Berlin-Chemie Newsletter vom 12. Oktober 2023

Berlin-Chemie Newsletter vom 12. Oktober 2023

Interview:

  • »Zu viel Technik, zu wenig Praxisnähe« – Geduld und Pragmatismus für erfolgreiche Digitalisierung
    EinBlick sprach mit Dr. Amir Parasta über die Rolle von Plattformanbietern in der Digitalisierung des Gesundheitswesens und den Herausforderungen in der Implementierung und Vernetzung von Gesundheitsdaten

Kurzstrecke:

  • Bundesrat fordert Finanzierungssicherheit für psychotherapeutische Weiterbildung
    Deutsche PsychotherapeutenVereinigung begrüßt die Forderung

  • Heilmittelverordnung wird in KIM integriert
    Einbindung sorgt für Entlastung aller Akteure

  • Mehr als die Hälfte aller Pflegefachkräfte körperlich und emotional erschöpft
    Studie zeigt überdurchschnittliche Belastung

  • Saison akuter Atemwegserkrankungen beginnt
    Impfaufruf von Bundesgesundheitsminister und RKI

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Pflege im Wandel
    Deutscher Pflegetag 2023 fordert dringende Reformen

  • Mangelndes Interesse an Hautkrebsvorsorge
    Laut Report der Techniker Krankenkasse nimmt nur jeder Sechste diese Vorsorge wahr

  • Umfrage unter MFA/ZFA
    Mitarbeitende für Praxen finden und binden

  • Neue Möglichkeiten in der Medizin
    Virtuelle Patientin verändert das Medizinstudium


Interview:

»Zu viel Technik, zu wenig Praxisnähe« – Geduld und Pragmatismus für erfolgreiche Digitalisierung

EinBlick sprach mit Dr. Amir Parasta über die Rolle von Plattformanbietern in der Digitalisierung des Gesundheitswesens und den Herausforderungen in der Implementierung und Vernetzung von Gesundheitsdaten

 

Dr. Amir Parasta

ist Gründer und Geschäftsführer der epitop GmbH mit Sitz in Garching bei München. Das Unternehmen entwickelt seit über 20 Jahren digitale Lösungen für die Vernetzung und Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. 2001 gründete Dr. Parasta sein erstes E-Health-Unternehmen, bevor er 2016 die Leitung von epitop Medical übernahm.

Mit Fokus auf eine vernetzte elektronische Patientenakte, Telemedizin und dem Einsatz von KI bietet epitop Medical digitale Services für Ärzt:innen, Kliniken, Patient:innen und Krankenkassen. Aktuell nutzen rund 600 Unternehmen und über 1.000 Ärzt:innen die Dienste. Ein Ziel ist die grenzüberschreitende Vernetzung der zehn häufigsten Krankheitsbilder in Europa. Dr. Parasta verfügt mit seinem technischen und medizinischen Hintergrund über langjährige Erfahrung in der Entwicklung digitaler Lösungen für das Gesundheitswesen.

 

Herr Dr. Parasta, Ihr Unternehmen Epitop ist seit über 20 Jahren im Bereich E- Health aktiv und bietet Lösungen wie einrichtungsübergreifende Patientenakten und Patientenportale an. In Deutschland wird momentan viel über die Digitalisierung des Gesundheitswesens diskutiert. Wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung ein?
Grundsätzlich finde ich es sehr positiv, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens endlich vorankommt und immer wieder Thema ist. Allerdings hat das in der Vergangenheit teilweise zu Misstrauen geführt, da einige Digitalisierungsprojekte nicht optimal umgesetzt wurden. Als IT-Unternehmen müssen wir daher oft erst das Vertrauen der Ärzte und Patienten zurückgewinnen und zeigen, dass digitale Lösungen tatsächlich einen Mehrwert bieten. Insgesamt bewegt sich einiges in die richtige Richtung, aber es gibt noch viel zu tun, um verlorenes Vertrauen wiederherzustellen.

Lassen Sie uns konkret auf entsprechende aktuelle Gesetzesinitiativen schauen. Wie bewerten Sie diese aus Sicht der Praxis?
Die Initiativen haben viele positive Aspekte und vieles wurde im Vergleich zur Vergangenheit besser gemacht. Allerdings fehlt häufig noch die Perspektive der Leistungserbringer, also der Ärzte, die die Vorgaben umsetzen müssen. Natürlich ist die Patientenorientierung wichtig, aber die Ärzte müssen motiviert sein, die gesetzlichen Ziele auch wirklich in der Praxis umzusetzen. Hier sehe ich noch Verbesserungspotenzial, um Akzeptanz zu schaffen und das Vertrauen der Ärzte zu gewinnen. Rein von oben verordnete Pflichten führen erfahrungsgemäß nur zu deren minimaler Umsetzung.

