Berlin-Chemie Newsletter vom 27. April 2023

Berlin-Chemie Newsletter vom 27. April 2023

Interview:

  • Der Einstieg in die Regionalisierung hat das Potenzial zu echter Systemveränderung
    EinBlick sprach mit Prof. Dr. Lutz Hager über politische Weichenstellungen für eine bessere Versorgung

Kurzstrecke:

  • Innovativer Showroom zum ›Smart Hospital‹ in Essen
    Eröffnung durch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur

  • Parität in ärztlicher Selbstverwaltung
    Verein Spitzenfrauen Gesundheit zieht ernüchternde Bilanz

  • Gerätegestützte Telemedizin in Pflegeheimen ist sinnvoll
    Zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Versorgung

  • Zehn Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten suchthaft
    Workaholics am Arbeitsplatz leiden unter Gesundheitsproblemen

Interview:

  • Es wichtig, mit uns zu reden und nicht über uns
    EinBlick sprach mit Daria Hunfeld, der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants (DGPA) über die Rolle der Physician Assistants

Start-up Telegram

Meldungen:

  • AOK-Krankenhaus-Report 2023
    Krankenhausreform als Lösung für Personalprobleme in deutschen Kliniken

  • Bilanz zur Coronapandemie von Politiker:innen in der ÄrzteZeitung
    Ohne ›Lessons learned‹ scheitern wir!

  • Digitale Pflege im Verbändebündnis
    Neutrales Kompetenzzentrum und Finanzierung gefordert

  • Start des TI-Messengers
    Wie das System funktioniert und was zu beachten ist


Interview:

Der Einstieg in die Regionalisierung hat das Potenzial zu echter Systemveränderung

EinBlick sprach mit Prof. Dr. Lutz Hager über politische Weichenstellungen für eine bessere Versorgung


 

Prof. Dr. Lutz Hager

ist seit 2021 Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Managed Care (BMC e.V.). Der promovierte Politikwissenschaftler hat zudem ein Deutsch-Französisches Diplom in Politik- und Sozialwissenschaften und arbeitete nach seiner Ausbildung zunächst als stellvertretender Geschäftsführer der ze:roPRAXEN und von 2011 bis 2019 als Geschäftsführer der IKK Südwest. Im Jahr 2021 wurde er zum Professor für Management im Gesundheitswesen an die SRH-Fernhochschule – The Mobile University berufen.

 

 

 

Prof. Hager, wie haben Sie das erste Jahr beim BMC erlebt?
Ich blicke auf ein bereicherndes Jahr mit vielen Begegnungen und interessanten Projekten zurück. Doch die Stimmung schwankt. Uns belasten beispielsweise die Finanzlücken in der GKV und in der Pflegeversicherung, der Fachkräftemangel und die Arzneimittellieferengpässe. All dies schwingt mit, auch wenn wir häufig von Innovationen, Aufbruch und Reformen reden.

In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel Background schreiben Sie von einer Regionalisierung der Versorgung. Welche Vorteile wären aus Ihrer Sicht damit verbunden?
Wir benötigen einen Umbau des Gesundheitswesens. Das ist seit vielen Jahren bekannt, doch in unserem von Abhängigkeiten geprägten Gesundheitssystem kommen wir einfach nicht voran, auch aufgrund der zahlreichen Regulierungen. Auf die Regionalisierung lege ich großen Wert, weil diese ein Hebel ist, um den Reformstau zu beenden. Man kann nicht alles auf Bundesebene lösen, sondern besser vor Ort – in der Vielfalt sowie mit der Autonomie und Gestaltungskraft der Akteure in den einzelnen Regionen!

Was ist Ihr Ansatzpunkt bei der regionalen Versorgung: mehr Transformation und Prävention?
Richtig. Wir brauchen eine Perspektivänderung mit Blick nach vorne. Gesundheitsversorgung ist etwas, was langfristig angelegt ist und die Menschen in ihrem Lebensumfeld begleitet – hier fand schon immer die Versorgung statt, inklusive Pflege!
Die Region ist der Ort für Autonomie und Gestaltungsfreiheit, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

Gibt es Leuchtturmprojekte oder Erfahrungen, an die Sie anknüpfen konnten?
Ja, es gibt eine Vielzahl positiver Erfahrungen, beispielsweise die Themen Vernetzung, Koordinierung und Patientenpfade. Das haben wir mit den Gesundheitslotsen intensiv bearbeitet. Hier spielt auch das Thema Telemonitoring eine Rolle, also die Verbindung zwischen der Leistungserbringung vor Ort mit den Patient:innen. Ein zweiter Bereich sind neue Anbieter und Strukturen – wie das Modell der integrierten Primärversorgungszentren. Auch aus dem hausärztlichen Bereich kommen viele Ansätze wie zum Beispiel die Teampraxen. Ärzt:innen organisieren sich gemeinsam in Ärztehäusern oder Gesundheitszentren, der Gesundheitskiosk ist eine weitere Facette. Andere existierende Kooperationen sowie der öffentliche Gesundheitsdienst sollten ebenfalls stärker einbezogen werden.

