Berlin-Chemie Newsletter vom 15. August 2017

Berlin-Chemie Newsletter vom 15. August 2017

  • Praxisinhaber: Nettoeinkommen liegt im Schnitt bei 80.000 Euro
  • Krankenhausstrukturfonds bald ausgeschöpft
  • EMA: Viel Konkurrenz für die deutsche Bewerbung
  • Pflegepolitik: Riesentanker ohne Kapitän
  • Nächster Anlauf beim G-BA
  • Ministerium verlängert NAKO Gesundheitsstudie
  • WHO schlägt Alarm
  • Arzneimittelsicherheit
  • Die nahe Zukunft: Herausforderungen gemeinsam lösen?

Praxisinhaber: Nettoeinkommen liegt im Schnitt bei 80.000 Euro

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat in einer Umfrage die wirtschaftliche Lage in Arztpraxen untersucht. Finanziell geht es Praxisinhabern trotz Kostensteigerungen noch ziemlich gut. Investitionen tätigen trotzdem eher wenige von ihnen.

Der durchschnittliche Jahresüberschuss eines Praxisinhabers lag 2015 bei 160.820 Euro. Nach allen Abzügen ergibt dies ein Nettoeinkommen von 80.295 Euro, also einem Monatseinkommen von 6.691 Euro. Diese Zahlen hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) nach einer Befragung von über 4.300 Arztpraxen ermittelt und nun in einem vorläufigen Kurzbericht niedergeschrieben. Das vollständige Papier soll bis Ende des Jahres erscheinen. Werden die Zahlen eingeordnet, dann ergibt sich inflationsbereinigt ein um 1,8 Prozent gestiegener Jahresüberschuss gegenüber 2014. Damit würden die Praxen knapp hinter der allgemeinen Reallohnentwicklung in der Bundesrepublik zurückliegen, merkte das Zi kritisch an. Inflationsbereinigt stiegen die Bruttomonatsverdienste im selben Jahr nämlich um 2,4 Prozent.

Der Gesamtumsatz aller Praxen stieg seit 2012 um 10,2 Prozent; im Vergleich zu 2014 immerhin noch um 2,4 Prozent. Dies ergab einen durchschnittlichen Gesamtumsatz für Einzelpraxen in Höhe von 276.400 Euro. Gemeinschaftspraxen erzielten im Schnitt 378.400 Euro. Passend zur stabilen Entwicklung stiegen die Gesamtaufwendungen sehr ähnlich: Seit 2012 gab es einen Zuwachs von insgesamt neun Prozent und zum Vorjahr 2014 betrug der Unterschied 2,8 Prozent. Auffällig: Prozentual legten die Personalkosten mit am stärksten zu. Rund 12.000 Euro mehr (+18,1 Prozent) mussten Praxisinhaber von 2012 bis 2015 für Mitarbeiter aufwenden.

Nach Zi-Zahlen bescherten die Ärzte der Medizintechnik- und IT-Industrie 2015 nicht allzu viel Freude, denn die Investitionsbereitschaft nahm zu 2014 ab. Die Werte für Abschreibungen sanken im Jahr 2015 im Verhältnis zu 2014 um 5,9 Prozent – zu 2012 betrug der Rückgang sogar 14,4 Prozent. Anders sieht es bei Wartung und Instandhaltung der Praxen aus. Dort gab es 2015 vermutlich größeren Bedarf, wie das Ausgabenplus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014 nahelegt. Im Zeitraum bis 2012 wurde sogar fast ein Fünftel (+19,5 Prozent) mehr in diese Bereiche investiert.

Krankenhausstrukturfonds bald ausgeschöpft

Mit dem Krankenhausstrukturfonds wollte der Gesetzgeber die Krankenhäuser in dieser Legislaturperiode ruhigstellen. Auf das Geld wurde sich eifrig gestürzt. Von Ruhe kann aber keine Rede sein.