Schauen wir auf die Akzeptanz bei den Nutzern. Ärzte setzen beispielsweise Terminverwaltungssoftware gerne ein. Und Patienten nutzen zunehmend Gesundheits-Apps. Hinkt der Gesetzgeber hier der Realität hinterher?
Ich würde nicht sagen, dass der Gesetzgeber prinzipiell hinterherhinkt. Allerdings herrscht von Seiten der Politik eine andere Sichtweise auf das System. Die aktuellen Initiativen sind eher administrativ getrieben, mit Fokus auf Kostenreduktion. Der konkrete Nutzen für Leistungserbringer und Patienten steht weniger im Vordergrund. Hier gibt es sicher Verbesserungspotenzial, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die einen spürbaren Mehrwert bieten und so Akzeptanz schaffen.

Sie bieten mit der E-Health Suite seit über 20 Jahren Ihre Plattformlösung an. Wie schaffen Sie es, die Ärzte dabei mitzunehmen?
Wir führen viele Gespräche mit Ärzten, um ihre konkreten Probleme und Bedürfnisse zu verstehen. Dabei machen wir die Technik bewusst zweitrangig. Stattdessen fragen wir: Wo hapert es in Ihrem Arbeitsalltag? Wie können wir Ihnen das Leben erleichtern? Oft können wir mit unserer flexiblen Suite dann Prozesse verbessern oder Optimierungspotenziale identifizieren. Natürlich klappt nicht immer alles, aber dieser enge Austausch ist extrem wichtig, um die Ärzte mitzunehmen. Nur so entsteht Akzeptanz und Nutzen.

Lassen Sie uns über die Zukunft sprechen. Was wünschen Sie sich bis 2030 für die Digitalisierung des Gesundheitswesens?
Ich wünsche mir, dass die Diskussion weniger technisch geführt wird. Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern den Patienten und Ärzten konkrete Vorteile bringen.
Wenn wir von den Bedürfnissen der Nutzer ausgehen und gemeinsam überlegen, wie wir diese am besten erfüllen können, kommen wir meiner Meinung nach zu pragmatischeren Lösungen. Hohe technische Ansprüche sind schön, aber helfen nicht, wenn die Akzeptanz fehlt. Insgesamt braucht es meiner Ansicht nach mehr Bodenhaftung, um die Digitalisierung wirklich voranzubringen und ihr Potenzial voll zu entfalten.

Das komplette Gespräch mit Herr Dr. Amir Parasta finden Sie als Podcast-Folge EinBlick – nachgefragt hier in unserem Podcast-Portal https://soundcloud.com/einblick-berlin-chemie/einblick-20231006


Kurzstrecke

 

Bundesrat fordert Finanzierungssicherheit für psychotherapeutische Weiterbildung

Deutsche PsychotherapeutenVereinigung begrüßt die Forderung

Ende August hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung sicherzustellen. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) begrüßt den jüngsten Beschluss des Bundesrats. Der Bundesvorsitzende der DPtV, Gebhard Hentschel, äußerte seine Dankbarkeit für die Initiative gegenüber dem Initiator, dem Land Niedersachsen, und betonte die Unsicherheit, die derzeit unter zukünftigen Psychotherapeut:innen hinsichtlich ihrer Weiterbildung herrsche.

Laut Barbara Lubisch, stellvertretende DPtV-Bundesvorsitzende, könne diese Unsicherheit die psychotherapeutische Versorgung gefährden. »Die DPtV hat berechnet, dass die Einnahmen durch die Arbeit einer Psychotherapeut:in in Weiterbildung (PtW) nicht die Kosten der Weiterbildung decken.« Praxisinhaber:innen bräuchten etwa 2700 Euro monatlich, um eine PtW finanzieren zu können. Es zeichnet sich ab, dass potenzielle Weiterbildungsstätten daher mit der Umsetzung der Weiterbildung zögern, weil die finanzielle Situation unzureichend geregelt ist. Der DPtV fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, den Beschluss zügig umzusetzen.    