Das sind gute Nachrichten. An welchen Stellen hakt es noch und warum?
Wir hatten gehofft, dass die Krankenkassen über Selektivverträge die Versorgung weiterentwickeln. Das ist nur in begrenztem Umfang gelungen, weil die Verträge zwar fortschrittlich, jedoch nur regional oder für Einzelne nutzbar waren. Dadurch ist keine Innovation in der Breite entstanden. Wir müssen dieses System in eine regionale Perspektive bringen, sodass alle Krankenkassen zusammen mit den Leistungserbringern vor Ort Lösungen schaffen, die für sämtliche GKV-Versicherte in der Region gelten. Darauf kann man sich einstellen, diese Verlässlichkeit ist wichtig! Und das war bei den Selektivverträgen nicht immer gegeben.

Wie könnte sich die regionale Versorgung in unser existierendes System einfügen?
Wir müssen wohl bei Adam und Eva anfangen, wenn es um die Bundesebene geht. Die Länder sind teils schon vorangegangen, haben Gesundheitsregionen geschaffen, aber sie konnten das Gesamtregelwerk nicht ändern. Deshalb müssen wir Autonomie schaffen. Region heißt auch in einem größeren Maß Deregulierung und Zulassung von Autonomie, die dann sinnvoll genutzt werden kann.

Im Koalitionsvertrag findet sich das Stichwort Gesundheitsregion. An welchen Stellschrauben sollte gearbeitet werden, damit aus den Regionen heraus die Gesundheitsversorgung aktiv gestaltet werden kann?
Wir brauchen einen Rahmen, der beschreibt, wie die Versorgung organisiert werden kann, wer diese Autonomie in Anspruch nehmen kann, wer mit den Krankenkassen Verträge schließt usw. Was wir in dieser Legislaturperiode benötigen, ist ein ernsthafter Einstieg in das System Gesundheitsregion, der über Leuchtturm- und Pilotprojekte hinausgeht und langfristige Rahmenbedingungen für die Akteure in der Region setzt.

Wie schätzen Sie den aktuellen Gesetzgebungsfluss ein?
Aktuell warten wir noch auf die angekündigten Gesetzesvorhaben, wobei wünschenswert wäre, dass sich diese zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Wir dürfen uns jetzt nicht an der Krankenhausreform festbeißen, sondern sollten ein Bild der Gesundheitsversorgung von morgen im Kopf haben, weg von Sektoren, Planungs- und Vergütungsinstrumenten. Diese historisch gewachsenen Regelungen zwängen ein und ermöglichen nicht die Gesundheitsversorgung, die ich eingangs beschrieben habe. Daneben müssen wir den ambulanten Sektor stärken: Gesundheitskompetenz, Bildung und Mitwirkung näher an die Menschen heranbringen, beispielsweise mit Ernährung, Bewegung etc. verknüpfen.

Welche Faktoren gibt es, mit Hilfe derer eine hochwertige, regionale Versorgung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, gemessen und bewertet werden kann?
Wir verfügen über immer mehr Erkenntnisse, Analysen und Datennutzung. Doch im Gesundheitswesen hinken wir hinterher. Wir sollten aber gerade die Regionalisierung stark nutzen, um uns mit einer Datengrundlage zu versehen. Evidenzbasierte Versorgung funktioniert gut auf der Ebene der Regionen, eigentlich auf jeder Ebene und in jedem Gesundheitssystem. Wenn wir uns mit anderen Ländern vergleichen, können wir hier weitere Schlüsse ziehen. So soll ein Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit gegründet werden, das diese Datenanalysen zusammenträgt und als Toolbox für alle zur Verfügung stellt.

Welche Chancen bei der Transformation des Gesundheitswesens bringen hier Digitalisierung und Telemedizin?
Ich warte immer noch auf den echten Aufschwung. Wir haben die Fortschritte bezüglich der Ausnahmegenehmigungen während der Pandemie teilweise wieder zurückgerollt. Ein aktuelles Beispiel ist die eAU (elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung). Das ist desaströs für alle, die sich zum Nutzen der Patient:innen bereits organisiert haben. Solche Rückschritte sind Gift und werden in Deutschland auf das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen übertragen.

Diejenigen, die digital arbeiten, sind schon viel weiter und haben Lösungen gefunden. Auf europäischer Ebene entstehen ebenfalls Lösungen für sichere Datenhaltung. Zahlreiche Akteur:innen treiben diese Themen voran, doch wir hängen immer noch an den Basics und der Einführung der elektronischen Patientenakte fest. Wenn wir endlich über diesen Berg hinweggekommen sind, wird diese Legislaturperiode in die Geschichte unseres Gesundheitswesens eingehen als diejenige, die umgesetzt hat, dass Gesundheitskommunikation auch elektronisch funktioniert.

