Berlin-Chemie Newsletter vom 12. Januar 2023

Berlin-Chemie Newsletter vom 12. Januar 2023

Interview:

  • Was macht Purpose Health e.V. und welche digitalen Innovationen braucht das Gesundheitswesen?
    EinBlick sprach mit Dr. Felix Hoffmann, Vorstandsvorsitzender von Purpose Health e.V. und Professor für Digital Health

Kurzstrecke:

  • Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland wird reformiert
    Neue Stiftung bürgerlichen Rechts

  • Starker Anstieg der Nutzung von elektronischen Krankschreibungen
    Meldung des GKV-Spitzenverband

  • Todesfälle aufgrund von Engpässen in Notaufnahmen
    Aktuelle Krise in Großbritannien

  • Finanzielle Unterstützung für Krankenhäuser sofort zur Verfügung stellen
    Marburger Bund und der Verband der leitenden Krankenhausärztinnen und -ärzte warnt vor Einsparungen

Interview:

  • Neuromuskuläre Therapie bei Lähmungen und Inkontinenzen
    Einblick sprach mit mit Alexandra Herbers über ihre Motivation zur Gründung eines Start-ups im Bereich der neuromuskulären Rehabilitationstherapie

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Neue Projekte im Bundesgesundheitsministerium
    Ausblick auf das Jahr 2023: zahlreiche Reformen, Verordnungen und Gesetze

  • EU fördert KI im Gesundheitswesen
    60 Millionen Euro, um Projekte zu realisieren

  • Krankenhauskonzept der Regierungskommission
    Weniger Ökonomie, mehr Medizin


Interview:

Was macht Purpose Health e.V. und welche digitalen Innovationen braucht das Gesundheitswesen?

Einblick sprach mit Dr. Felix Hoffmann, Vorstandsvorsitzender von Purpose Health e.V. und Professor für Digital Health

 

 

Felix Hoffmann

studierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Medizin, wo er auch promovierte, und hat einen Master in Healthcare Management sowie einen in Medizinrecht. Er leitet die Stabsstelle Medizinische Prozessentwicklung am Klinikum Darmstadt und ist dort auch als Notarzt tätig. Außerdem hat er eine Professur für Digital Health an der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft Bremen inne und hat 2021 den Verein Purpose:Health e.V. gegründet.

 

 

Sie sind Vorstandsvorsitzender des Vereins Purpose Health e.V.  – was ist das Ziel des Vereins?
Da muss ich etwas ausholen und von meiner persönlichen Motivation berichten. Entstanden ist das Netzwerk aus meiner Erkenntnis heraus, dass das Gesundheitswesen zwar so, wie es ist, heute funktioniert, aber die Rahmenbedingungen, mit denen wir arbeiten –, in meinem Fall als Arzt – schlecht sind. Ich habe mir über viele Jahre Gedanken gemacht, wie wir diese Rahmenbedingungen verändern können, damit Menschen zum einen gerne im Gesundheitswesen arbeiten wollen und zum anderen auch gerne Patientin oder Patient sind. Im Laufe der Jahre hat sich dann ein größerer Kreis an Menschen um mich herum zusammengefunden, die das Problem genauso einschätzen. Daraus ist dann der Verein Purpose Health e.V. entstanden. Heute sind wir ein Netzwerk, in dem zusammen überlegt wird, wie das Gesundheitswesen in Zukunft aussehen kann. Wir sammeln als Verein Beispiele, bei denen etwas besonders gut funktioniert, und sprechen darüber. So veranstalten wir auch ein Symposium in diesem Jahr, auf dem wir viel Purpose zusammentragen möchten.

Sie planen im Rahmen von Purpose Health e.V. aktuell ein Buchprojekt mit dem Titel ›Werteorientierte Medizin‹. Worum geht es genau und was können die Leser:innen erwarten?
Das Ziel des Buches ist es, aufzuzeigen, wie das Gesundheitswesen der Zukunft aussehen kann. Das ist nicht nur Digitalisierung, das ist auch nicht nur New Work, sondern das sind alles Puzzleteile eines großen Ganzen, die im Gesundheitswesen zu einer Veränderung führen können. In unserem Netzwerk bei Purpose Health e.V. bilden wir die verschiedenen Perspektiven, die Teil des Veränderungsprozesses sind, schon ab, denn unsere Mitglieder sind ärztliche Kolleg:innen, Pflegekräfte, Physiotherapeut:innen, Jurist:innen und Ökonom:innen. Wir wollen in dem Buch die unterschiedlichen Perspektiven und den Wandel des Gesundheitswesens aufzeigen. Dabei thematisieren wir verschiedene Handlungsfelder und beantworten ganz konkret bestimmte Fragen aus den Bereichen.

