Berlin-Chemie Newsletter vom 22. Juli 2021

Berlin-Chemie Newsletter vom 22. Juli 2021

Interview:

  • Digitalisierung in Kliniken
    EinBlick sprach mit Andreas Henkel über über das KHZG und digitale Prozesse

Kurzstrecke:

  • 25 neue Biopharmazeutika im Jahr 2020 zugelassen
    Report von vfa bio und BCG analysiert Biotechnologie

  • Solo-Selbstständige arbeiten viel und nehmen wenig Urlaub
    iga.Report 56 gibt Einblick in die Arbeit von Freiberufler:innen

  • Mehr Kompetenz in der Pflegeausbildung durch spezielle Module
    Vereinbarung im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege umgesetzt

  • ›Offensive Kinderturnen‹ bewegt mehr als 150.000 Kinder
    Positive Bilanz nach vier Jahren

Young Health:

  • Über die Online-Reha aus dem Wohnzimmer
    EinBlick sprach mit Dr. Lara Maier, Medical Director bei Caspar Health

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Pro Generika e.V. kritisiert Krankenkassen
    Zu viele Arzneimittelhersteller besitzen Monopol

  • WHO veröffentlicht Papier über ethische Aspekte von Künstlicher Intelligenz
    Verbesserung der Gesundheitssituation ist eine gemeinsame Aufgabe

  • Zwei neue Forschungszentren in Berlin
    In BeCAT und Si-M entstehen neuartige Arzneimittel und menschliche Organmodelle

  • Bundestagswahl 2021
    Wie unterscheiden sich die Positionen der Krankenkassen?


Interview

 

Digitalisierung in Kliniken

Einblick sprach mit Andreas Henkel über das KHZG und digitale Prozesse

 

 

Andreas G. Henkel

studierte Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik und lernte dabei die Krankenhausinformatik kennen. Nach dem Abschluss des Studiums arbeitete er in der Universitätsmedizin Göttingen und im Klinikum Villingen- Schwenningen. Von 2012 bis 2018 leitete er die Informationstechnologie am Universitätsklinikum Jena. Zum 1. Januar 2019 übernahm er die Leitung (CIO) der Informations- technologie am Universitätsklinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Seit Oktober 2016 agiert er u.a. im Vorstand bei der IHE Deutschland e. V. (Integrating the Healthcare Enterprise) und fördert dort aktiv Standardisierung und Interoperabilität zwischen verschiedenen IT-Systemen im Gesundheitswesen.

 

Welche Aufgaben unterliegen einem CIO im Krankenhaus?
Als IT-Leiter ist man für den Betrieb der Informationssysteme verantwortlich. Dazu gehören nicht nur die Bereitstellung der Systeme, sondern auch die Unterstützung und Sicherstellung aller Arbeitsplätze mit Geräten und Software – samt Inhalten. Insbesondere in der Klinik benötigt man mehr Fachlichkeit und Verständnis, wie eine Software angewendet wird; weil diese in einer anderen Qualität bereitstehen muss als in anderen Branchen. Im Umfeld dieser Sozialberufe ist zudem die Erwartungshaltung eine andere und die prozessuale Begleitung neben der Einführung von Software notwendig. Daneben sollten die IT-Verantwortlichen die Prozesse verstehen und mit den Anwendern gemeinsam gestalten und jederzeit unterstützen können.

