Berlin-Chemie Newsletter vom 17. März 2022

Berlin-Chemie Newsletter vom 17. März 2022

Interview:

  • Telemedizin ermöglicht bessere Versorgung
    EinBlick sprach mit Prof. Dr. Gernot Marx über das Projekt TELnet@NRW und die telemedizinische Expertise in der Intensivmedizin

Kurzstrecke:

  • COVID-19-Frühwarnsystem im Abwasser
    Bundesweites Pilotprojekt startete im Februar

  • Weltweite Einführung digitaler Impfzertifikate nach europäischem Standard
    Erleichterte Prüfung durch Zertifikat-Check

  • Förderungen im Bereich neuer Versorgungsformen
    Innovationsausschuss des G-BA veröffentlicht Ausschreibung

  • Datennutzung in der Gesundheitsversorgung
    BVMed e.V. gründet neuen Fachbereich

Interview:

  • Was Digital Health Unternehmen jetzt benötigen
    Einblick sprach mit Inga Bergen über Finanzierung, Produktentwicklung und Kulturwandel

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Do-it-yourself-Tipps für Kartenlesegeräte
    Fehler beim Einlesen der Gesundheitskarten beheben

  • DigitalRadar Krankenhaus
    Erste Ergebnisse zur Bewertung des digitalen Reifegrades in deutschen Kliniken

  • Zi-Umfrage
    In Praxen mehr Arbeitsbelastung durch Omikron-Virusvariante

  • Erste Bilanz zu digitalen Gesundheitsanwendungen:
    GKV-Spitzenverband fordert gesetzliches Update


Wie weiter mit den digitalen Anwendungen?
Im September diskutieren wir die Zukunft des Gesundheitswesen in Berlin

Genau in diesen Tagen wollten wir uns auf dem 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker endlich wieder persönlich austauschen. Doch wie Sie wissen, haben wir den Termin auf Anfang September verschoben. Zu den diversen globalen Herausforderungen bringt der aktuelle Streit um E-Rezept und E-AU erneut Unruhe in die Ärzteschaft.

Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach will einen Kurswechsel in der Digitalisierung vornehmen. Analog zu den Forderungen der KBV fehlen ihm Nutzen und qualitative Prüfungen der digitalen Anwendungen. Nachdem die gematik dem Stopp durch Lauterbach widersprochen hatte, stellte das Bundesgesundheitsministerium klar, dass die Testphase weitergeführt werde.

Diese komplexe Situation greifen wir gemäß unserem Kongressmotto »Versorgung der Zukunft: Wieviel digital ist gesund?« in zahlreichen Podien, Panels und Diskussionen auf und liefern Ihnen damit die notwendige Klarheit zu allen Fragen der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Hier finden Sie alle Informationen zum 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker https://www.gesundheitsnetzwerker.de/


Interview

 

Telemedizin ermöglicht bessere Versorgung

EinBlick sprach mit Prof. Dr. Gernot Marx über das Projekt TELnet@NRW und die telemedizinische Expertise in der Intensivmedizin

 

Prof. Dr. Gernot Marx

studierte von 1987 bis 1994 Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Nach ärztlichen Tätigkeiten in Hannover und Liverpool wurde er im Jahr 2008 auf den bundesweit ersten Lehrstuhl für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der RWTH Aachen berufen. Seitdem leitet er die Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen. Daneben ist er Präsident der DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin), Mitglied des Präsidiums der DIAG und Vorstandsvorsitzender der DG Telemed.

Foto: © Daniel Carreño

 

Sie können sich das Interview als EinBlick – Nachgefragt hier anhören https://t1p.de/eujm

 

Sie sind schon früh mit telemedizinischen Aktivitäten gestartet. Was waren die Anfänge?
Wir haben im Jahr 2012 mit einem Pilotprojekt, zwei kleinen Kliniken der Regelversorgung aus der Region Aachen und unserem Zentrum, angefangen. Gefördert wurde dieses Vorhaben vom Land NRW. Dort haben wir erstmals eine Teleintensivmedizin aufgebaut, um zu sehen, ob das technisch funktioniert und akzeptiert wird – insbesondere von den Kolleg:innen, Patient:innen und deren Angehörigen. Letztendlich haben wir einen positiven Effekt in der Versorgung erbringen können und deshalb weitergemacht.

Und wo stehen Sie heute?
Das nächste große Projekt war TELnet@NRW, das über den Innovationsfonds von 2017 bis 2020 gefördert wurde. Dort haben wir einen großen, sektorenübergreifenden NRW- Verbund gebildet: Neben den Universitätskliniken Aachen und Münster haben sich 17 Kliniken der Regelversorgung und mehr als 100 Arztpraxen zusammengeschlossen. Wir haben uns auf die Gebiete Intensivmedizin und Infektiologie fokussiert, wobei ein Ziel darin bestand, herauszufinden, ob wir ein digital unterstütztes sektorenübergreifendes Versorgungsmodell aufbauen können. Das zweite Ziel war, nachzuweisen, dass durch eine 24/7 Expertise von Expert:innen in Zentren sowohl messbare Behandlungs- als auch Qualitätsverbesserungen erreicht werden können. Die Evaluation erfolgte über eine randomisierte kontrollierte Studie per Step Batch Design – das ist sehr hochwertig. Nach meinem Kenntnisstand war das die bisher größte telemedizinische Studie in Europa mit insgesamt über 10.000 Intensivpatient:innen und 150.000 Patient:innen.