Sie haben neben dem Vorstandsvorsitz des Vereins eine Professur für Digital Health und praktizieren auch weiterhin als Notarzt. Welche digitalen Innovationen braucht aus Ihrer Sicht das Gesundheitswesen aktuell besonders?
Im Bereich Digitalisierung müssen wir uns mehr vernetzen, die Technologien liegen bereits vor. Künstliche Intelligenz ist beispielsweise sehr weit fortgeschritten. Und Telemedizin ist eigentlich eine Technologie, die schon völlig veraltet ist und zu langsam im Gesundheitswesen ankommt. Außerdem müssen wir es schaffen, dass Daten standardisiert werden und dass die richtigen Daten dort verfügbar sind, wo sie benötigt werden. Eine Vernetzung der Leistungserbringer ist dafür unabdingbar, damit Daten nicht immer wieder neu erhoben werden müssen. Die Daten müssen elektronisch so vorliegen, dass sie wirklich überall verfügbar sind. Das Zweite hat gar nicht so viel mit Technik zu tun, würde ich aber auch gerne benennen. Wir benötigen dringend einen verbesserten regulatorischen Rahmen, denn die Sozialgesetzgebung ist im Laufe der Jahrzehnte so irrsinnig komplex geworden, dass es momentan eher so ist, dass jedes Digitalisierungsvorhaben durch die Rechtslage gebremst wird. Und da muss unbedingt etwas passieren, dass man diese komplexe Sozialgesetzgebung mal völlig verschlankt.

Zum Thema Regulierung passt das Stichwort ›DiGA-Verfahren‹. Wie schätzen Sie den aktuellen Weg ein?
Ich finde die Idee der DiGA grundsätzlich richtig gut. Es ist sinnvoll, dass es Apps gibt, die Therapieelemente übernehmen, und dass dadurch ein Weg entsteht, um diese Elemente erst einmal auch ohne wirklichen Nutzennachweis in die Versorgung zu bringen. Das hat vieles beschleunigt. Es zeigt sich jetzt aber auch, dass DiGA wieder aus der Versorgung rausfallen, wenn sie den Nutzennachweis nicht erbringen können. Ich glaube, das ist eine Kosten-Nutzen-Abwägung, wann eine DiGA sinnvoll ist und welchen Preis man dafür zahlen sollte. Aber insgesamt ist das ein sehr gutes Gesetzesvorhaben gewesen.


Kurzstrecke

 

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland wird reformiert

Neue Stiftung bürgerlichen Rechts

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wird im Zuge einer Reform in eine Stiftung bürgerlichen Rechts umgewandelt. Dazu hat das Kabinett bereits einen Gesetzentwurf verabschiedet. Dieser beinhaltet eine Verstetigung der UPD als unabhängige, qualitätsgesicherte und kostenfreie Informationsstelle zur Beratung von Patient:innen in allen gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen.

Im Januar 2024 soll die Stiftung – nach Errichtung durch den GKV-Spitzenverband – ihre Tätigkeit aufnehmen. Jährlich wird sie dann einen Gesamtbetrag von 15 Mio. Euro erhalten, zusammengesetzt aus Beiträgen der GKV (93 Prozent) und der PKV (7 Prozent). Die Tätigkeit der Stiftung wird jährlich extern evaluiert.

 

Starker Anstieg der Nutzung von elektronischen Krankschreibungen

Meldung des GKV-Spitzenverband

Insgesamt haben Arbeitgeber:innen knapp vier Millionen elektronische Krankschreibungen ihrer Mitarbeiter:innen in der Pilotphase abgerufen. Damit sei laut GKV-Spitzenverband die Pilotphase erfolgreich abgeschlossen und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) bereit für den Regelbetrieb.

»Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist eine Erfolgsgeschichte und zeigt, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens gelingen kann. Die einjährige Pilotphase wurde sinnvoll genutzt, um Systeme zu testen, Fehler zu beheben und eine sehr solide Basis von fast vier Millionen Testläufen im Echtbetrieb zu schaffen«, sagt Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes.

