwas später kamen mehrere Krankenhäuserhinzu und zuletzt auch zahlreiche Arztpraxen, die seit Anfang April in die Impfkampagne eingebunden sind.

Patient:innen ermöglichen wir eine einfache und übersichtliche Online-Buchung und -verwaltung ihrer Impftermine. Diese werden in den jeweiligen Gesundheitseinrichtungen effizient gesteuert, um eine optimale Auslastung zu gewährleisten. Die gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation an das Robert Koch-Institut erfolgt ebenfalls mithilfe unserer Software. Nicht zuletzt digitalisieren wir die Kommunikation zwischen Gesundheitseinrichtungen und Patient:innen – sei es für Terminerinnerungen oder die Aufklärung rund um die Impfung.

Wie wird das Pilotprojekt in Berlin angenommen?
Bei der Impfkampagne handelt es sich um ein organisatorisch hochkomplexes Großprojekt, das ein Zusammenspiel verschiedenster öffentlicher und privater Partner erfordert. Der Beitrag von Doctolib besteht darin, in der Online-Terminsteuerung Prozesse zu vereinfachen und die beteiligten Akteure zu entlasten.

Allerdings stellen zahlreiche Elemente unser Team vor ganz neue Herausforderungen: Wir haben es mit wesentlich dynamischeren Rahmenbedingungen zu tun, als es in einem normalen Produktumfeld der Fall wäre. Neue regulatorische Vorgaben müssen mitunter innerhalb kürzester Zeit in der Software umgesetzt werden. Gerade in den ersten Monaten der Impfkampagne erforderten die jeweilige Liefersituation und die Impfstoffverfügbarkeit viele Anpassungen in den Abläufen. Je nach Impfstoff bedarf es außerdem unterschiedlicher Kettentermine, die innerhalb vorgegebener Zeitintervalle gebucht werden müssen. In einer äußerst volatilen Lage und bei einem signifikant erhöhten Informations- und Koordinationsbedarf muss unser Team daher im Zusammenspiel mit allen Partnern sehr schnell agieren. Das zieht natürlich einen insgesamt höheren Entwicklungsaufwand nach sich.

Mittlerweile verzeichnen wir in Berlin jedoch mehr als 2,1 Millionen Terminbuchungen über unsere Software. Durchschnittlich 40 Prozent davon wurden direkt durch die Patient:innen online gebucht. Mit einem Anteil von 8,4 Prozent vollständig geimpften Berliner:innen, gemessen an der Gesamtbevölkerung (Stand 23.4., 9.20 Uhr), liegt die Hauptstadt im bundesweiten Vergleich auf dem zweiten Platz.

Können auch Praxen in anderen Bundesländern die Terminvergabe beim Impfen für die Corona-Schutzimpfung nutzen?
Selbstverständlich. Doctolib sichert allen Arztpraxen in Deutschland seine Unterstützung zu und hilft mit, den Covid-19 Fallzahlen entgegenzuwirken. Hierfür hat unser Team ein Tool zur Impfkoordination entwickelt, das speziell auf die Bedürfnisse im ambulanten Umfeld abgestimmt ist. Es baut auf dem langjährigen Know-how von Doctolib in der Zusammenarbeit mit mittlerweile 150.000 Gesundheitsfachkräften europaweit auf.

Impfberechtigte Patient:innen können mit unserem Impfmodul ihre Impftermine rund um die Uhr eigenständig online buchen und verwalten. Auch der zweite Termin wird im zeitlich passenden Abstand automatisch vom System vergeben. Kurz vor ihren jeweiligen Impfter- minen erhalten die Patient:innen automatische Terminerinnerungen per SMS. So kommt es zu weniger Terminausfällen und Leerzeiten in den Praxen. Zudem wird das Telefon- aufkommen deutlich gesenkt, das die Ärzt:innen aktuell vor Herausforderungen stellt.

In Frankreich wird Doctolib flächendeckend zur Impfterminvergabe genutzt. Wie läuft das?
In Frankreich ist Doctolib seit Mitte Januar 2021 offizieller Partner der Zentralregierung. Seitdem treibt unser Team tagtäglich gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Kommunen, den Regionen sowie mit öffentlichen und privaten Partnern und Leistungserbringern die französische Impfkampagne voran. Bis heute haben wir im gesamten Land etwa 1.800 Impfzentren und 30 sogenannte ›Vaccinodromes‹ mit unserer Impfsoftware ausgestattet. Zudem arbeiten wir in allen Regionen mit zahlreichen impfenden Allgemeinmediziner:innen zusammen. Seit kurzem wirken in Frankreich auch Apotheken an der Impfkampagne mit und zählen zu unseren Kooperationspartnern.

