Berlin-Chemie Newsletter vom 05. April 2016

Berlin-Chemie Newsletter vom 05. April 2016

  • GOÄ vorm Exitus
  • Nachgebessert: Korruption wird Offizialdelikt
  • Selbständig – nein danke!
  • MVZ in kommunaler Hand nicht rechtskonform?
  • Schäubles Damoklesschwert über den Kassen
  • Was macht eigentlich das IQTIG?
  • Shortlist des Preises für Gesundheitsnetzwerker veröffentlicht

GOÄ vorm Exitus

Auch wenn BÄK-Präsident Montgomery beim Sonderärztetag noch einmal Rückenwind für die GOÄ-Reform bekam: Das Projekt droht dennoch am Widerstand der Basis zu scheitern. An ein Zustandekommen der neuen Gebührenordnung noch in der laufenden Legislaturperiode glauben nur noch wenige.

Der Plan einer neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) noch in dieser Legislaturperiode muss voraussichtlich begraben werden. Auch nach dem „Scherbengericht“ eines Sonderärztetages, der mit Mehrheit der Marburger Bund-Funktionäre BÄK-Präsident Prof. Dr. Frank-Ulrich Montgomery noch knapp das Mandat zum Weiterverhandeln gab, ist die private Gebührenordnung zwischen Ärzten und PKV sowie Beihilfestellen momentan wohl nicht mehr das Papier der rund 700 Seiten wert, auf das sie geschrieben wurde. Schon vor Jahren hatte die BÄK einen Entwurf einer neuen GOÄ in der Schublade, der die Neubewertung von Positionen beinhaltete, im Wesentlichen aber kostenneutral blieb. Offenbar wurde nun nicht nur eine Bewertungsverschiebung von veranlassten Leistungen wie Laborleistungen zugunsten einer „sprechenden Medizin“ verhandelt, sondern die Bewertungen vieler Leistungen wurde derart gesenkt, dass große Teile der Ärzteschaft diese nicht mehr mittragen wollten. Während Rudolf Henke, MB-Präsident und Kammerpräsident in Nordrhein, noch von einer „nicht druckreifen“ Fassung sprach, die man aber weiterverhandeln könne, warf der Chefverhandler Dr. Theodor Windhorst demonstrativ hin. Er folgte damit sicherlich auch dem Druck zahlreicher Ärzteverbände und Funktionäre, die dem Kammerkurs in Richtung „Verkauf des Tafelsilbers“ nicht mehr folgen mochten. Aktueller Auslöser war aber wohl das vom Beratungsunternehmen Kienbaum und mit der PKV konsentierte Einigungspapier, das von innerhalb der BÄK ohne Wissen von Windhorst und wohl auch ohne Detailprüfung als endgültiges Konsenspapier übernommen wurde. Dem Vernehmen nach soll das Papier gewichtige Fehler enthalten, dennoch aber als „endgültige Fassung“ bereits in Druck gegeben worden sein. Das wollte Windhorst auf keinen Fall dulden.

Selbst BÄK-Präsident Montgomery, dem Windhorst mit seinem Rücktritt den Schwarzen Peter des Verhandlungsführers zuspielte, spekuliert jetzt in einer Pressemitteilung, dass es möglicherweise in dieser Legislaturperiode nicht mehr zu einer neuen GOÄ kommen werde. Politisch ist die GOÄ-Novelle ohnehin ein Zankapfel innerhalb der Regierungskoalition. Während Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) das Paket am liebsten schnell verabschiedet sehen möchte, ist seinem ohnehin Richtung Bürgerversicherung schielenden Koalitionspartner Prof. Dr. Karl Lauterbach eine GOÄ-Novelle, die eine privatärztliche Gebührenordnung möglicherweise für Jahre zementieren würde, grundsätzlich ein Dorn im Auge. Je näher die nächste Bundestagswahl rückt. Umso weniger wird sich wohl auf der politischen Ebene ein zustimmender Konsens zu einer GOÄ-Reform realisieren lassen. Verhandlungswillig sind momentan nur die PKV und wenige Ärztefunktionäre. Manche der ärztlichen Funktionäre sind hinter vorgehaltener Hand ohnehin mittlerweile der Ansicht, dass bei der momentanen Konstitution ihrer berufsständischen Vertretung es vielleicht doch besser wäre, eine neue GOÄ in die Hand eines neutralen Bewertungsgremiums zu geben. Was man allerdings auch nicht möchte ist eine GOÄ, die sich an den EBM-Positionen orientiert mit (verhandelbarem?) Aufschlag für Privatpatienten. Es bleibt also recht spannend, ob aus dem derzeitigen Scherbenhaufen doch noch eine neue Form entsteht. Die ärztliche Prognose dazu ist allerdings alles andere als gut.