Aktuell arbeiten Sie für die IT im Universitätsklinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Welche Digitalisierungsstrategie fährt dieses Haus?
Bevor ich auf die Digitalisierungsstrategie eingehe, muss ich die Herausforderungen vor Ort erklären: Sehr lange hatte man sich standardisiert auf das zentrale Krankenhausinformationssystem der SAP fokussiert und dort zwar individualisiert, allerdings hat sich die medizinische Dokumentation aus einem kaufmännischen Verfahren heraus entwickelt. Hier sahen wir notwendigen Handlungsbedarf, nicht nur mit der Aufkündigung des SAP-R3-Systems im Jahr 2027, sondern auch, weil wir grundlegend die Art und Weise der Dokumentation verändern wollen. Diese fand früher oft autonom in den Fachabteilungen statt, muss aber viel stärker in den Prozess, wie Patient:innen das Haus durchlaufen, eingebunden werden. Wir müssen sicherstellen, dass wir die Daten von einer Fachabteilung in die nachfolgende übernehmen können, um sie strukturiert und barrierefrei für die eigene Dokumentation zu verwenden. Das geht jedoch nicht auf die Weise, wie die Systeme historisch aufgebaut wurden. Hier vergleiche ich gern mit dem Papier im Verlegungsbericht. Die Einsichtnahme einer Klinik in die Dokumentation einer anderen Klinik erfolgt über eine PDF-Datei – manchmal sogar über strukturierte Daten –, doch das passt nicht zur eigenen Struktur und fortführenden Dokumentation. Diese Unterstützungsleistung hatten wir uns schon früh im Jahr 2019 zum Ziel gesetzt. Wir wollten hier verändern und andere Strukturen schaffen, um die Ärzteschaft und Pflege mehr in die Dokumentation einzubinden. Mit dem KHZG erfüllt sich vieles davon nun, die Anforderungen des Gesetzgebers gehen genau in diese Richtung. Die Fördertatbestände Pflegedokumentation oder Medikation greifen wir bereits auf und machen unsere Patient:innen zu Teilnehmenden einer digitalen Erlebniswelt. So geben wir allen die Chance, sich frühzeitig am Aufnahmeprozess und an der Behandlung zu beteiligen.
Daneben gibt es weitere Beispiele für Mehrwerte, nicht nur medizinische. Bedürfnisse von Patient:innen wie Verpflegung etc. werden hier einbezogen. Als Uniklinik wollen wir sehr früh strukturierte und interoperable Daten erhalten, die wir für die Forschung verwenden können – jedoch keine Silodaten, die wir nicht mehr aus den Systemen herausbekommen.

Was war im Universitätsklinikum Jena Ihr herausragendes Projekt?
Im Prinzip zieht sich das Thema Interoperabilität wie ein roter Faden durch meine Arbeit. In Jena haben wir viel vorgedacht, was mittlerweile im KHZG gefordert wird. Auch wenn wir in der technischen Umsetzung nicht so weit gekommen sind, zielten wir auf ähnliche Fragestellungen ab. Ein weiteres wichtiges Thema dort war die Archivierung mitsamt den zugehörigen Kommunikationsprozessen. Zu der Zeit war ich im IHE-Vorstand aktiv, mit einem Schwerpunkt auf prozessuale Interoperabilität im Kontext von Dokumenten bzw. dem Dokumentenaustausch.

Wo werden wir in einigen Jahren stehen, wenn das KHZG seine Wirkung entfalten konnte?
Wir werden einen deutlichen Schritt weiter sein. Aufgrund der Sanktionsregelungen, die der Gesetzgeber uns mitgegeben hat, können wir 2025 schon erwarten, dass die Kliniken in der gesamten Systemlandschaft Portallösungen für Patient:innen anbieten. Auch wenn diese noch sehr unterschiedlich ausgeprägt sein werden, sind sie eine sinnvolle Begleitung der freiwilligen elektronischen Patientenakte, die die Gesetzgebung parallel auf den Weg gebracht hat. Die Kliniken werden für ihre eigenen, ebenso freiwilligen Lösungen werben, damit am Ende neben der direkten Interaktion ein nachhaltiger Nutzen für alle Patient:innen entsteht.


Kurzstrecke

 

25 neue Biopharmazeutika im Jahr 2020 zugelassen

Report von vfa bio und BCG analysiert Biotechnologie

Im vergangenen Jahr hat die europäische Arzneimittelagentur (EMA) 56 neue Arzneimittel zugelassen. Davon waren 25 der Neuzulassungen Biopharmazeutika. Das zeigt der Verband vfa bio in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group (BCG) in seinem neuen Biotech-Report. Damit war 2020 das zweitstärkste Jahr der Zulassungen. Lediglich im Jahr 2018 hat die EMA 65 Arzneimittel und damit noch mehr Wirkstoffe zugelassen.