Was soll die Politik also tun – was sind kurzfristig notwendige Schritte?
Da es ein Superwahljahr ist, stehen der Wahlkampf und der Wunsch, sich zu präsentieren, im Vordergrund. Kurzfristig, mit Blick auf 2030, sollte die Politik sich notwendige Weichenstellungen vornehmen, damit eine qualitativ hochwertige Versorgung, vor allem in den Regionen, sichergestellt werden kann. Wir müssen Neuland betreten und uns alle zusammen als ein lernendes System begreifen, um dann weitere Schritte zu gehen. Was nicht passieren darf, ist eine Entwicklung wie beim DRG-System. Das wurde zwar auch als lernendes System angelegt, hat aber den Lernprozess nicht durchgemacht und ist nun zu einer Superbaustelle geworden. Vielleicht sind kleinere Schritte auf einer verlässlichen Basis besser, mit einem Einstieg in neue Projekte. Und dazu die Regionalisierung mit einem gesetzlichen Rahmen, denn wenn man erst einmal sät, werden die Pflanzen schon wachsen. Diese Zeit müssen wir uns geben, sie nimmt vielleicht auch ein bisschen von der Schärfe des aktuellen Verteilungskampfes.

Das komplette Gespräch mit Prof. Dr. Lutz Hager können Sie ab dem 3. Mai als Podcast-Folge EinBlick – nachgefragt in unserem Podcast-Portal nachhören https://soundcloud.com/einblick-berlin-chemie/einblick-nachgefragt-20230503


Kurzstrecke

 

Innovativer Showroom zum ›Smart Hospital‹ in Essen

Eröffnung durch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur

Im Rahmen des Konsortialprojekts ›SmartHospital.NRW‹ der Universitätsmedizin Essen wurde im Girardet Haus ein Showroom eröffnet, in dem KI-basierte Prototypen, die als Bausteine für die digitale Transformation der Krankenhäuser hin zu Smart Hospitals dienen, gezeigt werden. So findet man beispielsweise einen Prototyp zur multimodalen Steuerung und Unterstützung in der Angiographie; ein Sprachsteuerungssystem für Patient:innen zu Fragen rund um den Krankenhausaufenthalt oder ein Tool, das Ärzt:innen bei der Erstellung von Arztbriefen unterstützt.

Bei ihrem Besuch vor Ort zeigte sich NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur begeistert über das Potenzial der KI, wodurch die wichtige Transformation des Gesundheitssektors vorangetrieben wird. Dr. Anke Diehl, Chief Transformation Officer der Universitätsmedizin Essen betonte, dass die Technologien im SmartHospital.NRW ganzheitlich betrachtet und so realitätsnah wie möglich im klinischen Setting getestet werden. Interessierte Bürger:innen und Gesundheitsexpert:innen können den Raum im Stadtteil Rüttenscheid besichtigen.

 

Parität in ärztlicher Selbstverwaltung

Verein Spitzenfrauen Gesundheit zieht ernüchternde Bilanz

Der Verein Spitzenfrauen Gesundheit zieht eine ernüchternde Bilanz zur Parität in den Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung. Von 43 Vorstandsämtern in Kassenzahnärztlichen Vereinigungen sind nur elf von Frauen besetzt, bei Kassenärztlichen Vereinigungen sind es nur neun von 40. Einige Vereinigungen haben keine einzige Frau im Vorstand. Auch in den Vertreterversammlungen sind Frauen in der Minderheit. Spitzenämter sind mehrheitlich von Männern besetzt.

Dabei spiegelt sich der stetig wachsende Anteil der Frauen in der ärztlichen Versorgung, der teilweise bereits bei 50 Prozent liegt, in keiner Weise in den ärztlichen bzw. zahnärztlichen Gremien der Selbstverwaltung wider, so die Spitzenfrauen. Der Verein fordert deshalb eine schnelle Änderung und mehr Unterstützung seitens des Gesetzgebers. Konkrete Forderungen sind u.a. eine Frauenquote bei der Nachbesetzung von Ämtern, eine gesetzliche Regelung für Spitzenpositionen in Vertreterversammlungen, mehr Frauen in Gremienarbeit und paritätisch besetzte Wählerlisten für kommende Amtsperioden.

 

Gerätegestützte Telemedizin in Pflegeheimen ist sinnvoll

Zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Versorgung

Ein telemedizinisches Pilotprojekt in sieben Pflegeheimen und zehn Arztpraxen endet mit einem positiven Ergebnis. Das gemeinsame Projekt der AOK Nordost und MedKitDoc hat bewiesen, dass mit digitaler Fernbehandlung die Qualität der Versorgung gesichert und verbessert werden kann – trotz Ärztemangel. Über neun Monate wurden telemedizinische hausärztliche Untersuchungen kurzfristig mit Unterstützung durch eine digital aus der Ferne zugeschaltete Pflegekraft absolviert.

Eine App und zertifizierte Medizingeräte an einem Tablet ermöglichen über mit Hilfe eines Stethoskops das Abhören von Herz- und Lungengeräuschen während einer Videokonferenz. Durch die Live-Übertragung dieser wichtigen Vitalparameter können Ärzt:innen fundierte, datenbasierte Diagnosen stellen, die über eine bildbasierte Konsultation in einer Videosprechstunde nicht möglich wären. Deshalb will die Krankenkasse die Telemedizin in der Pflege weiter ausbauen.

