Berlin-Chemie Newsletter vom 12. August 2021

Berlin-Chemie Newsletter vom 12. August 2021

Interview:

  • Wir wollen Papier komplett abschaffen
    EinBlick sprach mit Katrin Berger über die Health Data Office-Plattform im Klinikbereich

Kurzstrecke:

  • Jahresbilanz: 19 Apps auf Rezept in der BfArM-Liste
    Unzureichende Studien zur Wirksamkeit verhindern weitere digitale Angebote

  • Langfristige Immunität gegen Covid-19 bei Kindern
    Familienstudie zeigt asymptomatischen Verlauf der Infektionen auf

  • Beim neuen DMP Programm Adipositas bei Diabetes abgucken
    Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert schnell zu agieren

  • Herausforderungen von Krankenhäusern in Bezug auf KI
    Unternehmensberatung pwc veröffentlicht Paper

Young Health:

  • Warum sich Pflegekräfte politisch engagieren sollten
    EinBlick sprach mit Moritz Hüsken über das Statement der Jungen Pflege des DBfK

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Untersuchungen und Befragungen in der Corona-Pandemie
    Kann man die Impfbereitschaft durch ein positives soziales Umfeld steigern?

  • TK-Gesundheitsreport 2021
    Der Dauerlockdown hat Spuren bei den Menschen hinterlassen

  • Fallzahlen in Krankenhäusern
    Während dritter Pandemiewelle weniger Klinikaufenthalte

  • Zi teilt mit
    Heuschnupfen nimmt in Deutschland deutlich zu


Interview

 

Wir wollen Papier komplett abschaffen

Einblick sprach mit Katrin Berger über die Health Data Office-Plattform im Klinikbereich

 

 

Katrin Berger

absolvierte ihren Master im Bereich ›IT im Gesundheitswesen‹ an der Universität Donau-Krems im Jahr 2012. Von 1991 bis 2008 arbeitete sie als Key Account Managerin zunächst bei der Deutschen Telekom und später bei Versatel. Aktuell ist sie strategische IT- Managerin bei der Limbach Gruppe und Beraterin im eigenen Unternehmen ktberger-consulting. Daneben agiert sie seit Juli 2017 bei der Ameos-Gruppe als IT-Projektleiterin für Krankenhausinformationssysteme.

 

 

Welche Digitalstrategie fahren Sie bei Ameos und wie sind Sie zu dem Projekt ›Health Data Office‹ gekommen?
Die Digitalstrategie bei Ameos ist ganz eindeutig: Wir wollen das Papier komplett abschaffen. Das geht bei den Patient:innen los, die uns möglichst viel über ein Portal bereitstellen sollen, bis hin zum Abschluss ihrer Behandlung. Wir geben ihnen unsere Informationen ebenso weiter, damit sie für nachfolgende Leistungserbringer genutzt werden können. Dieser digitale Kreislauf soll unsere Kliniker:innen endlich wieder in der Lage bringen, sich um ihre Patient:innen zu kümmern, ohne ständig irgendwelche Formulare auszufüllen. Mit wenigen Klicks in ihren Applikationen sollen Mediziner:innen erfassen, was für die Behandlung relevant ist. Zudem werden diese Daten so rechts- und revisionssicher langzeitarchiviert. Wir als Klinik wollen jederzeit auskunftsfähig sein, falls es Rückfragen geben sollte.

Dadurch möchten wir eine enge Verknüpfung zwischen den Patient:innen und unseren Häusern bzw. Einrichtungstypen erreichen. Dabei handelt es sich um Akuthäuser, Ambulanzen, Praxen, Polikliniken und Rehabilitationshäuser mit dem gesamten Spektrum von somatischen und psychiatrischen Einrichtungen bis hin zur Forensik, Pflege und einem Hospiz, die digital verknüpft werden sollen.

Das Health Data Office ist eine Plattform, mit der Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen die Kernanforderungen an die Gesundheits-IT erfüllen.