2020 waren 45 Prozent der neuen Wirkstoffe Biopharmazeutika, also Arzneistoffe, die mit Mitteln der Biotechnologie und gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wurden.Laut Report befinden sich weltweit 735 biopharmazeutische Wirkstoffe aktuell in klinischen Studien. Davon sind 286 Wirkstoffe dem Bereich der Onkologie zuzuordnen und bilden damit den größten Anteil der Arzneimittel, an denen aktuell geforscht wird.

 

Solo-Selbstständige arbeiten viel und nehmen wenig Urlaub

iga.Report 56 gibt Einblick in die Arbeit der Freiberufler:innen

Die Arbeitsbelastung unter den Solo-Selbstständigen ist hoch. Das ist das Ergebnis des iga.Reports 56 ›Selbst und ständig?‹. Laut Report arbeiten 42 Prozent der befragten Selbstständigen mehr als 40 Stunden pro Woche. Dabei geben fast ein Drittel der Befragten zwischen 19 bis 24 Jahren an, insgesamt mehr als 50 Stunden pro Woche zu arbeiten. Unter den Älteren trifft das auf jede vierte Person zu.

Auch die Urlaubstage sind sparsam gewählt. Im Mittel nehmen Solo-Selbstständige 22,6 Urlaubstage im Jahr. Das ist deutlich unter dem Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland, der laut Statistischem Bundesamt bei 30,9 Tagen im Jahr 2019 lag. Fast jede zehnte befragte Person gibt an, überhaupt keinen Urlaub zu nehmen.

Die iga ist eine Kooperation von AOK-Bundesverband, BKK Dachverband, Verband der Ersatzkassen und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

 

Mehr Kompetenz in der Pflegeausbildung durch spezielle Module

Vereinbarung im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege umgesetzt

Die Pflegeberufe werden noch in diesem Sommer aufgewertet: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) haben erweiterte Ausbildungsmodule in der Kompetenzvermittlung zur Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten genehmigt. Sie gehen über die Inhalte der neuen Pflegeausbildung hinaus.

Bislang stehen auf der Webseite des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ein Grundlagenmodul und fünf Wahlmodule – Wundheilung, Diabetes, Bluthochdruck, Schmerzen und Demenz – zur Verfügung, drei weitere Module folgen in Kürze. Damit wird eine Vereinbarung aus der Ausbildungsoffensive Pflege im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege umgesetzt.

 

›Offensive Kinderturnen‹ bewegt mehr als 150.000 Kinder

Positive Bilanz nach vier Jahren

Die bundesweite Kampagne ›Offensive Kinderturnen‹ des Deutschen Turner-Bundes (DTB), der Deutschen Turnerjugend (DTJ) und der Landesturnverbände zeigt nach vier Jahren eine beeindruckende Bilanz: Von 2017 bis 2021 haben sich bundesweit circa
165.000 Kinder in über 2000 Vereinen des DTB und in allen 22 Landesturnverbänden beteiligt. Auch dank der Unterstützung nationaler Förderer wie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) konnte das gesetzte Ziel sogar übertroffen werden.
 
Laut DTB-Generalsekretärin Michaela Röhrbein stellt das Kinderturnen insbesondere in der Pandemie ein wichtiges Mittel dar, um den Bewegungsmangel der Kinder anzugehen – trotz geschlossener Bewegungsräume. So waren die Vereine mit Onlineangeboten, Bewegungshausaufgaben oder Purzelbäumen im eigenen Zuhause aktiv. Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Leiter der BZgA, betont: »Bewegung ist elementar wichtig für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Neben Fitness und motorischen Fähigkeiten werden auch soziale Kompetenzen gefördert.«


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


young health

 

Über die Online-Reha aus dem Wohnzimmer

 

 

Dr. Lara Maier

hat in München und Kapstadt Medizin studiert und ist Medical Director bei Caspar Health. Außerdem engagiert sich Dr. Lara Maier bei dem Podcast ›Visionäre der Gesundheit‹ und schreibt dort Faktenchecks zu Themen im Bereich von Digital Health und Medizin.