 

Zehn Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten suchthaft

Workaholics am Arbeitsplatz leiden unter Gesundheitsproblemen

Zehn Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten suchthaft. Das ergab eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Technischen Universität Braunschweig, gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung. Die Ergebnisse zeigen, dass suchthaft Arbeitende oft mit körperlichen und psychosomatischen Beschwerden zu kämpfen haben und sie ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter einschätzen als nicht betroffene Erwerbstätige. Zudem suchen sogenannte ›Workaholics‹ seltener ärztliche Hilfe. Langfristige Folgen sind häufig Burnout und/oder depressive Verstimmungen, die zu Arbeitsausfällen führen können.

Die Studie beruht auf Daten des BIBB und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, für die in den Jahren 2017 und 2018 gut 8000 Erwerbstätige zu ihrem Arbeitsverhalten und ihrem Wohlbefinden befragt worden sind. Die Ergebnisse zeigen den Forschenden zufolge »deutlich, dass suchthaftes Arbeiten in Deutschland im Zusammenhang mit schlechterer Gesundheit steht. Dies gilt für die subjektive Selbsteinstufung des allgemeinen Gesundheitszustandes der Befragten genauso wie für die Zahl der berichteten psychosomatischen und körperlichen Beschwerden«. Ansatzpunkte zur Verbesserung könnten Gesundheitsförderung, Veränderungen der Betriebskultur und Mitbestimmung durch Betriebsräte sein.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Young Health:

 

Es wichtig, mit uns zu reden und nicht über uns

EinBlick sprach mit Daria Hunfeld, der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants (DGPA) über die Rolle der Physician Assistants

 

 

Daria Hunfeld

ist Physician Assistant am Deutschen Herzzentrum der Charité Universitätsmedizin in Berlin. Seit 2021 ist sie außerdem Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants e.V. und setzt sich dort für die Belange ihres Berufsstands ein.

Studiert hat sie im Bachelor Physician Assistant an der EU|FH (Europäische Hochschule für Gesundheit, Soziales und Pädagogik). Aktuell absolviert sie ihren Master an der Hochschule Osnabrück in Business Administration.

 

 

Frau Hunfeld, auch wenn das Berufsbild eines Physician Assistants (PA) einigen Leser:innen vielleicht noch neu ist, so gibt es diesen Berufsstand schon lange. Können Sie uns einmal einen kurzen Überblick zu dessen Geschichte geben?
Im Grunde genommen gibt es nichtärztliche Assistenzberufe in der Medizin schon seit dem 18. Jahrhundert. Da wurde das Militär von Menschen versorgt, die nicht direkt Medizin studiert hatten. Den ersten Studiengang Physician Assistant gab es in den Vereinigten Staaten dann im Jahr 1965 und damit 40 Jahre vor seiner Einführung in Deutschland, wo der erste Studiengang 2005 gegründet wurde.

Bundesweit sind es nun 23 Hochschulen an 46 Standorten, darunter zehn staatliche und zehn private Hochschulen, wo dieser Studiengang angeboten wird. Doch auch die Anzahl der PAs ist in den USA aktuell noch deutlich höher als in Deutschland. Während in den USA derzeit rund 165.000 PAs in Krankenhäusern aktiv sind, gibt es in Deutschland etwa 1.500 Absolvent:innen und 3.000 Studierende. Bis 2025 sollen rund 5.000 PAs dem deutschen Gesundheitswesen zur Verfügung stehen. Wir sehen als Verband jedoch großes Potential, um diese Zahl noch zu steigern: Gründe dafür sind die Bewegung von stationär zu ambulant, die Ausweitung der Ballungsräume, Gründungen von neuen Studienstandorten, aber auch der Kontakt zur Bundesärztekammer.

Gerade bei der Versorgung im ländlichen Raum könnten Physician Assistants die Versorgung sichern und verbessern. Wo sehen Sie Chancen und Möglichkeiten?
Die Robert-Bosch-Stiftung kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass es bis 2035 rund 11.000 hausärztliche Stellen in Deutschland geben wird, die unbesetzt bleiben. Hier ist also ein entsprechend hoher Bedarf. PAs können in Praxen Anamnesen, körperliche Untersuchungen, Sonographien, Echokardiographie, aber auch andere Befunderhebungen vorbereitend durchführen und die Ergebnisse dann gemeinsam mit Ärzt:innen besprechen. Das kann dann zu einer Zeitentlastung für das ärztliche Personal führen.

Sie sind Vorstandsvorsitzende des deutschen Berufsverbandes für PAs, der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants (DGPA). Wie stellt sich der Verband genau auf und welche Vorteile haben PAs, wenn sie Mitglied in der DGPA sind?
Vor 15 Monaten übernahmen wir als Vorstandsteam, bestehend aus drei Personen, die Forschungsarbeit für die DGPA in Deutschland. In dieser Zeit konnten wir das Mitgliederwachstum von 180 auf 760 steigern. Wir haben intensiv an der Restrukturierung der DGPA gearbeitet, indem wir Ressorts neu besetzten, Arbeitsgruppen bildeten und Ziele und Strukturpläne definiert haben. Gleichzeitig haben wir auch den Social Media-Auftritt verstärkt und eine App für die Mitglieder eingerichtet. Zudem haben wir Kooperationen mit verschiedenen Organisationen wie dem Deutschen Hochschulverband, dem Hartmannbund, mit verschiedenen Hochschulen, Kassenärztlichen Vereinigungen und der Bundesärztekammer geschlossen. Mit einer Mitgliedschaft bei der DGPA profitieren Physician Assistants von vergünstigter juristischer sowie individueller Beratung, einer jährlichen Stellungnahme zum Einstiegsgehalt für Arbeitgeber, kostenlosen Fachzeitschriften und vergünstigten Fortbildungsangeboten . Zudem setzt sich die DGPA aktiv für die berufspolitische Interessenvertretung von Physician Assistants ein. Als Vorstandsmitglied habe ich mich von der etablierten Rolle von PAs in anderen Ländern inspirieren lassen und ermutige unsere Berufsgruppe, Verantwortung zu übernehmen, unsere Berufsgeschichte mitzugestalten und den Berufsverband mit zu organisieren. Der Mitgliedsbeitrag ist mit einem monatlichen Betrag in Höhe von einem Döner erschwinglich (lacht).