Nachgebessert: Korruption wird Offizialdelikt

Nach Streichung des vor allem von der Ärzteschaft bemängelten Berufsrechtspassus und der Änderung des relativen Antragsdelikts in ein Offizialdelikt, dessen Strafverfolgung nun nicht mehr selektiv vor allem von den Kassen beantragt werden kann, ist auch die BÄK mit der Gesetzesinitiative einverstanden.

Noch vor der parlamentarischen Sommerpause, so der Plan, soll das so genannte „Anti-Korruptionsgesetz“ vom Bundestag verabschiedet werden. Nachdem sich Rechtspolitiker der Regierungskoalition auf die Streichung des im Entwurf vorgesehenen Berufsrechts-Passus geeinigt haben, scheint nun der Weg frei für eine auch mit der Bundesärztekammer einvernehmliche Lösung. Die Ärzteschaft hatte den Gesetzentwurf kritisiert, da sich die Auslegung von Korruption im Gesundheitswesen einseitig auf die Mediziner bezog und andere Berufsgruppen ohne eigenes Berufsrecht damit uneinheitlich behandelt würden. Außerdem seien berufsrechtliche Regelungen in den Bundesländern sehr unterschiedlich formuliert und würden nicht einheitlich ausgelegt. Dem wollen die Abgeordneten nun Rechnung tragen. Nicht zuletzt, da auch Verfassungsexperten Zweifel angemeldet hatten, dass das strafbare Verhalten hinreichend präzise und konkret genug beschrieben wurde. Im Prinzip geht es um den Grundsatz: „Niemand soll eine bestimmte Behandlung nur deswegen verschrieben bekommen, weil ein Arzt davon Vorteile hat“, so Dr. Jan-Marco Luczak (CDU), Stellvertretender Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages. Neu ist zudem, das korrupten Verhalten künftig nicht nur auf Antrag – beispielsweise durch die Krankenkasse – strafrechtlich verfolgt wird, sondern als „Offizialdelikt“ von der Staatsanwaltschaft zu verfolgen ist, so es bekannt wird. So ist sichergestellt, dass nicht unterschiedliche Interessenslagen und die Verquickung unterschiedlicher Aufgaben und Interessen (beispielsweise der Kassen) Grundlage einer eventuellen Strafverfolgung sein könnten. Gestrichen wurde gegenüber dem Entwurf ein Passus, „die Abgabe“ von Arznei-, Heil- oder Hilfsmitteln oder Medizinprodukten durch Hersteller an den Arzt schon allein erschwert hätte. Es geht jetzt nur noch um die Verordnung in Bezug zur unmittelbaren Anwendung und die Vermeidung eines "unlauteren Wettbewerbs". Der Gesetzentwurf soll laut Dr. Luczak neben dem besonders sensiblen Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient auch den „fairen Wettbewerb“ schützen. Dabei sei der Begriff „Wettbewerb“ weit auszulegen. „Auch ein Monopolist kann sich daher strafbar machen, wenn er durch korruptes Verhalten den Marktzutritt von Wettbewerbern verhindern will“, so der Rechtspolitiker.

Selbständig – nein danke!

Freiberuflichkeit und Selbständigkeit liegen bei den Vertragsärzten offenbar nicht mehr im Trend. Das zeigt jedenfalls die aktuelle Statistik der KBV.

