Berlin-Chemie Newsletter vom 21. Juli 2022

Berlin-Chemie Newsletter vom 21. Juli 2022

Interview:

  • »Der digitale Alltag fordert von uns, sich damit zu beschäftigen«
    EinBlick sprach mit Prof. Dr. Volker Busch über notwendige Veränderungen und Gewohnheiten

Kurzstrecke:

  • Gesundheitskioske sollen flächendeckend etabliert werden
    Zunächst in Gebieten mit gesundheitlicher Unterversorgung geplant

  • Patient:innen erhalten einfacheren Zugang zu Reha-Verordnungen
    Krankenkassen werden in Prüfung nicht mehr mit einbezogen

  • Videosprechstunden werden auch nach der Pandemie im Trend bleiben
    Neue Zahlen der Techniker Krankenkasse TK zeigen Anstieg im ersten Halbjahr 2021

  • Innovationsausschuss des G-BA veröffentlicht neue Förderbekanntmachungen
    Projekte im Bereich Versorgungsforschung und Entwicklung von medizinischen Leitlinien

Interview:

  • Klare Strukturen und Raum zum Experimentieren
    EinBlick sprach mit Laura Wamprecht über die Digitalisierung der Forschung und ihre Erwartungen an den 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Personalbemessung in der Pflege
    Arbeitsbelastung für Pflegepersonal soll mit neuem Instrument gesenkt werden

  • Lebenserwartung bei Magenkrebs-Patient:innen
    Entzündungswerte im Blut entscheidender Faktor

  • Pflege-Report 2022 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)
    Bild der letzten Lebensphase im Pflegeheim

  • Zi-Umfrage zu Azubis in ärztlichen Praxen
    Es fehlt an qualifizierten Bewerbungen



Interview

 

»Der digitale Alltag fordert von uns, sich damit zu beschäftigen«

EinBlick sprach mit Prof. Dr. Volker Busch über notwendige Veränderungen und Gewohnheiten

 

Prof. Dr. med Volker Busch

ist Facharzt für Neurologie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik in Regensburg. Er leitet dort die wissenschaftliche Arbeitsgruppe ›Psychosozialer Stress und Schmerz‹, die psychophysiologische Zusammenhänge von Stress, Schmerz und Emotionen erforscht. Außerdem arbeitet er als Arzt therapeutisch mit Menschen, die unter Belastungen verschiedenster Art leiden. Ein weiteres Betätigungsfeld von ihm ist seit vielen Jahren, sein Wissen und seine Erfahrung in Form von Keynotes/Vorträgen, Seminaren und Publikationen weiterzugeben.

Prof. Dr. med Volker Busch wird am 7. September 2022 mit seinem Vortrag ›Einfach machen! Keine Angst vor Veränderungen‹ das Abschluss-Highlight des 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker gestalten. Hier finden Sie weitere Informationen zum Programm des Kongresses: https://gesundheitsnetzwerker.de/de/programm-detail/2022

Herr Prof. Busch, Sie werden beim 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker in Berlin einen Vortrag zum Thema ›Einfach machen, keine Angst vor Veränderungen‹ halten. Warum ist das überhaupt ein Thema? Haben Menschen denn so viel Angst vor Veränderungen?
Zumindest sehen wir derzeit zwei Faktoren: Einerseits eine sehr schnelllebig gewordene Welt, die sich ständig verändert und von uns in immer kürzeren Zeitabschnitten verlangt, dass wir uns ihr anpassen, und andererseits wissen wir, dass der Mensch zu einer gewissen Bequemlichkeit und Trägheit neigt, oft auch aus gutem Grund. Denn Dinge immer wieder gleich zu tun und Routinen auszubilden, ist ja nichts Schlechtes, sondern hat auch viele Vorteile und ist durchaus sinnvoll, aber diese gewisse Trägheit steht natürlich einer Veränderungsnotwendigkeit auch entgegen. In diesem Dualismus entsteht eine gewisse Spannung, die man auflösen muss.

Sie sind seit vielen Jahren auf dem Gebiet der neurowissenschaftlichen Forschung tätig. Dieses Beharrungsvermögen, von dem Sie sprechen, gibt es ja auch im Gesundheitswesen, denken wir nur an die Einführung des E-Rezepts. Was würden Sie da raten, wo sollte man ansetzen, um die Angst vor Veränderung hinter sich zu lassen?
Da sind immer zwei Sachen, die ganz wichtig sind, damit wir uns verändern. Erstens müssen wir den Grund kennen, warum dieser Weg überhaupt wichtig ist. Das heißt, Aufklärung gehört natürlich am Anfang dazu, aber der zweite Schritt ist fast noch wichtiger. Wir müssen das neue Verhalten üben. Irgendwann sind nämlich alle Argumente ausgetauscht, man hat viel diskutiert und Gründe dargelegt, warum die neue Technik, die neue Maßnahme sinnvoll ist, dann geht es ans Üben. Der Mensch verändert sich vor allen Dingen viel übers Tun, und wenn man neue Dinge eine Zeitlang gemacht hat, dann fallen sie einem nicht mehr so schwer. Irgendwann hat man sie habituiert, sie sind zur Gewohnheit geworden. Kurzum, wir brauchen erst einmal Aufklärung und danach brauchen wir Beharrlichkeit und Geduld im Tun, im täglichen Umsetzen.