Im Dezember 2022 wurden 1.300 Prozent mehr digitale Krankschreibungen abgerufen als noch zum Start im Januar 2022. Zuletzt waren es 2,6 Millionen eAU pro Woche, mit Stand vom 29. Dezember 2022 sind seit dem 1. August 2021 insgesamt 61,4 Millionen eAU von Praxen an Krankenkassen geschickt worden. Ab dem 1. Januar 2023 gilt nun der verpflichtende Regelbetrieb.

 

Todesfälle aufgrund von Engpässen in Notaufnahmen

Aktuelle Krise in Großbritannien

Besonders lange Wartezeiten in der britischen Notfallmedizin führen laut britischem Ärzteverband der Notfallmediziner, Royal College of Emergency Medicine (RCEM), zu zahlreichen vermeidbaren Todesfällen. Der Vizepräsident des Verbandes, Ian Higgonson, sprach von bis zu 500 Menschen pro Woche, die aufgrund überfüllter und unterbesetzter Notaufnahmen sterben, weil sie nicht rechtzeitig medizinisch versorgt werden. So warteten im November 2022 Erkrankte in den Notaufnahmen mehr als 12 Stunden auf eine Verlegung.

Der RCEM fordert eine Kapazitätserhöhung der Krankenhäuser. Grund für die Krise sind Unterfinanzierung, Personalmangel und überdurchschnittlich viele Influenza- sowie Corona-Fälle. Laut National Health Service(NHS) gibt es im britischen Gesundheitswesen 133.000 offene Stellen.

 

Finanzielle Unterstützung für Krankenhäuser sofort zur Verfügung stellen

Marburger Bund und der Verband der leitenden Krankenhausärztinnen und -ärzte warnt vor Einsparungen

Während die aktuell geplanten Klinikreformen stark diskutiert werden (eine Zusammenfassung dazu können Sie in unserem Newsletter weiter unten nachlesen), warnt der Marburger Bund gemeinsam mit dem Verband der leitenden Krankenhausärztinnen und -ärzten (vlk) davor, dass Entscheidungswege zu lang seien und die Stationen finanziell darunter leiden würden.

»Die Insolvenzgefahr für viele Kliniken steigt bei explodierenden Kosten, zunehmendem Personalmangel bzw. Personalausfällen und auch dadurch reduzierten Fallzahlen. Eine sinnvolle Neustrukturierung der Krankenhauslandschaft wird nur gelingen, wenn wir die kalte Strukturbereinigung bis zum Beginn der Reform durch finanzielle Hilfen aufhalten«, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. Die beiden Verbände fordern sofortige finanzielle Stabilisierungsmaßnahmen für die Kliniken von Bund, Ländern und Krankenkassen. Außerdem betonen sie, dass die Bürokratie weiter abgebaut werden müsse. So würde eine Halbierung der Dokumentationslast allein im ärztlichen Bereich das Stundenäquivalent von 32.000 Vollzeitstellen für die Patientenversorgung zur Verfügung stellen.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Interview

 

Neuromuskuläre Therapie bei Lähmungen und Inkontinenzen

Einblick sprach mit Alexandra Herbers über ihre Motivation zur Gründung eines Start-ups im Bereich der neuromuskulären Rehabilitationstherapie

 

 

Alexandra Herbers

ist Gesundheits- und Sozialökonomin (VWA/FOM) sowie Betriebswirtin (VWA/FOM). Sie gründete 2018/2019 das Unternehmen Neurolife Therapietechnik. Aufbauend auf ihren Erfahrungen als Medizinprodukteberaterin hat sie sich mit ihrem Start-up auf die EMG-getriggerte Elektrostimulation in der Neurologie spezialisiert. Heute versorgt sie von Essen aus Kunden in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Die vielen positiven Rückmeldungen der Ärzt:innen und Patient:innen bestätigen den neuartigen Therapieansatz.

 

 

Frau Herbers, wie sind Sie dazu gekommen, Ihr Start-up zu gründen?
Ich habe Neurolife gegründet, nachdem mich eine ehemalige Kollegin aus diesem Bereich – sie war im Innendienst und ich im Außendienst tätig – fragte, was mir beruflich bisher am meisten gefallen habe. Meine Antwort kam sehr schnell, und es war genau diese Therapie bzw. ihre Ergebnisse, allerdings in der Neurologie. Als ich anfing, gab es viele mögliche Bereiche, doch dann kam die neuromuskuläre Stimulation hinzu. Das war mein Steckenpferd und ist es bis heute geblieben.