Bis dato verzeichnen wir dort mehr als 18 Millionen Terminbuchungen über Doctolib, wobei die Onlinebuchungsrate durch die Patient:innen zuletzt bei über 50 % lag. Unser Ziel ist es – in Frankreich wie auch in Deutschland – den Zugang von Patient:innen zur Impfstoffversorgung so schnell und einfach wie möglich zu gestalten.


Kurzstrecke

 

Plattform zur kontinuierlichen Überwachung von SARS-CoV-2-Mutationen

Neue Plattform von verschiedenen Instituten entwickelt

Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Instituten (RKI, HPI, EVBC, MHH) entwickelten eine neue Plattform zur molekularen Überwachung des Corona-Spike-Proteins, auf das die meisten Impfstoffe abzielen. Der CovRadar soll insbesondere Virolog:innen und Epidemiolog:innen Sequenzinformationen übersichtlich und in Echtzeit zur Verfügung stellen, damit diese auf Mutationen schnell und effizient reagieren können.

Die Plattform verbindet einen Analyseprozess mit einer Web-Anwendung, um mehr als eine Million Sequenzen und Daten zu visualisieren. Die Ergebnisse sind über eine interaktive App auswertbar. Vielfältige Filteroptionen ermöglichen Analysen in Echtzeit oder retrospektiv. Gleichzeitig zeigt eine Deutschlandkarte die Verbreitung der Mutationen in verschiedenen Regionen an. CovRadar ist frei zugänglich unter: https://covradar.net/ und wird unter anderem vom Krisenstab des Robert Koch-Instituts (RKI) genutzt.

 

Zurück zu den Grundrechten

Digitaler Impfpass soll noch vor den Sommerferien kommen

Laut Regierungskreisen soll ein digitaler Impfpass jeder Person noch vor dem Sommer ermöglichen, einen vollständigen Impfschutz unkompliziert über eine Smartphone-App nachzuweisen. Bestimmte Grundrechte wie Reisen sind so wieder durchführbar. Die Speicherung der Zertifikate erfolgt dezentral auf Smartphones. Alternativ gibt es einen Eintrag im analogen Impfpass mit zusätzlichem Papierausdruck der digital einlesbaren Impfbescheinigung als QR-Code.

Die Entwicklung erfolgt transparent und mit offenen Quellen, traditionelle Verschlüsselungstechniken schützen die sensiblen Daten. Neben IBM sind ein Start-up, ein IT-Dienstleister und ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von zehn IT- Dienstleistern der öffentlichen Hand beteiligt.

Der digitale Impfpass soll kostenfrei von Arztpraxen und Impfzentren ausgestellt werden. Aktuell wird diskutiert, ob überstandene Corona-Infektionen wie ein vollständiger Impfschutz gewertet werden dürfen; Forschungen sollen dies zeigen. Eine Kompatibilität mit dem EU-weit anerkannten Covid-Zertifikat wird angestrebt, die Regeln dafür sollen zwölf Monate gelten.

 

Wohlbefinden von Kindern leidet im Lockdown

Neue Studie aus Leipzig bestätigen psychische Probleme

Kinder sind nur selten von ernsten Verläufen von COVID-19 betroffen, leiden aber unter den Maßnahmen der Kontaktbeschränkungen. Insgesamt ist das physische wie auch das psychische Wohlbefinden von Kindern niedriger als im Jahr vor der Pandemie. Das sind zentrale Ergebnisse der LIFE Child-Studie der Leipziger Universitätsmedizin. »Kita- und Schulschließungen sowie Kontaktverbote zur Eindämmung der Corona-Pandemie treffen vor allem die Jüngsten unserer Gesellschaft«, sagt Dr. Mandy Vogel, Wissenschaftlerin am Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen.

Die Expert:innen fanden heraus, dass sich Kinder und Jugendliche deutlich mehr um die Gesundheit ihrer Familien als um ihre eigene sorgten. Außerdem ist der Anteil der befragten Kinder, die glauben, dass es nie wieder wird wie vor der Pandemie, von Ende März bis Ende April 2020 von sieben auf 16 Prozent gestiegen. In diesem Zeitraum vervierfachte sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in ihrer Freizeit keinen Kontakt zu Gleichaltrigen hatten. Die Erkenntnisse der Studie, wie sich die Maßnahmen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirken, helfen laut den Expert:innen dabei, zukünftige Maßnahmen besser an die Bedürfnisse vo Familien anzupassen.