Was meinen Sie, wie könnte Politik das befördern, diese Notwendigkeit von Veränderungen?
Die Maßnahmen der Politik erschöpfen sich oft darin, dass die Regierung die Bevölkerung für neues Verhalten zu motivieren versucht, indem sie vor schrecklichen Veränderungen warnt, die eintreten, wenn wir uns nicht bewegen. Das heißt also, sie übt sehr viel Druck aus durch Mahnungen und versucht, auf diese Weise eine gewisse Veränderungsmotivation zu erzeugen. Das ist prinzipiell auch nicht falsch. Menschen können durchaus dazu bewegt und motiviert werden, etwas zu tun, wenn sie Angst vor einer alternativen Entwicklung haben. Denken wir nur daran, wie wir unsere Kinder erziehen, dass wir da auch häufig diese Maßnahme anwenden. Wenn du nicht, dann...! Der viel gangbarere Weg aber ist, die Ziele, auf die man hinsteuert, attraktiver zu machen. Dass man also aufzeigt, warum es sich lohnen kann, sich selbst oder das und das zu verändern. Wenn Menschen einen Grund erkennen, warum sich neues Verhalten lohnt, und sie visualisieren können, dass sie persönlich davon profitieren, dann ist das der viel nachhaltigere Weg. Und das kann Politik oft nicht so gut vermitteln, vielleicht auch, weil es ein bisschen mehr Fantasie braucht und mehr Zeit und Geduld, solche positiven Visionen von einer Zukunft zu entwickeln, aber die wären wichtig. Darüber hinaus haben wir, wenn ich das noch sagen darf, in Deutschland auch ein besonders schlechtes Verhältnis zu Visionen. Sie wissen, dass ein Ex-Bundeskanzler einmal gesagt hat: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Das halte ich für grundlegend falsch. Hier hat nämlich jemand Visionen mit Halluzinationen verwechselt. Menschen mit Visionen brauchen eigentlich eine Stimme in unserem Land, denn wenn Menschen Visionen haben von etwas, dann auch klare Zielvorstellungen. Und wenn wir es schaffen, in die Bevölkerung zu bringen, was sich strategisch verbessern kann, auch im Gesundheitssektor, dann ist das eigentlich sehr hilfreich. Dann sehen wir einen Leuchtturm, auf den wir hinsteuern können, und das fehlt uns oft heutzutage.

Sie haben einmal gesagt, dass man sich selber gelegentlich zu Revolutionen gegen sich selbst auffordern sollte. Was meinen Sie damit?
Wir alle haben ja unglaublich viele Gewohnheiten. Über siebzig Prozent aller Dinge, die wir tun, auch die wir denken und fühlen, sind nicht konkret produziert im Hinblick auf die jeweilige Situation, sondern unser Gehirn zieht sozusagen eine Schublade auf und nimmt die Dinge heraus, die schon vorgefertigt drin sind. Wir tun also Dinge aus der Wiederholung viel öfter, als dass wir sie immer wieder neu produzieren. Wir alle kennen den Ausspruch: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und diese Gewohnheiten, das sagte ich schon, haben auch etwas Gutes. Sie bedeuten nämlich, energetisch sparsam leben zu können. Aber in einer Welt, in der wir uns verändern müssen oder verändern wollen, stehen sie uns oft entgegen. Und diese kleinen Revolutionen gegen sich im Alltag bedeuten, mal auf spielerische Weise aus der ein oder anderen Gewohnheiten auszubrechen. Muster aufzubrechen und bewusst neue Wege zu suchen, um sich selber entwickeln zu können und dadurch Neues kennenzulernen. In solchen Momenten begebe ich mich sozusagen auf eine Entdeckungsreise zu mir selbst und kann anhand kleiner Revolutionen gegen Gewohnheiten viel Neues für mich entdecken. Studien zeigen, dass Menschen, die solch kleine Microchanges, so kleine Veränderungen im Alltag immer wieder üben, sich tatsächlich mit Macrochanges, also großen Veränderungen im Alltag, leichter tun. Und das ist neben dem schönen Aspekt des Entdeckens ein weiterer positiver Grund. Es ist ein Trainingseffekt, der damit verbunden ist, dass wir Veränderungsstärke trainieren und entwickeln können.

Sie haben letztes Jahr das Buch: ›Kopf frei! Wie Sie Klarheit, Konzentration und Kreativität gewinnen.‹ veröffentlicht. Das ist inzwischen auch ein Spiegel-Bestseller. Finde ich dort auch solche Trainingseinheiten, Trainingstipps?
Ja, da geht es nicht ausschließlich um das Thema, mit dem wir uns dann im September in Berlin beschäftigen werden, aber es gibt Überschneidungen. Und das Buch ist ganz alltagsnah aufbereitet. Es ist sehr viel dabei, was man für sich selbst rausziehen kann, um wieder klar denken und konzentriert arbeiten zu können. Vor allen Dingen, wie es gelingt, den Kopf wieder freizubekommen, um kreativ sein zu können, neue Ideen zu entwickeln. Denn Kreativität ist nicht so sehr eine Eigenschaft, die man hat oder nicht, sondern ist eine Denkstruktur, die man entwickeln kann, wenn man sich wieder traut, in Kontakt mit sich selbst zu gehen. Und das Buch zeigt auf, wie man das schaffen kann.