Bis zum 31. Juli 2017 konnten die Bundesländer beim Bundesversicherungsamt (BVA) Anträge auf Auszahlung von Fördermitteln aus dem Strukturfonds stellen. Inzwischen liegen genügend Anträge vor, um den 500 Millionen Euro schweren Fonds bis auf den Kaffeesatz zu leeren. 66 Anträge, die sich auf 483,81 Millionen Euro belaufen, wurden eingereicht. Die meisten Länder haben ihre Mittel voll ausgeschöpft. Spielraum für weitere kleine Anträge haben nur noch Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Voraussetzung der Förderung, mit der unter anderem Überkapazitäten abgebaut werden sollen, ist, dass sich das antragstellende Land mit mindestens 50 Prozent der förderfähigen Kosten an dem Vorhaben beteiligt. Bisher hat das BVA neun positive Entscheidungen getroffen und Zahlungen in Höhe von 113,27 Millionen Euro bewilligt. Bei den positiven Bescheiden handelt es sich bisher sieben Mal um Konzentrationsvorhaben, eine ersatzlose Schließung eines Krankenhauses und eine Umwandlung eines Krankenhauses in eine nicht akutstationäre Versorgungseinrichtung. Bei den ausstehenden Bescheiden existiert selbiges Bild: 64 Prozent der Anträge zielen auf Konzentrationsvorhaben ab, während je 18 Prozent auf Umwandlungen oder Schließungen ausgerichtet sind. Das Förderverfahren endet nicht mit der Auszahlung, sondern ist auf mehrere Jahre ausgelegt, in denen die Wirkung der Förderung ausgewertet und die sachgemäße Verwendung der Mittel nachgewiesen werden muss. Der Marburger Bund warnt dennoch davor, dass sich die Länder nicht auf diesem für sie praktischen Fonds ausruhen dürften. „Der Strukturfonds wird das Investitionsproblem nicht lösen können. Im schlechtesten Fall werden Kapazitäten nur deshalb abgebaut, um notwendigen Investitionen aus dem Weg zu gehen. Dabei gibt es zweifellos auch strukturelle Probleme in der Krankenhausversorgung. Hier müssen die Länder aber ohnehin ihrer ureigenen Verantwortung gerecht werden und bei der Krankenhausplanung festlegen, welche Strukturen erforderlich sind, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen“, äußerte sich Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes, zur BVA-Zwischenbilanz. „Die Krankenhäuser erhalten nur die Hälfte ihrer Investitionsmittel von den Bundesländern. Deshalb werden bauliche Maßnahmen und Investitionen in moderne Technik entweder zurückgestellt oder aus Mitteln finanziert, die für den laufenden Betrieb gedacht sind.“

EMA: Viel Konkurrenz für die deutsche Bewerbung

Bis zum 31. Juli 2017 konnten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union Städtevorschläge für den neuen Sitz der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) beim Rat der Europäischen Kommission einreichen. Als Folge des Brexits muss die EMA verlegt werden. Unter dem Motto „Closer to Europe“ hat sich Deutschland mit der Bundesstadt Bonn beworben. Die Konkurrenz ist groß.