Welche Bedeutung hat dieser enorme Datenschatz auch in Hinblick auf die elektronische Patientenakte, die die Krankenkassen laut Gesetz für jeden Bürger nun bereithalten müssen?
Wir wünschen uns, dass möglichst viele Patient:innen von diesem Angebot Gebrauch machen. Heute beklagen sich nicht wenige Erkrankte zurecht, dass sie vieles doppelt sagen müssen oder sogar Untersuchungen mehrfach erhalten. Alle Leistungserbringer:innen im Gesundheitswesen, egal ob sie in Kliniken oder als Fach- und Hausärzt:innen agieren, sollten transparent arbeiten und einander vertrauen. Wir müssen althergebrachte Vorurteile und Hürden abschaffen und diese medizinischen Datenschätze nutzen, um die Behandlungsqualität zu verbessern und schneller zu werden.
Bei Ameos greifen wir dabei gern auf Erfahrungen von Kollegen zurück: Bei einer bestimmten Diagnose hilft uns die Plattform Health Data Office mit einer DaWiMed- Anwendung zur Wissensgenerierung, vom Anbieter DMI, mit wichtigen Informationen weiter. Sie zeigt beispielsweise, welche Medikamente am besten angeschlagen haben oder welche Eingriffstechnologie sich gut eignet. Bei der Planung von elektiven Eingriffen erfährt man unter anderem, ob mehr Zeit eingeplant werden muss, wenn es sich um einen Menschen mit Diabetes handelt. Dies aus den eigenen Daten herauszuholen, sehen wir als eine wesentliche Leistung an.

Sie sind bereits im dritten Jahr an dem mehrfach ausgezeichneten Projekt ›Health Data Office‹ der Entscheiderfabrik beteiligt. Diese Initiative wählt jährlich Digitalprojekte aus, die Kliniken kostenneutral auf ihren Nutzen prüfen dürfen. Was wünschen sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, das Thema Wissensdatenbanken weiter auszubauen, denn wir sind hier noch ganz am Anfang. Außerdem wünsche ich mir, dass es für alle klinisch tätigen Ärzt:innen eine Selbstverständlichkeit wird, auf diese Informationen zuzugreifen.


Kurzstrecke

 

Jahresbilanz: 19 Apps auf Rezept in der BfArM-Liste

Unzureichende Studien zur Wirksamkeit verhindern weitere digitale Angebote

Seit einem Jahr werden in Deutschland ›Digitale Gesundheitsanwendungen‹ (DiGA) oder ›Apps auf Rezept‹ von Ärzt:innen verschrieben und durch Krankenkassen erstattet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listet bislang 19 dieser Apps im DiGA-Verzeichnis https://diga.bfarm.de/de auf. Dabei handelt es sich um vorläufig oder endgültig aufgenommene DiGA, die vorab intensiv geprüft worden sind. Insgesamt reichten 84 Hersteller entsprechende Anträge ein, doch 38 Unternehmen zogen diese zurück, weil das BfArM häufige Mängel feststellte.

Die Wirksamkeit einer vorläufigen App soll im ersten Anwendungsjahr bewiesen werden, bei endgültig aufgenommenen DiGA muss die Studie bereits abgeschlossen sein. Laut Prüfungen durch das BfArM passieren in beiden Fällen Fehler, die oft in der Aufbereitung des Studiendesigns liegen. Das Evaluationskonzept muss stimmig sein, mit genauen und sortierten Daten. »Eine präzise Fragestellung bei der Konzepterstellung ist notwendig«, sagte Professor Julian Rubel von der Justus-Liebig-Universität Gießen gegenüber dem Handelsblatt. Zudem sei es wichtig, im Konzept bereits festzulegen, welcher Aspekt untersucht wird; ein nachträglicher Bericht reiche nicht.