Sie sagen, dass man geistig hungrig und neugierig bleiben soll und dass man ein schöneres Geschenk seinem Gehirn gar nicht machen könne. Wir haben uns inzwischen angewöhnt, dass man sich die Nägel pflegen lässt, die Haare mit unterschiedlichen Treatments zu pflegen etc. Finden Sie, dass das Gehirn noch nicht genügend bedacht, wird von uns?
Ja (lacht), damit beziehen Sie sich wahrscheinlich auf mein Vorwort. Aber so ist es. Ich glaube, dass wir den Kopf zwar sehr pflegen, doch überwiegend das, was außen drauf ist, und nicht gerade das, was drin ist. Aber im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung werden wir immer mehr, übrigens auch im Gesundheitssektor, Kopfarbeit leisten müssen. Wir werden wahrscheinlich den großen Vorteil genießen, dass Künstliche Intelligenz immer mehr unliebsame körperliche Arbeit für uns übernehmen wird, und wir werden uns mehr aufs Steuern und Kontrollieren, auf Denken und auf Programmieren verlagern im Laufe der nächsten ein bis zwei Generationen. Das bedeutet, unser Gehirn wird noch stärker und vor allem unsere intellektuellen geistigen Denkleistungen werden immer mehr in den Mittelpunkt dessen rücken, was wir tagtäglich tun. Umso wichtiger wird es, zu wissen, was unser Gehirn eigentlich braucht, um wirklich leistungsfähig zu sein, aber auch, was es zur Erholung braucht. Der digitale Alltag fordert von uns, sich damit zu beschäftigen. Darum geht es in dem Buch und letztendlich auch in meinem Vortrag.


Kurzstrecke

 

Gesundheitskioske sollen flächendeckend etabliert werden

Zunächst in Gebieten mit gesundheitlicher Unterversorgung geplant

Die Bundesregierung will die Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag umsetzen, dass in besonders benachteiligten Kommunen und Stadtteilen niedrigschwellige Beratungsangebote wie Gesundheitskioske für Behandlung und Prävention errichtet werden.Die Eckpunkte für einen Gesetzesentwurf zu Gesundheitskiosken befinden sich derzeit in der Abstimmung. Insgesamt möchte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bundesweit 1000 Gesundheitskioske etablieren. Dort soll den Bürger:innen geholfen werden, Arzttermine oder eine Physiotherapie zu bekommen. Auch soll man sich Befunde erklären lassen können. An die neuen Gesundheitskioske sollen auch Sozialdienste angebunden werden. Mit den schon bestehenden Pflegestützpunkten sollen die neuen Einrichtungen zusammenarbeiten.
 
Gesundheitskioske sollen zunächst dort etabliert werden, wo es eine gesundheitliche Unterversorgung gibt und wo vor allem sozial schwächer gestellte Menschen leben. Vorbild für die Planungen sind bereits bestehende Gesundheitskioske in Hamburg oder Aachen. Um sich vorab ein genaueres Bild davon zu machen, besuchte die Arbeitsgemeinschaft Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion am 15. Juli Hamburg und sah sich den Gesundheitskiosk für Billstedt/Horn an.

 

Patient:innen erhalten einfacheren Zugang zu Reha-Verordnungen

Krankenkassen werden in Prüfung nicht mehr mit einbezogen

Ab dem 1. Juli 2022 erhalten Patient:innen einen einfacheren Zugang zu bestimmten Reha-Verordnungen. Dazu zählen die geriatrische Rehabilitation und Anschlussrehabilitation. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bereits im Dezember 2021 beschlossen. Er setzte damit einen gesetzlichen Auftrag aus dem Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz (GKV-IPReG) um.

Bei einer geriatrischen Rehabilitation für Versicherte ab 70 Jahren prüft nun nicht mehr die Krankenkasse, ob die Reha erforderlich ist, sondern Vertragsärzt:innen analysieren anhand festgelegter Kriterien und über verschiedene Funktionstests den medizinischen Bedarf. Einfacher wird es auch für Patient:innen, die nach einem Krankenhausaufenthalt eine Anschlussrehabilitation benötigen. Hier entfällt bei Vorliegen der Voraussetzungen für eine Rehabilitation für bestimmte Indikationen ebenfalls die Überprüfung durch die Krankenkassen. Die Anschluss-Reha kommt beispielsweise für Menschen mit Erkrankungen des Herzens, des Kreislaufsystems, nach Einsatz eines neuen Knie- oder Hüftgelenks oder bei Krebserkrankungen infrage.