 

Heilmittelverordnung wird in KIM integriert

Einbindung sorgt für Entlastung aller Akteure

Die Integration der Heilmittelverordnung (Muster 13) in die Kommunikation im Gesundheitswesen (KIM) könnte die Zusammenarbeit und Abrechnung künftig deutlich vereinfachen. Zum einen fallen dadurch weniger Korrekturprozesse an, wodurch der Zeitaufwand in den Praxen sinkt. Zum anderen werden Patient:innen entlastet, weil sie eigenständig sinnvolle Therapieangebote evaluieren können, wenn dies unter Absprache mit Ärzt:innen oder Therapeut:innen erfolgt.

Das Pilotprojekt zwischen AOK Plus und der CompuGroup Medical möchte zeitnah den bundesweiten Rollout von Muster 13 ermöglichen. Deshalb können zunächst nur Praxen, die ein Verwaltungssystem von CGM benutzen, diese Einbindung testen. Die Krankenkasse und der Softwareanbieter hatten im letzten Jahr eine ähnliche Zusammenarbeit erfolgreich abgeschlossen: Zahlreiche Krankenhausverordnungen (Muster 2) wurden in digitaler strukturierter Form an die Kasse übermittelt.

 

Mehr als die Hälfte aller Pflegefachkräfte körperlich und emotional erschöpft

Studie zeigt überdurchschnittliche Belastung

Die aktuelle Pflegestudie 2.0, die von der Barmer Krankenkasse und dem Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) im Juli 2023 durchgeführt wurde, zeigt eine überdurchschnittlich hohe berufliche Belastung bei Pflegefachkräften. Die meisten der rund 1.000 befragten Personen in der ambulanten und stationären Versorgung arbeiten an ihren Grenzen. So sind 62 Prozent regelmäßig körperlich und rund 52 Prozent emotional erschöpft. Vor der Pandemie waren die Werte deutlich niedriger. Trotzdem sind etwa 60 Prozent des Pflegepersonals mit ihren Berufsperspektiven zufrieden.

Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, erklärte beim Deutschen Pflegetag in Berlin, wie wichtig eine bedarfsgerechte Personalausstattung zur Entlastung der Pflegekräfte sei. Zudem müsse man die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in der Pflege deutlich attraktiver gestalten, damit junge Menschen sich für diese Tätigkeit entscheiden. Ein wichtiger Aspekt sei die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

Saison akuter Atemwegserkrankungen beginnt

Impfaufruf von Bundesgesundheitsminister und RKI

In einer gemeinsamen Pressemitteilung klären das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesgesundheitsministerium (BMG) über die aktuellen Impfgegebenheiten gegen Influenza auf. Des Weiteren steht ab sofort der neue, an die aktuellen Varianten angepasste COVID-19-Impfstoff in ärztlichen Praxen zur Verfügung. BMG und RKI appellieren an die Bevölkerung, sich über Impfempfehlungen zu informieren und sich in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt impfen zu lassen.

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach betont die Notwendigkeit für Risikogruppen wie Personen ab 60 Jahren und Menschen mit Vorerkrankungen, sich trotz des Endes der Pandemie gegen COVID-19 impfen zu lassen, idealerweise gleichzeitig mit der Influenza-Impfung. Die Ständige Impfkommission am RKI (STIKO) empfiehlt eine jährliche Auffrischimpfung gegen COVID-19 für Risikogruppen mindestens zwölf Monate nach der letzten Impfung oder Infektion. Diese Gruppen sollten auch die jährliche Influenza-Impfung in Betracht ziehen. Prof. Lars Schaade, kommissarischer RKI- Präsident, weist auf die gesteigerte Übertragung von Atemwegserregern im Winter hin und empfiehlt, bei entsprechenden Symptomen zu Hause zu bleiben, bis sich die physische Situation gebessert hat. Im Falle einer Verschlechterung oder Risikogruppenzugehörigkeit sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Die Überwachung akuter respiratorischer Erkrankungen erfolgt durch verschiedene Datenquellen.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zwölf Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Startup-Telegram

 

Es gibt eine weitere vorläufig aufgenommene DiGA im offiziellen Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Insgesamt sind aktuell 49 Anwendungen in der Liste auf Rezept erhältlich.