Dr. Tanja Poulain, ebenfalls Wissenschaftlerin am Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen, fordert: »Es werden Konzepte benötigt, die die Infektionsgefah minimieren, ohne gleichzeitig Bildungschancen und Wohlbefinden zu gefährden.«

 

Pflegebedürftige sind mit der Begutachtung des MDK zufrieden

Neue Ergebnisse einer bundesweiten Versichertenbefragung

Neun von zehn pflegebedürftigen Menschen sind mit der Begutachtung durch die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) zufrieden. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Versichertenbefragung. So erzielten alle Medizinischen Dienste gute bis sehr gute Zufriedenheitswerte. »Die Versicherten attestieren den Medizinischen Diensten ein respektvolles und fachkundiges Auftreten«, sagt Dr. Stefan Gronemeyer, Geschäftsführer vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen.

»Sie sind außerdem mit dem Ablauf der Pflegebegutachtung zufrieden. Das spricht für di hohe Professionalität der Medizinischen Dienste.« Neben dem positiven Feedback war e Wunsch der Befragten, dass auf ihre individuelle Pflegesituation stärker eingegangen würde. Außerdem wünschten sich die Versicherten mehr Beratung und mehr Zeit für die Begutachtung. »Die Befragungsergebnisse sind immer wieder Ansporn, die Serviceorientierung weiter auszubauen«, so Gronemeyer. »Auch was gut ist, kann noch besser werden.«

 

Innovationen für bessere Versorgung durch Krankenkassen?

Veranstaltungsreihe des BKK-Dachverbandes

Den Innovationsfonds gibt es seit dem Jahr 2016. Er soll gesetzliche Krankenkassen motivieren, die Patient:innenversorgung zu verbessern. Eine Studie bescheinigt dem Fonds hohe Akzeptanz. Laut Zwischenbericht 2019 »lassen die geschaffenen Strukturen und Prozesse generell Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Versorgung erwarten«. Bisher wurden jedoch erst wenige Projekte abschließend vom Innovationsausschuss beim G-BA bewertet, aktuell laufen 461 Verfahren. Verworfen wurde ein zahnärztliches Projekt zur »unterstützenden Intensivprophylaxe für Kinder unter Narkose«, da es keine Verbesserungen brachte.

Aktuell zeigt eine Veranstaltungsreihe des BKK-Dachverbandes, dass kleine Betriebskrankenkassen häufig besonders einfallsreich sind, wenn es um Innovationen geht. Zunächst wurde ein Projekt zur Erleichterung des Pflegealltags präsentiert. »Halt geben« beinhaltet Maßnahmen und Reformansätze in der Aus- und Weiterbildung sowie der Personaleinsatzplanung, um den Pflegekräften den Arbeitsalltag zu erleichtern.
Insgesamt werden in der Reihe 17 weitere Projekte vorgestellt.

 

Cloudbasierte Lösungen im Gesundheitswesen auf dem Vormarsch

Microsoft akquiriert Nuance

Microsoft plant, das Spracherkennungsunternehmen Nuance Communications noch im Jahr 2021 für knapp 20 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Nuance gilt als Pionier für Künstliche Intelligenz (KI) und Spracherkennung, rund 55 Prozent der Ärzt:innen und 75 Prozent der Radiolog:innen in den USA verwenden dessen Technologien. Die Software zeichnet unter anderem Gespräche mit Patient:innen auf und integriert diese in elektronische Gesundheitsakten, um die Dokumentation zu erleichtern. Weitere Produkte sind Serviceangebote, die auf Microsoft Azure basieren, beispielsweise eine klinische Spracherkennung für Radiologieberichte. Erst kürzlich integrierte Nuance das Start-up Saykara, das die automatisierte ärztliche Patient:innendokumentation durch KI und einen mobilen Sprachassistenten vereinfacht.

Mit der Übernahme will Microsoft seine branchenspezifischen ›Healthcare-Cloud‹-Angebote verstärken, um seine Reichweite im Gesundheitsmarkt auszubauen. Dort dringen auch andere Softwaregiganten wie Google und Amazon mit intelligenten Lösungen verstärkt vor.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


young health

 

Digitale Plattform für das Entlassmanagement

 

 

Maximilian Greschke

studierte Volkswirtschaft in der Schweiz und gründete Recare im Januar 2017, seitdem ist er Geschäftsführer des Unternehmens. Daneben war er bei Gründungen an Veyo, Delivery und Delighto beteiligt. Internationale Erfahrungen machte er am Harvard College und in Nanyang (Computer Science). Seit 2017 gehört er der Bundesfachkommission für Digital Health (Wirtschaftsrat der CDU e. V.) an.