Wie lauten Ihre Ergebnisse? Was kann Telemedizin bewirken?
Wir konnten zeigen, dass im stationären Bereich die Behandlung von schweren Infektionen wie Sepsis oder septischer Schock verbessert wird. Auch die Behandlung der meist tödlich verlaufenden Infektionen mit Staphylococcus aureus oder die Behandlung bei akutem Lungenversagen während der Pandemie zeigte, dass die Einhaltung international gültiger Leitlinien gesteigert werden konnte.

Gab es weitere Nebeneffekte?
Neben diesen deutlich messbaren signifikanten Verbesserungen haben wir auch festgestellt, dass im niedergelassenen Bereich weniger Antibiotika verordnet wurden, beispielsweise bei asymptomatischen respiratorischen Erkrankungen oder unkomplizierten Harnwegsinfektionen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn wenn im ambulanten Bereich weniger Antibiotika angewendet werden, kommen später weniger Resistenzprobleme auf uns zu – und die Wirksamkeit der Antibiotika hält länger vor.

Das war also ein voller Erfolg aus Sicht der Medizin und der Patient:innen?
Das fassen Sie treffend zusammen. Wir konnten in diesem mit 20 Millionen Euro geförderten Netzwerk tatsächlich eine messbare Verbesserung der Patientenversorgung erreichen und in einem internationalen Magazin veröffentlichen. Über ein Per-Review- Verfahren schauen sich externe, unabhängige Gutachter die Ergebnisse an und genehmigen sie – dieser Prozess ist gerade abgeschlossen. Daneben hat TELnet@NRW letztes Jahr den deutschen Preis für Patientensicherheit bekommen und wird vom Innovationsausschuss des G-BA zur Verstetigung empfohlen.
In der Telemedizin gab es in den letzten knapp 20 Jahren viele positive große Studien, doch die Überführung in die Regelversorgung findet bislang nur in der Neurologie in Schlaganfallnetzen statt; und sie beginnt in der Kardiologie, allerdings nicht im großen Umfang.
 
Sie fordern eine Übernahme in die Regelversorgung?
Wir Mediziner wollen die Versorgung unserer Patient:innen immer weiter verbessern und dafür benötigen wir Evidenz und methodisch hochwertige Studien. Durch die Bereitstellung telemedizinischer Expertise haben wir zu einer Verbesserung der Versorgung in einer Region beigetragen – wieso sollten andere Patient:innen darauf verzichten? Das ist ethisch schwer zu rechtfertigen.

Die Ergebnisse liegen doch vor. Wo liegt das Problem?
Sie benötigen mehr Personal, denn Telemedizin kostet Ressourcen, in der Intensivmedizin sogar noch mehr, weil sie eine 24/7 Abdeckung leisten müssen. Und das ist vergleichsweise teuer, das kann man nicht nebenbei machen, wie die Studie gezeigt hat. Auch um die Netzwerke muss man sich kümmern und organisieren, das ist aufwendig. Doch es geht hier nicht um eine nette Technologie, sondern eine Innovation mit messbaren Unterschieden, die allen zur Verfügung gestellt werden sollte.

Die Coronapandemie hat ja bereits weitere Möglichkeiten eröffnet…
…Ja, richtig. Aufgrund der Coronapandemie haben sich die Universitätskliniken Aachen und Münster im März 2020 an die Landesregierung von NRW gewandt, da wir mit einer Welle an Schwerstkranken und der Belegung sämtlicher 5000 Beatmungsplätze gerechnet haben. Unsere Idee hierbei war es, die Erkenntnisse aus TELnet@NRW allen zur Verfügung zu stellen und die Schwersterkrankten auch in Häusern der Regelversorgung telemedizinisch zu betreuen und gemeinsam zu versorgen. Die Regierung hat dieses Vorhaben unterstützt und in zwei Jahren haben wir über 570 Patient:innen in mehr als 300.000 Telekonsilen versorgt und konnten auch hier Outcome- Verbesserungen erzielen. Allerdings ist das bisher nur eine Beobachtung und kein Ergebnis einer offiziellen Studie!

