Berlin-Chemie Newsletter vom 13. Mai 2015

Berlin-Chemie Newsletter vom 13. Mai 2015

  • Ärztetag: Alles bleibt
  • SpiFa: Alles auf null?
  • Netzwerkerkongress: Alles verlinkt
  • Digital Health: Alles neu
  • ASV: Alles vorbei?
  • GGR II: All umfassend
  • Arztpraxen: Allzeit bereit
  • KV-Gehälter: Alles gut

Ärztetag: Alles bleibt

Ärztliche Körperschaften vertrauen ihren Vorstände weiterhin / ASV und GOÄ prägen Diskussion

Dass es kein leichter Weg nach Frankfurt werden würde, war schon im Vorfeld klar. Aber einen derartigen Canossagang hätten sich die Spitzenfunktionäre von BÄK und KBV wohl gerne erspart. Während Ärztepräsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery auf der Vorabpresskonferenz noch versuchte das Augenmerk auf die Themen Weiterbildung und Krankenhausfinanzierung zu lenken, ging Dr. Andreas Gassen in seinem Amt als Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in die Offensive. Angezählt durch das ASV-Abrechnungsangebot des Spitzenverbandes der Fachärzte, dessen Vorsitz er bis vor kurzem in Personalunion innehatte, profiliert er sich derzeit durch markige Aussagen gegen Bundesregierung und das Versorgungsstärkungsgesetz. Und hier gibt es zumindest beim Thema Praxiszwangsaufkauf einen Teilerfolg. So soll das Killerkriterium Überversorgung erst ab 140 statt wie bisher geplant schon mit 110 Prozent greifen. Intern warb Gassen mit einer persönlichen Erklärung um Verständnis und versprach künftig mehr Transparenz und eine bessere Abstimmung vor Entscheidungen. Offenbar erfolgreich. Nach der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung der KBV war der vorweg angedrohte Abwahlantrag jedenfalls vom Tisch. Da Montgomery mit einem Gegenkandidaten bei der regulär anstehenden Wahl ernsthaft nicht zu rechnen hat, dürfte auch hier die Messe gelesen sein.

SpiFa: Alles auf null?

Der Hausärzteverband hat es vorgemacht, einen gesundheitspolitischen Machtfaktor sowie eine Institution für die Abrechnung ärztlicher Vertragsmodelle zu etablieren. Die Fachärzte sind noch lange nicht soweit. Interne Differenzen sowie auch eine plötzliche Kehrtwende der Gesundheitspolitik drohen, dem SpiFa einen kräftigen Strich durch die Rechnung zu machen.