Wie kann die Politik unterstützen?
Es ist wichtig, mit uns zu reden und nicht über uns. Wir wünschen uns einen Austausch auf kommunaler, Landes- und Bundesebene, ähnlich wie mit der Bundesärztekammer. Im Rahmen der Covid-Krise haben wir versucht, mit dem Bundesgesundheitsminister in Kontakt zu treten, aber leider keine Rückmeldung erhalten. Herausforderungen im Gesundheitswesen wie Fachkräftemangel, demographischer Wandel, Arbeitszeitschutzgesetz, Digitalisierung, Automatisierung und Feminisierung der Medizin betreffen uns alle. Es geht nicht nur um Physician Assistants, sondern auch um andere Fachkräfte wie Pflegekräfte, Notfallsanitäter:innen, Therapeut:innen, Hebammen, Kardiotechniker:innen sowie Ärzt:innen. Es ist eine Aufgabenverteilung erforderlich und der Teamgedanke ist entscheidend. Keine Berufsgruppe kann diese Herausforderungen allein lösen. Wir sind gespannt, wie sich die Situation weiterentwickeln wird.

Hier können Sie das komplette Gespräch mit Daria Hunfeld als Podcast-Folge EinBlick – nachgefragt anhören https://soundcloud.com/einblick-berlin-chemie/einblick-nachgefragt-20230425


Startup-Telegram

 

Eine neue App ›Up & Go‹ ermöglicht älteren Menschen, ihre persönliche Kraft und das eigene Gleichgewicht zu testen. Sie wertet die Ergebnisse aus und weist beispielsweise auf die Gefahr eines Sturzes hin. Entwickelt wurde das System für daheim zum Check-up oder als Monitoring von Prof. Clemens Becker, Experte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und Leiter der Digitalen Geriatrie an der Universitätsklinik Heidelberg. Zunächst ist die App nur über den Google-Store abrufbar, die Apple- und eine Premiumversion als Medizinprodukt sollen folgen. Grundlage ist der ›Timed Up and Go‹-Test (TUG-Test), ein quantitativer Mobilitätstest in der Geriatrie.
Download der App ›Up & Go‹ im Google Play-Store

GerontoNet von der vital.services GmbH aus Leipzig hat eine Geriatrie-Plattform entwickelt. Diese dient der regionalen Vernetzung von Know-how, Technologien, medizinischen und pflegerischen Leistungen für die Gesundheitsversorgung einer alternden Gesellschaft. https://help.gerontonet.org/

Die cureVision GmbH aus München stellt ein KI- und Telemedizin-basiertes Tool für die objektive Analyse und professionelle Versorgung chronischer Wunden zur Verfügung. Die MDR-zugelassene Lösung aus Hard- und Software zeichnet sich durch einfache Anwendung, moderne Technologie und automatische Dokumentation aus. Die integrierte Künstliche Intelligenz erkennt Granulation, Fibrin und Nekrose. Pflegekräfte werden so entlastet und haben mehr Zeit für die Patient:innen. https://www.curevision.de/

Ein Gerät für den Fernseher, das die Gesundheit älterer Menschen unterstützt und den Kontakt zu ihren Angehörigen herstellt, ist ›Reach‹ von der Generation Reach. Es wird per Paket mit GPS-Tracker und neun Karten versendet, die Bedienung ist intuitiv und einfach. Als Software-as-a-Service ist die Kombination monatlich buchbar. https://www.getreach.me/


Meldungen

 

AOK-Krankenhaus-Report 2023

Krankenhausreform als Lösung für Personalprobleme in deutschen Kliniken

Der Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt, dass ambulante Behandlungen und die Konzentration von Klinikleistungen auf weniger Standorte zur Lösung der Personalprobleme in deutschen Krankenhäusern beitragen können. Langfristige Trends verschärfen die Personalsituation jedoch weiterhin.

Im Zuge der anstehenden Krankenhausreform könnten die Verlagerung von bestimmten Krankenhausbehandlungen in den ambulanten Bereich und die Konzentration von Klinikleistungen auf weniger Standorte wichtige Beiträge zur Lösung der Personalprobleme in deutschen Krankenhäusern leisten. Das geht aus dem aktuellen Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hervor. Der AOK-Bundesverband betont, dass Bund und Länder das zentrale Ziel einer besseren Versorgungsqualität für die Patient:innen in den Reformberatungen nicht aus den Augen verlieren dürfen.
 