Neben Bonn glauben 18 weitere Städte in der EU daran, dass sie die ideale neue Heimat für die EMA sind. Alphabetisch sind dies Amsterdam, Athen, Barcelona, Bratislava, Brüssel, Bukarest, Kopenhagen, Dublin, Helsinki, Lille, Mailand, Porto, Sofia, Stockholm, die Insel Malta, Wien, Warschau und Zagreb. Für die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) liegen 19 Angebote vor, für die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) acht. Die beiden Agenturen müssen im Zuge des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU umgesiedelt werden. Über die künftigen Standorte müssen die Mitgliedstaaten der EU-27 einvernehmlich beschließen. Für diesen Beschluss haben die Staats- und Regierungschefs der EU-27 am 22. Juni 2017 am Rande der Tagung des Europäischen Rates (Artikel 50) ein besonderes Verfahren gebilligt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erklärte zur deutschen Bewerbung: „Beim Arzneimittel-Zulassungsverfahren ist die EMA auf die enge Zusammenarbeit mit den nationalen Zulassungsbehörden angewiesen. Mit dem international geschätzten Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn, dem Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt am Main und dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen in Köln stehen der EMA in Deutschland geballtes Fachwissen und starke nationale Partner in unmittelbarer Nähe zur Seite.“ Bonn liegt zudem in der Grenzregion zu Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Frankreich. Zudem sind drei internationale Flughäfen in der Nähe. Und in der Tat könnten diese Stärken zum Tragen kommen, denn die EU-Kommission wird bis zum 30. September 2017 eine Bewertung anhand verschiedener Kriterien, wie Erreichbarkeit, geografische Verteilung und Zugang zum Arbeitsmarkt und Gesundheitsversorgung für die Familienangehörigen, vornehmen. Aber: Die Empfehlungen der Liste sind keinesfalls bindend. Im November sollen alle Bewerbungen, die bis dahin nicht zurückgezogen wurden, zur geheimen Abstimmung gestellt werden. Die Stimmen geben Minister der 27 Mitgliedsstaaten ab. Bei Stimmgleichheit wird erneut gewählt. Da Deutschland sich mit Frankfurt am Main auch als Standort für die Europäische Bankenaufsicht (EBA) beworben hat, wird eine Sonderregelung relevant: Jedes Land darf nur einen der beiden Agentursitze bekommen. Auch auf Frankreich trifft dies zu, so konkurriert Paris mit Frankfurt um den EBA-Sitz. Das Wahlsystem ist nicht unumstritten, denn es sieht vor, dass jeder EU-Staat drei Punkte, zwei Punkte und einen Punkt an seine drei Favoriten vergeben muss. Werden sich wohl alle Bewerber selbst die Höchstpunkzahl von drei Punkten geben, ist das weitere Abstimmverhalten schwer einzuschätzen. Möchten Staaten ihre engsten Konkurrenten schwächen, indem sie ihre weiteren Punkte an unwahrscheinlichere Kandidaten verteilen, dann könnten einige Favoriten überraschend ausscheiden, wenn viele Staaten so agieren. Aktuell ist ein Wahlausgang nicht vorhersehbar. Heimliche Absprachen zwischen Deutschland und Frankreich soll es nicht geben, betonten die Botschafter unlängst.

Pflegepolitik: Riesentanker ohne Kapitän

Das Urteil des Arbeitgeberverbandes Pflege im Hinblick auf die Altenpflegepolitik der noch amtierenden schwarz-roten Bundesregierung fällt hart aus. Von Gesetzen, die die Situation nur noch schlimmer gemacht hätten, ist genauso die Rede wie von ahnungslosen Politikern, die gar nicht richtig im Thema drin steckten.

„Von einer zukunftsweisenden Politik sind wir in der Altenpflege in Deutschland noch meilenweit entfernt“ – so fiel das Urteil des Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Pflege, Thomas Greiner, mit Blick auf die zu Ende gehende Legislaturperiode aus. Der Verlierer dieser Politik ist für ihn ganz klar – es ist die stationäre Altenpflege. Die nächste Bundesregierung und die Politik müssten sich seiner Überzeugung nach endlich in Worten und Taten zur stationären Altenpflege bekennen. Denn ansonsten würde sie zum Auslaufmodell. Das Motto „ambulant vor stationär“ zeigt nämlich Wirkung. Die Benachteiligung der Pflegebedürftigen in der stationären Pflege bei der Refinanzierung von Leistungen – insbesondere im Hinblick auf die Behandlungspflege – ist längst kein Geheimnis mehr. Niemand wolle mehr in den stationären Sektor investieren, was zur Folge hat, dass immer mehr kleine Einrichtungen aufgeben.

Die Pflegestärkungsgesetze hätten die Situation in der Pflege zuletzt nur noch schwieriger gemacht. Der Vize-Präsident des Verbandes, Friedhelm Fiedler, glaubt, dass schon 2020 die nächste Erhöhungswelle der Pflegeversicherung nötig sein wird und auch die Pflegestärkungsgesetze IV und V nicht lange auf sich warten lassen werden – auch, um Fehler zu korrigieren. „Bei drei beteiligten Bundesministerien, 16 Landesregierungen, unterschiedlichen Kostenträgern und vielen weiteren Akteuren entsteht Chaos“, so Greiner. Der Verband hält darum die Einführung eines Bundesministeriums für Altenpflege für sinnvoll und wichtig.