Daneben haben wir nationale Daten von der DIVI ausgewertet. Dabei handelte es sich um Krankenkassendaten nach abgeschlossener Behandlung: Hier betrug in der ersten Welle die Sterblichkeit der beatmeten COVID-19-Patient:innen circa 53 Prozent – bei unserer telemedizinischen Unterstützung jedoch nur 34 Prozent. Diese deutlichen Beobachtungen haben wir auch publiziert. Eine verbesserte Behandlung durch gemeinsame Kompetenz scheint sich durchzusetzen.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?
Seit Februar 2021 hat der G-BA diese Versorgung via Pandemiezentrum anerkannt und in die Regelversorgung überführt. Zuerst sollte sie bis Ende 2021 laufen, danach bis März 2022, und aktuell wird verhandelt, ob eine weitere Verlängerung erfolgt.
Seitens der DIVI und weiterer Fachgesellschaften denken wir, diese Form der Netzwerkzusammenarbeit und die digitale Unterstützung durch Telemedizin sind ein wesentlicher Pfeiler für die Entwicklung und Qualität der intensivmedizinischen Versorgung. Wie wichtig das ist, haben mittlerweile ja alle Bürger:innen aufgrund der Pandemie gelernt! Unser erklärtes Ziel sind ebensolche Zentren für die Intensivmedizin, und daran arbeiten wir gerade sehr intensiv.


Kurzstrecke

 

COVID-19-Frühwarnsystem im Abwasser

Bundesweites Pilotprojekt startete im Februar

Der Projektverbund ›Systematische Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser‹ will prüfen, ob ein abwasserbasiertes COVID-19-Frühwarnsystem in Deutschland umsetzbar ist. Coronaviren sind bereits im Abwasser nachweisbar, bevor Symptome bei Erkrankten auftreten. Durch die Wasserprüfung könnten Fallzahlen schneller erhoben, das Infektionsgeschehen präziser abgebildet und neue COVID-19-Varianten früher erkannt werden.

Das im Februar gestartete Pilotprojekt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) soll bundesweit 20 Standorte einschließen. Dort werden Proben aus dem Zulauf der Kläranlagen entnommen und über PCR-Tests analysiert. Die Ergebnisse sollen mit den Pandemiedaten der örtlichen Gesundheitsämter verknüpft werden. Die Europäische Union fördert das Vorhaben mit rund 3,7 Millionen Euro. Flächendeckende Frühwarnsysteme für den Nachweis von Polio oder Grippeviren gibt es bereits in den Niederlanden, Kanada und Australien.

 

Weltweite Einführung digitaler Impfzertifikate nach europäischem Standard

Erleichterte Prüfung durch Zertifikat-Check

Für 194 Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation WHO soll die Einführung digitaler Impfzertifikate vereinfacht werden. Die neue Lösung über ein Gateway ermöglicht den Mitgliedern die Prüfung der elektronischen Impfnachweise über Ländergrenzen hinweg. Das Gateway, das über die WHO aufgebaut wird, entspricht der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Wenn es als Standardverfahren für COVID-19- Nachweise etabliert worden ist, soll es als Blaupause für andere Impfungen dienen.

Transparenz und Datenschutz stehen beim Aufbau des Gateways an erster Stelle. Die Software auf der Entwicklerplattform Github und alle Programmcodes sind öffentlich einsehbar. Zudem wird das Gateway mit anderen quelloffenen Teilen des Systems, die bereits von der WHO entwickelt wurden, zusammenarbeiten. Ein Sicherheitsaudit mit Penetrationstests ist Teil der Entwicklung. Umgesetzt wird der Auftrag von T-Systems.

 

Förderungen im Bereich neuer Versorgungsformen

Innovationsausschuss des G-BA veröffentlicht Ausschreibung

Im Bereich der neuen Versorgungsformen hat der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) neue Förderbekanntmachungen veröffentlicht. Themenfelder sind interdisziplinäre Versorgungsangebote, Prävention, Entlastung von Pflegefachkräften, Einbindung von digitalen Technologien im Versorgungsalltag, Digitalisierung in der Heilmittelerbringung, sozialraumbezogene Versorgungsmodelle, Stärkung der hausärztlichen Versorgung sowie Versorgungsmodelle für Kinder und Jugendliche.

Interessenten haben ab sofort die Möglichkeit, sich bis zum 17. Mai 2022 mit einer Ideenskizze zu bewerben. Der Innovationsausschuss wird voraussichtlich im 4. Quartal 2022 entscheiden, welche Bewerber aufgefordert werden, einen Vollantrag auszuarbeiten, der bis zu sechs Monate mit einem Förderbetrag von bis zu 75.000 Euro gefördert wird. Weitere Förderbekanntmachungen des Innovationsausschusses sind für das 2. Quartal 2022 im Bereich der Versorgungsforschung geplant.

 

Datennutzung in der Gesundheitsversorgung

BVMed e.V. gründet neuen Fachbereich

Wie kann die Datennutzung in der Medizin und Gesundheitsversorgung verbessert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der neu gegründete Fachbereich ›Daten‹ des Bundesverbandes Medizintechnologie e.V. (BVMed e.V.). Der Fachbereich soll regulatorische, rechtliche, technische sowie politische Expertise vereinen, um sich für einen ganzheitlichen Ansatz in der Digitalisierungsstrategie aus Hardware, Software und Datenanalyse einzusetzen.