 

 

 

 

Was genau macht Caspar Health?
Caspar Health ist eine telemedizinische Rehabilitationsplattform. Wir bilden eine Rehaklinik digital ab. Ganz klassisch kommen wir aus dem Nachsorgebereich. In der Reha gibt es spezielle Inhalte und Therapien, zum Beispiel Bewegungstherapien, oder spezielle Inhalte wie Seminare zu: »Wie nehme ich am besten ab?« oder »Was ist eine gute Ernährung für mich?«. Und all diese Inhalte haben wir digitalisiert, sodass die Kliniken ihre Patient:innen mittels unserer App mit Therapieplänen versorgen können. Patient:innen können die Reha vor allem in der Nachsorge per App absolvieren. Das bedeutet, sie müssen nicht immer in ein ambulantes Rehazentrum fahren, sondern sind zeitlich und örtlich flexibel, haben aber mit ihren Therapeut:innen und Ärzt:innen Kontakt, die ihre Therapiepläne jede Woche für sie neu erstellen.

Wer sind Ihre Kund:innen?
Wir sind ein B2B-Business, das bedeutet, wir kooperieren mit Kliniken, die Caspar Health als Plattform nutzen können, um ihren Patient:innen diesen Service zu bieten. Und wir werden auch mittlerweile von der Deutschen Rentenversicherung voll anerkannt. Eine Leistung oder eine Reha, die mit Caspar Health absolviert wurde, wird gleich vergütet und ist gleich anerkannt wie eine Reha, die in einem Zentrum oder in einer Klinik durchgeführt wurde. Mittlerweile zählen zu unseren Kund:innen auch Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Maßnahmen aus dem Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements anbieten möchten.

Was sind Ihre Aufgaben als Medical Director bei Caspar Health?
Als Medical Director habe ich, grob gesagt, zwei große Aufgabenbereiche. Zum einen bin ich die „Public Spot Person“ des Unternehmens – Ich vertrete Caspar Health zum Beispiel auf Kongressen und Fachtagungen, halte Präsentationen oder moderiere. Damit repräsentiere ich das Unternehmen als ärztliche Expertin nach außen. Der zweite Aufgabenbereich ist die Produktweiterentwicklung. Ich arbeite sehr eng mit unseren Produktmanager:innen zusammen. Mein Fokus liegt darauf, die medizinische Expertise in unser Produkt mit einfließen zulassen und beratend mit unseren Teams zusammenzuarbeiten.

Was sind die Zukunftspläne des Unternehmens – Stichwort digitale Gesundheitsanwendungen?
Wir haben aktuell zwei große Neuerungen, die bei uns anstehen. Zum einen lassen wir uns als Medizinprodukt zertifizieren. Davor hatten wir uns lange gesträubt, merken aber, dass es ohne Zertifizierung immer schwieriger wird. Das wird 2022 losgehen. Als offizielles Medizinprodukt können wir dann auch andere Märkte erschließen, wie beispielsweise den GKV- oder Präventionsmarkt. Bei vielen ist eine Medizinprodukte- zertifizierung eine Voraussetzung. Ich sehe das darüber hinaus auch als qualitatives Merkmal und bin sehr froh, dass wir das nun angehen. Den Weg digitaler Gesundheitsanwendungen werden wir wahrscheinlich nicht anstreben, der passt aktuell nicht zu uns. Ich könnte mir eher die digitale Pflegeanwendung als eine weitere Möglichkeit für uns vorstellen. Zum anderen werden wir jetzt noch stärker auf eine verbesserte Datenerhebung setzen. Das große Ziel ist der Aufbau einer Künstlichen Intelligenz, die bis hin zur automatischen Therapieplangeneration geht. Je mehr Patient:innen und Therapiepläne wir haben, desto mehr können wir unser Produkt verbessern und anpassen. Wenn wir diese Grundlage gemeistert haben, wäre der nächste Schritt die Expansion. Der asiatische und der angloamerikanische Raum sind interessant für uns.