Die Orthopy App unterstützt Patient:innen bei einem Riss des vorderen Kreuzbandes bzw. bei Meniskusschädigungen im Rahmen der orthopädischen Behandlung als Therapiebegleitung. Sie bietet Wissensbeiträge, physiotherapeutische Trainingspläne für zuhause, leitliniengerechte Übungen und eine Darstellung des Behandlungsverlaufs. Bei operativen und endoskopischen Eingriffen begleitet die App genauso wie bei der konventionellen Physiotherapie, ergänzend oder zur Überbrückung von Wartezeiten. https://www.orthopy.de/ueber-orthopy/

In diesem Bereich setzt auch das Unternehmen eCovery an. Es bezeichnet sich als ›Physiotherapeut für die Hosentasche mit smarter Technologie‹. Über eine Therapie-App leitet es die Patient:innen zuhause bei der Durchführung von Übungen an. Mit Hilfe von vernetzten Sensoren, die am Körper getragen werden, gibt die App Feedback zur richtigen Durchführung. Das zertifizierte Medizinprodukt kann Schmerzen an Rücken, Knie und Hüfte reduzieren und die Beweglichkeit verbessern, zusätzlich gibt es Präventionskurse. https://ecovery.de/

Das junge Unternehmen Akribion Genomics aus dem südhessischen Zwingenberg hält CRISPR/Cas-Technologien mit einer unabhängigen IP-Basis für die Genomeditierung bereit. Eine neuartige Plattform ermöglicht die gezielte Zelldepletion – die Entfernung bestimmter Zelltypen aus einer Mischung von Zellen – basierend auf RNA-Biomarkern. Diese Behandlung kann beispielsweise in der Krebstherapie genutzt werden. https://www.akribion-genomics.com/
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Meldungen

 

Pflege im Wandel

Deutscher Pflegetag 2023 fordert dringende Reformen

Der 10. Deutsche Pflegetag in Berlin steht im Zeichen des Wandels und der dringend benötigten Reformen im Pflegebereich. Unter dem Motto ›Es wird Zeit für eine attraktive und zukunftssichere Pflege!‹ fordert der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) grundlegende Veränderungen, um die Gesundheitsversorgung nachhaltig zu sichern.

Auf dem Deutschen Pflegetag wurde die alarmierende Pflegesituation in Deutschland betont: So arbeiten rund 1,7 Millionen Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen, während etwa fünf Millionen Menschen pflegebedürftig sind. In den letzten beiden Jahren blieben etwa 30.000 Pflegestellen unbesetzt, und in den nächsten zehn Jahren werden voraussichtlich 130.000 bis 150.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt.

Ausgehend von dieser Zustandsbeschreibung betonte Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, in ihrer Eröffnungsrede die Richtigkeit und Notwendigkeit der aufgestellten Forderungen und erklärte: »Seit vielen Jahren richten wir uns wieder und wieder mit Forderungen an die Bundesregierung und zeigen den Handlungsbedarf auf, um die Pflege zukunftssicher zu machen. Und diese Forderungen sind begründet – durch  
nationale und internationale Studien, durch Beispiele aus anderen Ländern und mit sorgenvollem Blick auf die demografische Situation.« Neben den politischen Forderungen müssen laut Vogler auch die gesellschaftliche Haltung zur Pflege und deren Finanzierung grundlegend überdacht werden.

Der Deutsche Pflegerat hat dazu vier grundlegende Forderungen. Zum einen soll das Pflegefachpersonal mehr Befugnisse erhalten. Dabei sei die Übertragung von Heilkundetätigkeiten an Pflegefachpersonen unerlässlich, um die gesundheitliche Versorgung zu verbessern. Diese Maßnahme ist bereits in anderen Ländern selbstverständlich und würde auch in Deutschland Perspektiven für Pflegefachkräfte schaffen. Zum anderen soll der Gesetzgeber durchlässige und bundesweit gültige Pflegebildungsstrukturen einführen. Die Ausbildung und Weiterbildung im Pflegebereich müsse verbessert und durchlässiger gestaltet werden, von der Pflegefachassistenz bis zur Professur. Der Föderalismus erweise sich an dieser Stelle leider als eine Bremse.