Besonders bei den sogenannten Kurzliegern, also Patient:innen, die weniger als vier Tage stationär behandelt werden, gibt es laut Prof. Jürgen Wasem, Lehrstuhlinhaber für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports, ein großes Potenzial für vermeidbare Krankenhaustage und damit auch für eine Entlastung des Personals in den Kliniken. »Allein die 30 häufigsten operativen Eingriffe mit einem geringen medizinischen Schweregrad machen etwa vier Prozent aller Pflegetage im Krankenhaus aus«, sagt Wasem. Wenn man das gesamte Potenzial ›ambulantisierbarer‹ Operationen und Behandlungen betrachte, könnten noch wesentlich mehr Krankenhaustage vermieden werden. Auch die geplante Reform der Notfallversorgung biete Chancen für eine personelle Entlastung. Während in Deutschland etwa 50 Prozent der Notfälle stationär aufgenommen werden, sind es in den Niederlanden nur 32 Prozent und in Frankreich sogar nur 22 Prozent.

»Insgesamt bietet die aktuell diskutierte Krankenhausreform eine ganze Reihe von Ansatzpunkten für die dringend notwendige Entlastung des Personals in den Kliniken und für eine bessere Allokation der verfügbaren Arbeitskräfte«, so Wasem. Im internationalen Vergleich versorgt das Personal in deutschen Kliniken im Durchschnitt mehr Fälle als die Beschäftigten in anderen Ländern, obwohl die Zahl der beschäftigten Ärzt:innen sowie Pflegekräfte in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Der internationale Mittelwert lag 2019 bei rund zwölf Ärzt:innen sowie 27 Pflegekräften pro 1.000 Krankenhausfälle, während Deutschland mit etwa acht Ärzt:innen und knapp 19 Pflegekräften pro 1.000 Fälle deutlich darunter lag.

 

Bilanz zur Coronapandemie von Politiker:innen in der ÄrzteZeitung 

Ohne ›Lessons learned‹ scheitern wir!

Während der Coronapandemie gab es zahlreiche Präventionsmaßnahmen durch die Politik. Am 7. April dieses Jahres endeten die letzten diesbezüglichen Verordnungen. Rückwirkend bewerten verschiedene Akteure die Umsetzung in Deutschland unterschiedlich.

Die Beschränkungen in der COVID19-Pandemie waren vielfältig: Lockdowns, Schließungen von Einrichtungen und präventive Maßnahmen brachten das öffentliche Leben zeitweise fast zum Stillstand. So bewerten diverse Politiker:innen, unter ihnen Klaus Holetschek, Kathrin Vogler und Heike Baehrens, die Schul- und Kitaschließungen im Nachhinein als überzogen. »Kinder und Jugendliche sind zu oft ins Hintertreffen geraten. Daher müssen wir uns jetzt besonders um ihre psychische Gesundheit kümmern und dafür sorgen, dass Lernrückstände aufgeholt werden können«, erklärt Heike Baehrens, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. »Die Kollateralschäden für Kinder und Familien, die Gesellschaft und die Wirtschaft waren erheblich«, resümiert Tino Sorge, gesundheitspolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion. Und Professor Andrew Ullmann, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, bestätigt: »Wir wissen, dass die Schließungen unnötig waren und dass andere Maßnahmen keine epidemiologische Evidenz als Basis hatten. Aber wir wissen eben nicht, welche Maßnahmen genau und gut gegriffen haben. Das muss geprüft werden.«

Deshalb fordern er, der Hausarzt Stephan Pilsinger und Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek eine Enquete-Kommission mit wissenschaftlicher Expertise und einer nachhaltigen Aufarbeitung. »Das soll kein negatives Tribunal werden, sondern den Blick darauf richten, was in einem vergleichbaren Szenario besser und menschlicher gemacht werden könnte«, so Pilsinger, der auch Abgeordneter des Bundestags ist. »Wir müssen die Pandemiepläne überarbeiten, es braucht systematische Frühwarnsysteme und ein Training von Krisenmanagement, um auf die nächste Gesundheitsgefahr besser vorbereitet zu sein«, sagt Dr. Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Denn »Ohne ›Lessons learned‹ scheitern wir bei der nächsten Pandemie«, hält Ullmann fest.

Die schnelle Entwicklung von Impfstoffen empfinden alle als einen Segen – hier sind sich die Politiker:innen einig. Allerdings habe die Coronapandemie Defizite wie den Fachkräftemangel und einen niedrigen Grad an Digitalisierung noch einmal deutlich offengelegt, konstatiert Dahmen. Heike Baehrens hingegen sieht Covid als Beschleuniger. Ein positives Fazit zieht Klaus Holetschek: »Corona hat gezeigt, dass wir uns auf die Ärzt:innen verlassen können!« Laut Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, hat die Impfkampagne soziale Brennpunkte schlecht erreicht. Zudem sieht sie das Kaputtsparen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und die Zurichtung der Krankenhäuser auf das Abarbeiten von Fallpauschalen als einen Irrweg an und hofft, dass »trotz aller Revolutionsankündigungen Prof. Lauterbach hier nun weiter besonders engagiert voranschreiten wird.«

 

Digitale Pflege im Verbändebündnis

Neutrales Kompetenzzentrum und Finanzierung gefordert

Das Verbändebündnis zur Digitalisierung in der Pflege steht der aktuellen Digitalisierungsstrategie des Bundesgesundheitsministeriums positiv gegenüber, wünscht sich jedoch ein neutrales Kompetenzzentrum und finanzielle Unterstützung.