Der Arztberuf in Deutschland unterliegt offenbar einem starken Wandel. Nicht nur aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts oder aufgrund der „berufspolitischen Großwetterlage“ innerhalb der Profession. Kurz zusammengefasst: Der Beruf wird weiblicher und immer mehr Ärzte zieht es in ein Angestelltenverhältnis anstatt sich freiberuflich selbständig niederzulassen. Das belegen auch die Zahlen des Bundesarztregisters der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die jetzt veröffentlicht wurden (Stand Ende 2015). Danach waren insgesamt 26.091 als angestellte Ärzte in der vertragsärztlichen Versorgung tätig, immerhin 2398 (10,1%) mehr als noch im Vorjahr. 13.949 sind Frauen (+10,8%). Die Gesamtzahl der Vertragsärzte sank in Jahresfrist um 1145 auf aktuell 108.493. Besonders stark betroffen von dem Rückgang sind Einzelpraxen, die keine zusätzlichen Ärzte beschäftigen. Gegenüber 2014 sank die Zahl der Einzelarztsitze auf nunmehr 56.892 im Bundesgebiet. Offenbar geht der Trend gegen die „Einzelkämpfer-Praxis“ weiter: Einzelpraxen mit zusätzlich angestellten Medizinern nahmen 2015 auf insgesamt 5632 zu. 7776 Ärzte arbeiteten somit in Praxen mit mehreren Medizinern (+13.8%).

Besonders attraktiv sind der Statistik nach Medizinische Versorgungszentren und Polikliniken bei den Medizinern. Dort arbeiteten Ende 2015 insgesamt 12430 Ärzte (+7%). Aber auch der Anteil von angestellten Ärzten in Berufsausübungsgemeinschaften nahm von 5634 auf 6325 (+12%) zu. Nicht aufgelistet ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten. Laut Aussage des Marburger Bundes nimmt aber auch der ständig zu und ist besonders bei Ärztinnen ein großes Thema.

MVZ in kommunaler Hand nicht rechtskonform?

Grundsätzliche Rechtsfragen zu den in dieser Legislaturperiode verabschiedeten Gesetzen und Verordnungen waren Themen der DGIR-Jahrestagung. Unter anderem auch die Neuregelung zur Zulassung von MVZ.

Die Streichung des Definitionsmerkmals „fachübergreifend“ für die Zulassung eines Medizinischen Versorgungszentrums nach dem GKV-VSG lässt ein wesentliches Charakteristikum des MVZ nach bisherigem Recht entfallen. Die gesundheitsrechtliche Bedeutung war auch Thema bei der 11. Jahrestagung des Deutschen Instituts für Gesundheitsrecht (DGIR). Die Gesetzesbegründung, so referierte Prof. Dr. Niels Schaks, Universität Mannheim, benennt zwar die möglichen Folgen der Gesetzesänderung, begründet diese aber nicht. Hier werde jedoch das bisherige Leitbild des MVZ aufgegeben, ohne dass eine neue systematische Konzeption erkennbar wird. Auch das bisher bereits bestehende Problem der Ungleichbehandlung mit anderen Ausübungsformen werde durch das GKV-VSG nicht behoben. Insbesondere gehe es um die Frage der Bewerbung um nachzubesetzende Vertragsarztsitze.

Neu eingeführt wurde auch die Möglichkeit der Gründung von MVZ durch Kommunen. Schaks sieht darin eine Verletzung der Kompetenzabgrenzung zwischen Bund und Ländern und einen Verstoß gegen Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG, der die Kommunen vor finanzieller Überlastung und die Länder vor dem Verlust ihrer Staatlichkeit schützen will: „Durch Bundesgesetz dürfen Gemeinden und Gemeindeverbänden Aufgaben nicht übertragen werden.“ Ausnahmen sind in diesem Artikel des Grundgesetzes nicht vorgesehen.

Schäubles Damoklesschwert über den Kassen

Das Thema Versandapotheken beschäftigt aktuell nicht nur den Europäischen Gerichtshof. Auch der Finanzminister macht sich Gedanken über die Einnahmen der Apotheken und die fällige Umsatzsteuer aus grenzüberschreitenden Medikamentenlieferungen.