Als dritten Punkt fordert der DPR mehr Mitbestimmung der Pflege bei politischen Entscheidungsprozessen. Professionelles Pflegepersonal sei am besten in der Lage, Praxiserfahrungen in politische Entscheidungen einzubringen. In diesem Zusammenhang werden Selbstverwaltungsstrukturen in Form von Pflegekammern als wichtiger Schritt angesehen. Punkt vier beinhaltet eine grundlegende Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die Forderung des DPR ist hier ein Einstiegsgehalt von 4.500 Euro für Pflegefachpersonen und Lohnbestandteile, die sich an Qualifikationen und Arbeitsbereichen orientieren. Zudem sollen die Arbeitsbedingungen insgesamt verbessert werden, um dem Fachkräftemangel in der Pflege zu begegnen.

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach sagte in seiner Rede auf dem Pflegetag, dass er diese Forderungen unterstütze und sein Ministerium an einem Gesetzentwurf arbeite, um Pflegekräften mehr Zuständigkeiten zu übertragen. Dies solle, wie gefordert, den Pflegeberuf generell attraktiver machen.

 

Mangelndes Interesse an Hautkrebsvorsorge

Laut Report der Techniker Krankenkasse nimmt nur jeder Sechste diese Vorsorge wahr

Gesetzlich Versicherte in Deutschland können ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre eine Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung erhalten. Tatsächlich in Anspruch nehmen dies jedoch nur rund 16 Prozent.

Der Hautkrebs-Report der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt eine abnehmende Tendenz bei der Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen der Haut. So gingen im Jahr 2021 nur 16,6 Prozent der anspruchsberechtigten Versicherten zum Hautkrebsscreening, im Jahr 2022 stagnierten die Werte mit 16,8 Prozent auf einem ähnlich niedrigen Niveau. Vor der Coronapandemie lag die Teilnahme mit 18,6 Prozent im Jahr 2019 etwas höher. Während der Pandemie wurde ein historisches Tief von 14,8 Prozent erreicht.
Dabei herrschen regionale Unterschiede von bis zu fünf Prozent: In Sachsen nahmen im Jahr 2022 18,7 Prozent der anspruchsberechtigten Personen ein Hautkrebsscreening wahr, in Nordrhein-Westfalen 18,3 Prozent und in Niedersachsen 18,1 Prozent. Die geringste Vorsorgebereitschaft lag mit 13,9 Prozent und 13,8 Prozent in Hessen bzw. in Berlin.

Das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, nimmt hingegen stetig zu. Die Deutsche Krebsgesellschaft hat ermittelt, dass Hautkrebs mit über 220.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Krebsarten bundesweit gehört. Da die Belastung durch die vermehrte UV-Bestrahlung weiterhin ansteigt, ist das geringe Interesse an der Vorsorge schwer nachvollziehbar. Der TK-Vorstandsvorsitzende Dr. Jens Baas verdeutlicht: »Im Frühstadium kann Hautkrebs in fast allen Fällen erfolgreich behandelt werden, zu spät erkannt verläuft vor allem der schwarze Hautkrebs oft tödlich. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen werden Hautveränderungen frühzeitig erkannt.«

 

Umfrage unter MFA/ZFA

Mitarbeitende für Praxen finden und binden

Das Internetportal Jameda hat in einer Umfrage ermittelt, wie medizinische Fachangestellte (MFA) und zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) ihren beruflichen Alltag erleben und was die Ärzteschaft zur Zufriedenheit der MFA und ZFA beitragen kann.

Bei einer Befragung von mehr als 200 MFA und ZFA kam heraus: Fast zwei Drittel des Personals sind wechselwillig, ein Fünftel verdient überdurchschnittlich gut, doch neben der Entlohnung sind auch Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten wichtig.
Gegenseitiges Vertrauen ist unersetzlich, insbesondere bei den vermehrt ungeduldigen oder sogar respektlosen Patient:innen. Über diese beschwerten sich fast 50 Prozent der Befragten. Weitere negativ empfundene Aspekte im Praxisalltag waren – mit Werten zwischen acht und zwölf Prozent – das hohe Patientenaufkommen, Zeitmangel bei der Arbeit bzw. zu wenig Zeit für eine Pause, fehlender Teamgeist, überbordende Bürokratie und eine dünne Personaldecke.

Bis zu 66 Prozent der MFA wechseln ihren Arbeitsplatz nach fünf Jahren. 64 Prozent der Befragten denken über einen Wechsel nach. Der häufigste Grund der Unzufriedenheit ist bei 47 Prozent das Gehalt, daneben wünschen sich 26 Prozent mehr Wertschätzung, andere Gründe sind unter anderem Stress, Erreichbarkeit der Praxis und administrative Aufgaben. Circa drei Prozent möchten einen generell anderen Beruf ergreifen. Zufrieden mit ihrer Arbeit sind immerhin 25,5 Prozent, 51 Prozent sehen sie als akzeptabel an, doch 22,5 Prozent sind unzufrieden.