Welche konkrete Therapie adressieren Sie?
Mein Unternehmen zielt auf die Neurologie ab, wie der Name bereits zeigt. Wir sind spezialisiert auf neuromuskuläre Defizite, also auf alle Diagnosen, bei denen zentrale oder periphere Paresen, also Lähmungen, sowie Polyneuropathien und Inkontinenzen auftreten. Dabei handelt es sich beispielsweise um halbseitige Gesichtslähmungen, halbseitige Lähmungen nach Schlaganfällen bzw. Hemiparesen. Zudem wird die Therapie verordnet bei Läsionen der Nerven nach Tumorentfernungen oder im Rahmen der Chemotherapie, vor allem bei den häufig auftretenden Polyneuropathien an Händen und Füßen, aber auch bei Bandscheibenvorfällen, Multipler Sklerose und weiteren Ursachen.

Was für einen Kundenkreis haben Sie – und wer übernimmt die Kosten?
Unsere Kunden sind niedergelassene Ärzt:innen und Kliniken. Die klinisch tätigen Ärzt:innen sind dankbar, wenn sie diese Therapie im Bereich des Entlassungsmanagements anbieten können. Die niedergelassenen Ärzt:innen wiederum freuen sich, eine nicht budgetierte Therapieform für Patient:innen in Heimtherapie verordnen zu können, mit einem zuverlässigen Ansprechpartner an ihrer Seite. Sämtliche Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Bei nicht eindeutig gestellten Diagnosen – laut Kasse – kümmern wir uns im Hintergrund darum, dass alles den richtigen Weg findet, sprechen mit dem medizinischen Personal und den Kassen, damit es den Patient:innen durch einen baldigen Therapiestart schnell besser geht.

Wie läuft die Therapie ab – und wie werden die Patient:innen einbezogen?
Zunächst stellen wir den Ärzt:innen, die die Therapie verordnen möchten, unsere Geräte und Verfahren persönlich vor. Der Bereich der Elektrostimulation ist sehr breit gefächert. Wenn ein:e Behandler:in eine erkrankte Person mit entsprechender Diagnose hat, erhalten wir eine ärztliche Verordnung und senden diese mit einem Antrag zur Genehmigung digital an die zuständige Kasse weiter. Innerhalb einer Frist von drei Wochen muss die Kasse die Therapie genehmigen. Sobald wir das Rezept erhalten haben, informieren wir umgehend die Patient:innen. Bei Genehmigung vereinbaren wir einen Termin zur Einweisung in das Gerät und das Therapieverfahren, möglichst persönlich und vor Ort. Wir stellen alles individuell ein und dokumentieren dies in einem Therapieprotokoll. In der Regel arbeiten wir an den Extremitäten mit Körperflächenelektroden und in der Inkontinenztherapie mit Anal- und Vaginalsonden.

Nach der Einweisung sind die Patient:innen in der Lage, die Therapie täglich eigenständig zuhause für einen Verordnungszeitraum von drei Monaten durchzuführen. Dabei bleiben wir in stetigem Kontakt. Nach zwei Monaten erfolgt eine Kontrolle. Dort prüfen wir, ob die Therapie gegriffen hat und ob eine weitere Verordnung nötig ist. Unser Ziel ist es, mindestens 80 Prozent der früheren Funktion wiederherzustellen, und sind sehr verwöhnt im Hinblick auf den Erfolg unserer Therapie. Natürlich sind wir darauf auch stolz. Allerdings müssen die Patient:innen auch tatsächlich täglich mit dem Gerät arbeiten, mit einem kleinen Aufwand von morgens und abends von je 10 bis 20 Minuten. Unsere Therapie ist konservativ und ohne Nebenwirklungen!