 

 

 

Was war der Auslöser, Recare zu gründen?
Während meiner Tätigkeit bei der Delivery Hero AG habe ich Marktplätze für Essenslieferungen weltweit aufgebaut. Über meine Frau, die als Ärztin in der Neurologie arbeitet, und meine Schwiegermutter – Pflegedienstleitung bei einem ambulanten Pflegedienst – erfuhr ich in Gesprächen, welche Problematik die Patientenüberleitung mit sich brachte. Meine Idee war es, dieselben logistischen Vorteile einer digitalen Plattform auf die Herausforderungen in diesem Bereich, dem Entlassmanagement, anzuwenden.

Wie verbessert die Plattform die Versorgung und Vernetzung?
Patient:innen erhalten nach einem Klinikaufenthalt schneller eine Anschlussversorgung. Somit verringert sich die Verweildauer durch bessere Überleitungsprozesse. Recare ermöglicht einen verschlüsselten, datenschutzkonformen Nachrichten- und Datenaustausch zwischen Krankenhäusern und nachsorgenden Einrichtungen. Ferner gibt es eine Echtzeitübersicht der Überleitungsfälle und eine vollständige Dokumentation, unter anderem für die MDK-Prüfung.

Weil Mitarbeiter:innen nicht mehr stundenlang telefonieren müssen, um eine passende Nachversorgung zu organisieren, bleibt mehr Zeit für die Betreuung der Patient:innen. Unsere Plattform enthält ein bundesweites Netzwerk in den verschiedensten Versorgungsbereichen, in manchen Regionen mit bis zu 90 Prozent aller präqualifizierten Versorger. Die Plattform kann ohne Integration verwendet werden, lässt sich aber auch mit niedrigem Aufwand über HL7-Standards in KIS-Systeme integrieren.

Wo nutzen Sie künstliche Intelligenz zur Prozessverbesserung?
Mittels KI-basierten Algorithmen sorgt Recare für optimale Überleitungsprozesse. Das spart Kosten im Gesundheitssystem, hilft Krankenhäusern dabei, ihre Prozesse zu optimieren, und gewährleistet eine nahtlose Versorgung für alle Patient:innen.

Eine der größten Herausforderungen im klinischen Prozess ist der fristgerechte Start des gesamten Entlassmanagementprozesses mit einem sinnvoll geplanten Entlassdatum. Der Gesetzgeber hat im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes genau dieses Problem aufgegriffen und die Vorhersage des optimalen Datums, basierend auf künstlicher Intelligenz, aktuell förderfähig gemacht. So bieten wir unseren Kunden die Vernetzung mit den nachgelagerten Leistungserbringern an.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
Über eine innovative Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können Patient:innendaten sicher übertragen werden. Die Daten werden ausschließlich pseudonymisiert zum Match mit den jeweiligen Nachversorgern genutzt. Auf Basis dieser Technologie können papierlose Anträge und Verordnungen als strukturierte Datensätze an die ersten gesetzlichen Krankenversicherungen übertragen werden. Unser ausgereiftes ISMS (Information Security Management System) wurde bereits mehrfach von Krankenhausträgern und gesetzlichen Krankenkassen auditiert und bestätigt.

Aktuell befinden wir uns im Prozess der ISO27001 Zertifizierung und hoffen, diese bis zum Ende des Jahres 2021 zu erhalten.

Bitte beschreiben Sie die aktuellen Erweiterungen der Plattform
Sanitätshäuser und Homecare-Unternehmen erhalten über uns neue Versorgungsanfragen von Krankenhäusern und Kostenträgern. Alle gängigen Homecare- Fachbereiche sowie das gesamte GKV-Hilfsmittelverzeichnis sind abgedeckt und können vom Anwender seitens der Krankenhäuser innerhalb weniger Klicks durchsucht bzw. angegeben werden. So wollen wir einerseits Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen einen vollumfassenden, simplen, sicheren und digitalen Prozess im Entlass- und Überleitungsmanagement bieten. Auf der anderen Seite wollen wir Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser bei ihrer Organisation bestmöglich unterstützen, indem wir neben der Vermittlung eine transparente und gut dokumentierte Übersicht bieten.

Neuerdings können auch Unternehmen der Krankenbeförderung – von Mietwagen bis KTW – über Recare Patientenfahrten erhalten und koordinieren. Krankenhäuser und Kostenträger nutzen die Plattform, um Krankenbeförderungen mit minimalem Aufwand zu organisieren. Die Unternehmen der Krankenbeförderung profitieren von einem großen Angebot verfügbarer Fahrten. Die Funktionalität zur Organisation von Krankenbeförderungen steht allen Leistungserbringern zur Verfügung. Dabei werden sowohl qualifizierte als auch unqualifizierte Fahrten vermittelt – gegebenenfalls mit Einschränkungen, je nach regionaler Regulierung.