Finanzminister Schäuble muss zwar laut Haushaltsplan 2017 den Steuerzuschuss zum Gesundheitsfonds kräftig erhöhen (14,5 Mrd. Euro), schaut aber andererseits den Institutionen der Gesundheitswirtschaft kräftig auf die Finger. So sollen nach einem noch internen Referentenentwurf des BMF künftig Kassensysteme in Apotheken genauer überwacht werden. Durch unangekündigte Kontrollen sollen vermeintliche Steuersünder entdeck werden. Bekannt sein sollte dem Minister allerdings ein Steuerproblem, das den freiberuflich niedergelassenen Apothekern in Deutschland schon lang Ärger bereitet. So können ausländische Versandapotheken Medikamente zwar mehrwertsteuerfrei beschaffen, erhalten für die Berechnung zu Lasten der gesetzlichen Kassen aber den offiziellen Apothekenabgabepreis, also die Bruttosumme. Das gibt den Versandapotheken offenbar den Spielraum mit Rabatten zu arbeiten, die deutsche Gerichte inzwischen allerdings mehrfach untersagt haben. Im Gegensatz zu den niedergelassenen öffentlichen Apotheken in Deutschland zahlen die Versandapotheken aus dem benachbarten Ausland für Arzneimittellieferungen an gesetzlich versicherte Patienten aber keine Umsatzsteuer. Während die Umsatzsteuer für Lieferungen an Privatpatienten normal abgerechnet werden muss, ist die Lage bei der Lieferung an GKV-Patienten etwas komplexer. Grund ist das Sachleistungsprinzip für gesetzlich Versicherte. Eigentlich ist also zunächst die Kasse der Lieferungsempfänger. Damit wäre auch die GKV verpflichtet, entsprechende Umsatzsteuer abzuführen, was aber seit Jahren nicht geschieht. Bis 2013 gab es zwar eine Sonderregelung für grenzüberschreitende Lieferungen, das Bundesfinanzministerium machte aber bereits vor Jahren darauf aufmerksam, dass diese nicht mehr gilt und Umsatzsteuer fällig wird. Inzwischen liegt dazu ein aktuelles Gutachten des renommierten Kölner Steuerrechtlers und Anwalts Dr. Wüst vor. Hinter den Kulissen herrscht jetzt im Kassenlager offenbar große Ratlosigkeit. Will Schäuble die ausstehenden Steuern kassieren, werden adhoc viele Millionen fällig. Andererseits sind die gesetzlichen Kassen verpflichtet, zulasten der Sozialkassen nicht nur auf hinreichende und zweckmäßige Versorgung zu achten, sondern auch auf die Wirtschaftlichkeit. Das heißt, dass die große Spanne der Versandapotheken, die keine Mehrwertsteuer entrichten, wohl nicht zulasten der Versicherten gehen dürfte bzw. die Kassen wenigstens die fällige Steuer wieder von den ausländischen Versandapotheken kompensieren lassen müsste. Damit könnte allerdings deren Geschäftsmodell wanken. Aktuell verhandelt der Europäische Gerichtshof über Rabatte, die das niederländische Unternehmen Doc-Morris gewährt hat. Im Hintergrund wird hier in großes Fass aufgemacht, denn zur Diskussion steht erneut eine Grundsatzdiskussion über Arzneimittel-Festpreise, an denen im deutschen System nicht zuletzt auch aufgrund der Bestandssicherung die niedergelassenen Apotheken festgehalten wird - und der damit verbundenen hoch qualitativen flächendeckenden Versorgung.

Was macht eigentlich das IQTIG?

Fast 100 Mitarbeiter hat das IQTIG. Noch gibt es keine greifbaren Ergebnisse. Aber die Aufgaben der Institution sind vielfältig und dürften großen Einfluss auf künftige Entscheidungen haben.

Die Einführung des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen – kurz IQTIG – sorgte vor rund eineinhalb Jahren für viele Erwartungen und Diskussionen. Mittlerweile hat das Institut seine Arbeit aufgenommen und ist auf fast 100 Mitarbeiter gewachsen. Als ersten echten Output der Arbeit erwartet der G-BA, der als Träger des IQTIG fungiert, bis Ende dieses Jahres ein erstes Methodenpapier zu den Aufgaben des Instituts. Ziel ist es hier vor allem, Gesundheitsdaten strukturell so zusammenzuführen und einen Prozess zu etablieren, der zur Grundlage künftiger Versorgungsentscheidungen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) dient. Zudem soll das Institut die zuvor vom AQUA-Institut geleistete Aufgabe strukturierter Berichte zur Versorgungsqualität – und diese sektorenübergreifend – übernehmen. Dazu zählen im ersten Schritt folgende allgemein verständliche Dokumentationen, die über das Internet zugänglich werden:

• Qualitätsbericht der Krankenhäuser (Qb-R)
• Einrichtungs- und sektorenübergreifenden QS (Qesü-RL)
• QS in Krankenhäusern (QSKH-RL)
• QS-Richtlinie Früh- und Reifgeborene (QFR-RL)

Auch soll das IQTIG dann seine Rolle als „Prüfer der Bewerter“ übernehmen, das heißt Qualitätssiegel, Zertifikate und Ähnliches begutachten und einordnen.