Was möchten Sie persönlich noch erreichen?
Ich möchte, dass alle Ärzt:innen – insbesondere in der Neurologie, Onkologie, Orthopädie, Urologie und Chirurgie usw. – wissen, dass es eine wunderbare Therapieform gibt, wenn sie Patient:innen mit Lähmungen aufgrund verschiedenster Ausgangssituationen haben. Diese lässt sich ganz einfach verordnen. Wer das Verfahren noch nicht kennt, darf sich jederzeit bei uns melden, wir stellen die Therapie gern persönlich vor. Es handelt sich um eine EMG-getriggerte Elektrostimulation, die nicht vergleichbar ist mit TENS, einer reinen Schmerztherapie, oder mit EMS, einer reinen Muskelstimulation. Unser Verfahren adressiert alle neuromuskulären Defizite und ist die einzige Therapie, die eine Reafferenz mit gleichzeitigem Muskelaufbau ermöglicht.

Hier können Sie das komplette Interview mit Alexandra Herbers als EinBlick – nachgefragt anhören https://soundcloud.com/einblick-berlin-chemie/einblick-nachgefragt-20230111


Startup-Telegram

 

Im offiziellen Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind mittlerweile 42 Anwendungen gelistet, davon sind 37 nutzbar. Neu hinzugekommen sind die folgenden Apps:

HelloBetter Schlafen ist ein interaktives psychologisches Therapieprogramm zur Reduktion insomnischer Beschwerden, das von Expert:innen aus Wissenschaft, Psychologie und Psychotherapie gemeinsam mit Betroffenen entwickelt wurde. Wirksame Strategien aus der kognitiven Verhaltenstherapie werden nach aktuellem Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse vermittelt (Schlafhygiene, Bettzeitverkürzung, Stimuluskontrolle, kognitive Strategien, Entspannungsverfahren). Eine Rückfallprophylaxe und ein Online-Tagebuch sind integriert. https://hellobetter.de/

Kaia COPD richtet sich an erwachsene COPD-Patient:innen. Über evidenzbasierte und leitlinienkonforme Inhalte der pneumologischen Rehabilitation sollen körperliche Leistungsfähigkeit und gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert werden. Ein individuelles Therapieprogramm lindert die Symptome der Erkrankung. Die Therapie kann begleitend zur medikamentösen Therapie eingesetzt werden. Sie ist zeit- und ortsunabhängig und beruht auf den Erkenntnissen neuester Studien über die Entstehung und Behandlung der COPD. https://kaiahealth.de/

Elona therapy möchte die ambulante Psychotherapie verzahnen. Die App unterstützt die Behandlung der unipolaren Depression zwischen den Therapiesitzungen über einen wöchentlichen Therapieplan durch Interventionen, hilfreiche Aktivitäten, Übungen und psychoedukative Inhalte.  Anhand von psychometrischen Fragebögen werden die Inhalte ausgewertet und auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingestellt. Zusätzlich können Leistungserbringende den Therapiefortschritt ihrer Patient:innen anpassen. https://www.elona.health/

Edupression ist eine Kombination aus Medizinprodukt und Psychoedukation. Die webbasierte Software kann plattformunabhängig genutzt werden. Sie leitet Patient:innen entlang eines ›Activity Feeds‹ durch das Programm hin zu ihren Wochenzielen. Durch spielerische Elemente, Stimmungsbarometer und Videos werden die Patient:innen ermuntert, dabei zu bleiben; auch ein Avatar unterstützt sie. https://edupression.com/home-de/


Meldungen

 

Neue Projekte im Bundesgesundheitsministerium

Ausblick auf das Jahr 2023: zahlreiche Reformen, Verordnungen und Gesetze

Die Liste der Reformen, Verordnungen und Gesetzesvorhaben, die im Jahr 2023 auf den Weg gebracht werden sollen, ist lang und anspruchsvoll. Geplant sind u.a. eine Krankenhausreform, der Aufbau eines nationalen Gesundheitsdatenraums, zwei Strukturreformen und die Legalisierung von Cannabis.

Das Jahr startete für die Mitarbeiter:innen im Bundesgesundheitsministerium (BMG) ohne Pause, ihre Agenda ist umfangreich: Die geplante Klinikreform soll die stationäre Versorgung in Teilen von ökonomischen Anreizen entkoppeln und ebenso das System der Fallpauschalen überwinden. In Kraft treten wird sie zum 1. Januar 2024, doch bis dahin gibt es noch größeren Abstimmungsbedarf. Zudem will Bundesgesundheitsminister Lauterbach die angekündigte Reform der Notfallversorgung  mit einem Konzept integrierter Notfallzentren (INZ) angehen. Auch die Eckpunkte für zwei neue Versorgungsgesetze erscheinen in Kürze: Ein Gesetz soll den bundesweiten Aufbau von 1.000 Gesundheitskiosken und die Reform des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) regeln. Im zweiten Versorgungsgesetz geht es um Regelungen zur Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung, zu Gesundheitsregionen, Regionalversorgungszentren und zum Direktzugang für Heilmittelerbringer:innen.