Startup-Telegram

 

CyberDoc ist eine Plattform für Telemedizin. Seit März 2021 stellt das Start-up eine zertifizierte Videosprechstunde mit Online-Terminkalender für Arztpraxen, Versorgungszentren und Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung. Daneben bietet das Mutterunternehmen CyberConcept wissenschaftliche Tutorials und Videos mit Gesundheits- und Präventionskursen. In Planung sind eRezept, eKrankschreibung, ein digitales Anamnesetool und eine elektronische Patient:innenakte. https://cyberdoc.de/

Ein Portal für Apotheken und Endverbraucher:innen ist www.schnelltest-apotheke.de. Dahinter steht Konzept A, ein Berater auf dem Apothekenmarkt. Über die Webseite können Testwillige professionelle Covid-19-Schnelltests in Apotheken vor Ort buchen: Terminvergabe, Dokumentation und Testübermittlung laufen datenschutzkonform mit hohen Sicherheitsstandards, das Ergebnis kommt als digitales Zertifikat. Apotheken erhalten technische und organisatorische Beratung sowie Unterstützung, beispielsweise bei der Einrichtung der Teststationen, Schulungen des Personals und eine Zertifizierung.

Eine völlig neue Lösung für Menschen, die zu viel im Sitzen arbeiten, hält das Start-up Standsome bereit. Der Aufsatz, der einen gewöhnlichen Schreibtisch zum Stehschreibtisch umwandelt, hilft, den Rücken zu entlasten. Entwickelt wurde er mit einer Flugzeugingenieurin – die Idee erhielt bereits einige Gründer- und Nachhaltigkeitspreise. Der Holzaufsatz kann dank einfachem Steckprinzip überall aufgebaut werden. Er ermöglicht stabile und individuell höhenverstellbare Arbeitsflächen für die perfekte ergonomische Standposition. Verschiedene Farben und Modelle stehen zur Verfügung. https://standsome.com/

Insbesondere für Frauen hält das Start-up ›Bears with Benefit‹ Nahrungsergänzungsprodukte in Form von Gummibärchen bereit. Gesunde Ernährung soll ohne Zwang oder erhobenen Zeigefinger passieren. Die zum Großteil zuckerfreien oder veganen Produkte werden unter anderem über Drogeriemärkte vertrieben. Für die Community gibt es ein Onlinetool, das Lifestyle, Ernährungsgewohnheiten und weitere Daten abfragt. Auf Basis eines Algorithmus erhalten die Nutzerinnen konkrete, individualisierte Ernährungs- sowie Produktempfehlungen. https://www.bears-with- benefits.com/


Meldungen

 

Patient:innenumfrage

Darauf achten die Deutschen bei der Arztsuche

Rund 1000 Personen wurden via Datapuls zur Digitalisierung im Gesundheitswesen befragt. Die Umfrage versteht sich als langfristiges Barometer für die Patient:innenperspektive. Dabei zeigte sich: Mehr als 90 Prozent suchen Ärzt:innen in Wohnortnähe und folgen häufig persönlichen Empfehlungen.

Die Umfrage des Kommunikationsdienstleisters Socialwave in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Consumerfieldwork fand im Dezember 2020 statt. Sie ergab, dass neun von zehn Deutschen Arztpraxen in der Nähe bevorzugen. 83 Prozent aller Befragten legen dabei Wert auf analoge Empfehlungen durch Freund:innen, Bekannte und Familie. Fast 74 Prozent empfinden eine vertrauensvolle Webseite als hilfreich. Mehr als die Hälfte recherchiert auf Google, 45 Prozent nutzen Arztsuchdienste der Kammern und kassenärztlichen Vereinigungen. Den Bewertungen auf Jameda vertrauen fast 42 Prozent, in der ›Weißen Liste‹ sucht ein Drittel.

Durch die zunehmende Digitalisierung verstärkt sich die Bedeutung der Online- Suchdienste, Webseiten und Google-Bewertungen bei der Entscheidung für neue Arztpraxen enorm. »Online-Kommentare können bei der Arztwahl entscheidend sein«, erklärt Felix Schönfelder, Geschäftsführer von Socialwave. Die Webseiten müssen gepflegt und auffindbar sein. Mehr als die Hälfte der Suchenden legen Wert auf einen seriösen Google-Eintrag mit mindestens vier von fünf Sternen. Praxen, die unabhängig von ihrer medizinischen Leistung wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen dafür sorgen, dass ihre Webseite durch gute Suchmaschinenoptimierung – kurz SEO – oben in der Google-Suche erscheint. Direkt nach Google rangieren die Arztsuchdienste der Ärztekammern und kassenärztlichen Vereinigungen als zweites wichtiges Kriterium bei der Suche nach neuen Arztpraxen.