Insgesamt dürfte das IQTIG damit zur obersten Instanz und untergesetzlicher Normgeber in Sachen Qualität und Datentransparenz werden, beruhend auf dem Auftrag des SGB V. Dass auch Normen gestaltet werden, die für die PKV übernommen werden könnten, steht auf einem anderen Blatt. Interessant ist es dabei zu verfolgen, wie die Politik in künftigen gesundheitspolitischen Entscheidungsprozessen die Rolle des IQTIG stärkt und ob die über berufsrechtliche Regelungen bestehende normative Rolle der heilberuflichen Kammern dadurch ausgehebelt oder verändert wird. Zwar sind im Stiftungsrat die Institutionen der Selbstverwaltung vertreten – die faktische Rolle im Gefüge des Machtapparats G-BA könnte aber aus dem Institut schnell auch so etwas wie eine „Bundesoberbehörde“ machen.

Shortlist des Preises für Gesundheitsnetzwerker veröffentlicht

Die Shortlist versammelt die preiswürdigen Projekte der insgesamt 34 Einreichungen. Die Gewinner werden sich im Rahmen des Kongresses für Gesundheitsnetzwerker am 3. Mai 2016 vorstellen und den Preis feierlich von der Vorsitzenden der Jury, Staatssekretärin a.D. Gudrun Schaich-Walch, erhalten.

Shortlist Umsetzung

In alphabetischer Reihenfolge

Babylotse
SeeYou – Familienorientierte Nachsorge Hamburg, Hamburg

Kern des Programms Babylotse ist ein Früherkennungssystem, um Familien mit psychischen Belastungen so früh wie möglich zu unterstützen, denn gerade belastete Familien werden durch das Netz bestehender Hilfsangebote oft nicht erreicht. Die Babylotsen werden aufgrund eines Screeningbogens aktiv, über den bei der Anmeldung in einer Geburtsklinik Hilfsbedarf ermittelt wird. Die Babylotsen stellen bedarfsorientierten Kontakt zu den Vernetzungspartnern her und begleiten die Familie. Die Wirksamkeit des Programms wurde in den vergangenen Jahren evaluiert; die Implementierung in 21 Geburtskliniken zeigt die Übertragbarkeit des Programms.

Hilfe vor Ort: Die Rollende Arztpraxis verbessert die Flüchtlingsversorgung auf dem Land
Praxisnetz Herzogtum Lauenburg e.V., Mölln

Die Rollende Arztpraxis, ein gemeinsames Projekt des Praxisnetzes Herzogtum Lauenburg e.V. und der Universität Lübeck, wird zur Verbesserung der medizinischen Flüchtlingsversorgung im Landkreis eingesetzt. Neben der Optimierung der einrichtungsübergreifenden medizinischen Versorgung ist die einheitliche medizinische Dokumentation das Hauptziel des Projekts. Sprachmittler werden unter anderem unter den Flüchtlingen rekrutiert.

initiative.diabetes
DITG Deutsches Institut für Telemedizin und Gesundheitsförderung, Düsseldorf

In Zusammenarbeit mit der Central Krankenversicherung AG wurde ein Telemedizinisches Lifestyle-Programm zur ganzheitlichen Unterstützung von Diabetikern entwickelt. Hier verbinden sich fachliche telefonische Beratung, automatische Übertragung von Vitalwerten sowie Aufklärung über Erkrankung und Lebensstil zu einem sinnvollen Ganzen. Das Projekt basiert auf wissenschaftlichen Studien. Die Auswertungen zeigen, dass die Teilnehmer ihre Blutzuckerziele besser erreichen und mit der Betreuung sehr zufrieden sind.

Landarztnetz Lahn Dill GmbH – Sicherstellung der Landärztlichen Versorgung im Lahn Dill Kreis als sektorenübergreifendes Konzept
Landarztnetz Lahn-Dill GmbH, Wetzlar

Die Lahn-Dill-Kliniken GmbH und das regionale Arztnetz ANR e.V. arbeiten sektorenübergreifend zusammen, um die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in der Region zu gewährleisten. Das Krankenhaus übernimmt die Praxen und bietet Krankenhausärzten – nach einer entsprechenden Weiterbildung – die Tätigkeit dort in Voll- und Teilzeit an. Die so gewachsene Struktur ist datentechnisch vernetzt und arbeitet kontinuierlich an der Schnittstellenverbesserung.