Neben der Arbeit bei Caspar Health sind Sie auch Teil des Teams vom Podcast ›Visionäre der Gesundheit‹. Bringen Sie sich dort auch als Medizinerin ein?
Zu den ›Visionären der Gesundheit‹ kam ich vor zwei Jahren. Ich wollte mehr über Podcasts lernen. Daraufhin habe ich Inga Bergen angeschrieben. Wir beschlossen, die Themen aus dem Podcast mehr zu vertiefen und im Rahmen von sogenannten ›Faktenchecks‹ aufzuarbeiten. Mein Ziel ist es, komplizierte Sachverhalte aus den Bereichen Medizin und Digital Health sehr einfach darzustellen. Da ist mein medizinischer Hintergrund von Vorteil.


Startup-Telegram

 

Die Liste der ›Apps auf Rezept‹ beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte enthält seit Anfang Juli zwei neue Anwendungen. Erstmals wurde eine Lösung vorläufig aufgenommen, die das Nichtrauchercoaching auf digitale Weise ermöglicht. Die App ›Nichtraucherhelden‹ wird im Gegensatz zu Nikotinpflastern von den Kassen erstattet und dient der Behandlung sowie Linderung einer diagnostizierten Tabakabhängigkeit. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Training hilft, die Tabakabhängigkeit zu überwinden, die Kosten betragen für 90 Tage rund 239 EUR. https://www.nichtraucherhelden.de/

Ebenso vorläufig aufgenommen wurde Esysta von Emperra. Die DiGA für insulinpflichtige Menschen mit Diabetes erleichtert die Kontrolle des Blutzuckerverlaufs und der Therapie, beispielsweise durch einen automatischen Datenimport aus Blutzuckermessgeräten sowie Insulinpens in ein digitales Tagebuch. Die Auswertungen erleichtern unter anderem das Selbstmanagement der Erkrankten und unterstützt Ärzt:innen, die die Behandlungsdaten jederzeit einsehen können, sofern die Patient:innen dem zustimmen. Der HbA1c-Wert sank bei Teilnehmenden im Durchschnitt um 0,9 Prozent. www.emperra.com

Ein Start-up aus Amsterdam stellt seine Patient Journey App nun auch in Deutschland zur Verfügung. In der Anwendung senden Gesundheitseinrichtungen wichtige Informationen an ihre Patient:innen und deren Angehörige. Zudem hat das medizinische Personal Zugriff und kann die Fortschritte der Erkrankten im Blick behalten bzw. eingreifen, wenn etwas nicht stimmt. Das kommunikative Angebot erstreckt sich bisher auf elektive Behandlungen oder chronische Erkrankungen wie Herzfehler oder Diabetes, weitere Patient Journeys sollen hinzukommen. Gesundheitseinrichtungen erwerben die App, Patient:innen nutzen sie gratis. https://patientjourneyapp.com/de


Meldungen

 

Pro Generika e.V. kritisiert Krankenkassen

Zu viele Arzneimittelhersteller besitzen Monopol

Immer mehr Unternehmen besitzen bei spezifischen Arzneimitteln ein Monopol. Damit ist ein einziger Hersteller bei bestimmten Wirkstoffen für die Versorgung aller gesetzlich Versicherten zuständig. Die Folge sei eine gefährliche Marktverengung, kritisiert der Verband ›Pro Generika e.V.‹.

Bei 17 Wirkstoffen ist es ein einziges Unternehmen, das fast alle gesetzlich Versicherten versorgt. Das teilte Pro Generika e.V. mit, der Interessenverband der Generika und Biosimilarunternehmen. Bei dem Wirkstoff Metoclopramid, der Übelkeit nach einer Chemotherapie verhindern kann, ist ein einziger Hersteller für die Versorgung von 99,4 Prozent aller gesetzlich Versicherten zuständig. Auch bei dem Wirkstoff Entacapon, den viele an Parkinson Erkrankte benötigen, hängen 85,2 Prozent der gesetzlich Versicherten von bloß einem Hersteller ab.
 
Grund dafür sei das sogenannte ›Ein-Partner-Modell‹, bei dem nur ein Unternehmen den Auftrag erhält, sämtliche Patient:innen einer Krankenkasse mit einem bestimmten Arzneimittel zu versorgen. Der Zuschlag würde immer an denjenigen gehen, der das günstigste Angebot abgibt. »Fällt dieser Hersteller aus, weil er einen Lieferengpass hat oder Lieferwege blockiert sind, können die anderen Unternehmen sein Volumen so schnell nicht abdecken und ein Lieferengpass kann die Folge sein«, kritisiert Pro Generika e.V.

