Berlin-Chemie Newsletter vom 10. Dezember 2015

Berlin-Chemie Newsletter vom 10. Dezember 2015

  • Sachverständige rangeln um Sparvorschläge
  • Fünf Fragen an...
  • Rezeptzuweisung
  • Individualisierte Medizin – Segen und Fluch?
  • Pflegereports: Hilfsangebote oft unbekannt
  • Gesundheitsbericht Diabetes 2016
  • SilverStar Förderpreis

Sachverständige rangeln um Sparvorschläge

Nach Jahren der Zurückhaltung weist der Trend seit 2006 scharf nach oben

Die Krankengeldausgaben haben 2014 mit 10,6 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht. Im Hinblick auf die seit 2006 stark gestiegenen Ausgaben hatte Bundesminister Hermann Gröhe den Sachverständigenrat Ende 2014 mit einem Sondergutachten zu Ursachen und Steuerungsmöglichkeiten beauftragt, das in Berlin dem Minister überreicht wurde. Die Ursachen dieser Entwicklung wie "eine Krankengeld spezifische Morbidität" sei zwar nicht ausweisbar, so Mitautor Professor Eberhard Wille. Dennoch werden auf insgesamt 275 Seiten 13 konkrete Empfehlungen "zur Vermeidung eines unnötigen Anstiegs" ausgesprochen.

Das Sondergutachten stellt fest: Die Entwicklung der Krankengeldausgaben ist in den letzten 20 Jahren uneinheitlich verlaufen. 1995 wurden 9,4 Milliarden Euro für Krankengeld ausgegeben, der Anteil an den Leistungsausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung betrug 8,1 %. Danach sank der Anteil fast kontinuierlich ab und erreichte 2006 mit 5,7 Milliarden Euro einen Tiefststand von 4,1 % an den GKV-Leistungsausgaben. Seit dem Jahr 2006 ist ein im Verhältnis zu den übrigen Leistungsausgaben überproportionaler Anstieg bei den Ausgaben für Krankengeld festzustellen. 2014 erreichten die Ausgaben für Krankengeld mit 10,6 Milliarden Euro einen bisherigen Höchststand. Dazu führten sowohl höhere durchschnittliche Erwerbseinkommen als auch eine größere Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter. Zugleich wirkte sich die Zunahme von älteren krankengeldberechtigten Mitgliedern mit durchschnittlich höheren Einkommen, aber auch höherer Wahrscheinlichkeit eines Krankengeldfalls steigernd auf die Krankengeldausgaben aus. Diese Entwicklungen sind im Wesentlichen erwünscht und als exogene Faktoren auch nur sehr beschränkt gesundheitspolitisch beeinflussbar. Um darüber hinausgehende vermeidbare Krankengeldausgaben zu begrenzen, zeigt der Sachverständigenrat einige gesundheitspolitische Handlungsoptionen auf. Hervorzuheben ist der Vorschlag, die Möglichkeit einer teilweisen Krankschreibung (sogenannte Teilarbeitsunfähigkeit) nach skandinavischem Vorbild einzuführen. Damit würde es erkrankten Erwerbstätigen ermöglicht, entsprechend ihrem Gesundheitszustand ihrer Arbeit in Teilen nachzugehen. Derzeit gilt in Deutschland eine „ Alles-oder-Nichts-Regelung“. Die Einstufung sollte ausschließlich im Einvernehmen zwischen Arzt und betroffenem Arbeitnehmer erfolgen und bei einer Veränderung des Gesundheitszustands angepasst werden können.

Fünf Fragen an...

Nicht einmal jeder zweite Patient hat ein halbes Jahr nach erlittenem Herzinfarkt seine Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie etwa Blutdruck und Blutfette einigermaßen unter Kontrolle. Dr. Heart will das ändern.