Merge it
Deutsche Stiftung für chronisch Kranke, Berlin

Mit diesem Projekt wird die Behandlung chronisch herzinsuffizienter Patienten telemedizinisch unterstützt. Eine webbasierte Akte ermöglicht den strukturierten sektorenübergreifenden Austausch. Das Projekt wird durch eine multizentrische Studie evaluiert.

MoodPath
MoodPath UG, Berlin

Die App MoodPath ermöglicht die Früherkennung und Verlaufsdiagnostik depressiver Symptome mit dem Smartphone. Hier sollen die technischen Möglichkeiten genutzt werden, um eine qualifizierte Selbsteinschätzung zu ermöglichen und den Kontakt zu den professionellen Behandlern zu verbessern. Die Appentwickler arbeiten mit Fachleuten zusammen; die Evaluation läuft derzeit.

Osteoporose-Netzwerk Hamburg
UKE Unfallchirurgie, Hamburg

Osteoporose als Ursache für Stürze und Knochenbrüche wird oft nicht ausreichend behandelt, so dass die Betroffenen oft nur wenige Monate später wieder mit Knochenbrüchen eingeliefert werden. Die Klinik identifiziert potenziell Betroffene und arbeitet mit niedergelassenen Osteologen zusammen, um eine Anschlusstherapie zu gewährleisten.

TeleArzt
Vitaphone GmbH, Mannheim

Der TeleArzt-Ansatz der vitaphone GmbH unterstützt die VERAH bei der telemedizinischen Betreuung der Pateinten. Die VERAH kann alle wichtigen Vitaldaten vor Ort erheben und dem Hausarzt in die Praxis senden. Die Videokommunikation kann bei Bedarf auch das Arzt-Patienten-Gespräch in der Häuslichkeit sofort möglich machen. Zur Vorbereitung von Kassenverträgen wird das Projekt derzeit evaluiert.

Telemedizin Projekt der UGHO-„eNurse“
Unternehmung Gesundheit Hochfranken GmbH & Co. KG (UGHO), Hof

Ausgebildete nichtärztliche Praxisassistentinnen (NäPa) können eNurse im Landkreis Hof werden. Ausgestattet mit einem Notebook für Dokumentation, Zugriff auf Praxissoftware, telemedizinische Messtechnik und Videokonferenzen können diese NäPas delegierte Leistungen in der Fläche im ländlich geprägten Landkreis übernehmen und so die Versorgung sichern. Die Evaluation soll die langfristigen Erfolge belegen, um eine dauerhafte Finanzierung zu ermöglichen.

Vernetzte Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) mit dem elektronischen Medikationsplan in Rheinland-Pfalz
Universitätsmedizin Mainz – Apotheke, Mainz

Dieses Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Umsetzung des Medikationsplans in elektronischer Form auf Machbarkeit und Praxistauglichkeit zu untersuchen. Solange die technischen Voraussetzungen nicht geschaffen sind, auf die notwendigen Informationen von allen verordnenden Stellen aus zuzugreifen, leistet das übergangsweise ein Internetportal. So können sektorenübergreifend Erfahrungen gesammelt und in die Weiterentwicklung des bundesweiten elektronischen Medikationsplans eingebracht werden.


Shortlist Idee

GeriLIQUID 4.0
GeriNet Leipzig und Leipziger Gesundheitsnetz, Leipzig

Dieses Projekt will einen alterstraumatologischen Versorgungspfad für Menschen mit kognitiven Einschränkungen implementieren. Dabei steht die Prävention im Vordergrund. Die Betroffenen werden mit einem Screeningbogen erfasst. Care- und Case Manager kümmern sich um sie und ihre Angehörigen, alle beteiligten Arztgruppen sind sektorenübergreifend zusammengefasst.

Genial-Lotse
Genial eG, Lingen

Heilung wird nicht nur von der ärztlich verordneten Therapie beeinflusst, sondern auch von vielen Kontextfaktoren wie Familie, Beruf, soziales Umfeld. Der genial-Lotse stellt auf Wunsch der Praxen und nach Einwilligung des Patienten passgenaue Hilfe und persönliche Betreuung zur Verfügung. So kommt das Wissen über Hilfeangebote dorthin, wo es gebraucht wird – wenn es gebraucht wird. Das Projekt bündelt das Wissen aus verschiedenen Versorgungsbereichen und setzt es zielgenau ein.

Programm und weiterführende Informationen: www.gesundheitsnetzwerker.de

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