Im Frühjahr sollen die Ergebnisse der Digitalisierungsstrategie vorliegen. Parallel läuft der Umbau der Gematik in eine ›Digitale Gesundheitsagentur‹. Das Einlösen des E-Rezepts über die elektronische Gesundheitskarte soll ab Mitte 2023 möglich und die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA) zu einer ›Opt-out‹-Anwendung bis 2024 abgeschlossen sein. Die Eckpunkte für das Gesundheitsdatennutzungsgesetz sind für das erste Halbjahr 2023 geplant – sie zielen auf eine bessere Versorgungsqualität ab.

Umfassende Strukturreformen in der Gesetzlichen Kranken- und der Sozialen Pflegeversicherung werden viel Zeit kosten. Bis Ende Mai müssen gemäß GKV-Finanzstabilisierungsgesetz ›Empfehlungen für eine stabile, verlässliche und solidarische Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung‹ vorliegen. Darüber hinaus sind eine Reihe von Berufs- und Ausbildungsgesetzen geplant. Auch der Referentenentwurf für eine Reform der Physiotherapie mit Teilakademisierung – d.h. die gesetzliche Festschreibung eines Nebeneinander von hochschulischen und berufsfachschulischen Abschlüssen in der Physiotherapie – soll bis dahin vorliegen. Im Fokus steht zudem eine neue Approbationsordnung. Ziel der Reform ist hier eine Ausdehnung der Allgemeinmedizin auf alle Phasen des Studiums, die Erhöhung der Wissenschaftlichkeit und mehr Studienplätze. Bei der Legalisierung von Cannabis plant das BMG einen Regierungsentwurf zum zweiten Halbjahr 2023, ggf. auch später; bei der Umsetzung spielt Brüssel eine wichtige Rolle. Eher vorliegen soll ein Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Lieferengpässen bei Arzneimitteln. Last but not least steht das unter ethischen Fragestellungen umstrittene Thema Sterbehilfe auf der Agenda der Politik.

 

EU fördert KI im Gesundheitswesen

60 Millionen Euro, um Projekte zu realisieren

Die Europäische Union unterstützt Projekte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und Robotik im Gesundheitswesen ab sofort in einer Höhe von 60 Millionen Euro. Davon fließt eine Fördersumme von zwei Millionen Euro in Projekte am Berlin Institute of Health des Universitätsklinikums Charité in Berlin. Das europaweite Projekt „TEF-Health“ wird von Professorin Dr. Petra Ritter, Direktorin der Sektion Gehirnsimulation an der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) geleitet.

Das EU-Projekt TEF-Health (Testing and Experimentation Facility for Health AI and Robotics) hat das Ziel, innovative Ansätze aus der Künstlichen Intelligenz und der Robotik im Gesundheitswesen zu prüfen und schneller zur Marktreife zu bringen. »Mit TEF-Health wollen wir vor allem neuartige KI-Ansätze in realitätsgetreuen Umgebungen testen«, sagt Prof. Dr. Ritter. Das gelte für neue Software, die etwa in der Patient:innenbetreuung oder in der Diagnostik eingesetzt wird, genauso wie für Geräte, die von den intelligenten Programmen gesteuert und teilweise direkt am Menschen arbeiten, zum Beispiel Operations- oder Pflegeroboter. »Wir werden evaluieren, wie sich der Marktzugang und die Akzeptanz dieser intelligenten Technologien erleichtern lassen.«

So ist geplant, dass die Projektpartner neue regulatorische und ethische Anforderungen erarbeiten, darunter zum Beispiel standardisierte Testprotokolle und Zertifizierungen, oder einen bestimmten Verhaltenskodex bei der Anwendung. Mit an Bord bei TEF-Health sind neben führenden Krankenhäusern, Universitäten und klinischen Forschungseinrichtungen auch staatlich benannte Prüforganisationen wie der TÜV oder die deutsche Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und ihr französisches Pendant, das ›Laboratoire national de métrologie et d’essais‹. Die neu geschaffenen Evaluierungsressourcen und Infrastrukturen werden künftig der Industrie in Form von gebührenpflichtigen Diensten zur Verfügung stehen. Ausdrücklich soll TEF-Health nachhaltige Kooperationen zwischen Wirtschaft, akademischer Forschung und weiteren Akteuren generieren und festigen. Insgesamt sind an dem Projekt 51 akademische und private Partner aus neun europäischen Ländern beteiligt. Der offizielle Projektbeginn war am 1. Januar 2023.