Das monatliche Nettogehalt bei der Mehrheit (62 Prozent) beträgt bei einer 40 Stunden- Woche zwischen 1500 und 2100 Euro. Jeweils 19 Prozent erhalten mehr bzw. weniger Geld. Nicht zufrieden mit dieser Bezahlung sind 46 Prozent der Befragten, 36 Prozent empfinden sie als akzeptabel und 18 Prozent sind zufrieden. Seit 2015 ist die Vergütung gestiegen, in der stationären Versorgung um rund 17,3 Prozent und bei vertragsärztlichen Praxen lediglich um 8,9 Prozent, was ein möglicher Grund ist, weshalb MFA in Kliniken abwandern. Ärzt:innen haben demnach ein großes Betätigungsfeld, um ein gutes Arbeitsklima zu schaffen, damit ihr Personal gerne kommt und auch bleibt.

 

Neue Möglichkeiten in der Medizin

Virtuelle Patientin verändert das Medizinstudium

Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) nutzt Virtual Reality (VR) in der Medizinausbildung, um Prüfungen realistischer zu gestalten. Eine virtuelle Patientin bietet Studierenden neue Prüfungserfahrungen.

In der Objective Structured Clinical Examination (OSCE), einer standardisierten klinisch- praktischen Prüfung, wurde das Wissen von Medizinstudierenden bisher traditionell an verschiedenen Stationen getestet. Eine dieser Stationen erforderte die Untersuchung einer Patientin mit Bauchschmerzen und verschiedenen Symptomen. Die JMU hat nun testweise diese Station verändert: Während die eine Hälfte der Prüflinge weiterhin auf eine Schauspielpatientin traf, tauchte die andere Hälfte in die Welt der virtuellen Realität ein. Bei diesem Teil erhielt jeder Prüfling eine VR-Brille und zwei Controller, um ein computergeneriertes Krankenzimmer zu betreten. Hier konnten sie verschiedene medizinische Aufgaben durchführen, von der Auskultation der Atemgeräusche bis zur Verabreichung von Medikamenten.

Die VR-basierte Prüfungsmethode namens ›STEP-VR‹ wurde in Zusammenarbeit mit dem Start-up ThreeDee GmbH entwickelt und erhielt Fördermittel von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre. »Wir haben nun die Möglichkeit, komplexe Szenarien zu simulieren, die mit Schauspielpatient:innen und Puppen nicht möglich wären. Ein Schauspieler kann nicht beatmet werden, und bestimmte Symptome können von gesunden Menschen nicht einfach vorgetäuscht werden«, erklärt Dr. Tobias Mühling, Leiter der Arbeitsgruppe Virtual Reality-Simulation im Medizinstudium. Die Verwendung von VR-Technologie biete auch Potenzial für eine automatisierte Auswertung der Prüfungsergebnisse. Dies würde den Prüfenden ermöglichen, sich stärker auf die Beobachtung und faire Bewertung der Studierenden zu konzentrieren, anstatt ausführliche
 
Checklisten abzuarbeiten. Obwohl das VR-Format in vielen Bereichen Vorteile bietet, stößt es an einigen Stellen an seine Grenzen. Aufgaben, die sich auf Anamnese und Kommunikation konzentrieren, sind aufgrund der fehlenden Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit dem Patienten weniger geeignet.


Bemerkt

 

»Der Beschluss des Bundesrates ist ein wichtiges Signal, denn wir brauchen eine solidarisch und verlässlich finanzierte Pflegeversicherung.«

Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK- Bundesverbandes, begrüßt die Forderung des Bundesrats nach einer Erhöhung des Bundeszuschusses zur Pflegeversicherung auf 4,5 Milliarden Euro pro Jahr, um die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen und die Stabilisierung der Pflegeversicherung zu gewährleisten.

 

 


Weiterlesen:

 

Der Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf- Gesundheit und sozioökonomischem Status

Forschende der Kardiologie am Universitätsklinikum Mainz haben im Rahmen der Gutenberg-Gesundheitsstudie (GHS) gezeigt, dass Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status (SES) ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine erhöhte Sterblichkeit aufweisen. Dabei spielten Bildungsniveau und Beschäftigungsumfang eine größere Rolle als das Einkommen der Studienteilnehmenden. Die Ergebnisse wurden im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht.