 

Videosprechstunden werden auch nach der Pandemie im Trend bleiben

Neue Zahlen der Techniker Krankenkasse TK zeigen Anstieg im ersten Halbjahr 2021

Die Videosprechstunde sei aus dem medizinischen Alltag inzwischen nicht mehr wegzudenken, so TK-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Baas. »Die Pandemie hat vielen Menschen die Vorzüge der Videotechnik vor Augen geführt.« Neben Arbeitsterminen oder privaten Gesprächen habe sich auch die Videosprechstunde mit Arztpraxen etabliert. Stetig steigende Zahlen zeigten, so Baas weiter, dass der Boom der Videobehandlungen nicht nur an den Lockdown geknüpft war.

Im ersten Halbjahr 2019 hatten Versicherte der Techniker Krankenkasse TK nur 297-mal Ärzt:innen mittels Video kontaktiert. Im Folgejahr lag die Zahl der Videosprechstunden schon bei 361.000, und im ersten Halbjahr 2021 stieg sie weiter deutlich an auf nun
580.000. Patient:innen ersparten sich mit einer Videosprechstunde längere Anfahrtswege und Aufenthalte in Wartezimmern. Ärzt:innen seien mit den zusätzlichen digitalen Behandlungsformaten flexibler in ihrer Arbeit und könnten den Praxisalltag effizienter organisieren. Besonders in versorgungsschwächeren Gebieten könne mit Videosprechstunden eine gute Behandlung der Patient:innen sichergestellt werden, so das Resümee von Dr. Jens Baas.

Auch die Stiftung Warentest sieht in Videosprechstunden eine echte Alternative zum Arztbesuch vor Ort. In einem Test untersuchte die Stiftung vier Telemedizinplattformen. Dabei schnitten drei Plattformen mit ›befriedigend‹ ab, eine wurde mit ›gut‹ bewertet.
Neben einer meist positiven Gesamtbewertung wurde noch Verbesserungsbedarf beim Datenschutz gesehen.

 

Innovationsausschuss des G-BA veröffentlicht neue Förderbekanntmachungen

Projekte im Bereich Versorgungsforschung und Entwicklung von medizinischen Leitlinien

Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses hat drei neue Förderbekanntmachungen veröffentlicht. Ab sofort können sich Interessierte sowohl für Versorgungsforschungsprojekte bewerben als auch für Entwicklung von verschiedenen medizinischen Leitlinien. Die Themen für die Projekte sollen sich auf die Felder Gesundheit und Klimawandel, Digitalisierung und Vernetzung von Leitlinienwissen, Verbesserung der Situation von Menschen mit Hilfsmitteln, Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen, Entlassmanagement, eHealth sowie indikationsspezifisch zugelassene Arzneimittel beziehen.

Die Antragsfrist dafür endet am 25. Oktober 2022 um 12 Uhr, der Bewerbungsschluss für die Entwicklung von medizinischen Leitlinien ist hingegen bereits am 27. September um 12 Uhr. Hier können sich Interessierte auf die Themenfelder sektorenübergreifende Koordination von häufigen Erkrankungen, Versorgung von Zielgruppen mit besonderen Bedürfnissen, Public Health oder intensivmedizinische Versorgung von schwerstkranken Patient:innen bewerben.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Interview

 

Klare Strukturen und Raum zum Experimentieren

EinBlick sprach mit Laura Wamprecht von Flying Health über die Digitalisierung der Forschung und ihre Erwartungen an den 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker

 

Laura Wamprecht

ist Managing Director bei Flying Health. Mit dem Innovationsnetzwerk begleitet sie große und kleine Unternehmen auf dem Weg ins Gesundheitswesen 2.0.

Laura Wamprecht moderiert am 7. September 2022 beim 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker die Kurzvorträge mit anschließender Diskussion zum Thema: Digitale Forschung – Fast Forward für digitale Lösungen.

 

Frau Wamprecht, Digitalisierung im Gesundheitswesen beinhaltet auch den Aspekt, dass die Forschung digitale Wege einschlägt. Wo stehen wir hier?
Da stehen wir noch relativ am Anfang. Wir haben zwar schon ein paar Möglichkeiten, einige Projekte durchzuführen, die sehr spannend sind, aber bei der Vielzahl von Forschungsprojekten bleiben wir in Deutschland einfach hinter unseren Möglichkeiten. Ein Grund dafür ist, dass wir die nötige Infrastruktur, vor allem für digitalen Datenaustausch, noch nicht hinreichend gewährleistet haben. Da müssen wir schauen: Wie können wir besser werden? Wie können wir noch besser zusammenarbeiten?

Stichwort Daten. Daten sind eine wichtige Ressource auch für die Gesundheitsforschung. Welche Hindernisse gibt es beim Verfügbarmachen dieser Daten?
Ich habe den Eindruck, dass wir im Forschungsumfeld viel machen können im Vergleich zur klassischen Versorgung, wo wir mit Daten noch ganz andere problematische Fragestellungen haben. Immer noch ein Thema ist der Austausch von Daten über verschiedene Bundesländer hinweg. Wir haben eine sehr starke Heterogenität, wie das Thema Datenschutz ausgelegt wird. Das hindert natürlich große Forschungsvorhaben daran, wirklich schneller und agiler zu sein.