Bislang galt das Ein-Partner-Modell in der Politik als unproblematisch. Durch die Konkurrenz der 103 gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland sollte jede einzelne Krankenversicherung die Möglichkeit haben, sich für einen anderen Hersteller zu entscheiden. Doch immer mehr Krankenkassen bestellen bei ein und demselben Unternehmen. Von 404 Wirkstoffen, die die Krankenkassen im Ein-Partner-Modell ausgeschrieben haben, werden bei 104 der Wirkstoffe über 50 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland von einem einzigen Hersteller versorgt. »Versorgung sollte wieder auf mehrere Schultern verteilt werden. Und zwar indem Aufträge stets an mindestens drei Hersteller vergeben werden müssen«, fordert Pro Generika e.V.

Generika sind Arzneimittel, die wirkstoffmäßig mit einem bereits früher zugelassenen Arzneimittel übereinstimmen. Von dem Originalpräparat unterscheidet sich das Generikum oft bei Hilfsstoffen und in der Herstellungstechnologie.

 

WHO veröffentlicht Papier über ethische Aspekte von Künstlicher Intelligenz

Verbesserung der Gesundheitssituation ist eine gemeinsame Aufgabe

Über achtzehn Monate hat eine Expertenkommission der WHO an einem Leitfaden für ethische Aspekte von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitsbereich gearbeitet. Dabei haben die Expert:innen sechs Kernprinzipien identifiziert und betonen, dass sowohl Regierungen als auch Stakeholder mehr zusammenarbeiten müssen.

›Ethics & Governance of Artificial Intelligence for Health‹ heißt der WHO-Leitfaden, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor kurzem herausgegeben hat. Expert:innen aus den Bereichen Ethik, digitale Technologie, Medizin und Recht sowie Expert:innen aus verschiedenen internationalen Gesundheitsministerien stellten in ihrem Leitfaden die Menschenrechte in den Mittelpunkt. Der Bericht identifiziert die ethischen Heraus- forderungen und Risiken beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen und nennt sechs Konsensprinzipien, die sicherstellen sollen, dass KI zum Wohle der Allgemeinheit in allen Ländern funktioniert. Dabei wird in dem Papier immer wieder betont, dass nicht nur die Regierungen enger zusammenarbeiten sollen, sondern auch verschiedene Stakeholder. Denn die Gesundheit der Menschen weltweilt zu verbessern, sei eine gemeinsame Verantwortung.

Die sechs Kernprinzipien der WHO für Künstliche Intelligenz sind: Der Schutz der Autonomie (1), Förderung des menschlichen Wohlbefindens, der menschlichen Sicherheit und des öffentlichen Interesses (2), Gewährleistung von Transparenz und Verständlichkeit (3), Förderung von Verantwortung und Rechenschaftspflicht (4), Gewährleistung von Inklusion und Gleichheit (5) sowie Förderung von KI, die nachhaltig ist (6).

»Um diese Prinzipien und menschenrechtlichen Verpflichtungen in die Praxis umzusetzen, müssen alle Beteiligten, ob Designer:innen, Softwareanbieter, Patient:innen oder Gesundheitsministerien, zusammenarbeiten, damit ethische Normen in jeder Phase der Entwicklung und des Einsatzes der Technologie integriert werden«, so Dr. Soumya Swaminathan, Kinder- und Jugendärztin aus Indien und seit 2019 leitende Wissenschaftlerin der WHO. Sie sagt, dass in der Zukunft alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen von dem großen Versprechen der KI-Technologien profitieren sollen.

 

Zwei neue Forschungszentren in Berlin

In BeCAT und Si-M entstehen neuartige Arzneimittel und menschliche Organmodelle

Anfang Juli erfolgte die Grundsteinlegung der innovativen Forschungszentren Si-M und BeCAT auf dem Gelände der Virchowkliniken der Charité – Universitätsmedizin Berlin Zusammen mit der Technischen Universität (TU) Berlin werden hier neuartige biomedizinische Technologien erforscht.