»Daten retten in der Medizin Leben! Wir müssen vom Weltmeister des Datenschutzes zum Weltmeister der Datennutzung und des Datenaustauschs werden«, sagt BVMed- Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Neben einer verbesserten Datennutzung wird sich der Fachbereich mit der Datenstrategie der Bundesregierung, dem europäischen Datenraum sowie Big Data beschäftigen. Zu den technischen Schwerpunkten der Arbeit des Fachbereichs sollen Standards und Interoperabilität mit den Themen DiGA- Implantate-Schnittstelle und ›Medizinische Informationsobjekte‹ sowie das Thema Datensicherheit zählen.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Interview

 

Was Digital Health Unternehmen jetzt benötigen

EinBlick sprach mit Inga Bergen über Finanzierung, Produktentwicklung und Kulturwandel

 

 

Inga Bergen

ist Strategin, Unternehmerin, Beraterin und Expertin für Innovationen im Gesundheitswesen. Außerdem ist sie Podcasterin ihres Podcasts ›Visionäre der Gesundheit‹ sowie Sprecherin des Beirats für digitale Transformation bei der AOK Nordost.

Sie schreibt und referiert regelmäßig über Digital Health, Innovationen und digitale Transformationen in Healthcare sowie AI in Health.

 

 

Sie können sich das Interview als EinBlick – Nachgefragt hier anhören: https://t1p.de/7rgds

 

Frau Bergen, was sind aktuell Ihre Schwerpunktthemen?
Aktuell ist mein Schwerpunkt Digitalisierung und Veränderungen im Gesundheitswesen voranzutreiben. Ich beschäftige mich seit über zehn Jahren mit diesem Thema. Eigentlich komme ich aus der Digitalwirtschaft, habe dann ein Unternehmen übernommen und es zum ersten großen Dienstleister für Digital Health Lösungen in Deutschland aufgebaut.

Ein paar Jahre danach habe ich dann ein Start-up im Bereich Diagnostik in der Dermaonkologie geführt. Ich beschäftige mich also schon eine ganze Weile damit, wie Innovationen in das System kommen. Das ist auch etwas, woran ich aktuell sehr viel arbeite. Denn wir haben ja an allen Ecken und Enden Veränderungen, unter anderem im Bereich von Digitalisierung, aber auch durch die stetige Erweiterung des medizinischen Wissens. Im Prinzip helfe ich Menschen, diese Veränderungen zu nutzen. Das heißt, ich arbeite viel daran, auch mit pharmazeutischen Unternehmen, einen Wandel zu beginnen und zu schauen, wie man digitale Lösungen nutzen kann, um zum Beispiel Patient:innen besser zu begleiten. Und um Ärzt:innen mehr Tools an die Hand zu geben oder ihnen zu ermöglichen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Sie unterstützen bei der Produktentwicklung von Digital Health Produkten. Was empfehlen Sie Unternehmen, die in diesem Bereich ein Produkt auf den Markt bringen wollen?
Ich unterstütze zum einen bei der Produktentwicklung, zum Beispiel bei der Strategie, aber auch bei Partnerschaften. Und das ist meines Erachtens total wichtig. In dieser neuen Welt der medizinischen Versorgung ist es einfach nicht mehr möglich, dass ein Unternehmen alles alleine kann und umsetzt. Es geht nur mit Partnerschaften, weil immer mehr spezialisierte Skills benötigt werden. Hier gibt es unterschiedliche Modelle, wie man an Partnerschaften arbeiten kann. Zum anderen: Wenn man digitale Produkte entwickelt, dann steht man in Konkurrenz. Zum Beispiel steh eine App in Konkurrenz zu jeder anderen App. Und hier ist es wichtig, auf gute Nutzerfreundlichkeit und Usability zu achten. Das heißt, das ist nichts, was man einfach nebenbei machen kann. Ich glaube, diese starke Fokussierung auf die Nutzer:innen und die Bedürfnisse von Menschen ist für viele Unternehmen noch neu.

Sie sprachen gerade von Apps. Ist es für Unternehmen sinnvoll, Gesundheitsapps den DiGA-Prozess des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte durchlaufen zulassen?
Das ist eine Frage, die ich nicht pauschal beantworten kann. Das Gute an dem BfArM- Prozess ist erst einmal, dass er transparent ist und dass ganz klar auch Daten darüber verfügbar sind, warum zum Beispiel DiGA-Anträge abgelehnt oder zurückgezogen werden. Außerdem sind diejenigen, die dort beim BfArM zuständig sind, ansprechbar und kommunizieren ihre Entscheidungen. Das ist schon mal neu. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das im Bereich der Zulassung von Medizinprodukten anders aussieht. Da stößt man eher auf eine Mauer der Intransparenz. Es ist beim BfArM- Prozess also ein klarer Vorteil, denn man kann erfassen, worauf man sich einlässt. Ich würde es immer davon abhängig machen, was man wirklich für Anwendungsszenarien sieht und was man für ein Geschäftsmodell hat.