Der Verband fordert in allen Bundesländern die Einführung von pauschalen Vergütungsverhandlungen für Personal- und Sachkosten, um Bürokratie abzubauen und damit die Effizienz zu steigern. Um dem Pflegenotstand begegnen zu können, brauche es verstärkt Einwanderung von Fachkräften, meint der Verband. Die Suche nach neuen Pflegekräften auf dem europäischen Markt reiche langfristig nicht aus, um den Notstand in den Griff zu bekommen. „Wir waren schlichtweg zu spät dran“, so Fiedler. Mit der Erweiterung der EU um die Mitgliedsländer Bulgarien und Rumänien habe Deutschland die Arbeitnehmerfreizügigkeit zunächst eingeschränkt, was anderen Ländern einen Wettbewerbsvorteil um die gut ausgebildeten Pflegefachkräfte verschafft habe. Skandinavien und Großbritannien hätten sich schon frühzeitig die Arbeitskräfte gesichert. Nun müsse Deutschland zunehmend Personal aus Drittstaaten anwerben. „Wir benötigen ein Einwanderungsgesetz mit einer zentralen Stelle für die Anerkennung ausländischer Fachkräfte“, meint Greiner.

In der nächsten Legislaturperiode wird das Thema Pflege ganz sicher wieder auf der Agenda stehen. Um die Fehler korrigieren zu können, meint Greiner, werde es weitere Pflegestärkungsgesetze geben. Für andere Politiker ist klar, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss. Der Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion, Prof. Karl Lauterbach, fordert beispielsweise, die Pflegeversicherung zu einer paritätisch finanzierten Vollkaskoversicherung umzuwandeln.

Nächster Anlauf beim G-BA

Es war eine Niederlage sondergleichen für den Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), als der Gesundheitsausschuss ihre beiden Kandidaten wegen Zweifeln an deren Unabhängigkeit einstimmig abgelehnt hatte. Das soll nicht noch einmal passieren.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) will dieses Mal offenbar auf Nummer sicher gehen und nominierte für die Spitze des G-BA zwei anerkannte Medizinerinnen. Vom Verwaltungsrat der Krankenkassen wurde Monika Lelgemann ins Rennen geschickt. Die 58-jährige Ärztin war bis Ende 2016 kommissarische Leiterin des Gesundheitsamtes Bremen und zuvor beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen tätig. Die Ärzte, Zahnärzte und Kliniken entschieden sich für Elisabeth Pott, die 30 Jahre lang die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung geführt hat.

Die Reaktionen – durchweg positiv. Gegen die beiden qualifizierten Frauen möchte auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Edgar Franke, keine Einwände erheben. Er erklärte, dass sich die beiden Frauen für die Posten der unparteiischen Vorsitzenden eignen. Dennoch könnte der Gesundheitsausschuss die Kandidaten erneut mit einer Zweidrittel-Mehrheit ablehnen. In diesem Falle droht eine Ersatzvornahme, was bedeutet, dass das Ministerium die Aufgabe der Benennung zuteilwird. Eine Entscheidung des Gesundheitsausschusses wird Anfang September erwartet, wenn der Bundestag noch zu zwei Sitzungstagen zusammenkommt.

Die Amtszeit der Unparteiischen läuft Mitte 2018 ab. Die Patientenvertreter votierten zuletzt noch dafür, die jetzige Unparteiische, Dr. Regina Klakow-Franck für die nächste Amtsperiode des G-BA erneut zu berufen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die das Vorschlagsrecht hatte, gab ihr damals aber keine Unterstützung. Ihr Amtskollege Dr. Harald Deisler wollte hingegen aus Altersgründen nicht mehr kandidieren.

Auch wenn jetzt, mit den neuen Vorschlägen, erst einmal alles nach Harmonie aussieht, so wird es zwischen dem G-BA und der Politik auch in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit ungemütlich zugehen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte zuletzt drei Gutachten in Auftrag gegeben, die sich mit dem Reformbedarf und möglichen Demokratiedefiziten beim G-BA befassen. Ende des Jahres werden die Ergebnisse erwartet. Spätestens dann wird das Thema „Ersatzregierung im Gesundheitswesen“ auf der politischen Agenda landen.

Ministerium verlängert NAKO Gesundheitsstudie

Alle paar Monate gibt es ein paar kleine neue Informationshappen zur NAKO Gesundheitsstudie. Noch fehlen 80.000 Studienteilnehmer. Die Studie wurde daher verlängert.