Schweres Fahrwasser. So würde man wohl in der Seefahrt die Situation des Spitzenverbandes der Fachärzte Deutschlands (SpiFa) nennen. Das Bemühen, eine fachärztliche Vertretung unter einem Dach hin zu bekommen, findet in der Ärzteschaft nicht ungeteiltes Echo. Dennoch: Vor dem Hintergrund eines drohenden Bedeutungsverlusts der fachärztlichen Vertretung durch die KBV und den Gegenpolen Hausärzteverband oder auch Medi-Verbund, empfinden viele Facharzt-Organisationen ein starkes Auftreten als lange überfällig. Umso überraschender ist es allerdings, dass man innerhalb des SpiFa kaum Einigkeit findet, neu hinzukommende Verbände auf Augenhöhe zu integrieren. Mit dem BDI hat es scheinbar geklappt, nachdem deren Vertreter Dr. Spies nun Mit-Vorstand ist. Die fachärztlichen Verbände der psychischen Versorgung, die auch unter dem Spitzenverband ZNS vereint sind, sind aber offenbar maßlos enttäuscht, das gerade ihre Fächer innerhalb der Vorstands nicht das gleiche Stimmgewicht haben, wie beispielsweise die Internisten, obwohl dieses wohl zugesagt wurde. Folge: Sie treten dem Vernehmen nach schnellstmöglich wieder aus. Nicht nur das dürfte für den SpiFa dann ein enormer Image-Verlust sein. Andere Verbände, die sich vor einer Fusion noch zierten, machen möglicherweise einen Bogen um den SpiFa, der folgerichtig gegenüber Politik und Spitzen der Gesundheitspolitik nicht als die Dachorganisation der Fachärzte firmieren kann. Noch soll aber – so ist aus verschiedenen Verbänden zu hören – das Tuch nicht zerrissen sein. Ob dieses durch einen anderen Umstand geschieht, ist offen. Nach einer plötzlichen Kehrtwende der Gesundheitspolitiker der Koalition, Spahn und Lauterbach, soll im Gegensatz zur bisherigen Regelung im Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) nur noch durch öffentlich-rechtliche Organisationen (wie bsp. KVen) abgerechnet werden können. Ärzte haben dann kein Wahlrecht mehr. Eben hier hatte aber der SpiFa sein Haupt-Aktionsfeld geplant. Mit seiner Tochterfirma sanakey, organisiert vom früheren KBV-Chef Dr. Köhler, wollte der SpiFa ASV-Verträge abrechnen. Als Beispiel diente die Abrechnungspraxis der Hausarztverträge über den Hausärzteverband. Bei der KBV-Vertreterversammlung wurden deshalb nicht nur SpiFa-Vertreter sondern vor allem auch Ex-SpiFa-Vorstand und der jetzige KBV-Chef Dr. Andreas Gassen stark kritisiert. Von unzulässiger Geschäfts-Verquickung war gar die Rede. Offenbar ging Gassen aus dem aktuellen Streit aber relativ unbeschadet hervor. Entscheiden wird sich mit dem künftigen Verhältnis KBV zum SpiFa sowie dem in Kürze erwarteten Gesetzesbeschluss zum VSG aber auch die Positionierung der deutschen Fachärzteschaft insgesamt. Zerbrechen die Versuche, ein einheitliches Fachärzte-Dach zu schaffen am Konfliktpotential innerhalb der Fachärzteschaft selbst? Quo vadis SpiFa ist damit nicht nur eine Frage eines Verbandes und seiner handelnden Akteure, sondern könnte schnell auch zu einem Versorgungsthema ersten Ranges werden.

Netzwerkerkongress: Alles verlinkt

Gesundheitsnetzwerker sind im deutschen Gesundheitssystem gefragt.