Wenn eine DiGA zugelassen ist, ist es einfach, diese über Ärzt:innen zu vertreiben. Das ist gerade für pharmazeutische Unternehmen ein Riesenvorteil, denn diese haben schon die passende Infrastruktur. Sie haben oft die Vertriebskontakte und das Vertrauen der Niedergelassenen, denn sie wissen, wie man medizinisch komplexe Inhalte vermittelt. Man sollte es auch abhängig davon machen, ob es in das Portfolio passt und ob es ein Geschäftsmodell für den Vertrieb gibt. Ich denke, dass Letzteres etwas ist, was die meisten Start-ups ein bisschen unterschätzen. Des Weiteren ist es wichtig, dass ein Unternehmen Kompetenz im Bereich des DiGA-Zulassungsprozesses aufbaut und es dann nicht bei einer DiGA belassen sollte. Im Idealfall hat man die Möglichkeit, verschiedene Apps für verschiedene Patient:innengruppen und Themen auszubauen.

Welcher Kulturwandel vollzieht sich im Gesundheitswesen, wie werden Ärzt:innen und Patient:innen im Bereich Digitalisierung mit einbezogen?
Das ist eine spannende Frage, weil ich da gerade, von außen betrachtet, einen großen Wandel sehe. Dieser liegt unter anderem daran, dass man in der Vergangenheit viel mit den Funktionären im Gesundheitswesen gesprochen hat. Das heißt, es ging darum, Innovationen in ärztlichen Praxen auszurollen. Dann hat man zum Beispiel mit den Kassenärztlichen Vereinigungen gesprochen, und zwar mit den Vertreter:innen von Hausärzte-Verbänden. Diese sagten dann einfach: »Fragt mich, wie das genutzt wird, denn ich bin der User.« Und wir sehen durch viele Schwierigkeiten, dass das so nicht stimmt

Aus meiner persönlichen Erfahrung weiß ich, dass man eigentlich neben der Arzthelferin oder dem Arzthelfer mit der Stoppuhr stehen muss, um wirklich zu begreifen, wie die Abläufe funktionieren. Wir müssen verstehen, was für diese Gruppe wichtig ist, denn sie ist am Ende diejenige, die den Workflow bestimmt. Und das muss man begreifen.

Dieser Kulturwandel wird nur erfolgreich sein, wenn man auf die gesamte Nutzungskette schaut. Man muss schauen, was die Entwickler:innnen oder Anbieter:innen tun können, um den Prozess zu erleichtern und nicht noch komplexer zu machen. Ich denke, vor dieser Erkenntnis stehen wir gerade im deutschen Gesundheitswesen. Das ist aus meiner Sicht eine totale Revolution, weil natürlich dadurch, wie wir in Deutschland im Gesundheitswesen organisiert sind, auch durch die Selbstverwaltung, alles darauf ausgerichtet ist, diesen ›Middleman‹ zu haben, der erklärt, wie Dinge gestaltet oder gemacht sein sollen, ohne wahrscheinlich tatsächlich den Bezug zur Praxis zu haben. Und ich glaube, das ist die große Revolution, die gerade stattfindet. Abschließend noch ein Satz: Ich glaube, jedes Unternehmen ist wirklich sehr gut beraten, sich mit Anwender:innen direkt in Kontakt zu bringen.


Startup-Telegram

 

Das offizielle Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat eine weitere vorläufig aufgenommene App auf Rezept gelistet.

Hinter dem Namen ›Meine Tinnitus App – Das digitale Tinnitus Counseling‹ steht eine Therapie mit Psycho-Edukation und Anleitung zum Selbstmanagement durch umfassende tinnitusspezifische Multimedia-Inhalte. Zehn Wochen dauert eine Übungseinheit mit Lektionen und Überprüfungen, insgesamt kann das Programm ein Jahr lang genutzt werden. Ärzt:innen dürfen die nach S3-Leitlinie empfohlene App nach einer Beratung und Untersuchung verschreiben. www.sonormed.com/de/

Apriwell wurde im Jahr 2021 gegründet und ermöglicht Menschen mit chronischen Zivilisationskrankheiten eine digitale, integrierte Versorgung – als Privatleistung. Mit einer ganzheitlichen Lösung gegen Verstopfung bietet das Unternehmen eine leitliniengerechte Behandlung. Dazu gehören die telemedizinische Begleitung durch medizinisches Fachpersonal, eine pflanzliche Präparate-Kombination und eine App, die dabei hilft, die Ursachen der Verstopfung aufzuspüren und zu beheben. https://www.apriwell.de/

Ebenfalls beim Thema Darm setzt das Modell von Bone Brox an. Das Unternehmen hat eine Plattform mit physischen und digitalen Angeboten entwickelt, damit Menschen gesünder und zufriedener leben können. Neben kostenfreien E-Guides und Fachartikeln bietet das Start-up selbst hergestellte nährstoffreiche Lebensmittel wie Knochenbrühen zum Verkauf an. In Entwicklung sind zudem Prä- und Probiotika sowie Darmanalysen. https://bonebrox.com/uber-uns/