Dr. Heart, alias Stefan Waller, will mit Erklär-Videos seine Patienten fit für das Leben mit einem kranken Herz machen. Mit einfachen Worten, ohne Medizinerfloskeln, erläutert der Internist und Kardiologe die Ursachen von Herzerkrankung, die Behandlung und noch viel wichtiger deren Vorbeugung durch gesunden Lebensstil. Wie das gehen soll? Wir haben nachgefragt.

Einblick: Warum haben Sie ein so besonders großes Herz für Ihre Patienten?

Dr. Heart: In einer großen Maximalversorger-Klinik habe ich im Rahmen meiner Ausbildung zum Kardiologen viel in der Herzkatheterdiagnostik gearbeitet. Für die vielen Herzinfarktpatienten haben wir zwar akut eine sehr gute Notfallmedizin betrieben, sie in kürzester Zeit bestmöglich behandelt und mit Stents im Wert von zigtausenden Euro versorgt. Im Anschluss aber fehlte dann oftmals die Zeit für die mindestens ebenso wichtige Aufklärung über die Ursachen der Erkrankung, die zum Herzinfarkt geführt haben. Und da liegt ein grundsätzliches Problem in unserem derzeitigen Gesundheitssystem, welches aufgrund von Fallpauschalen und „Ökonomisierungswahn“ nicht mehr ausreichend Zeit für sinnvolle, sprechende Patientenaufklärung vorsieht. Folge ist, dass in Deutschland jährlich geschätzte 40.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen versterben, nicht weil sie nicht den teuersten Stent eingesetzt bekommen haben, sondern weil sie – auch aus Unwissen – an ihrer Behandlung nicht partizipieren und beispielsweise ihre lebenswichtigen Medikamente nicht regelmäßig einnehmen.

Dies Problem aktiv anzugehen, ist Motivation für Dr. Heart.

Einblick: Sie produzieren Ihre Erklär-Videos neben ihrem Beruf. Machen Sie beide Jobs nur halbherzig - oder ergänzen sich die Arbeit am Patienten und Medizin via Internet gar?

Dr. Heart: Wie gesagt, ich kann Stents einsetzen, Medikamente verschreiben, aber ohne einen aufgeklärten und mündigen Patienten, bleibt letztlich der dauerhafte Therapieerfolg aus. Digitale Technologien wie auch die Erklärvideos auf meinem Video-Portal Dr. Heart können Patienten unterstützen, ihr Therapieziel zu erreichen. Insofern übe ich konsequent meinen Beruf als Mediziner aus – und nutze das Internet als Verstärker für eine nachhaltige Patientenkommunikation. Ich stecke also in meinen Beruf sowohl in der Praxis als auch in mein Dr.-Heart-Projekt jede Menge Herzblut!

Einblick: Können chronisch kranke Herzpatienten tatsächlich einen "gesunden Lebensstil via Videoportal“ erlernen, wie Dr. Heart verspricht?

Dr. Heart: Davon bin ich überzeugt. Das Dr. Heart-Videoportal leistet einen Beitrag zum „Patienten empowerment“: Die verständlichen Informationen versetzen den Patienten in die Lage auf Augenhöhe mit seinem Arzt zu kommunizieren und die kurze zur Verfügung stehende Zeit in der Sprechstunde bestmöglich zu nutzen. Gut vorinformiert können die wirklich wichtigen und entscheidenden Fragen gestellt werden und der Patient lernt selber die Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen – und diese nicht an der Krankenhaus- oder Praxistür abzugeben. Sinnvoll kombiniert mit Aktionen und Angeboten in der realen Welt wird ein Portal wie Dr. Heart bestmögliche Ergebnisse für einen gesunden Lebensstil erzielen können.

Einblick: Sie bieten Ihre Dr. Heart-Videos kostenfrei für Patienten an. Welche Partner wünschten Sie sich, um Dr. Heart gemeinsam am Leben zu halten?