Insgesamt nahmen 1.005 Bürger:innen im Alter von 19 bis 85 Jahren an der Befragung teil, rund die Hälfte davon war weiblich (498). Das Durchschnittsalter betrug 50 Jahre.

 

Chronische Beschwerden

Forscher:innen untersuchen, warum Symptome langwierig werden

Warum werden Körperbeschwerden bei Erkrankungen chronisch? Das untersucht ab sofort eine Forschungsgruppe unter Leitung des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf (UKE). Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für vier Jahre mit rund 4,6 Millionen Euro gefördert.

Für Betroffene sind chronische Beschwerden bei Erkrankungen belastend und ihre Entstehung ist bisher unzureichend erforscht. Dazu zählen Symptome wie Müdigkeit, Juckreiz oder gastrointestinale Beschwerden. Die UKE-Wissenschaftler:innen und weitere Kolleg:innen untersuchen jetzt bei unterschiedlichen Krankheitsbildern, welchen Einfluss somatische, psychologische und soziale Faktoren auf chronische Körperbeschwerden haben und ob bei verschiedenen Erkrankungen vergleichbare Prozesse stattfinden. So forschen in dem Projekt Wissenschaftler:innen aus verschiedenen medizinischen Disziplinen. »Durch unsere interdisziplinär angelegte Forschung werden wir ein erweitertes Verständnis darüber erzielen, wie genau Körperbeschwerden chronisch werden«, sagt Prof. Dr. Bernd Löwe, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. »Daraus wollen wir zielgenaue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln, die zur Linderung der anhaltenden Beschwerden beitragen können.«

In sieben Einzelprojekten werden insgesamt etwa 4.000 Patient:innen mit zehn verschiedenen Krankheitsbildern untersucht. Gemeinsame Messzeitpunkte und Erhebungsinstrumente sollen einen Vergleich der Ergebnisse über Projekte und Krankheitsbilder hinweg ermöglichen. »Der Vergleich der Chronifizierungsprozesse über verschiedene Erkrankungen hinweg ermöglicht es uns zu verstehen, welche Faktoren krankheitsspezifisch und welche Faktoren krankheitsübergreifend für die Chronifizierung von Körperbeschwerden verantwortlich sind«, so Löwe. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die anhaltenden Krankheitssymptome früh zu erkennen, gezielt zu behandeln und Konzepte für die Prävention zu entwickeln. Langfristig wollen die Forschenden so eine verbesserte medizinische Versorgung und Lebensqualität für Betroffene schaffen.

An dem Projekt sind neben den Wissenschaftler:innen des UKE auch Expert:innen der Klinik für Dermatologie und Venerologie und der Klinik für Psychosomatische Medizin un Psychotherapie der Universität Münster sowie der Abteilung für Klinische Psychologie de Helmut-Schmidt-Universität Hamburg beteiligt.

 

G-BA nimmt Stellungnahmen entgegen

Versicherteninformation für Tests, um Trisomien zu erkennen

Bereits 2019 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass ein Test bei Schwangeren auf Trisomien 13, 18 oder 21 ihres Babys in begründeten Einzelfällen Kassenleistung ist. Nun soll im Sommer den werdenden Müttern vor dem sogenannten nichtinvasiven Pränataltest (NIPT) eine Versicherteninformation vorgelegt werden. Einen ersten Entwurf hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) angefertigt. Ab sofort nimmt der G-BA Stellungnahmen dazu entgegen.

»Der Beschluss eröffnet einen Austausch zu einer Versicherteninformation«, sagt Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses Methodenbewertung. Davon unberührt bleibt der im Herbst 2019 gefasste grundlegende Beschluss, dass ein nichtinvasiver Pränataltest auf Trisomien 13, 18 oder 21 in begründeten Fällen Kassenleistung wird. Neu ist nun, dass Frauen zusätzlich eine Versicherteninformation zur Verfügung gestellt bekommen. Diese müsse Frauenärzt:innen im Beratungsgespräch einsetzen. »Die Frauen erhalten neutrale und ergebnisoffene Informationen über das Wesen, die Bedeutung und die Tragweite der genetischen Untersuchung und deren mögliche Befunde«, sagt Lelgemann.

Die Versicherteninformation erklärt, was genau ein NIPT auf Trisomien 13, 18 oder 21 ist welche Fragen damit beantwortet werden können und welche nicht. Außerdem gibt der Text Auskunft darüber, wie die Testergebnisse zu interpretieren sind und wie zuverlässig der Test ist. Auf Vorschlag einer Patient:innenvertretung wird ins Stellungnahmeverfahre zudem eine Versicherteninformation gegeben, die allgemeine Angaben zu den generell i Deutschland angebotenen Untersuchungen zur Pränataldiagnostik erläutert. Diese ist ebenfalls vom IQWiG erstellt.