Gemäß der ›Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege‹ des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) soll das ›Kompetenzzentrum Digitalisierung in der Pflege‹ die Einbindung der unterschiedlichen Perspektiven und Kompetenzen aller Beteiligten gewährleisten. Unter anderem ist ein mehrdimensionaler Ansatz geplant, der Gesundheit und Wohlbefinden der Pflegebedürftigen sowie Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für Gesundheitsberufe fokussiert.

Zusätzlich stellte ein Bündnis von acht Verbänden aus dem Sozial-, Pflege- und Gesundheitswesen weitere zentrale Forderungen auf. Das neue Kompetenzzentrum Pflege soll laut PUEG-Entwurf (Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetz) bei den Pflegekassen angesiedelt und aus dem Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung finanziert werden. Hier wünscht sich das Bündnis mehr Neutralität und sieht die Anbindung an den Spitzenverband Bund der Pflegekassen kritisch, weil dieser ein Leistungsträger ist. Im Sinne eines mehrdimensionalen, sektorenübergreifenden Ansatzes hält es die Anbindung an eine neutrale Stelle, wie das BMG, für besser geeignet.

Zudem bleibt die Finanzierung bislang ungeklärt. Nur mit ausreichenden Mitteln für digitale Investitions- und Betriebskosten könnten die Einrichtungen der ambulanten, teil- und vollstationären Akut- bzw. Langzeitpflege dauerhaft digitale Grundausstattungen vorhalten und technisch auf dem aktuellen Stand bleiben. Befristete Förderprogramme reichten hierfür nicht aus. Ferner wünscht sich das Bündnis, dass die Expertise aller relevanten Akteure transparent, fortlaufend und verlässlich in den künftigen Strategieprozess einbezogen wird. Bislang war dies nur punktuell erfolgt.

 

Start des TI-Messengers

Wie das System funktioniert und was zu beachten ist

Ab dem zweiten Quartal 2023 wird das deutsche Gesundheitswesen einen neuen Messengerdienst erhalten. So wird der aktuelle E-Maildienst „KIM“ (Kommunikation im Medizinwesen) mit dem Nachrichten-Tool „TIM“ (TI-Messenger) ergänzt. TIM basiert dann auf einer sogenannten Matrix. Um das System zu verstehen, sprach der Journalist Philipp Grätzel von Grätz mit Dr. Niklas Zender, Co-Founder des Unternehmens Famedly. Er kennt sich bestens mit Matrix-basierten Messengern aus. Das Interview wurde auf E-Health-COM veröffentlicht. Einblick fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:

Das Gespräch startete mit der Frage, ob und wenn ja, warum das Gesundheitswesen einen spezifischen Messenger braucht. Entscheidend sei nicht, so die Antwort, dass der Messenger spezifisch für das Gesundheitssystem ist, sondern dass dieser Protokolle nutzt, die interoperabel sind. Denn um die Heterogenität des Gesundheitswesens zu einer Masse zu vereinen, brauche es Standards. Als Beispiel führt Zender die E-Mail-Kommunikation an. Diese funktioniere deshalb gut, weil sie interoperable Protokolle nutze. So sei die Interoperabilität besonders wichtig, damit alle das System wirklich nutzen könnten. Weniger gut gelungen sei das zum Beispiel bei der Videosprechstunde. Hierbei nutzen Videoanbieter im Gesundheitswesen denselben Standard. Dieser Standard sei zwar interoperabel, es fehle aber oft das Signalling. Das bedeutet, dass Praxisverwaltungssysteme mit Videotelefonie oft nicht in andere Systeme kommunizieren können. Aber TIM habe dafür die passende Lösung. So könnten damit nicht nur PDF-Dokumente von Chatverläufen von einem Primärsystem ins andere kommuniziert werden, sondern auch strukturierte medizinische Datensätze. Das gelte für das Messaging zwischen Einrichtungen des Gesundheitswesens ebenso wie für das Messaging in Richtung Patient:innen und deren elektronische Patientenakte. Zender zufolge bestehe der Vorteil eines Matrix-basierten Messengers auch darin, dass es ein dezentrales Protokoll sei, das von Anfang an eine Verschlüsselung mit anbietet. Deswegen würde es sich gut nutzen lassen, um datenschutzkonforme Messenger zu bauen. Das Matrix Messenger Protokoll wird von der Matrix Foundation mit Sitz in England verwaltet, die sich auch um die Implementierung kümmere.