Ein Stück weiter geht Biome Diagnostics: Sie wertet das Darm-Mikrobiom über moderne DNA-Sequenzierung und fortschrittliche Algorithmen für maschinelles Lernen aus. Ein Biomarker kann anhand der Mikrobiom-Analyse entschlüsseln, ob eine Krebsimmuntherapie anschlagen wird und wie stark eventuelle Nebenwirkungen sein werden. Das Start-up ist ISO-zertifiziert und bietet Selbstzahlern das Produkt Bioma an, weitere Anwendungen wie beispielsweise zur Früherkennung von Darmkrebs sind in Arbeit. https://www.biome-dx.com/


Meldungen

 

Do-it-yourself-Tipps für Kartenlesegeräte

Fehler beim Einlesen der Gesundheitskarten beheben

Eine einfache Möglichkeit, Fehler beim Einlesen der elektronischen Gesundheitskarten zu beheben, stellt Hasomed betroffenen Praxen per Video zur Verfügung. Wenn die Probleme durch elektrostatische Aufladung entstehen, kann Entladung helfen.

Das Personal in ärztlichen und therapeutischen Praxen hat mit vielfältigen Herausforderungen zu kämpfen. So führt das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarten (eGK) aus der Generation 2.1 seit Anfang des Jahres zu diversen Fehlern: Kartenlesegeräte stürzen ab, Praxisausweise werden nicht korrekt gelesen und die Praxisverwaltungssysteme senden Fehlermeldungen. Nachdem die gematik bekanntgegeben hat, dass ein möglicher Auslöser der bundesweit auftretenden Fehler die elektrostatische Aufladung sei, ist die Lösung banal: Die Karten müssen entladen werden.

Im Rahmen der Pandemie hat es sich bewährt, dass die Patient:innen ihre Krankenkassenkarte selbstständig in die Lesegeräte einstecken. Durch verschiedene Faktoren wie Umwelteinflüsse, Witterung oder Bodenbeläge laden sich die eGKs jedoch elektrostatisch auf. Deren Entladung erfolgt nun nicht mehr, wie früher üblich, bei der Übergabe an das Praxispersonal. Um den Arbeitsablauf in den Praxen störungsarm zu halten, können die Karten vor dem Einlesen an einem Stück Alufolie entladen werden, das an der Rückseite des Kartenlesegeräts befestigt wurde.

Ein Video zeigt (https://www.youtube.com/watch?v=nWTAS6dwFn8), wie die Apparatur mithilfe eines Klebestreifens und etwas Alufolie aufgebaut werden kann. Die gematik hält die vorbeugende Entladung der eGKs per Alufolie für wirksam. Allerdings wird sie von den Herstellern der Lesegeräte aufgrund des Gewährleistungsanspruches nicht empfohlen.

 

DigitalRadar Krankenhaus

Erste Ergebnisse zur Bewertung des digitalen Reifegrades in deutschen Kliniken

Ein neues Reifegradmodell vom Konsortium „DigitalRadar“ bewertet den Digitalisierungsgrad der Krankenhäuser in Deutschland und zieht zum Vergleich ein amerikanisches Modell heran. Die Ergebnisse der ersten Erhebung sind zwar gemischt, doch solide.

Das Konsortium ›DigitalRadar‹ wurde im Jahr 2021 vom Bundesministerium für Gesundheit mit der Evaluation des Krankenhauszukunftsfonds beauftragt. Eine erste Bestandsaufnahme in deutschen Kliniken zeigt im Durchschnitt einen digitalen Reifegrad von 33 – mit breiter Streuung. Erreichbar waren Werte von 0 bis 100, der höchste Punktwert lag bei 63,87 Punkten. Daraus lassen sich Stärken, aber auch Handlungsfelder für die weitere Digitalisierung ableiten.

Im internationalen Vergleich haben deutsche Kliniken aufgeholt und Fortschritte bei der Digitalisierung erzielt: Ein Drittel der Häuser würde die Kernforderungen des internationalen EMRAM-Modells erfüllen. Zur Visualisierung und Strategieentwicklung, auch mit Überleitung zu EMRAM, steht dafür nun ein neues Krankenhaus Dashboard zur Verfügung, das sukzessive um weitere Analysemöglichkeiten ergänzt wird.

Sebastian Zilch, Geschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg), überraschen diese Ergebnisse nicht: »Den Kliniken stehen seit Jahren kaum Mittel zur Verfügung, um die Digitalisierung zu finanzieren. Das Geld aus dem KHZG soll diese Defizite in einem engen Zeitkorridor lösen. Doch wir brauchen eine Finanzierungsstruktur, die Investitionen heute und in Zukunft ermöglicht.« Daneben möchte der bvitg künftige Versorgungsprozesse von Anfang an digital denken, denn Krankenhäuser brauchen Klarheit und Ziele. In der Administration funktionieren digitale Prozesse seit Jahren gut. Der Verband hofft, dass sich über die im Koalitionsvertrag angekündigte E-Health- Strategie Zielbilder und Finanzierungsmöglichkeiten finden.