Wie sollte also der Zugang zum geplanten Forschungsdatenzentrum Gesundheit Ihrer Ansicht nach geregelt werden?
Das Forschungsdatenzentrum hat großes Potenzial, die Forschung in Deutschland deutlich besser aufzustellen. Eine Einschränkung ist der derzeit noch so stark begrenzte Zugang. Wir haben eine klar definierte Liste von Institutionen, die mit den Daten arbeiten dürfen beziehungsweise antragsberechtigt sind. Was mir fehlt, ist der Zugang von Industrie. Mit Industrie meine ich sowohl kleine und mittlere als auch große Unternehmen. Die einfach auszuschließen, finde ich schade. Damit nehmen wir uns selbst große Chancen, die in anderen Ländern auch anders geregelt sind. In Frankreich zum Beispiel haben wir da eine andere Herangehensweise. Ich wünsche mir Offenheit für die verschiedenen Akteure, dass man seine Forschungsfrage einreichen kann und dann ein Gremium bewertet: Ist diese Frage relevant? Ist das Vorhaben ethisch in Ordnung? Bringt dies unsere Gesellschaft weiter nach vorne?

Flying Health unterstützt Start-ups. Wie könnte die Förderung gerade von Start-ups im Gesundheitsbereich verbessert werden?
Wir brauchen auf der einen Seite klare Strukturen, und hier sind das digitale Versorgungsgesetz und der DiGA-Fast-Track wunderbare Möglichkeiten. Und mit diesem Fast-Track gibt es eine grundsätzliche Verlässlichkeit für Unternehmen und demzufolge auch Planbarkeit. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir als Gesundheitssystem die Möglichkeit haben, Innovationen auf einer gewissen strukturierten Art und Weise ins System zu bringen und damit dann auch einen Rahmen vorgeben, in dem das stattfinden kann. Auf der anderen Seite - ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu widersprüchlich -, brauchen wir auch einen Raum zum Experimentieren. Also dass wir nicht erst warten, bis die perfekte Lösung dreimal durchvalidiert ist, bevor überhaupt der erste Patient mit dem Ganzen in Kontakt kommt. Dann nehmen wir einfach sehr viel Geschwindigkeit raus. Der Vorteil von Start-ups ist doch, dass sie schneller und agiler sind in ihren Strukturen und in der Produktentwicklung als vielleicht der eine oder andere Großkonzern. Hier müssen wir eine Balance finden zwischen zunächst einem Testfeld, und dann, wenn es funktioniert, der relativ schnellen Schaffung einer Struktur, die skalierbar ist.

Sie moderieren das Panel ›Fast Forward für digitale Forschung‹ beim 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker. Was für Erwartungen haben Sie an den Kongress jenseits des Panels, bei dem Sie selbst mitwirken?
Ich freue mich einfach auf den Kongress. Ich freue mich darauf, wieder mit so vielen Leuten in den Austausch zu kommen. Was ich am Kongress für Gesundheitsnetzwerker sehr schätze, ist, dass man dort eine Community hat, die sehr divers zusammengesetzt ist. Es ist ein Kongress, der verschiedene Stakeholder einbindet, der einen branchenübergreifenden Austausch ermöglicht und das in einer sehr vertrauten Atmosphäre. Ich bin gespannt darauf, welche Themen sich weiterentwickelt haben in den letzten Jahren.

Das Gespräch mit Laura Wamprecht können Sie im Podcast EinBlick - nachgefragt zusammen mit drei weiteren Akteuren des 17. Kongresses für Gesundheitsnetzwerker hier https://t1p.de/ke98c anhören.


Startup-Telegram

 

In den Neubauten im Potsdam Science Park arbeiten junge Unternehmen an Zukunftslösungen weit über Berlin-Brandenburg hinaus. So möchte das Start-up biotx.ai mit Künstlicher Intelligenz die Zulassungsverfahren für Medikamente, die aktuell bis zu 15 Jahren dauern, verkürzen. Eine KI-Plattform erkennt komplexe Muster in genomischen Daten und kann daraufhin präzise Vorhersagen zur Wirksamkeit neuer Therapien liefern. Die klinischen Tests erfolgen im Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel. https://www.biotx.ai/

Qmedis Analytics ist ein Auftragslabor, das Arzneimittel analysiert und entwickelt. Mit hochmodernen Analyseverfahren wie der Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) und einer großen Bandbreite an analytischen Dienstleistungen legt das Start-up einen Fokus auf spektroskopische und chromatographische Analysemethoden. Aktuell wird ein Verfahren zum 2D-Druck von Medikamenten entwickelt: Über eine Art Esspapier mit Wirkstoff wird die Medizin bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen und muss nicht geschluckt werden. https://www.qmedisanalytics.com/

Auf eine bestimmte Krebszellendiagnostik hat sich Gilupi spezialisiert. Ein metallischer Draht, der für 30 Minuten in die Vene eingeführt wird, enthält Antikörper, die bestimmte Proteine der Tumorzellen im Blut erkennen und binden. Anschließend isoliert man die gefundenen Tumorzellen und untersucht sie, beispielsweise um die Therapiefortschritte zu überwachen. Biopsien werden vermieden – und damit mögliche Schmerzen und Komplikationen. https://gilupi.com/