Zender zeigte auf, was ärztliche Praxen zur Implementierung genau benötigten. So funktioniere der TI-Messenger entweder über eine Web-Applikation oder bei mobiler Nutzung über eine App. Das sei genauso wie bei allen anderen Messengern. Aufgrund dessen, dass die Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt seien, könnten die TIM-Server unter Beachtung der Vorgaben der DSGVO im Prinzip überall stehen. Voraussetzung sei also nicht, dass sie innerhalb der TI oder bei der gematik stationiert sein müssten, sondern könnten im Krankenhaus stehen, in einem beliebigen Rechenzentrum oder sogar in einer Public Cloud. Konnektoren seien dabei nicht nötig. Aber natürlich müssten Nutzer:innen authentifiziert werden.

Das ganze Gespräch können Sie hier lesen https://e-health-com.de/thema-der-woche/wir-muessen-so-gut-sein-dass-die-nutzerinnen-begeistert-sind/


Bemerkt

 

 

»MVZ haben das Potential, mit geballter Kompetenz und kooperativer Zusammenarbeit verschiedener Ärzt:innen an einem Ort und ohne lange Wege für die Patientinnen und Patienten da zu sein.«

 

Stefanie Stoff-Ahnis, Vorständin des GKV-Spitzenverbandes zur aktuellen Debatte der Medizinischen Versorgungszentren

 

 

 


Weiterlesen

 

Diabetes-Therapie: Forscher:innen stellen neues Tool vor

Menschen mit Typ-1-Diabetes leben ständig mit dem Risiko von Über- oder Unterzuckerungen. Um ihren Blutzuckerspiegel besser zu regulieren, hat ein chinesisches Forschungsteam der Zhejiang-Universität, dem Zhejiang-Krebskrankenhaus und der Universität von Hongkong in der Zeitschrift "Angewandte Chemie" eine neuartige Insulinformulierung vorgestellt. Dabei dienen Lipid-Nanopartikel als Träger, die je nach Zuckerspiegel mehr oder weniger Insulin freisetzen. Diese Freisetzung wird dabei durch Glukose gesteuert. Die innovative Methode ermöglicht eine präzisere Insulinfreisetzung, um den Blutzuckerspiegel effektiver zu regulieren und das Risiko von Über- oder Unterzuckerungen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes zu verringern. Konkret bedeutet das für Patient:innen dieses Typs von Diabetes, dass sie irgendwann eine Kombination der Glukose-responsiven Insulinformulierung mit einem Abgabegerät erhalten, das über einen tragbaren elektronischen Zuckerdetektor gesteuert wird. Diese Regelung des Blutzuckerspiegels würde das Leben von Diabetes-Patient:innen deutlich verbessern.

Den kompletten Bericht können Sie hier nachlesen https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ange.202303097


Empfehlung

 

Der Blutwerte-Code
Was dir Eisen, Omega-3, Vitamin D und Co. über deine Gesundheit verraten und wie du sie optimierst

Welche Blutwerte sind für mich relevant und worauf muss ich bei einem Blutbild achten? Diese Fragen beantwortet der Arzt Thiemo Osterhaus in seinem Buch „Der Blutwerte-Code“ und erläutert in auch medizinischen Laien verständlicher Sprache, welche Blutwerte für welche Beschwerden relevant sind und wie Patient:innen sie nutzen können, um ihre Gesundheit zu optimieren. Osterhaus erklärt, wie Defizite an Omega-3, Eisen, Vitamin D, Folsäure, Magnesium und Co. entstehen, welche Folgen sie für den Körper haben und wie sie mit Nahrungsergänzungsmitteln und Lifestyleumstellungen ausgeglichen werden können. Das Buch geht auch auf Themen wie Energielosigkeit, Schlafprobleme, Schilddrüsenerkrankungen, Zyklusbeschwerden und Stress ein.

Weitere Informationen finden Sie hier https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1066863951


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Neues Forschungszentrum für Arzneimitteltherapie beginnt Tätigkeit

Ein neues Forschungszentrum an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) nimmt seine Arbeit auf, um die Entwicklung innovativer Arzneimitteltherapien und Diagnoseverfahren zu fördern. Das ›Forschungszentrum für Arzneimitteltherapie – Halle‹ wird in Zusammenarbeit zwischen der Naturwissenschaftlichen Fakultät I und der Medizinischen Fakultät der MLU betrieben, mit dem Ziel, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schneller in den klinischen Alltag zu übertragen. »In der Grundlagenforschung werden viele neue Ideen für die Behandlung oder Diagnose von Krankheiten entwickelt. Allerdings werden nicht alle vielversprechenden Ansätze konsequent weiterverfolgt, da es häufig an der Verbindung zwischen Grundlagenforschung und medizinischer Praxis mangelt«, sagt Prof. Dr. Sonja Keßler vom Institut für Pharmazie der MLU und Direktorin des Zentrums. »Genau an dieser Stelle wollen wir ansetzen.«

Das Forschungszentrum plant, die medizinische Versorgung in vielfältiger Weise zu verbessern. Es konzentriert sich auf verschiedene Themen, darunter die Entwicklung neuer Behandlungsansätze und Wirkstoffe, die Personalisierung von Therapien, die Verbesserung von Darreichungsformen bestehender Medikamente sowie auf die Entwicklung neuer Diagnoseverfahren und Maßnahmen zur Arzneimittelsicherheit. Die Eröffnung fand am 19. April am Universitätsklinikum Halle statt.

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