 

Langfristige Immunität gegen Covid-19 bei Kindern

Familienstudie zeigt asymptomatischen Verlauf der Infektionen auf

Laut einer Familienstudie zu Covid-19 in Baden-Württemberg ist die Immunantwort bei Kindern stabiler als bei Erwachsenen. Die Fragestellungen der Wissenschaftler:innen bezogen sich darauf, wie die Corona-Infektionen generell bei Kindern verlaufen, wie junge  
Erwachsene nach einem milden Verlauf geschützt sind und welche Rolle sie als Erkrankte im Pandemiegeschehen spielen. Untersucht wurden 328 Familien mit mindestens einem an Covid-19 erkrankten Mitglied; an der Untersuchung nahmen 548 Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren sowie 717 Erwachsene teil.

Als Fazit zeigt sich: Genesene Kinder entwickelten trotz mildem oder symptomfreiem Verlauf eine wirksame und anhaltende Immunabwehr gegen neue Corona-Infektionen. Ferner steckten sich Kinder innerhalb ihrer Familien deutlich seltener an als Erwachsene. Die kindliche Immunantwort war zudem stärker und hielt länger an als die von Erwachsenen, und zwar unabhängig davon, ob Symptome aufgetreten waren oder nicht. Die Ergebnisse wurden am 23. Juli 2021 als Preprint veröffentlicht.

Beim neuen DMP Programm Adipositas bei Diabetes abgucken

Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert schnell zu agieren

Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) belastet keine Krankheit – auch Covid-19 nicht - das Sozial- und Gesundheitssystem so sehr wie Adipositas. Dabei ist jede:r zweite Erwachsene in Deutschland übergewichtig, jede:r vierte adipös. Deshalb fordert die Fachgesellschaft immer wieder, Adipositas stärker in den politischen Fokus zu rücken. Aktuell betonen die Expert:innen, dass das anstehende DMP Adipositas die Strukturen des DMP Typ-2-Diabetes nutzen soll. Hintergrund ist das Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG), das eine Einführung des DMP Adipositas vorsieht.

»Die Adipositas-Welle muss eingedämmt werden, sonst werden wir, ganz abgesehen von den individuellen Schicksalen und Problemen, auch volkswirtschaftliche Nachteile erleiden«, sagt DDG Präsident Professor Dr. med. Andreas Neu. »30 Milliarden Euro Kosten entfallen jedes Jahr allein auf Gesundheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit Adipositas«, so Professor Dr. med. Matthias Blüher, Vorstandsmitglied der DDG. Daher sollten bei der Entwicklung des neuen Behandlungsprogramms etablierte Systeme und Expertisen aus dem DMP Diabetes Typ-2 genutzt werden.

 

Herausforderungen von Krankenhäusern in Bezug auf KI

Unternehmensberatung PwC veröffentlicht Paper

Gerade einmal 30 Prozent aller Krankenhäuser in Deutschland nutzen Lösungen mit Künstlicher Intelligenz (KI). Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung PwC. Die Beratungsfirma veröffentlichte nun das Paper ›Das intelligente Krankenhaus‹, in dem sie die zehn größten Herausforderungen in Krankenhäusern beim Einsatz von KI aufzeigen.

Laut PwC sind die Schwierigkeiten, die auf dem Weg zum Krankenhaus der Zukunft zurückgelegt werden müssen, zum einen eine fehlende KI-Strategie, unzureichende Daten und mangelnde Fachkompetenz, zum anderen sind es die Suche nach dem richtigen Anbieter, die fehlende Integration in bestehende Systeme sowie die Akzeptanz von Innovationen durch die Belegschaft. Als best practice-Beispiel nennt PwC das Universitätsklinikum Essen, wo sich zeigt, dass KI sich im medizinischen Alltag bewährt.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


young health

 

Warum sich Pflegekräfte politisch engagieren sollten

 

 

Moritz Hüsken

hat nach seiner Ausbildung als Krankenpfleger den Bachelor und Master im Fach Pflegewissenschaften absolviert und arbeitet aktuell als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. Seit 2015 engagiert er sich im Deutschen Berufsverband für Krankenpflege (DBfK). Dort ist er seit 2019 Sprecher der Lenkungsgruppe Junge Pflege.