Nach aktueller Planung beschließt der G-BA voraussichtlich in seiner öffentlichen Sitzun am 15. Juli 2021 über die Versicherteninformation. Der Beschluss wird anschließend vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) als Rechtsaufsicht geprüft. Es hat dafür zwei Monate Zeit.

 

Studienlage ist dünn

Gesünder und schlanker werden durch Apps

Studien fanden heraus, dass übergewichtige Menschen an einem schlimmeren Corona- Verlauf leiden können. Doch Adipositas ist nicht erst seit der Pandemie ein Problem.

Zahlreiche Ernährungs-Apps versuchen digitale Lösungen gegen Adipositas zu schaffen. Die Studienlage dazu ist allerdings dünn.

Laut dem Robert Koch-Institut sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen ist stark übergewichtig. Neben den bewährten Therapien, wie Ernährungs-, Bewegungs- oder Verhaltenstherapien, bietet der Markt auch einige Apps, die online Therapieangebote schaffen. Die App ›zanadio‹ der
›aidhere GmbH‹ ist die erste digitale Gesundheitsanwendung gegen Adipositas, die seit Oktober 2020 im DiGA-Verzeichnis gelistet ist und von Ärzt:innen verschrieben werden kann.

Das Programm kombiniert Bewegung, Ernährung sowie Verhalten und setzt etablierte Ansätze der Behandlung von Adipositas App-basiert um. »Eine digital durchgeführte Therapie kann vielen Betroffenen einen deutlich leichteren Zugang zu einer wissenschaftlich fundierten Behandlung bei Adipositas bieten«, sagt Neurobiologin Prof. Dr. Annette Horstmann. Sie leitet aktuell die klinische Studie zur Wirksamkeit von zanadio bei Adipositas. Laut der Wissenschaftlerin legt bereits die erste Pilotstudie dar, dass nach Durchführung des Programms eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität eintreten kann. Aus Sicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) gibt es aber noch keine belastbare medizinische Evidenz für zanadio. In ihrer Stellungnahme zur Aufnahme von DiGAs in das DMP Diabetes Typ 2-Programm kann die DDG auch andere digitale Gesundheitsanwendungen, wie Vitadio, mySugr oder Oviva nicht empfehlen.

Oviva ist eine App, bei der Patient:innen passende Ernährungs- und Sportprogramme erstellt bekommen und digital von Ernährungsberater:innen betreut werden. In 2020 hat die Oviva AG das Ausmaß der Gewichtsreduktion bei Adipositas durch Ernährungstherapie mit und ohne Oviva App untersucht. Nach sechs Monaten Therapie haben demnach Teilnehmende mit App signifikant mehr Gewicht verloren als Nutzer:innen, die die App nicht genutzt haben. Doch Kritik kommt von Expert:innen: »Viele Studien zeigen nur Ergebnisse nach wenigen Wochen oder Monaten«, sagt Ernährungswissenschaftlerin Dr. Christina Holzapfel gegenüber dem Handelsblatt. Doch Adipositas-Patient:innen müssten ihr Gewicht über einen längeren Zeitraum halten können.

 

Beitragserhöhungen in der GKV

Gewährt die Pandemie nur einen Aufschub?

Teure Reformen haben das GKV-System in ein strukturelles Defizit gesteuert. Beim Bundestagswahlkampf wird dies pandemiebedingt keine Rolle spielen, doch eine Bitmarck-Analyse erwartet für das Jahr 2022 Defizite bei zwei Dritteln der Kassen – und daraus resultierend weitere Zusatzbeiträge.

Die neue Bitmarck-Studie sorgte für Alarmstimmung bei den gesetzlichen Krankenkassen. Auch wenn im Pandemiezeitraum die Ausgaben geringer bleiben, dürfte sich im Jahr 2022 das Leistungsgeschehen normalisieren. Künftig werden die Ausgaben deutlich stärker steigen, während die durch den Lockdown bedingten Einnahmeschwächen anhalten. Von einem Finanzloch bis zu 17 Milliarden Euro ist die Rede. Ohne Hilfen wird nach der Modellrechnung von Bitmarck Ende 2022 rechnerisch das ganze GKV-System ein durch- schnittliches Negativvermögen von minus 5 Euro je Mitglied aufweisen. Das Negativver- mögen betrifft 67 Prozent der Krankenkassen, also indirekt 55 Prozent der 70 Millionen gesetzlich Versicherten.