Am Berlin ›Center for Advanced Therapies‹ (BeCAT) werden Forschende der Charité in Zukunft innovative zellbasierte Arzneimittel entwickeln, die die Gesundheit von Patient:innen mit unheilbaren Erkrankungen wiederherstellen sollen. Diese neuartigen Therapien sind mit bisherigen Medikamenten kaum zu vergleichen, da sie nicht nur die Krankheitssymptome lindern, sondern die Ursachen der Erkrankungen beheben sollen.

Im Forschungszentrum ›Der Simulierte Mensch‹ (Si-M) arbeiten Wissenschaftler:innen von Charité und TU Berlin gemeinsam an der Modellierung menschlicher Zell- und Organfunktionen. An der Schnittstelle von Biotechnologie und Medizin entstehen humane Modelle und maßgeschneiderte Therapien, die Tierversuche ersetzen und bessere Resultate liefern sollen. Beide Neubauten erhalten eine gemeinsame Plattform für die infrastrukturelle Erschließung. Ein Teil des Si-M wird künftig für die Berliner Öffentlichkeit zugänglich sein: Ausstellungen, Workshops und Vorträge sollen die Kommunikation zwischen Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und der Bürgern fördern.

Zahlreiche geladene Gäste und Redner:innen nahmen an der feierlichen Grundsteinlegung teil. Viele brachten kleine Präsente mit, die verplombt in den Grundstein eingelassen wurden. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller nannte Berlin eine »künftige internationale Gesundheitsstadt, die Spitzenforschung auf Weltniveau ermöglicht«, wovon letztendlich alle Patient:innen profitieren werden. Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, betonte: »Der sich dynamisch entwickelnde Forschungscampus Seestraße hat enormes Potenzial für die Zukunft der Medizin und Biotechnologie. Ferner bieten die Gebäude räumlich beste Bedingungen für die interdisziplinär forschenden und translational orientierten Wissenschaftler:innen.«

In unserem EinBlick-Podcast können Sie das kurze Gespräch mit Prof. Dr. Heyo K. Kroemer komplett anhören. Hier reinhören: https://t1p.de/l513

 

Bundestagswahl 2021

Wie unterscheiden sich die Positionen der Krankenkassen?

Aktuell veröffentlichen die Krankenkassen ihre Positionen zur anstehenden Bundestagswahl. Während die AOK Kooperation, Koordination und Qualitätsorientierung in der Gesundheitsversorgung fordert, setzt die TK sich für eine Neuordnung der Krankenhauslandschaft und eine konsequente Digitalisierung in der Pflege ein. Beide möchten die Sektorengrenzen aufbrechen.

Das 30-seitige Positionspapier ›Neue Nähe‹ der AOK beinhaltet eine stärkere Koordination und Kooperation der Akteure jenseits der Sektorengrenzen des Gesundheitswesens, eine stärkere Qualitätsorientierung in der Versorgung und eine nachhaltige Stabilisierung der GKV-Finanzen durch die Erhöhung der Bundeszuschüsse. Dabei steht das Programm sowohl für Nähe und Erreichbarkeit von Versorgern und eine zeitnahe Behandlung als auch für eine konsequente und umfassende Orientierung an den Bedürfnissen der Mitglieder und Versicherten. Daneben enthält das Papier zahlreiche konkrete Umsetzungsvorschläge, unter anderem zur Reform der Notfallversorgung, zur stärkeren Nutzung der elektronischen Patientenakte, zur Reform der Arzneimittelpreis- Verordnung oder zur Weiterentwicklung der Patientenrechte. Zur Überwindung der Sektorengrenzen schlägt die AOK ein ›3+1-Gremium‹ auf Landesebene vor – mit Vertreter:innen der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Landeskrankenhausgesellschaften und der Krankenkassen, ergänzt durch unparteiische Vertreter:innen des jeweiligen Bundeslandes.