 

 

 

Herr Hüsken, Sie engagieren sich im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe und sind dort Sprecher der Lenkungsgruppe Junge Pflege. Warum ist es wichtig, dass sich die in der Pflege Arbeitenden politisieren und Lobbyarbeit betreiben?
Die pflegerische Perspektive muss in politische Entscheidungen eingebunden sein. Wenn die beruflich Pflegenden nicht endlich stimmberechtigt in die Gremien berufen werden, in denen es um Pflege- und Gesundheitspolitik geht, fehlt sonst weiterhin die Expertise der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Das können wir uns als Gesellschaft nicht länger leisten. Für die beruflich Pflegenden selbst ist das ein Aufruf, sich im Berufsverband zu organisieren, in Gewerkschaften einzutreten und vor allem, sich für Pflegeberufekammern starkzumachen. Sonst bestimmen weiterhin andere über unseren Beruf.
 
Was sind Ihre Forderungen an die nächste Bundesregierung?
Wir haben mit unserem Aktionsprogramm 2030 und unserem berufspolitischen Booklet ›Pflege wirkt – wir ebenso‹ ausführlich unsere Forderungen dargestellt. Kurz gefasst fordern wir einen dem tatsächlichen Bedarf angepassten Personalschlüssel, ein Einstiegsgrundgehalt von 4.000 Euro brutto, einen Gesundheitsschutz für die beruflich Pflegenden, den Ausbau der hochschulischen Ausbildung sowie bessere Rahmenbedingungen in Bezug auf die Dienstplangestaltung. Außerdem fordern wir Mitbestimmung in den relevanten Gremien, die Anerkennung unserer Professionalität, eine Ausweitung der pflegerischen Rollen, beispielsweise der Community Health Nurses, eine Reform der Pflegefinanzierung, die solidarisch im Sinne einer Bürgerversicherung ausgestaltet sein muss, und Fortschritte in der Digitalisierung, die den pflegerischen Anforderungen angepasst sind.

Vor einiger Zeit ist das Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) verabschiedet worden. Viele Menschen, die im Pflegebereich arbeiten, kritisieren das Gesetz. Welche Kritik haben Sie am GVWG?
Das GVWG wurde als Pflegereform bezeichnet, ist aber weit davon entfernt. Es wird weder für die beruflich Pflegenden noch für Menschen mit Pflegebedarf spürbare Verbesserungen bringen. Im Bereich der Personalbemessung passiert viel zu wenig, um die Kolleg:innen endlich zu entlasten. Die Tarifbindung für die Langzeitpflege bleibt weit hinter dem zurück, was in der Konzertierten Aktion Pflege vereinbart wurde.

Welche konkreten Vorschläge haben Sie zur Verbesserung der Situation von Pflegekräften?
Eine gute Personalausstattung ist am wichtigsten, um die Kolleg:innen im Beruf zu halten, Aussteiger:innen zurückzugewinnen und um den Beruf für den Nachwuchs attraktiv zu machen. Der Stellenausbau muss aber mit fairen Gehältern einhergehen. Wir haben bereits gesehen, dass der Stellenausbau ohne entsprechende Anreize nicht zum Erfolg führt. 4.000 Euro Einstiegsgrundgehalt sind der Qualifikation, dem geforderten Können und der Verantwortung angemessen, wie beispielsweise das Team um Professorin Ute Klammer mit dem ›Comparable Worth‹-Index zeigen kann. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit beruflich Pflegende ihre Kompetenzen ohne Beschränkungen einsetzen können.


Startup-Telegram

 

Die Patient Journey App ermöglicht Gesundheitseinrichtungen den Versand von ausgewählten Informationen an Patient:innen und deren Angehörige. Ärzt:innen behalten so die Entwicklungen der Erkrankten stets im Blick und können bei Bedarf eingreifen. Die App unterstützt in den Bereichen Kommunikation, Fortschrittmessung und Behandlungseffizienz mit einer dynamischen Zeitleiste, Push-Nachrichten und Feedback. Sie ist in verschiedenen Fachgebieten einsetzbar, beispielsweise für chronische Erkrankungen wie Herzfehler oder Diabetes. Einrichtungen erwerben Lizenzen, für Patient:innen ist die App kostenfrei. https://patientjourneyapp.com/de/