Porous möchte dank moderner Ultraschalltechnologie die Osteoporose frühzeitig erkennen. Mit intelligenten Algorithmen im Bereich der quantitativen Ultraschalltechnologie können Anwender:innen die Qualität und Dicke der Knochenrinde bzw. der Kortikalis (das Gewebe direkt unter der Knochenoberfläche) auf mikroskopischer Porenebene und ohne Strahlenbelastung messen. https://mehr- innovation.info/porous


Meldungen

 

Personalbemessung in der Pflege

Arbeitsbelastung für Pflegepersonal soll mit neuem Instrument gesenkt werden

Mit einem neuen Instrument zur Personalbemessung soll sichergestellt werden, dass in Deutschlands Krankenhäusern künftig so viele Krankenpfleger:innen beschäftigt werden, wie für eine gute Pflege tatsächlich benötigt werden. Das Instrument soll in drei Stufen eingeführt werden, und Kliniken, die die Vorgaben nicht erfüllen, sollen ab 2025 sanktioniert werden.

Seit Wochen wurde an sechs Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. Einer der längsten Krankenhausstreiks zeigt, dass die Situation in der Pflege dringend verbessert werden muss. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen 20.000 Fachkräfte an den Krankenhäusern, so die Einschätzung der Gewerkschaft ver.di.

Um die Personalbemessung zu verbessern, sollen Patient:innen künftig in acht Leistungsstufen eingeteilt werden, so eine Erläuterung der Deutschen Krankenhausgesellschaft DKG zur geplanten Pflegepersonal-Regelung 2.0 (PPR 2.0). Vorgesehen sind vier Stufen in der Grundpflege und weitere vier in der Spezialpflege. Für jede Stufe soll in Minuten festgelegt werden, wie lange für die Pflege gebraucht wird. So soll ein Zeitwert pro Patient:in ermittelt werden, der durch weitere Berechnungsgrößen ergänzt wird. Die DKG möchte so den tatsächlichen Bedarf an Pflegepersonal ermitteln. Durch das neue Instrument werde die Pflegezeit pro Patient:in voraussichtlich um 8.1 Prozent ansteigen.

Eckpunkte zur geplanten PPR 2.0 wurden an die Fraktionen der Ampelkoalition verschickt. Diese sehen zunächst eine Erprobungsphase ab Januar 2023 vor. Dabei soll eine repräsentative Auswahl an Krankenhäusern beteiligt werden. Ab 1. Januar 2024 soll das Personalbemessungsinstrument dann für alle Kliniken verpflichtend werden. Abschließend folgt ab 1. Januar 2025 die Konvergenzphase, in der ein zu erreichender Umsetzungsgrad der Pflegepersonalregelung festgelegt werden soll.
Häuser, die tarifvertragliche oder andere vertragliche Vereinbarungen zur Entlastung des Pflegepersonals abgeschlossen haben, müssen das Instrument nicht anwenden. Der Entlastungstarifvertrag, der in Nordrhein-Westfalen durch den Streik erreicht werden soll, wäre eine solche Alternative zur Personalbemessung mit dem geplanten Instrument.

»Wir werden per Gesetz gegen die Überlastung der Pflege vorgehen«, schrieb Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach auf Twitter. Er dankte der Gewerkschaft ver.di, die in dem Eckpunktepapier »genau das richtige Signal an die Beschäftigten in der Krankenhauspflege« sieht. Der anvisierte Zeitplan werde allerdings der akuten Lage in den Einrichtungen nicht gerecht, so die Kritik vom Präsidenten der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Markus Mai.

In der Einführungs- und Konvergenzphase müsse die Pflegepersonaluntergrenzen- Verordnung (PpUGV) beibehalten werden, fordert Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates. Diese würde in dem Eckpunktepapier nicht genannt. Weiter soll ein »echter Abgleich« der Ist- mit der Soll-Besetzung erfolgen - auf Stationsebene und mehrmals im Jahr. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft findet die sofortige Ankündigung von Sanktionen »unpassend« und wünscht sich, dass zunächst der Stand der Pflegepersonalausstattung der Häuser ermittelt werden solle. In einem weiteren Schritt sollte man sich dann über notwendige Verbesserungen bei unzureichender Personalausstattung verständigen, so DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß.

 

Lebenserwartung bei Magenkrebs-Patient:innen

Entzündungswerte im Blut entscheidender Faktor

Wie kann die Lebenserwartung von Menschen mit Magenkrebs in fortgeschrittenem Stadium beeinflusst werden? Diese Frage untersuchten Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Leipzig in Kooperation mit der Masaryk-Universität in Brno (Brünn)/Tschechien. Sie fanden heraus, dass Entzündungswerte im Blut mit einer reduzierten Qualität der Muskulatur bei den Betroffenen einhergehen und letztlich den entscheidenden Faktor darstellen.