Dr. Heart: Ich wünsche mir Partner, die wie ich die Aufklärung und Behandlungstreue der Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbessern wollen. Ich bin überzeugt, dass die Behandlungsqualität durch einen aufgeklärten, gut informierten und damit auch eigenverantwortlich handelnden Patienten dramatisch verbessert wird. Und ich wünschte mir Partner, die wie ich an die Notwendigkeit einer sprechenden Medizin glauben. Mit Dr. Heart können wir die Patienten da ansprechen und abholen, wo sie sich aufhalten: im Internet.

Einblick: Welchen Nutzen hätten Krankenkassen, Krankenhäuser, Apotheken oder Pharmaunternehmen von eine Kooperation mit Dr. Heart?

Dr. Heart: Derzeit beträgt die sogenannte „medikamentöse Compliance“ bei chronischen Erkrankungen zirka 50 Prozent, sprich jede zweite indizierte Tablette wird nicht eingenommen. Die Folgen sind gewaltig: Die American Heart Association (AHA) bezeichnet unzuverlässige Medikamenteneinnahme durch die Patienten als Problem Nummer eins bei der Behandlung von Krankheiten. Mangelnde Therapietreue wird für 10 Prozent aller Krankenhauseinweisungen verantwortlich gemacht. Dies ist ein Problem, das alle Gesundheitsversorger tangiert: Krankenkassen, Kliniken, wie Apotheken und Pharmaunternehmen. Konkret: Die Zusammenarbeit mit Dr. Heart würde zum Beispiel einer Krankenkasse zunehmend eigenverantwortlichere Patienten, die für ihren Behandlungserfolg einstehen, bescheren. Somit ließen sich massiv Kosten durch unnötige Klinikaufenthalte einsparen. Kliniken liefert Dr. Heart einen Wettbewerbsvorteil, um zukünftig auf dem Markt bestehen zu können. Denn nur ein Krankenhaus, das über den stationären Aufenthalt hinaus für seine Patienten da ist und eine nahtlos anknüpfende, durchdachte (Online)Nach-Betreuung anbietet, wird im Wettbewerb bestehen können.

Rezeptzuweisung

Arbeiten Arzt und Apotheker in der Versorgung kollegial zusammen, werden die Grenzen zwischen Korruption und Kooperation immer wieder von den Gerichten geklärt.

Der Fall: Ein ortsansässiger Mediziner vernetzt sich über den Dienstleister Health Network (HNW) mit zwei Apotheken in den Nachbarorten. Das Portal von HNW nutzt der Arzt, um auf Wunsch der Patienten die Rezepte direkt digital an eine dieser Apotheken zu übermittelt, die die Arzneimittel dann ausliefert. Das Papierrezept wird nachgereicht. Apotheker und Arzt zahlen für die Mitgliedschaft bei HNW.

Das Problem: Die Wettbewerbszentrale hatte in dem Verhalten des Arztes eine Zuweisung und damit einen Verstoß gegen die Berufsordnung gesehen und den Mediziner verklagt. Denn Ärzte dürfen nur in Einzelfällen direkt an andere Leistungserbringer verweisen. Selbst die Empfehlung einer Apotheke darf nicht ohne „hinreichenden Grund“ erfolgen. Hinreichende Gründe sind die Vermeidung von weiten Wegen für gehbehinderte Patienten, ebenso schlechte Erfahrungen, die Patienten mit anderen Leistungserbringern gemacht haben. Für die Wettbewerbszentrale gab es keine ausreichenden Gründe, eine bestimmte Apotheke zu empfehlen.

Der Prozess: Das Landgericht Dessau-Roßlau (LG) wies die Klage ab. Aus der Weiterleitung allein sei kein Verstoß erkennbar, so die Richter. Dass der Arzt mit den beiden konkret benannten Apotheken zusammenarbeite und eigene wirtschaftliche Interessen verfolge, sei eine Vermutung der Wettbewerbszentrale ins Blaue hinein. „Allein aus einem regelmäßigen Weiterleiten an die angeschlossenen Apotheken auf ein organisiertes Zusammenwirken zu schließen, ist mit Tatsachen nicht belegt“, so das Urteil. Zudem sei es „lebensfremd und praxisfern“, falls gerade ältere Menschen mit regelmäßigen Verordnungen immer wieder darum bitten müssen, das Rezept einer Apotheke zu übertrage.