 

Krankenhauskonzept der Regierungskommission

Weniger Ökonomie, mehr Medizin

Am 6. Dezember 2022 hat die Regierungskommission der Bundesregierung ein Konzept vorgelegt, in dem sie Empfehlungen zur Neustrukturierung der Krankenhausfinanzierung vorlegen. Die Rückmeldungen der einzelnen Verbände gehen von Zustimmung bis Kritik weit auseinander.

Im Wesentlichen hat die Regierungskommission drei Vorschläge vorgestellt. Das betrifft die Vergütung von Vorhalteleistungen, die Definition von Krankenhaus-Versorgungsstufen sowie die Einführung von definierten Leistungsgruppen. Im Bereich der Vorhalteleistungen empfiehlt die Regierungskommission, zukünftig einen festen Betrag als Vorhaltekosten zu definieren, den Krankenhäuser – je nach Zuordnung ihrer Versorgungsstufe – erhalten. Die Krankenhäuser sollen dabei in drei verschiedene Versorgungsstufen eingeteilt werden. Das sind zum einen Grundversorger, die medizinische und pflegerische Basisversorgung, zum Beispiel grundlegende chirurgische Eingriffe und Notfälle, betreuen. Stufe zwei setzt sich aus Kliniken mit Regel- und Schwerpunktversorgung zusammen. Das sind Krankenhäuser, die im Vergleich zur Grundversorgung noch weitere Leistungen anbieten. Und auf Stufe drei stehen die Maximalversorger, zum Beispiel Universitätskliniken. Behandlungen sollen künftig nur noch abgerechnet werden können, wenn dem Krankenhaus die entsprechende Leistungsgruppe zugeteilt wurde. Die Zuordnung zu einer der drei Leistungsgruppen erfolgt auf Basis genau definierter Strukturvoraussetzungen für die jeweilige Leistungsgruppe, etwa bezüglich personeller und apparativer Ausstattung. Je nach Komplexität wird für jede Leistungsgruppe festgelegt, ob sie an Krankenhäusern aller drei Level erbracht werden darf oder nur an Krankenhäusern der Versorgungsstufe zwei und drei. 
 
Verbände im Gesundheitswesen vertreten zu den Ideen unterschiedliche Positionen. »Die grundsätzlich richtigen Gedanken der Kommission basieren auf einer falschen Grundprämisse. Die Reform soll nach Vorstellung der Kommission die aktuellen Mittel nur umverteilen. Damit basiert die Finanzreform aber bereits auf einer strukturellen Unterfinanzierung«, heißt es von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Während die DKG als Krankenhausverband dem Papier eher kritisch gegenübersteht, begrüßt die Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) das Vorhaben. «Durch die Regierungskommission wurde aus den Reformideen ein systemisches Konzept mit anreizgerechten Instrumenten als Arbeitsgrundlag«“, sagt Nils Dehne, Geschäftsführer der AKG. 

Zweigeteilt ist die Meinung der Techniker Krankenkasse (TK). »Die Reformvorschläge haben sehr vielversprechende, aber auch gefährliche Aspekte. Ein richtiger Schritt ist, dass die problematischen Strukturen adressiert werden und endlich Versorgungsstufen eingeführt werden sollen«, sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. »Absolut in die falsche Richtung gehen hingegen die Vorschläge, wie Vorhaltekosten eingeführt werden sollen.« Die Pflege, vertreten durch den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist optimistisch. »Die Vorschläge haben das Potenzial, das Gesundheitssystem zu verbessern und dabei die Rolle der professionellen Pflege zu stärken. Es hängt nun davon ab, wie die Reform im Detail ausgestaltet wird«, sagt Christel Bienstein, Präsidentin des DBfK.