Fobimarkt ist ein virtueller Marktplatz für Fort- und Weiterbildungsangebote in den Bereichen Physiotherapie, Sportwissenschaft und Gesundheit. Die Bereiche Suche, Vergleich und Buchung sind angereichert mit Bewertungen, Erfahrungsberichten und Ratgebern. Anbieter:innen können Angebote erstellen und in Echtzeit überwachen; durch ein erfolgsbasiertes Preismodell ist der Einstieg ohne hohe Kosten möglich. Gestartet wurde die Plattform im Frühjahr 2021, ab Mitte September soll das Fortbildungsportal den vollem Funktionsumfang zur Verfügung stellen – mit Webinaren und Online-Kursen. https://www.fobimarkt.com/
 
Das Start-up Froach hat eine skalierbare, digitale Lösung für bewusste Pausen während der Arbeit entwickelt, die sich sicher in verschiedenste Systeme integrieren lässt. Einfache und niedrigschwellige Lösungen zur Erholung sind bei hoher Arbeitsbelastung wichtig, um motiviert und leistungsstark zu bleiben. In kurzen Videos animiert eine lustige Froschfigur dazu, diverse Übungen direkt über einen Browser durchzuführen. Ein digitales Endgerät mit Internetverbindung ermöglicht jedem die Teilnahme, auf Wunsch auch mit Erinnerungsfunktion. Der Preis eines Abonnements orientiert sich an der Größe des Unternehmens: https://www.froach.de/pakete/

Psychologische Online-Trainings aus acht Problembereichen hält HelloBetter bereit: präventiv oder zur Behandlung psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angst- oder Panikstörungen, Stress oder chronischer Schmerzen. Alle Trainingseinheiten sind registrierte Medizinprodukte, die durch Psycholog:innen begleitet werden können. Anwender:innen haben die Möglichkeit, die App und ein digitales Tagebuch zu nutzen. Die wissenschaftliche Evidenz wurde in mehr als 30 randomisierten Studien nachgewiesen. Versicherungen, Kassen oder Organisationen übernehmen die Kosten für Erkrankte: https://hellobetter.de/
 


Meldungen

 

Untersuchungen und Befragungen in der Corona-Pandemie

Kann man die Impfbereitschaft durch ein positives soziales Umfeld steigern?

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass sowohl die Impfbereitschaft als auch die Einstellung zur Corona-Pandemie vom sozialen Umfeld beeinflusst werden. Aufgrund sinkender Impf- und steigender Inzidenzzahlen sollen soziale Kontaktpersonen skeptische Mitmenschen oder Impfgegner:innen überzeugen.

Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen zeigt, dass am Nutzen einer Impfung Zweifelnde bereit für die Immunisierung sind, wenn ihr persönliches Umfeld es von ihnen erwartet. In Zusammenarbeit mit der University of Queensland, Australien, wurden fünf Studien mit über 1200 Teilnehmenden durchgeführt. Der entscheidende Faktor sei das soziale Umfeld, so Projektleiter Winter. Wenn dieses eine positive Einstellung und Erwartung signalisiert, sind auch Personen, die einer Impfung skeptisch gegenüberstehen, eher dazu bereit.

In Konstanz untersuchten Forschende in einer repräsentativen Befragung die Wahrnehmung und Einstellung zu strukturellen Ungleichheiten in der Corona-Pandemie. Rund 3000 Teilnehmer:innen erklärten, das Vertrauen in politische und öffentliche Institutionen sei gesunken. Die Impfpriorisierung verstanden und akzeptierten große Teile der Befragten. Ebenso unterstützten viele die Corona-Maßnahmen, fast 19 Prozent lehnten diese jedoch vollständig ab – mit steigender Tendenz. Die Lebenszufriedenheit ging insbesondere bei Frauen und Müttern durch hohe Belastungen (monatelanger Lockdown mit Homeschooling) zurück. Um Zweifelnde zu ›entradikalisieren‹, sollte die Regierung Fehler eingestehen und transparent kommunizieren, so die Ergebnisse der vier Kurzstudien.