 

Zi-Umfrage

In Praxen mehr Arbeitsbelastung durch Omikron-Virusvariante

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) hat in einer Blitzumfrage unter kassenärztlichen und psychotherapeutischen Praxen die aktuelle Situation abgefragt. Die Arbeitsbelastung durch die Omikron-Virusvariante ist höher, die Impfquote unter den Ärzt:innen liegt bei 94 Prozent, bei Psychotherapeut:innen beträgt die Quote 81 Prozent.

71 Prozent der Haus- und Facharztpraxen in Deutschland verzeichnen eine erhöhte Arbeitsbelastung durch das Auftreten der SARS-CoV-2-Variante Omikron. Das ist das Ergebnis einer Stichprobenbefragung des Zi. So bestätigen 84 Prozent der Hausärzt:innen den Mehraufwand, bei den Fachärzt:innen ist es gut die Hälfte. Als Gründe hierfür werden insbesondere ein höherer Kommunikationsbedarf durch die COVID-19-Schutzmaßnahmen, ein gestiegenes Corona-Testaufkommen sowie der krankheitsbedingte Ausfall von Praxispersonal angegeben. Hinsichtlich der Corona- Schutzimpfung erfüllen die niedergelassenen Haus- und Fachärzt:innen eine Vorbildfunktion.

So verfügen 94 Prozent der Ärzt:innen über einen aktuellen Immunitätsnachweis. Bei den Psychotherapeut:innen beträgt die Quote 81 Prozent. Auch beim nichtärztlichen Praxispersonal liegt ein Immunitätsnachweis mit fast 93 Prozent in hausärztlichen und 90 Prozent in fachärztlichen Praxen ebenfalls überdurchschnittlich häufig vor. Allerdings bestehen beim Immunitätsnachweis regionale Unterschiede. So sind die niedrigsten Quoten in Sachsen und Thüringen zu verzeichnen, in Nordrhein-Westfalen die höchsten.

Trotz der überdurchschnittlich häufigen Impfnachweise erwarten die Praxen spürbare Einschränkungen für den Praxisbetrieb infolge der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Knapp ein Drittel der Befragten gab an, dass Störungen im Praxisalltag oder sogar Versorgungseinschränkungen für die Patient:innen zu erwarten seien. Im hausärztlichen Bereich erwarten 17 Prozent starke Einschränkungen, im fachärztlichen Bereich sind es 25 Prozent, im psychotherapeutischen Bereich sogar 28 Prozent. Knapp die Hälfte der Praxen bieten weiterhin besondere COVID-19-Impfsprechstunden an, obwohl die Nachfrage unter den Patient:innen zurückgeht.

Als Ursachen für reduzierte Impfsprechstunden nennen 88 Prozent der befragten Ärzt:innen eine abnehmende Nachfrage durch Patient:innen und 28 Prozent eine mangelnde Impfstoffverfügbarkeit. Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Gesundheitsämtern wird als unverändert schlecht angesehen. Im Durchschnitt wurde die Schulnote Vier vergeben. Etwa 40 Prozent der Teilnehmenden an der Befragung haben eine Fünf oder Sechs vergeben.

 

Erste Bilanz zu digitalen Gesundheitsanwendungen

GKV-Spitzenverband fordert gesetzliches Update

Die gesetzlichen Krankenversicherungen beschweren sich über hohe und intransparente Preise bei den digitalen Gesundheitsanwendungen. Im Schnitt lagen die von den Anbietern im ersten Jahr frei festlegbaren Preise bei rund 400 Euro im Quartal. Das ist das Ergebnis einer Erhebung des GKV-Spitzenverbandes.

Das Spektrum der Preise reichte laut Analyse des GKV-Spitzenverbandes von 119 Euro für eine Einmallizenz bis zu 743,75 Euro für einen Freischaltcode für eine Anwendungsdauer von 90 Tagen. »Auch wenn kein innovatives Konzept besteht und keine Evidenz vorliegt, müssen die Preise bei einer DiGA in Erprobung bis zu zwei Jahre von der GKV finanziert werden. Dabei dürfen die Hersteller die Preise im ersten Jahr in beliebiger Höhe festlegen«, sagt Stefanie Stoff-Ahnis, Vorständin beim GKV- Spitzenverband. »Es liegt auf der Hand, dass bei potenziellen Ausgaben dieser Größenordnung ein beträchtlicher positiver Effekt für die Versorgung eingefordert werden muss.«

Der GKV-Spitzenverband betont, dass dies bei DiGA zu garantieren eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre sei. Auch weil DiGA als digitale Vorreiter entweder Innovationen den Boden bereiten oder ihn verbrennen können. Dem GKV-Bericht zufolge wurden zwischen September 2020 und Ende September 2021 rund 50.000 digitale Anwendungen verordnet oder von Kassen genehmigt. Aktiviert worden seien knapp 80 Prozent. Mit fast 90 Prozent wurde die überwiegende Mehrheit der DiGA ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet, ca. 10 Prozent der DiGA kamen nach Genehmigung durch die Krankenkasse zur Anwendung. Rund ein Drittel der Verordnungen wurden durch Hausärzt:innen und 20 Prozent durch Fachärzt:innen für Hals-Nasen-Ohren- Heilkunde ausgegeben.