Verzahnt, vernetzt, verlinkt! Oder doch nur verzockt? Der X. Kongress für Gesundheitsnetzwerker fällt mitten in die Debatte um das E-Health-Gesetz. Seit zehn Jahren gibt es Selektivverträge und genausolang präsentiert sich der Kongress als Plattform, auf der sich jährlich rund 500 Akteure, die an sektorübergreifenden Lösungen arbeiten, vernetzen. Projekte werden dort vorgestellt sowie neue Entwicklungen politisch diskutiert, und es wird mit Kassen und Verbänden um die Weiterentwicklung der Vernetzung gerungen. Zum Auftakt stellt sich das Plenum in einer übergreifenden Plenumsdiskussion unter dem Titel "Versorgung X.0" der Frage, ob es sich hier um Zukunftsmodell handelt oder lediglich um eine Zeiterscheinung. Während das Thema Vernetzung mit Schneckentempo allmählich auch im Gesetzgebungsverfahren ankommt, kümmern sich die Gesundheitsnetzwerker längst um die nächste Ebene: Vernetzt sein heißt heute auch verlinkt zu sein. Internetbasierte Diagnose- und Therapieformen, Datenaustausch und Informationsmanagement mit Supercomputern, digitales Wissensmanagement sowie der Zugang von Patienten zu webbasierten Informationen werden das Gesundheitswesen weiter verändern. In fünf Eingangsthesen durchleuchtet Professor Dr. Jürgen Wasem, Inhaber des Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftungslehrstuhls für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen die Zukunftstauglichkeit. So sieht er Prozessinnovationen als "wesentliche Treiber" in der sektorübergreifenden Versorgung. Gefährdet wird die Entwicklung allerdings durch eine überbordende Antikorruptionsregelung. Datenschutz mutiere so zum "Totschlagargument" an den Schnittstellen. Die Einbeziehung auch nichtärztlicher Leistungserbringer ist aus Wasems Sicht erforderlich. Inhaltlich gewinne der Präventionsgedanke zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit für Unternehmen angesichts der demographischen Entwicklung immer größere Bedeutung. Die Industrie leiste über Produktinnovation einen wichtigen Beitrag, müsse dazu allerdings mehr Transparenz herstellen. Räumlich gesehen gehört dezentralen Versorgungsmodellen unter Einbeziehung der Krankenkassen aus der Sicht Wasems eindeutig die Zukunft, wobei das GKV-Finanzierungssystem dazu wenig Anreiz bilde, wie der Wissenschaftler resigniert anmerkt. Die Diskussionsrunde war sich einig, der Politik nicht pauschal den Schwarzen Peter bei den Versäumnissen in der Umsetzung zuzuschieben. Für vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer ist - am Beispiel des Genomprojektes in der Onkologie erläutert - eine IT-gestützte Kooperation bei der Diagnostik und medikamentgestützter Therapie angesichts riesiger Datenmengen unumgänglich. Ebenso hofft der neue SpiFa-Chef Dr. Dirk Heinrich mit Blick auf die "großen Reibungsverluste an den Schnittstellen" auf eine bessere Kooperation in Netzwerken, die bereits heute "auch ohne Förderung" auf örtlicher Ebene viel besser zusammenarbeiten würden, während er der Gesundheitsselbstverwaltung beim Thema E-Health "ein Armutszeugnis" ausstellt. Ingo Kailuweit, Vorstandsvorsitzender der Kaufmännischen Krankenkasse Hannover (KKH), klopft seiner Branche vor die Brust, weil der Wettbewerb verstärkt über Preis und Beitrag statt über Versorgung laufe und das E-HealthG als Reparaturset insoweit keine Vision beinhalte. Das Projekt kranke an fehlender Umsetzungs- und Verantwortungskompetenz. Dr. Markus Müschenich, Vorstand des Bundesverbandes Internetmedizin, gießt bitteren Hohn über die Situation. Die Gematikstrukturen in Deutschland seien "komplett veraltet", blenden Patientenbedürfnisse und moderne Kommunikationswege völlig aus, hinken dem internationalen Wettbewerb (Stichwort Apple-apps) weit hinterher. Gerade der Krankenhausbereich "schläft komplett." Diese Kritik will Alexander Schmidtke, Vorstandsvorsitzender am Klinikum Augsburg, so nicht unwidersprochen lassen. Er gibt am Beispiel Notfallmedizin "jeder jammert, statt gemeinsam Lösungen zu strukturieren" den getrennten Budgets und Finanzierungstöpfen die Hauptschuld am Stillstand. Es gilt für die Diskutanten am Podium einhellig alles daranzusetzen, dieses Mikadospiel endlich zu beenden.

Digital Health: Alles neu

Amerikanische Erfolgsfaktoren als Anhaltspunkte?