Der Marburger Bund möchte die Impfangebote an Universitäten und Fachhochschulen ausbauen. Betriebsärztliche Impfstellen an allen Hochschulen hält die erste Vorsitzende, Dr. Susanne Johna, für ein adäquates Mittel. Um eine hohe Impfquote zu erreichen, appelliert Philipp Schiller, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Bund, an alle Studierenden, sich solidarisch zu zeigen und diese Angebote zu nutzen.

 

TK-Gesundheitsreport 2021

Der Dauerlockdown hat Spuren bei den Menschen hinterlassen

Die Techniker Krankenkasse hat für den Gesundheitsreport 2021 die Arzneiverordnungen ihrer 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Mithilfe einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter der Bevölkerung thematisiert die Kasse, wie es deutschen Beschäftigten nach einem Jahr Corona-Pandemie geht.

Lang andauernde Maßnahmen und Lockdowns belasteten viele Menschen. Sie beklagen fehlende persönliche Treffen, die Angst vor einer Covid-19-Erkrankung, häufige Kita- und Schulschließungen sowie vermehrten Stress am Arbeitsplatz. Eltern strengten Homeoffice und Kinderbetreuung besonders an. Zudem ermüdete der Dauerlockdown alle Menschen. Eine Langzeitstudie des Psychologischen Instituts der Technischen Universität (TU) Chemnitz bestätigt diese Thesen. Studienleiter Professor Dr. Bertolt Meyer: »Einerseits haben die beruflichen und sozialen Herausforderungen den Stress der Menschen auf Dauer erhöht. Andererseits war es der Bevölkerung über einen langen Zeitraum nicht möglich, eigene Ressourcen wieder aufzufüllen, beispielsweise durch Treffen im Freundeskreis, durch Sport, Kultur oder Reisen.«

Der allgemeine Gesundheitszustand hat sich bislang nicht verschlechtert, die Krankschreibungen sind sogar gesunken – möglicherweise aufgrund seltener aufgetretener Erkältungserkrankungen aufgrund verminderter Kontaktmöglichkeiten. Ebenso wurden weniger Antibiotika verschrieben. »Die Abstands- und Hygieneregeln haben offenbar dazu beigetragen, die Verbreitung von Infektionserkrankungen zu reduzieren«, vermutet Dr. Thomas Grobe, vom aQua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen.

Ein weiteres Ergebnis des Gesundheitsreports ist die Tatsache, dass inzwischen immer weniger Frauen zwischen 45 und 65 Jahren Hormonersatzpräparate gegen Beschwerden in den Wechseljahren einnehmen. Vor 20 Jahren erhielten noch mehr als 37 Prozent dieser Alterskohorte derartige Medikamente. 2010 waren es knapp 10 Prozent. Aktuell liegt der Wert auf einem Tiefststand von 6,2 Prozent. Grund dafür könnten diverse Nebenwirkungen sein, die das Risiko für Brustkrebs, Thrombosen und Herz-Kreislauf- Erkrankungen erhöhen. Frauen mit starken Beschwerden sollten gemeinsam mit Ärzt:innen die Vor- und Nachteile von Hormonpräparaten abwägen und sich über Alternativen informieren.

 

Fallzahlen in Krankenhäusern

Während dritter Pandemiewelle weniger Klinikaufenthalte

Zwischen März und Mai 2021 waren die Fallzahlen der Krankenhäuser in Deutschland 16 Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum 2019. Das teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mit.

Das WIdO zeigt in der aktuellen Analyse, dass auch in der dritten Pandemiewelle weniger Patient:innen eine Klinik in Deutschland aufsuchten. Allerdings fielen die niedrigen Fallzahlen in den ersten beiden Wellen extremer aus als während der dritten Welle. Im Frühjahr 2020 – bei der ersten Welle von März bis Mai – lag der Rückgang allerdings bei 27 Prozent. In der zweiten Welle (Oktober 2020 bis Februar 2021) betrug der Rückgang 20 Prozent während es nur 16 Prozent in der dritten Welle zwischen März und Mai 2021 waren.