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Die Wettbewerbszentrale hat Berufung beim Oberlandesgericht Naumburg (OLG) eingelegt.

Individualisierte Medizin – Segen und Fluch?

Schneller und effektiver soll das AMNOG künftig den Patientennutzen von Arzneimitteln ermitteln, fordert die BARMER. Unumstritten ist deren Arzneimittelreport jedoch keineswegs, da die Analyse schwerpunktmäßig die reine Ausgabensituation ins Auge fasst.

Als „Segen und Fluch zugleich“ bezeichnet der BGEK-Vorstandsvorsitzende Dr. Christoph Straub neue Arzneimittel, die zwar die Heilungschancen erhöhen, aber dafür extrem teuer sind. Mit einer Schnellbewertung direkt bei Markteintritt und einer erweiterten Kosten-Nutzen-Bewertung für versorgungsrelevante Arzneimittel regelhaft nach drei bis fünf Jahren will die Krankenkasse die Kosten in den Griff bekommen. Parenterale Lösungen für die Krebsbehandlung stehen im Fokus des diesjährigen Arzneimittelreports der BARMER GEK. Seit dem Jahr 2004 haben sich die Ausgaben für diese individuellen Zubereitungen, die überwiegend in Apotheken hergestellt werden, fast verdreifacht. Diese Lösungen verursachten im Jahr 2014 Ausgaben in Höhe von 424 Millionen Euro, umgerechnet etwa zehn Prozent der Arzneimittelkosten bei der BARMER GEK. Insgesamt wuchsen die Arzneimittelausgaben um 9,04 Prozent im Vergleich mit Krankenhausbehandlungen (3,94%) und der ambulanten ärztliche Behandlung (3,91%) dreimal so schnell. Im Jahr 2014 sind die Ausgaben für Arzneimittel von 30,39 auf 33,34 Milliarden Euro gestiegen. Die BARMER GEK fordert deshalb, die Preisfestsetzung ausgabenstarker Arzneimittel neu zu ordnen. Angewandt werden sollen die Vorschläge bei Arzneimitteln mit einem absehbaren Jahresumsatz von mehr als 80 Millionen Euro. Nach aktuellen Marktdaten verursachen solche Blockbuster mit rund 6,64 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der Jahresausgaben der Krankenkassen für patentgeschützte Fertigarzneimittel.

Die Reportautoren von der Universität Bremen haben dazu nicht nur die ausgabenträchtigsten Fertigarzneimittel untersucht, sondern für die Top 20 der Blockbuster erstmals auch die sogenannten parenteralen Lösungen für die Krebsbehandlung berücksichtigt. „Die Steigerung der Ausgaben für Arzneimittel in den Jahren 2013 zu 2014 entspricht einem Plus von neun Prozent, dem spürbarsten Anstieg aller Leistungsbereiche“, so Studienautor Prof. Dr. Gerd Glaeske. Bei der BARMER GEK entstanden im Jahr 2014 bei Gesamtaufwendungen für Arzneimittel von rund 4,5 Milliarden Euro Ausgaben von 520,21 Euro je Versichertem. Das entsprach einer Steigerung von 9,01 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Spezialpräparate machten mit rund 1,73 Milliarden Euro den größten Block aus.

Pflegereports: Hilfsangebote oft unbekannt

Die vielen pflegenden Angehörigen nutzen die ihnen angebotenen präventiven Hilfsangebote zu wenig – darüber sind sich die Krankenkassen einig.