Seit 2014 werden in der NAKO Gesundheitsstudie – ehemals Nationale Kohorte - zufällig aus den Melderegistern gezogene Männer und Frauen zwischen 20 und 69 Jahren bundesweit in 18 Studienzentren medizinisch untersucht und nach ihren Lebensumständen befragt. Bislang haben über 120.000 Personen an der Studie teilgenommen. Das reicht noch nicht. Der ursprüngliche Zeitplan sah ein Ende der Basisuntersuchungen für Anfang 2018 vor. Weil bis dahin die fehlenden 80.000 Untersuchungen nicht zu schaffen sind, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Antrag auf Verlängerung der Erstuntersuchungen bis April 2019 genehmigt. Diese Entscheidung habe den hohen strukturellen und logistischen Aufwand in der Anfangsphase des Projektes berücksichtigt, so das Ministerium. Das NAKO Personal muss für das Vorhaben einheitlich geschult sein. „Neben der einschlägigen beruflichen Qualifikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen wir großen Wert auf eine zusätzliche NAKO-spezifische Qualifizierung. Hinzu kommen standardisierte Fortbildungen und die regelmäßige Rezertifizierung des schon geschulten Personals“, erklärte Henrik Becker, Administrativer Vorstand der NAKO, in einer Mitteilung. Durch die Verlängerung der Erstuntersuchungen sollen sich keine Projektverzögerungen ergeben. „Vom Mai 2018 bis April 2019 werden wir zum einen die Basisuntersuchung bis zum Erreichen der 200.000sten Probanden fortsetzen und zum anderen mit der Zweituntersuchung beginnen. In der Zweituntersuchung werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Basisuntersuchung im Durchschnitt nach 4,5 Jahren erneut untersucht und befragt.“

Die NAKO Gesundheitsstudie soll einen Datenpool schaffen, mit dem chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma, Infektionen und Depression, genauer erforscht werden können. Auch die Früherkennung soll durch die neuen Daten aufgewertet werden.

WHO schlägt Alarm

In Sachen Alkoholprävention muss Deutschland dringend aufholen. Im Vergleich zu anderen Ländern Europas landet Deutschland maximal im Mittelfeld, häufiger jedoch auf den hintersten Plätzen.

Nirgendwo sonst wird so viel Alkohol getrunken wie in Europa. Die WHO schlägt deswegen schon lange Alarm, weshalb sich die Länder auf den „European Action Plan to reduce the harmful use of Alcohol 2012-2020“ geeinigt hatten. Mit zehn konkreten Gegenmaßnahmen sollte dem Problem begegnet werden. Nun gibt es die erste Zwischenbilanz: In Deutschland hat sich noch nicht viel getan, wie die WHO zeigt. Einen sehr großen Putzeimer voll (11,4 Liter) mit reinem Alkohol – so viel trinkt jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Im Bereich der Aufklärung zu dem Thema liegt Deutschland nur auf Platz 23 von 29 untersuchten Staaten; bei der Prävention am Arbeitsplatz und in der Kommune liegt Deutschland zusammen mit Österreich, Malta und der Schweiz auf dem vorletzten Rang. Bei Maßnahmen gegen Alkohol am Steuer liegt Deutschland auf dem 26. Platz von insgesamt 30 Ländern. Bei Maßnahmen gegen illegalen Handel und Herstellung von Alkohol landet die Bundesrepublik sogar nur auf der vorletzten Position von 53 Staaten. „Was die Einschränkung der Verfügbarkeit von Alkohol angeht, bilden wir unter 30 Ländern sogar das Schlusslicht“, erläutert Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Lediglich bei Marketingbeschränkungen und Maßnahmen zur Verringerung der negativen Auswirkungen des schädlichen Alkoholkonsums belegt Deutschland mittlere Plätze, das heißt Rang 12 von 30 beziehungsweise 15 von 31.