Bemerkt

 

 

 

»Die Ärzte sollten verpflichtet werden, die Daten zu speichern, wenn der Patient nicht ausdrücklich widerspricht. Und: Alle Ärzte eines Patienten sollten dessen Daten sehen können, wenn dieser nicht aktiv ›Nein‹ dazu sagt.«

Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes

 

 

 


Weiterlesen

 

Forschenden ist es gelungen, Skelettmuskeln im Labor herzustellen, mit denen sich die normale menschliche Muskelentwicklung, natürliche Vorgänge zur Erholung des Muskels (Muskelregeneration) sowie Krankheitsprozesse bei Muskelerkrankungen simulieren lassen. Die neuartigen Skelettmuskeln wurden im Rahmen der Doktorarbeit von Dr. Mina Shahriyari am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie der UMG sowie dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen entwickelt. »Die im Labor erzeugten Skelettmuskeln sind die Grundlage dafür, um Muskelkrankheiten zu modellieren, also so gut nachzubilden, dass sie zur Prüfung von Medikamenten und ihrer Wirksamkeit geeignet sind«, sagt Dr. Mina Shahriyari.

»Die Schwerpunkte unserer Arbeit liegen dabei auf der Entwicklung von Skelettmuskeln zur Simulation von Erkrankungen, für die es bisher keine oder nur unzureichende Behandlungsmöglichkeiten gibt.« Grundlage der Technologie, die die Göttinger Forschenden anwenden, sind induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen), die aus Stammzellen von Patient:innen mit Muskelerkrankungen im Labor künstlich erzeugt werden. Dafür ist nur eine Blutentnahme oder Hautbiopsie nötig. Die aus diesen Stammzellen hergestellten Muskeln bilden dann auch in der Kulturschale eine Muskelerkrankung aus. Dies konnten die Forschenden beispielhaft für die Duchenne Muskeldystrophie nachweisen. Außerdem konnten sie zeigen, dass eine experimentelle Therapie durch die Genschere CRISPR die Muskelschwäche verringern kann. »Die Möglichkeit, Medikamente direkt an menschlicher Muskulatur zu testen, kann nicht nur die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen, sondern wird auch die Notwendigkeit für Tierversuche in Zukunft weiter reduzieren«, sagt Prof. Dr. Wolfram Hubertus Zimmermann, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der UMG.

Hier kommen Sie zur direkt zur Publikation https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36254806


Empfehlung

 

Jetzt oder nie: Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen

Das Buch ›Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen‹ beschäftigt sich mit der Klimakrise und rückt dabei das Gesundheitswesen in den Fokus. In einer Mischung aus Beiträgen, Interviews und Steckbriefen wird sichtbar, wie das Gesundheitswesen als Treiber für die Transformation der Gesellschaft hin zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz agieren kann. Mit den durch die Autor:innen vermittelten Ansätzen, Strategien und Visionen soll das Buch zum Impulsgeber wie auch zur Gebrauchsanleitung für die notwendigen Transformationen werden.

Dazu gehören laut den Herausgeber:innen auch die politischen Rahmenbedingungen und Anreize, die für die notwendigen Veränderungen geschaffen werden müssen. Das Vorwort dazu wurde von Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach verfasst. Herausgeber:innen sind Jürgen Graalmann, Geschäftsführer des Deutschen Pflegetages, Eckart von Hirschhausen, Journalist, Mediziner und Professor an der Universität Marburg, sowie Kerstin Blum, Geschäftsführerin der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen.

Weitere Informationen finden Sie hier https://www.mwv-berlin.de/produkte/!/title/jetzt-oder-nie-nachhaltigkeit-im-gesundheitswesen/id/886


Zuletzt:

 

Erklärvideos rund um das digitale Gesundheitswesen

Das Zentrum für Telematik und Telemedizin hat kleine Erklärvideos rund um das digitale Gesundheitswesen und die Telematikinfrastruktur (TI) entwickelt. In den kurzen Clips wird gezeigt, wie der Anschluss an die TI für Gesundheitsberufe gelingt. Ein weiteres Video klärt über das elektronische Gesundheitsberuferegister auf, und ein anderes Video zeigt, wie Telemonitoring funktioniert. Die Videos dauern jeweils ca. zwei Minuten und sind eine Möglichkeit, um einen kurzen und schnellen Überblick zu erhalten.

Hier kommen Sie direkt zu den Videos https://ztg-nrw.de/videos/

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