Auch die TK fordert eine Aufhebung der Sektorengrenzen u.a. durch eine bessere Vernetzung zwischen ambulantem und stationärem Sektor. Daneben sind aus Sicht der TK die Neuordnung der Krankenhauslandschaft, die Sicherung der Pflege – insbesondere durch konsequente Digitalisierung – und die Stärkung der Selbstverwaltungskompetenzen notwendig. Ferner hält der Verwaltungsrat einen Finanzausgleich zwischen der sozialen Pflegeversicherung (SPV) und der privaten Pflegeversicherung (PPV) für nötig, um Ungleichheiten bei den Pflegerisiken zu kompensieren. In Form einer Resolution wendet sich das höchste Entscheidungsgremium der TK an die Politik: Weiterentwicklung und Digitalisierung wie beispielsweise die Übermittlung von Echtzeitdaten im Gesundheitswesen sind vorrangig umzusetzen. Ebenso gibt es Handlungsbedarf in der Arzneimittelversorgung. Lieferengpässe wie in der Pandemie dürfen nicht entstehen, die Versorgung der Versicherten muss jederzeit sichergestellt sein.


Bemerkt

 

 

»Wir sind bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems wirklich weit, weit zurück.«

Prof. Dr. Heyo K. Kroemer Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin ›Der Spiegel‹

 

Das ganze Interview finden Sie hier https://t1p.de/blg8

 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Expert:innen denken, dass das Virus SARS-CoV-2 die Menschheit noch lange begleitet und nicht sobald ausgerottet werden kann. Unter dieser Prämisse haben Wissenschaftler:innen drei Szenarien formuliert, wie eine Zukunft langfristig mit dem Erreger aussehen könnte.

Im schlimmsten Fall würde die Gesellschaft das Virus nicht unter Kontrolle bekommen und heftige Ausbrüche würden die Folge sein. Im zweiten Szenario skizzieren die Expert:innen eine Kontrolle über das Virus, jedoch komme es zu regionalen Ausbrüchen. Sie vergleichen in diesem Szenario SARS-CoV-2 mit einer Grippewelle. Im optimistischen und dritten Falle könnte sich das Virus so anpassen, dass die Symptome nicht mehr so stark sind. Die Wissenschaftler:innen betonen jedoch, dass es nicht vorhersehbar ist, wie sich Viren und die Schwere der Symptome entwickeln werden.

Hier können Sie die frühe Fassung des Berichts für nature: https://www.nature.com/articles/s41586-021-03792-w


Empfehlung

Infektionen und Gesellschaft: COVID-19 und andere Pandemien – interdisziplinäre Analyse und Zukunftsstrategien

Das Buch stellt die Frage in den Mittelpunkt, was eine Pandemie mit unserer Gesellschaft macht. Die Verfasser:innen des Bandes dokumentieren eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit SARS-CoV-2 und den gesellschaftlichen Folgen. Zugleich bieten die Beiträge einen Ausblick, wie in Zukunft mit Pandemien umgegangen werden muss – von der Prävention über die Entwicklung von Impfstoffen und Impfstrategien bis hin zu Therapiemöglichkeiten.

Grundlage des Buches war ein Symposium im Oktober 2020, bei dem sich Wissenschaftler:innen mit Fragen rund um gesellschaftliche, psychische und wirtschaftliche Auswirkungen von Pandemien beschäftigt haben. Die Erkenntnisse hat Herausgeber Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Sprecher der Arbeitsgruppe ›Infektionsforschung und Gesellschaft‹ an der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, in Zusammenarbeit mit weiteren Autor:innen in dem Buch zusammengefasst. »Es ist wichtig, dass wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen«, betont Mediziner Lohse.

Weitere Informationen zum Buch, das auch als Open Access verfügbar ist, finden Sie hier: https://www.springer.com/de/book/9783662635087


Zuletzt:

 

Karin Maag in neuer Funktion beim Gemeinsamen Bundesausschuss

Karin Maag, die bis vor kurzem noch Bundestagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion CDU/CSU war, ist seit 1. Juli unparteiisches Mitglied beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). In ihrer neuen Funktion beim G-BA ist sie ab sofort für Qualitätssicherung, ambulante spezialfachärztliche Versorgung sowie Disease- Management-Programme verantwortlich. Bei diesen Themen übernimmt sie den Vorsitz der beschlussvorbereitenden Unterausschüsse.

Hier finden Sie die Meldung des G-BA sowie die Pressemitteilung: https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/964/

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