„Der WHO-Bericht macht deutlich, dass in Deutschland noch Handlungsbedarf besteht, was die Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums betrifft“, resümierte Mons. „Hier sind die politisch Verantwortlichen gefordert, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel durch eine Erhöhung der Alkoholsteuern und Erhebung nach Alkoholgehalt sowie eine einheitliche Altersgrenze von 18 Jahren für die Abgabe von Alkohol und den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit.“

Doch Deutschland müsse sich nicht nur um die Prävention kümmern, auch im Hinblick auf die Nachsorge bei einer Alkoholsucht bedürfe es stärkerer Bemühungen. In Deutschland sollen Betroffene künftig nach einem Entzug im Krankenhaus direkt in eine Einrichtung der ambulanten oder stationären Suchtrehabilitation verlegt werden, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Entsprechende Handlungsempfehlungen haben unter anderem die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Deutsche Rentenversicherung Bund und verschiedene Kassen veröffentlicht. So soll das Rückfallrisiko verringert werden.

Arzneimittelsicherheit

Sie setzen die Medikamente zu früh ab, nehmen sie anders ein als es der Beipackzettel vorschreibt oder vergessen das Arzneimittel einfach, wenn es in den Urlaub geht – ein Drittel der Deutschen hält Hilfe bei der richtigen Einnahme von Arzneimitteln für entbehrlich. Mit Folgen.

Jeder Vierte in Deutschlang hat in den vergangenen zwölf Monaten zumindest einmal ein Arzneimittel nicht wie vom Arzt verschrieben eingenommen. Das geht es aus einer repräsentativen Meinungsumfrage des Deutschen Gesundheitsmonitors des Bundesverbandes für Arzneimittel-Hersteller (BAH) im zweiten Quartal 2017 hervor, die das Marktforschungsunternehmen Nielsen vierteljährlich im Auftrag des Bundesverbandes durchführt. Die Risiken sind enorm: Jedes Jahr sterben Tausende Menschen an falsch dosierter, falsch verordneter oder bedenkenlos zugekaufter Medizin. Schätzungen zufolge gehen fünf Prozent aller Krankenhauseinweisungen auf unerwünschte Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln zurück.

Abschreckend scheinen diese Zahlen nicht zu wirken. 18 Prozent haben in den letzten zwölf Monaten eigenmächtig ein Medikament vorzeitig absetzt, da es ihnen schnell wieder besser ging. 15 Prozent haben zudem die Einnahme einfach vergessen. Vor allem die über 60-Jährigen stellen sich in Sachen Arzneimitteleinnahme als besonders unbelehrbar heraus. „Die Umfrage zeigt, wie wichtig es ist, Informationen zu Arzneimitteln so aufzubereiten, dass der Patient versteht, wie viel für ihn von der richtigen Einnahme abhängt“, sagte Dr. Hermann Kortland, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BAH. Das gelte vor allem für den Beipackzettel: „Denn keine andere Informationsquelle – mal abgesehen vom Arzt und Apotheker – wird von so Vielen konsultiert wie der Beipackzettel, nämlich von 62 Prozent“, so der BAH-Vertreter.

Die nahe Zukunft: Herausforderungen gemeinsam lösen?

Der diesjährige Kongress des Bundesverbands Medizinische Versorgungszentren, Gesundheitszentren und Integrierte Versorgung e.V. (BMVZ) widmet sich dem Thema der kooperativen Versorgungsmodelle. Dass das Überwinden der Sektorengrenzen in der Versorgung häufiger stattfinden wird, und angesichts der Herausforderungen in der Versorgung auch stattfinden muss, gilt unter vielen Experten als sicher. Aber welche Kooperationsmodelle sind die richtigen?

Am 20. September 2017 werden sich Experten auf dem 11. BMVZ-Praktikerkongress im dbb forum Berlin über die verschiedenen Chancen und Hürden bei Kooperationsformen der ärztlichen Versorgung austauschen. Welche rechtlichen und organisatorischen Hürden gibt es und wie können sie gelöst werden? Zudem widmet sich der Kongress der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), welche nach wie vor auf der Kippe steht und deren Reform womöglich erneut scheitert. Schilderungen aus der Praxis sollen zeigen, wo die wirklichen Erfolge und Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit von Medizinischen Versorgungszentren und Vertragsärzten liegen. Rechtsexperten widmen sich unter anderem den Sitzkäufen von Praxen und den Überführungen in Versorgungszentren. Mit einem Grußwort wird sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe an der Veranstaltung beteiligen. Weitere Informationen erhalten Sie unter: http://www.bmvz-kongress.de

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