Für die Untersuchung werteten die Forscher:innen Daten von 500 Betroffenen aus, die vor einigen Jahren innerhalb einer klinischen Studie behandelt wurden. Dabei untersuchten sie sowohl bestimmte Laborwerte im Blut, die eine Entzündungsreaktion im Körper anzeigen, sowie Messwerte zur Muskelqualität. »Aus unseren Befunden kann geschlussfolgert werden, dass bei aggressiven, fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, wie am Beispiel des Magenkarzinoms, die Entzündungsreaktion im Blut der treibende Faktor für das Krankheitsgeschehen ist«, sagt Prof. Dr. Ulrich Hacker, Oberarzt am Universitätsklinikum Leipzig. Die Mediziner:innen entdeckten, dass bei Patient:innen, die im Rahmen der Studie mit einer Chemotherapie behandelt wurden und bei denen die Erkrankung nicht weiter fortschritt, der gemessene Entzündungswert im Blut deutlich zurückgegangen war. »Die Beeinflussung der Entzündungsreaktion stellt sich als zentraler Angriffspunkt heraus, um sowohl die Prognose als auch die Sarkopenie zu verbessern«, so Prof. Hacker, Leiter der Forschungsgruppe.

Laut den Wissenschaftler:innen müsse in künftigen Studien geklärt werden, ob die Befunde auf andere Tumorarten übertragbar seien und wie sich unterschiedliche Tumortherapien oder andere Behandlungen auf die Entzündungsreaktionen im Blut auswirken.

 

Pflege-Report 2022 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)

Bild der letzten Lebensphase im Pflegeheim

Die im internationalen Vergleich hohe Krankenhaus-Verlegungsquote in den letzten zwölf Wochen des Lebens von Pflegeheimbewohner:innen könnte durch eine stärkere Integration von Hospizdiensten in den Langzeitpflegeeinrichtungen gesenkt werden, so Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes bei der Vorstellung des Pflege-Reports 2022. Auf Basis von AOK-Routinedaten wird die Lebenssituation von Pflegeheimbewohner:innen unmittelbar vor deren Lebensende in einem Betrag für den Pflege-Report beleuchtet. Die Auswertung der Daten wurde durch eine Befragung von 550 Pflegefach- und Assistenzpersonen ergänzt. Diese erbrachte eine Diskrepanz zwischen Versorgungswunsch und -wirklichkeit.

Palliativkompetenzen von Ärzt:innen und Pflegenden müssten weiterentwickelt werden, so Reimann weiter. “Die interprofessionale Zusammenarbeit muss intensiviert und es müssen ausreichend personelle Ressourcen bereitgestellt werden.“ 56 Prozent aller Pflegeheimbewohner:innen wurden in den Jahren 2018 und 2019 innerhalb der letzten zwölf Wochen vor ihrem Lebensende mindestens einmal in ein Krankenhaus verlegt. Diese Einweisungen seien aus Sicht der Befragten nicht im besten Interesse der Versterbenden. Oft würde sich auf Druck der Angehörigen das Behandlungsteam für belastende lebensverlängernde Maßnahmen entscheiden – meist im Widerspruch zu einer vorliegenden Patientenverfügung.

Der Pflege-Report wird jährlich in Buchform und als Open-Access-Publikation vorgelegt. In diesem Jahr wurde der Schwerpunkt auf jene Pflegebedürftigen gelegt, die im Normalfall nicht aus altersassoziierten Gründen Unterstützungsbedarf haben. In 16 Fachbeiträgen werden verschiedene konkrete Versorgungs- und Unterstützungsbedarfe beleuchtet, deren Betroffene aus dem Raster der Altenpflege fallen.

Hier können Sie den Pflege-Report 2022 https://www.wido.de/fileadmin/Dateien/Dokumente/Publikationen_Produkte/Buchreihen/Pflegereport/wido_pfl_plegereport2022_full_07_2022.pdf kostenfrei als PDF herunterladen.

 

Zi-Umfrage zu Azubis in ärztlichen Praxen

Es fehlt an qualifizierten Bewerbungen

42 Prozent der ärztlichen Praxen in Deutschland bilden ihre Auszubildenden selbst aus. Jedoch fehlt es an qualifizierten Bewerbungen. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).

»Unsere Umfrageergebnisse zeigen eines sehr deutlich: ›Die derzeitige Ausbildungsordnung erscheint vielen Praxisinhaberinnen und -inhabern nicht mehr an die modernen Arbeitsplatzerfordernisse angepasst‹«, sagt Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. So waren in fast der Hälfte der Praxen und medizinischen Versorgungszentren (MVZ) weniger als 50 Prozent der Bewerbungen je Ausbildungsstelle geeignet. Bei fast einem Drittel hatten die eingestellten Auszubildenden in der Regel einen geringeren Schulabschluss als ›Mittlere Reife‹. Außerdem bemängelten die Leiter:innen der ärztlichen Praxen bei den Bewerber:innen fehlende SoftSkills wie z.B. Sozialkompetenz und Belastbarkeit.

Aus diesem Grund fordert das Zi, bei der Überarbeitung der Ausbildungsordnung eine anspruchsvollere Ausrichtung anzustreben. Medizinische Fachangestellte seien elementarer Teil der Sicherstellung ärztlicher Versorgung. »Eine modulare Ausrichtung der MFA-Ausbildung könnte helfen, das dafür notwendige Qualifikationsniveau breiter und schneller zu erreichen«, so Dr. Dominik von Stillfried.