Fast jede Kasse scheint mittlerweile ihren eigenen Pflegereport herauszugeben. Auch wenn sich die Detailbetrachtungen etwas voneinander unterscheiden mögen, sind die grundlegenden Ergebnisse gleich: Die vielen pflegenden Angehörigen nutzen die ihnen zustehenden präventiven Hilfsangebote zu wenig – und zahlen dafür mit ihrer eigenen Gesundheit. So schlussfolgert die DAK in ihrem Pflegereport „So pflegt Deutschland“ aus der anonymisierten Datenauswertung von 500.000 Versicherten und der Analyse von 12.000 pflegenden Angehörigen, die mit einer nicht-pflegenden Gruppe verglichen wurde, dass rund 20 Prozent der Versicherten unter einer Depression leiden. Auch Angst- oder Schlafstörungen kommen gehäuft vor. Insgesamt, so die Kasse, leidet etwa die Hälfte aller Pflegepersonen in Deutschland an psychischen Problemen – deutlich mehr als nicht-pflegende Menschen.

Hilfreich wäre oftmals schon, die Wohnung der Mutter oder des Vaters so umzubauen oder zu ergänzen, dass die Pflege erleichtert wird oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglicht. Leider nur wissen die wenigsten von ihre Ansprüchen: Der Barmer Pflegereport belegt, dass ein Drittel derjenigen, die diese Leistungen noch nicht genutzt haben, nicht wussten, dass die Pflegeversicherung Zuschüsse für Umbaumaßnahmen bezahlt, und 9,4 Prozent dieser 723 Befragten haben Wohnraumanpassungen privat finanziert – obwohl sie durch ihre Beitragszahlung Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung erworben haben.

Fast die Hälfte der Pflegebedürftigen wurde laut Statistischem Bundesamt in 2011 allein von Angehörigen versorgt. Weit mehr als die Hälfte der weiblichen und 73 Prozent der männlichen Angehörigen zwischen 25 und 64 Jahren gingen neben der Pflege zudem ihrem Beruf nach.

Auch andere Unterstützungsleistungen werden nicht in Anspruch genommen. Die AOK Nordost bestätigt in ihrem Pflegereport, dass beispielsweise die Verhinderungspflege etwa bei Krankheit der Pflegepersonen in 2014 nur in 14 Prozent aller Fälle beantragt wurde. Die sogenannte Kurzzeitpflege beanspruchte sogar nur jeder 10. Betroffene. Ausgewertet wurden die Abrechnungsdaten aller Pflegeleistungen von AOK Nordost-Versicherten aus den Jahren 2010 bis 2014.

Über Ansprüche und Hilfe für Pflegebedürftige sollen die als Teil der Pflegereform 2008 eingeführten Pflegestützpunkte informieren. Diese werden von den Pflegekassen und Krankenkassen eingerichtet – und finanziert. Anspruch ist es, als zentrale Anlaufstellen zu fungieren, in denen Versicherte „kompetente Auskünfte und Beratung zu allen Themen der Pflege erhalten, wo sie die erforderlichen Hilfen beantragen können und die ihnen solche Angebote und Hilfen vermitteln“ (GKV-Spitzenverband). Fakt ist aber laut Barmer Pflegereport, dass beispielsweise nur etwa die Hälfte der 1.127 befragten Versicherten, die eine entsprechende Maßnahme zur Wohnumfeld-Verbesserung durchgeführt haben, den Rat, einen Antrag auf wohnumfeldverbessernde Maßnahmen zu stellen, von offizieller Seite (Pflegekasse, MDK, Pflegestützpunkt oder Pflegedienst) erhalten haben.

Gesundheitsbericht Diabetes 2016

Die Diagnose Diabetes bedeutet für Kinder und Jugendliche nicht nur eine komplette Lebensumstellung. Kleinkinder laufen sogar Gefahr, dass ihre kognitive Entwicklung beeinträchtigt wird.

Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland zwischen 21.000 und 24.000 Kinder und Jugendliche von einem Diabetes betroffen. Die Deutsche Diabetes-Hilfe und Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) geht in ihrem Gesundheitsbericht 2016 davon aus, dass jährlich etwa 3.200 bis 3.700 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 19 Jahren in Deutschland neu mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert werden, wovon etwa 95 Prozent von ihnen betroffen sind. Dass die Erkrankung auch auf die Entwicklung der Kinder Einfluss hat, lassen im Gesundheitsbericht zitierte Studien annehmen.

Demnach kann bei Jugendlichen Typ-1-Diabetes Teilbereiche der Intelligenz über eine bestimmte Zeitspanne negativ beeinflussen. Besondere Risikofaktoren könnten ein frühes Erkrankungsalter sowie zurückliegende hypoglykämische Krampfanfälle sein. Zudem kann es bei früher Manifestation des Typ-1-Diabetes zu neuro-anatomischen Veränderungen von Hirnstrukturen kommen, die für die kognitive Entwicklung von Kindern eine bedeutsame Rolle spielen. Das tatsächliche Risiko für Beeinträchtigungen der Intelligenz, so die Zusammenfassung der Studien, kann jedoch noch nicht abgeschätzt werden. Die Autoren schlussfolgern jedoch aus den Ergebnissen, dass der Diabetes einige Teilbereiche der Intelligenz über eine bestimmte Zeitspanne negativ beeinflussen kann. Dennoch sollten als Konsequenz aus den Befunden Kinder mit diesen Risikofaktoren langfristig begleitet und bei Bedarf besondere Unterstützung in der schulischen Entwicklung, aber auch in der Diabetesschulung erhalten.

SilverStar Förderpreis

Im kommenden Jahr verleiht eine hochkarätige Jury den mit 25.000 Euro dotierte SilverStar Förderpreis der BERLIN-CHEMIE AG. Mit dem Preis werden Projekte und Initiativen gefördert, die zu einer besseren Versorgung älterer Menschen mit Diabetes beitragen. Die Bewerbungsfrist läuft.

Das Alter bringt oft gesundheitliche Probleme mit sich: Das Herz-Kreislauf-System arbeitet nicht mehr so einwandfrei wie in jungen Jahren und Stoffwechselbeschwerden machen zu schaffen. Dass die Altersschwächen aber automatisch gleichzusetzen sind mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit, ist ein Trugschluss. Vor allem mit Diabetes lässt es sich gut leben – wenngleich es dazu manchmal Hilfe von außen braucht. Ob von Gesundheitsprofis, Organisationen, Angehörigen oder anderen Engagierten: Menschen, die mit ihren kreativen Ideen älteren Menschen helfen, mit ihrer Diabetes leichter umzugehen, gebührt Anerkennung. Diese zollt der SilverStar, ein Preis, mit dem die Berlin Chemie AG Projekte oder Initiativen fördert, die zu einer besseren Versorgung von älteren Menschen mit Diabetes beitragen. So wie Dr. Abdelmoula Kangoum, Vorsitzender des Deutsch-Afrikanischer Ärzte-Vereins (DAAEV) in der BRD. Die „Initiative gegen Diabetes unter Afrikanern & Arabern in NRW“ des DAAEV bemüht sich um eine bessere Versorgung von Migranten mit Diabetes, deren Versorgung oft schon an den Sprachbarrieren scheitern. So erarbeitete die Initiative in den vergangenen Jahren unter anderem Diabetesbroschüren in mehreren afrikanischen Sprachen, die über die Krankheit aufklären. Die Ärzte des Vereins richten außerdem regelmäßig Informationsveranstaltungen in Gemeinden, Moscheen, Sportvereinen und Verbänden aus. Die Duisburger Initiative gewann den SilverStar 2014.

Bereits zum fünften Mal wird der mit 25.000 Euro dotierte SilverStar-Förderpreis ausgeschrieben. Gesundheitsprofis aber auch engagierte Angehörige und Ehrenamtliche oder auch Betroffene können sich bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Dezember 2015.

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