Außerdem bestätigt die Analyse bei verschiedenen Krankheitsbildern unterschiedlich starke Ausschläge bei den Fallzahlen. Während Brustkrebsoperation in der dritten Welle wieder in gleichem Maße wie vor Corona stattfanden, beobachtet das WIdo bei Darmkrebsoperationen hingegen einen Rückgang. Die Fallzahlen lagen 13 Prozent niedriger als in 2019. Auch die Fallzahlen für die Behandlung von Notfällen, wie Schlaganfälle und Herzinfarkte, lagen in der dritten Pandemiewelle unter dem Niveau der Vorpandemiezeit.

Neben den Fallzahlen veränderte sich auch die Verweildauer von beatmeten Covid-19- Patient:innen. Während zu Beginn der Pandemie waren beatmete Corona-Patient:innen durchschnittlich 17,1 Tage stationär in einer Klinik, in der zweiten Welle waren es dann nur noch 15 Tage. Auch die Dauer der Beatmung sank von 17,2 Tagen zu Beginn der Pandemie auf 12,7 Tage (Stand März dieses Jahres). Das Durchschnittsalter der Patient:innen in der zweiten Welle mit 69,6 Jahren sank mit Beginn der dritten Welle im März 2021 auf 63,6 Jahre. Grund dafür ist laut WIdo die inzwischen hohe Impfquote vor allem bei den über 60-Jährigen. Im Dezember 2020 und Januar 2021 waren noch über 40 Prozent der stationär behandelten Patient:innen über 80 Jahre alt, im Februar 2021 dann noch 37 Prozent und im März 2021 nur noch 24 Prozent.

Basis der Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK bilden Daten von stationär behandelten AOK-Versicherten.

 

Zi teilt mit

Heuschnupfen nimmt in Deutschland deutlich zu

Immer mehr Menschen leiden unter Heuschnupfen. Das bestätigt nun eine aktuelle Studie des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland.

Während im Jahr 2010 rund 4,2 Millionen Menschen in Deutschland aufgrund von Pollen im Sommer zum Taschentuch greifen mussten, waren es 2019 schon über fünf Millionen Menschen, die unter Heuschnupfen leiden. So stieg die Zahl der Erkrankten um 19 Prozent an.

Dabei differenziert das Zi in seiner Studie nach demographischen Eigenschaften: In 2019 waren über 400.000 der Betroffenen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 0 und 14 Jahren. Bei weiblichen Versicherten trat der Heuschnupfen mit einem Anteil von 7,2 Prozent noch etwas häufiger auf als bei männlichen Versicherten (6,9 Prozent). Auffällig sind eindeutige Unterschiede zwischen Land- und Stadtregionen: Die Erkrankungshäufigkeit war in ländlichen Regionen am niedrigsten, mit dem Urbanitätsgrad des Wohnortes stieg diese kontinuierlich an. Im Jahr 2019 lag der Anteil erkrankter Versicherter in dünn besiedelten ländlichen Gebieten bei 6,6 Prozent gegenüber 7,8 Prozent in Großstädten.

»Signifikante Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen bei der Häufigkeit von Heuschnupfen weisen darauf hin, dass Umwelteinflüsse am Wohnort von großer Bedeutung für das Auftreten der Erkrankung sein können«, sagt Zi- Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. »Unsere Ergebnisse geben Hinweise darauf, wie medizinische Versorgung darauf regional reagieren kann.« Lediglich bei Kindern und Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen im Alter zwischen 0 bis 24 Jahren wurde beobachtet, dass diese in Großstädten am wenigsten von Heuschnupfen betroffen sind. Unterschiede bei Kindern und Erwachsenen gibt es aber nicht nur regional, sondern auch bei der Entwicklung der Häufigkeit von Heuschnupfen. Während in den vergangenen zehn Jahren immer weniger Kinder betroffen waren, stieg der Anteil erkrankter Erwachsener an.