In den USA floriert der Digital-Health-Markt. Zahlreiche Produkte der rund 2000 E-Health-Startups stehen in Übersee kurz vor der Markteinführung. Deutsche Entwicklungen wagen sich derweil gerade einmal an eine Pilot-Phase im digitalen Neuland heran. Es ist kein Wunder, dass vielversprechende deutsche Startups – zum Beispiel das Berliner Unternehmen Klara - in die USA abwandern. Den Boom ermöglichen dort unter anderem stark steigende Milliarden-Investitionen von Risikokapitalgebern (vier Milliarden Dollar „venture funding“ in 2014) und eine 40 Milliarden-Dollar-Förderung der Regierung. Es sind beeindruckende Zahlen, die Dr. Jasper zu Putlitz, Managing Director von Accenture, auf dem 10. Kongress der Gesundheitsnetzwerker erwähnt. Weitere Erfolgsfaktoren seien webbasierte Krankenversicherungsplattformen, „home monitoring“ und „accountable care“, also Verbünde von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten. Die Firma Epic betreibt in Kalifornien das “Palo Alto Medical Foundation Portal“. Registrierte Patienten können darüber Arzt-Termine vereinbaren, Labor- und Arztberichte aufrufen oder sich mit ihrem behandelnden Arzt austauschen. Ermöglicht wird dieser Datenaustausch durch Krankenhauskooperationen. Die Experten auf dem Kongress schließen ferner nicht aus, dass künftig auch branchenfremde Startups das Potential im lukrativen E-Health-Markt ausnutzen wollen. Ein Bewusstsein für den künftigen Stellenwert von Digital-Health-Produkten gibt es aber auch in Europa. Die AXA Krankenversicherung AG hat zur Förderung von vielversprechenden internationalen Startups den 200 Millionen Euro Fund „AXA Strategic Ventures“ auf die Beine gestellt. Dr. Tom Albert, Leiter Unternehmensentwicklung des französischen Konzerns, unterstreicht, dass Patienten bei „niederschwelligen Anreizen zum Einsatz der Apps“ eher aktiv werden würden. Die App „AXA Health Keeper“ errechnet ein „Gesundheitsalter“ des Versicherten. In Deutschland wagt die Barmer GEK erste digitale Gehversuche. Die Versicherung nutzt eine App mit internetbasiertem Training für Kinder mit Augenfehlstellungen. Deren Nutzung kann derzeit von 150 teilnehmenden Ärzten des Augenarztnetzes OCUNET verschrieben werden.

ASV: Alles vorbei?

Ambulant spezialärztliche Versorgung hat sich an der Schnittstellenproblematik festgefahren.

Schwerfällig, ein stumpfes Schwert, Bürokratiemonster – drei Jahre nach Einführung fällt das Urteil über die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) vernichtend aus. Gerade einmal 27 zugelassene interdisziplinäre Teams gibt es derzeit bundesweit. Die ASV ist eine Großbaustelle. Seit drei Jahren in Kraft, kommt sie nicht richtig in Gang, so das Resümee von Experten beim X. Kongress für Gesundheitsnetzwerker. Die Grenzziehung ist schwierig und auch umstritten, weil jeder Einzelfall gesondert betrachtet werden muss. „Die ASV als Leistungsbereich mit eigenen Spielregeln war die Morgenröte, um aus einem verkrusteten System rauszukommen“, sagt Dr. Wolfgang Abenhardt, Onkologe in München und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes ASV. Unter- und Fehlversorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen soll die ASV abdecken, die Grenzen von stationär und ambulant dabei überwinden. Doch davon ist derzeit nichts zu sehen. Gegenwärtig erinnere Abenhardt die ASV jedoch an „Bahnhöfe zu Streikzeiten“: Erst für zwei Indikationen liegen abschließende Regelungen vor – Tumoren der Bauchhöhle sowie Tuberkulose und atypische Mykobakteriose. Nach Aussage der Medizinrechtlerin Katja Held arbeiten zwei Vorschriften gegeneinander. Zum einen der Dauerbestandsschutz für jene Krankenhäuser, die an der ambulanten Behandlung nach §116b (alt) SGB V teilgenommen haben und damit ihre ambulante Versorgung weiter sicherstellen können. „Diese Kliniken haben gar kein Interesse an der ASV“, sagt Held.

„Bei der Vergütung ist derzeit nichts strukturiert“, so die Anwältin. Eine eigene Gebührenordnung soll her, doch an der wird noch gearbeitet – das Ergebnis lässt auf sich warten. Kritisch sehen die Experten nach dem Willen des Gesetzgebers auch Hochschulambulanzen für jene Patienten zu öffnen, die „wegen Art, Schwere oder Komplexität ihrer Erkrankung eine Untersuchung oder Behandlung“ dort bedürfen. Die geplante Neufassung des Paragraph 117 richtet sich damit genau an jene Patienten, die auch von der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung profitieren sollen.

GGR II: All umfassend

Überproportionales Wachstum generiert elf Prozent des Bruttosozialprodukts.