Damit das nicht passiert, könnte es bereits Ende 2021, also nach der Bundestagswahl, neue Erhöhungen oder Zusatzbeiträge geben. Laut Bitmarck liegt der GKV-weite durchschnittliche kalkulatorische Zusatzbeitrag zwischen 1,4 und 3,8 Prozent.
Die Chefin der bayerischen Betriebskrankenkassen, Sigrid König, fordert »noch vor dem Herbst 2021 auf die Ausgaben wirkende strukturelle Veränderungen«. Nicht infrage käme eine weitere Erhöhung der Beiträge, die mit durchschnittlich 15,9 Prozent so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik seien.

Aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) kommt ab 2022 finanziell eine echte Herausforderung auf die Kassen und ihre Beitragszahlenden zu. Die drohende Finanzierungslücke für 2022 könne durch einen erhöhten Steuerzuschuss abgemildert werden, so Barbara Steffens, Leiterin der TK NRW.

Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, meinte zur Finanzentwicklung der gesetzlichen Krankenkassen: »Deshalb wäre ein dauerhaft erhöhter Bundeszuschuss der richtige Schritt. Die Bundesregierung ist gefordert, in der Haushaltsplanung entsprechende Mittel einzuplanen.«


Bemerkt

 

 

 

»Letztendlich resultiert die 165 daraus, dass am letzten Montag der Durchschnitts- Inzidenzwert aller 16 Bundesländer bei ungefähr 165 lag.«

Dirk Wiese MdB Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion

auf die Frage, wie es zur Entscheidung kam, die Bundes-Notbremse für Schulen und Kitas bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von 165 – also 165 Covid-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen in einer Woche – einzuführen. Wird dieser Wert überschritten, müssen Schulen und Kitas den Präsenzbetrieb aufgeben.

 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Forscher:innen der Technischen Universität Darmstadt entwickelten in Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen Merck ein Modell für einen papierbasierten Schnelltest, um SARS-CoV-2 spezifische Antikörper nachzuweisen. Sowohl Corona-Schnelltests als auch Schwangerschaftstests basieren auf einer organischen Verbindung namens Nitrocellulose. Diese chemisch modifizierte Zellulose ist schwer biologisch abbaubar und in der Herstellung deutlich aufwändiger und teurer als herkömmliches zellulosebasiertes Papier.

»Deshalb lag unser Fokus darauf, Nitrocellulose durch biologisch abbaubares Papier zu ersetzen«, sagt Professor Harald Kolmar, der den Arbeitskreis für angewandte Biochemie an der Technischen Universität Darmstadt leitet. Antikörper haften jedoch schlecht an Papier, aber sehr gut an Nitrocellulose. So haben die Forscher:innen etwas Neues entwickelt: »Unsere neuartige Technologie basiert auf der Kopplung eines stark Zellulose bindenden Proteins aus Bakterien an Antikörper, wodurch diese auf Papiersubstraten ausgezeichnet anhaften«, so Professor Kolmar. Die Modellexperimente mit einem papierbasierten Schwangerschaftstest und einem Covid-19-Antikörper-Schnelltest wurden im Fachjournal Scientific Reports der Nature Publishing Group veröffentlicht.

Hier finden Sie den kompletten Text: https://www.nature.com/articles/s41598-021-87072-7


Empfehlung

Digitalforum Gesundheit Berlin

Das Portal Gesundheitsstadt Berlin veranstaltet am 21. Mai 2021 das Digitalforum Gesundheit in Berlin. Im Vordergrund steht die Digitalisierung von Kliniken.
Wie gelingt die Digitalisierung der Kliniken in Deutschland? Mit welchen Projekten sollen die Kliniken starten? Welche Investitionsmittel sind erforderlich? Die Erörterung und Beantwortung dieser Fragen stehen im Mittelpunkt des Digitalforums Gesundheit.

Am Digitalforum Gesundheit nehmen in sieben Foren rund 25 maßgebliche Entscheider:innen von Krankenhäusern, Kassen, der Politik und Industrie teil. Es soll künftig jährlich durchgeführt werden. Die Veranstaltung startet um 10 Uhr.

Hier kommen Sie zu den Tickets für die Veranstaltung: https://www.digitalforum-gesundheit.de/teilnahme/anmeldung.html


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Die jüngere Generation für Kunst begeistern: Menarini veröffentlicht Youtube-Videos

Nach dem Erfolg der Menarini Pills of Art, die weltweit 18 Millionen Mal aufgerufen wurden, bringt Menarini nun die „Junior“-Version auf den Weg, in der junge Kunstexpert:innen die Fragen und manchmal unerwartete große Neugierde von Kindern zu den großen Werken der italienischen Renaissance beantworten. Eine unterhaltsamere Art, Kunst zu betrachten, die die großen Meister sicher selbst gebilligt hätten!

Hier finden Sie die Videos:https://www.youtube.com/user/MenariniGroup/playlists?view=50&shelf_id=1

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