Der Bericht basiert auf den bundesweit vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2010 bis 2019 von allen gesetzlich Versicherten, die die vertragsärztliche Versorgung in Anspruch genommen haben.


Bemerkt

 

 

 

»Angesichts des dramatischen Rückgangs bei den Blut- und Plasmaspenden bitte ich alle Bürgerinnen und Bürger, die spenden können, dies auch zu tun.«

Prof Dr. Martin Dietrich Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA

 

 

 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Wenn bestimmte Bakterien in die Blutbahn eindringen, kann aus einer harmlosen Schürfwunde eine Blutvergiftung entstehen. Während manche Sepsen mild verlaufen, können andere tödlich enden. Die Gründe für diese Unterschiede sind trotz jahrzehntelanger Forschung unklar. Doch Forscher:innen der Universität Tübingen haben nun eine mögliche Ursache entdeckt und auf dieser Grundlage eine neue experimentelle Strategie zur Bekämpfung der bakteriellen Sepsis entwickelt. Der neue Therapieansatz gegen die lebensbedrohende Blutvergiftung kommt ohne den Einsatz von Antibiotika aus und setzt stattdessen auf die Anregung der körpereigenen Immunabwehr durch die Gabe des Wirkstoffs Acetat. In Experimenten belegte das Forschungsteam, dass eine Acetatinjektion bei Mäusen zu einer verbesserten Immunantwort führte.

»Bei einer anschließenden Sepsis durch Infektion mit Staphylokokken konnten die Bakterien schneller und effizienter abgetötet und so ein tödlicher Verlauf verhindert werden«, sagt Biologin und Mitautorin der Studie Dr. Dorothee Kretschmer.

Übersicht beim Informationsdienst Wissenschaft idw: https://idw-online.de/de/news773692
Hier finden Sie die Ergebnisse der Studie bei nature: https://www.nature.com/articles/s42003-021-02427-0


Empfehlung

Mensch, Erde!
Wir könnten es so schön haben

In seinem neuen Buch erklärt Eckart von Hirschhausen, dass langfristig gesunde Menschen nur auf einer gesunden Erde leben können. Er zeigt, was die globalen Krisen unserer Zeit für die Gesundheit jedes Einzelnen bedeuten. Während seiner Recherchen sprach er über drei Jahre mit Persönlichkeiten, die ihm diese Erkenntnis nahelegten. Darunter waren Luisa Neubauer von Fridays for Future, Wetterforscher Sven Plöger oder Naturschützer Michael Succow.

Der Arzt und Journalistin Eckart von Hirschhausen sagt zu seinem Buch: »Ich kannte nicht die Dimension, mit der Nutztiere diesen Planeten kaputtmachen. Ich wusste nicht, dass Kohlekraftwerke Quecksilber auspusten, dass wegen des Baubooms in Asien der Sand weltweit knapp wird oder dass es das West-Nil-Virus mitten in Deutschland gibt. Am meisten interessieren mich aber die Chancen für mehr Gesundheit und Lösungsideen und davon gibt es zum Glück auch ganz viele.«

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier https://www.dtv.de/buch/eckart-von-hirschhausen-mensch-erde-wir-koennten-es-so-schoen-haben-28276/


Zuletzt:

 

Impfen auf 1800 Meter Höhe

Einen Berg hochwandern und sich als Belohnung impfen lassen? Das war im Berchtesgadener Land vor zwei Wochen möglich. Auf 1800 Meter Höhe wurde in Bayern eine mobile Impfstation errichtet. Doch Nebel und regnerisches Wetter in den Alpen haben nur wenige Besucher:innen auf die Bergstation des Jenner geführt. Elf Menschen erhielten die Anti-Corona-Spritze, wie eine Sprecherin des Landratsamtes sagte. In Anbetracht des Wetters seien die Verantwortlichen dennoch damit zufrieden. Auch zwei Saisonarbeitskräfte einer nahe gelegenen Berggaststätte hätten das Angebot genutzt und sich impfen lassen.

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