Die deutsche Gesundheitswirtschaft strotzt vor Gesundheit, dieses Bild zeichnen die aktuellen Eckdaten der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung II des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Branche wächst mit 2,3 Prozent stärker als die Gesamtindustrie (+1,5 %). Sie generiert damit rund elf Prozent (562,9 Milliarden Euro) des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2014 wurde rund jeder neunte Euro in der Gesundheitsbranche erwirtschaftet. Seit der Jahrtausendwende ist die Wertschöpfung damit um mehr als 100 Milliarden Euro angestiegen. Seit 2008 wurden eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen. So verkünden die Eckdaten des Ergebnisberichts „Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung II“, der seit kurzem im Bundesverkehrs(!)ministerium aufliegt. Diese bedeutet nach Meinung der Verfasser Projektleiter Dr. Markus Schneider, Basys, und Dennis Ostwald, WifOR, eine „substanzielle Erweiterung des umfassenden Rechnungssystems“. Der Bericht erstellt im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) von Basys, WifOR, GÖZ, TU Berlin und I€GUS untersucht vor allem die „Ausstrahleffekte der deutschen Gesundheitswirtschaft auf vor- und nachgelagerte Wirtschaftsbereiche“. Knapp ein Viertel der Vorleistungen werde nicht aus der Gesundheitswirtschaft erbracht. Jeder zusätzlich ausgegebene Euro für Dienstleistungen im Kernbereich der Gesundheitswirtschaft generiert demzufolge 1,34 Euro zusätzliche inländische Produktion in der Nicht-Gesundheitswirtschaft, wobei 0,73 Euro auf Industrie und Handel sowie weitere 0,62 Euro auf die Dienstleistungen der Nicht-Gesundheitswirtschaft entfallen. Hier zeigt sich eine große Abhängigkeit der Dienstleistungen in der Gesundheitswirtschaft von inländisch produzierten Gütern. Auffallend ist die Stärke des Exportvolumens. Die dort erwirtschafteten 100 Milliarden Euro entsprechen in etwa der Hälfte dessen, was die Automobilindustrie - üblicherweise Aushängeschild für Deutschland – ausweist.

Arztpraxen: Allzeit bereit

Patienten sehen keine Probleme bei der Versorgung.

Die Diskussion um Terminvergabestellen und Wartezeiten in Arztpraxen erscheint wie ein Sturm im gesetzgeberischen Wasserglas. So zumindest wenn man den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage „Arztsuche und Arztauswahl 2015“ der IKK classic Glauben schenken darf. Fast drei Viertel der Deutschen haben einen Hausarzt in weniger als fünf Kilometern Entfernung. Selbst auf dem Land haben sechs von zehn Bürgern ihren Allgemeinmediziner nach eigenem Bekunden so dicht vor der Haustür, ein weiteres Viertel im Umkreis von fünf bis zehn Kilometern. Auch die Facharztversorgung in Deutschland ist besser als ihr Ruf: Die Mehrheit der Bundesbürger erhält in maximal zwei Wochen einen Termin beim Facharzt. Bei der Wahl ihres Hausarztes machen es sich viele Deutsche leicht und setzen auf Bequemlichkeit: Für 43 Prozent war das Top-Auswahlkriterium die unmittelbare Nähe zum Wohnort. Besonders Senioren legen darauf Wert (50%). Am zweithäufigsten wurde der Mediziner aufgrund einer Empfehlung von Familie, Freunden oder Kollegen ausgesucht (40%)). Nahezu jeder Fünfte (18%)) geht aus Familientradition zu seinem Hausarzt, vor allem die 18- bis 29-Jährigen (31%)). Übers Internet haben dagegen nur sieben Prozent zu ihrem aktuellen Allgemeinmediziner gefunden. Hier informieren sich mit 16 Prozent am ehesten die 30- bis 39-Jährigen. Das Telefonbuch spielt mit vier Prozent keine bedeutende Rolle mehr. Geht es darum, einen Facharzt zu finden, setzen die meisten Patienten auf das Urteil des Hausarztes: Laut der Studie fragen 39 Prozent der Befragten in diesem Fall gezielt ihren angestammten Mediziner um Rat. Bei der Erreichbarkeit schlägt die unterschiedliche regionale Verteilung der Fachärzte zu Buche: Während in der Stadt zwei Drittel der Bürger einen Hautarzt in weniger als zehn Kilometern finden, sind es auf dem Land nur 29 Prozent. Bei HNO-Ärzten ist die Relation 63 zu 32 Prozent, bei Orthopäden 62 zu 27 Prozent. Die oft thematisierte Wartezeitenproblematik bei Terminen beim Facharzt sehen die meisten Befragten gelassen. Das gilt nicht nur für Patienten in der Stadt, sondern auch für die Bewohner ländlicher Regionen. Hier wie dort bekommen fast 60 Prozent der Bürger innerhalb von zwei Wochen einen Facharzttermin. Für drei Viertel aller Befragten entsprach der zuletzt bei einem Facharzt vergebene Termin auch ihrem Wunschtermin – was bedeutet, dass einige Patienten Termine auch gern längerfristig vereinbaren. Die kürzesten Wartezeiten hat Hamburg: 41 Prozent der Hansestädter erhielten einen Termin innerhalb einer Woche, kein einziger Termin lag mehr als acht Wochen in der Zukunft. Auch im Saarland ist die Versorgung gut, hier musste niemand länger als drei Wochen warten. Schwieriger ist die Situation im Osten: In Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern mussten 22 Prozent länger als acht Wochen warten, in Brandenburg 18 Prozent. Bei den Privatversicherten unter den Befragten geben sogar 48 Prozent an, ihren letzten Facharzttermin in der auf die Anfrage folgenden Woche erhalten zu haben (gesetzlich Versicherte: 26%). Auf die generelle Zufriedenheit wirkt sich dieser Unterschied aber offenbar nicht aus: 75 Prozent der Bürger sind mit der Terminvergabe nach eigenem Bekunden zufrieden.