Eine weitere Herausforderung seien die hohen Abbruchquoten bei den Auszubildenden. Rund ein Drittel der ausgewerteten Praxen und MVZ sind in den Jahren 2017 bis 2021 von Ausbildungsabbrüchen betroffen gewesen. Einen positiven Fakt hebt das Zi jedoch hervor: Die in den Praxen und MVZ verbleibenden Auszubildenden seien stark engagiert. An der Befragung nahmen insgesamt 4.535 Praxen und 230 MVZ teil.


Bemerkt

 

 

»Starke Kinderrechte sind das Fundament für einen wirksamen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und Ausbeutung. Die Initiative ›Trau dich!‹ zeigt, wie gute Prävention gelingen kann: Kinder stärken, Fachkräfte weiterbilden, Eltern informieren und vor allem Schulen und Fachberatungsstellen besser vernetzen.«

 

Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

 

 

 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Plastik kann den menschlichen Körper belasten

Bei Aufnahme durch Nahrung oder Atem kann dies gesundheitliche Auswirkungen haben. Besonders gefährlich sei dabei ›Nanoplastik‹. Das sind Teilchen, die zwischen einem Nanometer (milliardstel Meter) und 1000 Nanometer (entspricht einem Mikrometer) groß sind. Ein Forschungsteam des Bundesinstituts für Risikobewertung prüft aktuell, welche Arten von Plastik besonders gefährlich sind.

Die Wissenschaftler:innen fanden bei ihren Untersuchungen heraus, dass Form, Oberfläche und die chemischen Eigenschaften eine wichtige Rolle bei der Antwort auf die Frage spielen, wie sich die Partikel auf das menschliche Gewebe auswirken. Das Forschungsteam beschäftigt sich mit Submikrometer- und Nanoplastik und ihren Effekten auf menschliche Dünndarm- und Leberzellen. Weil diese Partikel so klein und schwer zu studieren sind, sei es eine Herausforderung, zu zuverlässigen Erkenntnissen über ihre Einflüsse auf menschliches Gewebe zu gelangen. Deshalb benutzte das Team verschiedene Mikroskopier- und Prüfverfahren. Die Zellen wurden verschiedenen Kunststoffen ausgesetzt, die etwa in Plastikgeschirr und -besteck oder in Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden.

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass mehr Partikel aufgenommen wurden, je kleiner diese Teilchen waren. Auch die Art der Partikel spielt eine wichtige Rolle. Die Dünndarmzellen als natürliche Barriere zwischen Darminhalt und Organismus erwiesen sich dabei als eher widerstandsfähig. Die noch kleineren Partikel im Submikrometerbereich konnten hingegen in größeren Mengen in Darm- und Leberzellen gemessen werden.

Hier kommen Sie zur direkt zur Studie https://microplastics.springeropen.com/articles/10.1186/s43591-022-00036-0


Empfehlung

 

Kinder richtig versorgen: Fit für den Kindernotfall

»Was soll ich tun, falls ein Kind krank wird oder sogar in Not gerät?« Diese Frage beantwortet Dr. med. Katharina Rieth, Kinderärztin und Notärztin in ihrem neuen Buch ›Fit für den Kindernotfall‹. Sie beschreibt, was gegen Bauchschmerzen hilft, wie Nasenbluten gestoppt werden kann und welche Handgriffe im Notfall bei einer Reanimation wichtig sind. Dabei zeichnet sich das Buch durch auch medizinischen Laien verständliche Texte sowie anschauliche Beispiele und detaillierte Illustrationen aus. Außerdem finden Interessierte in dem Ratgeber Antworten auf Fragen zu Prävention, der Hausapotheke und möglichen Gefahrenstellen im Haushalt.

Weitere Informationen finden Sie hier https://www.medhochzwei-verlag.de/Shop/ProduktDetail/fit-fuer-den-kindernotfall-9783862168958


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Karen Walkenhorst als Vorständin der Techniker Krankenkasse wiedergewählt

Weitere sechs Jahre wird Karen Walkenhorst nun eine der drei Vorstandsrollen der Techniker Krankenkasse (TK) übernehmen. Das ist das Ergebnis der Wahl durch den Verwaltungsrat des Unternehmens. Walkenhorst ist bereits seit 2017 Vorständin der TK. »Karen Walkenhorst hat erfolgreich Transformationsprozesse auf den Weg gebracht, wie die Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur und der TK als Modern Workplace oder die Digitalisierung von Prozessen im Mitgliedschafts- und Beitragsbereich, von denen Mitarbeitende und Versicherte profitieren«, sagte der alternierende Vorsitzende des TK-Verwaltungsrats, Dieter F. Märtens, anlässlich der Entscheidung. »Wir freuen uns auf eine auch weiterhin erfolgreiche, konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit.« Die Diplom-Sozialwissenschaftlerin verantwortet die Unternehmensbereiche Mitgliedschaft und Beiträge, Markt und Kunde sowie Personal.

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