Herz-Kreislauferkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall, sind weltweit führende Todesursachen und verursachen laut WHO jährlich 18 Millionen Todesfälle. Der sozioökonomische Status, der Bildung, Beruf und Einkommen einschließt, könne die kardiovaskuläre Gesundheit beeinflussen. Bisherige Studien dazu fanden vor allem in Ländern statt, in denen der Zugang zur Gesundheitsversorgung von Einkommen und Beruf abhängt, wie den USA. Die GHS basiert jedoch auf deutschen Daten, wo eine flächendeckende Gesundheitsversorgung herrscht. Trotz dieser für den Einzelnen besseren gesetzlichen Rahmenbedingungen beobachteten die Mainzer Forscher:innen klare Unterschiede in der Herz-Kreislauf-Gesundheit zwischen Teilnehmenden mit niedrigem und hohem SES.

Hier finden Sie die komplette Studie https://academic.oup.com/eurjpc/advance-article/doi/10.1093/eurjpc/zwad264/7276408


Empfehlung:

 

›Alles klar beim Haar‹ von Dr. med. Alice Martin und Dr. med. Lucia Schmidt

Haare sind mehr als nur Strähnen auf dem Kopf. Sie sind vielmehr ein Ausdruck der Persönlichkeit und Vitalität. Doch es gibt Tage, an denen Haare einfach nicht so wollen, wie sie es sollen. Dr. med. Alice Martin und Dr. med. Lucia Schmidt lassen ihre Leser:innen in die faszinierende Welt der Haare eintauchen. In ›Alles klar beim Haar‹ beschreiben die beiden Medizinerinnen, wie Haare aufgebaut sind, wie sie wachsen und welche optimale Pflege sie benötigen.

Die Autorinnen verbinden medizinisches Wissen mit praktischen Tipps für gesunde Haut und Haare. Sie beleuchten konventionelle Haarpflegeprodukte ebenso wie Hausmittel und zeigen, wie sie effektiv eingesetzt werden können. Ein weiterer Fokus des Buches liegt auf Ernährungstipps und Rezepten für gesundes Haar, da laut den beiden Expertinnen die richtige Nahrung einen entscheidenden Einfluss auf die Haargesundheit haben kann.

Weitere Informationen finden Sie hier https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1068431236


Zuletzt:

 

H2O nun auch in Deutschland

Das Deutsche Nationale Observatorium startet offiziell

H2O oder Health Outcomes Observatory, ist ein Netzwerk von unabhängigen, gemeinnützigen Rechtsträgern, das für die Sammlung von Daten, deren Analyse und den Austausch von Erkenntnissen zur Informierung von klinischer Praxis und Gesundheitsentscheidungen geschaffen wurde. Dieses Netzwerk ist nun auch in Deutschland gestartet. Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Patient:innen und Ärzt:innen zu verbessern und Forschungsergebnisse besser nutzbar zu machen.

»Wir freuen uns, die Gründung von H2O e.V. in Berlin bekanntzugeben«, sagte Jan Brönneke, Projektleiter bei BWI – IT for Germany GmbH, eine Firma, die auch die IT für den Bund betreut. »Durch die Zusammenführung verschiedener Expert:innen und Interessenvertreter:innen streben wir an, eine Plattform zu schaffen, die sinnvolle Veränderungen vorantreibt und letztendlich die Patientenergebnisse verbessert.«

Matthias Rose von der Charité fügte hinzu: »H2O ist eine der intelligentesten Initiativen, die ich je gesehen habe. Es gilt auch als eines der ersten Pilotprojekte, die zeigen, wie der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) in der Praxis funktionieren kann.« Laut der Patientenvertreterin Bärbel Söhlke wird H2O e.V. mit führenden Forschungseinrichtungen, Gesundheitsorganisationen und öffentlichen Einrichtungen zusammenarbeiten, um die Standardisierung von patientenberichteten Ergebnissen (PROs), den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zu fördern. Das Observatorium würde eine wichtige Rolle bei der Erzeugung von Evidenz spielen, die dazu beitragen kann, dass Gesundheitspolitik und - strategien sich besser an verändernde Bedürfnisse anpassen können.

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