KV-Gehälter: Alles gut

Maßvolle Steigerung der Vorstandsgehälter heizt Inflation nicht wesentlich an.

Keine spektakulären Ausreißer verzeichnet die aktuelle Statistik des BVA zur Gehaltsstruktur in den 17 deutschen Kassenärztlichen Vereinigungen im Vergleich zum Vorjahr.

So konnte KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen im vergangenen Jahr auf ein Salär von rund 331.000 Euro rechnen. Das sind lediglich 5.000 Euro mehr als sein Vorgänger Dr. Andreas Köhler zuvor verdiente. KBV-Vize Regina Feldmann legte mit einem Plus von 10.000 Euro etwas stärker zu auf jetzt 316.000 Euro. Gehalts-Spitzenreiter bei den Landes-KVen bleibt Bayern – mit Abstand gefolgt von Sachsen. So kamen der Vorsitzende der KV Bayerns, Dr. Wolfgang Krombholz, und dessen Stellvertreter, Dr. Pedro Schmelz, jeweils auf knapp 273.000 Euro – das waren jeweils gut 9.000 Euro mehr als im Vorjahr. Sachsens KV-Chef Dr. Klaus Heckemann folgt mit unverändert 264.000 Euro. Auf den dritten Platz schiebt sich die KV Niedersachsen nahe an das Spitzenduo. Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch macht mit einem Plus von fünf Prozent den größten Gehaltssprung auf 262.500 Euro. Im Gehaltsranking bescheiden präsentieren sich demgegenüber mitgliederschwache KVen wie Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Mecklenburgs-KV-Chef Axel Rambow verdient sogar elf Prozent weniger als sein Vorgänger im Amt. Aber die Zahl trügt: Der Bundesanzeiger weist dessen Gehalt für elf Monate mit 165.000 Euro aus. Rambow übernahm sein Amt zum 1. Februar 2014. Alle Zahlen sind Grundgehälter der KBV- und KV-Chefs, hinzu kommen individuelle Gehaltsbestandteile sowie weitere Annehmlichkeiten wie private Dienstwagennutzung, Praxisorganisationspauschalen und unterschiedliche Versorgungs- und Übergangsregelungen. Außerdem dürfen einige KV-Chefs nebenbei in ihrer Praxis arbeiten. Ein vollständiger Datenüberblick ist den Pflicht-Veröffentlichungen der Gehälter der KV-Vorstände im Bundesanzeiger zu entnehmen.

Weitere Themen