»Um langfristig die Erwartungen zu erfüllen und die Anschubfinanzierung und den Vertrauensvorschuss zu verdienen, die mit dem neuen Leistungsbereich verbunden sind, muss das Missverhältnis hinsichtlich der vergleichsweise niedrigen Zugangsvoraussetzungen für DiGA, der geringen Innovationskraft und ihrer fehlenden Wirtschaftlichkeit konstruktiv weiterentwickelt werden. Wir wollen therapeutischen Nutzen für Patientinnen und Patienten bezahlen und keine Downloads«, betont Vorständin Stoff- Ahnis.


Bemerkt

 

»Menschen mit Seltenen Erkrankungen stehen oft vor besonderen Herausforderungen – auch und gerade in Zeiten der Pandemie.«

 

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach äußerte sich im Rahmen des 15. Europäischen Tags der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar 2022.

 

Das Bundesministerium für Gesundheit setzt sich gemeinsam mit seinen Bündnispartnern im Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) entschlossen dafür ein, die gesundheitliche Situation für alle Betroffenen weiter zu verbessern.


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Alzheimer schon viel früher erkennen

Eine Alzheimer Demenz wird in der Regel erst dann diagnostiziert, wenn charakteristische Symptome wie etwa Vergesslichkeit auftreten. Doch der biologische Beginn der Erkrankung liegt zu diesem Zeitpunkt schon weit zurück und die zugrundeliegenden Gehirnschädigungen sind bereits weit fortgeschritten und irreversibel. Um Ansätze zur Prävention und Behandlung der Alzheimer Demenz in klinischen Studien weiterzuentwickeln, ist es hilfreich, Menschen mit einem besonders hohen Erkrankungsrisiko identifizieren zu können. Doch welche Biomarker können bei symptomfreien Menschen, die später tatsächlich Alzheimer entwickeln, schon früh auf eine erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit hinweisen? Wissenschaftler:innen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der Universität Heidelberg und der Ruhr- Universität Bochum sowie vom Krebsregister des Saarlands identifizierten in ihrer Forschung ein bestimmtes Protein namens GFAP, dessen Konzentration im Blut bereits bis zu 17 Jahre vor der klinischen Diagnose der Demenz erhöht ist und damit als ein potenziell vielversprechender früher Biomarker dienen kann.

Hier finden Sie weitere Informationen: https://idw-online.de/de/news789430


Empfehlung

 

Thesisband

›COVID-19 – gesundheitliche Folgen einer Pandemie‹

Seit mehr als zwei Jahren stellt die COVID-19-Pandemie die Menschen weltweit vor große Herausforderungen. Im neuen Thesisband ›COVID-19 – gesundheitliche Folgen einer Pandemie‹ der Apollon University Press beleuchten sieben Absolven:tinnen der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft den gesellschaftlichen Umgang mit der Krisensituation. In sieben Beiträgen thematisieren sie gesundheits- und versorgungsrelevante Probleme für verschiedene Personengruppen und Settings und geben Handlungsempfehlungen für die Zukunft.

Grundlage des Buches sind Bachelor- und Masterarbeiten der Studierenden, die für die einzelnen Beiträge bearbeitet wurden. Die aufgeführten Handlungsempfehlungen als best practices-Beispiele können zu einem gelingenden Management der aktuellen Krise beitragen und Impulse zu einer sorgfältigen Vorbereitung auf zukünftige Pandemien geben. Laut den Herausgebern eignet sich der Thesisband für Studierende und Interessierte ebenso wie für Berufspraktiker:innen.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://nachrichten.idw-online.de/2022/02/21/neuerscheinung-bei-der-apollon-university-press-thesisband-covid-19-gesundheitliche-folgen-einer-pandemie/


Zuletzt:

 

Gesundheitsversorgung für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

In Deutschland ist es gesetzlich geregelt, welche Personen Gesundheitsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen beziehen dürfen. Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sind Ausländer:innen leistungsberechtigt, die sich in Deutschland aufhalten und die wegen des Krieges in ihrem Heimatland eine Aufenthaltserlaubnis als Geflüchtete besitzen. Der EU-Rat hat am 3. März 2022 beschlossen, dass geflüchtete Menschen aus der Ukraine eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, infolgedessen sie Anspruch auf Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt haben. Jedoch werden sie gesetzlich erst nach einer vorgegebenen Wartezeit von 18 Monaten von den gesetzlichen Krankenkassen betreut. Die Bundesländer können allerdings eigenständige Verträge mit den Krankenkassen abschließen, damit Geflüchtete nicht 18 Monate warten müssen. Solche Vereinbarungen bestehen aktuell in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Thüringen und in einigen Städten in Nordrhein-Westfalen.

Weitere Themen