Berlin-Chemie Newsletter vom 04. Mai 2017

Berlin-Chemie Newsletter vom 04. Mai 2017

  • ePA: Ein bunter Strauß ist gewünscht
  • Gesundheitsapps und die Frage der Qualität
  • Was wird aus den Präsenzapotheken?
  • KBV fordert gesetzliche Klarstellung für Arzneimittelpreise
  • Rheuma: DGRh fordert mehr Einsatz der Politik
  • Positionspapier der Techniker Krankenkasse zur Bundestagswahl 2017
  • DEGUM: Vorteile und Vergütungsfragen des qualifizierten Ultraschalls

ePA: Ein bunter Strauß ist gewünscht

Der Aufbau und die Einführung der Telematik-Infrastruktur dauern ewig. Der Medikationsplan existiert vorerst nur auf Papier. Es bleibt zu hoffen, dass die elektronische Patientenakte nicht auch noch ein Fiasko wird. Auf der „conhIT – Connecting Healthcare-IT“ äußerte die Politik ihre aktuellen Vorstellungen über Rahmenbedingungen und Wettbewerb.

In seiner Messe-Eröffnungsrede bezeichnete Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die elektronische Patientenakte als „das notwendige Instrument“, damit allen Behandlern alles Wissen zur Verfügung stehe. Natürlich sprach der CDU-Politiker auch die „Stärkung der Souveränität des Patienten“ an. Einige gesundheitspolitische Sprecher mussten auf einem Panel zur ePA dann doch weiter ins Detail gehen. Diese waren sich einig, dass Deutschland keine staatliche Einheitsakte nach dem Modell einiger anderer europäischer Länder bekommen soll. Nötig seien vielmehr einheitliche Rahmenbedingungen, etwa was die technische Umsetzung, die Interoperabilität und die Datenschutz- und Zugriffsfunktionen angehe. Die individuelle Umsetzung könne dann ganz unterschiedlichen Anbietern überlassen werden, zum Beispiel den Krankenkassen oder privaten Unternehmen, so Dirk Heidenblut für die SPD. Dass das Thema Patientenakte nicht nur aus der Sicht der Leistungserbringer betrachtet werden dürfe, forderte Maria Klein-Schmeink von Bündnis90 / Die Grünen. „Es muss eingebettet werden in ein Patientenportal, das sowohl Informationen vorhält als auch dem Patienten die Möglichkeit gibt, seine Daten selbst zu verwalten.“ Dem stimmte Katja Leikert, CSU, umgehend zu. Um die Rahmenbedingungen soll sich die gematik kümmern. Diese habe den Auftrag bis Ende 2017 Kriterien beziehungsweise technische Anforderungen für eine ePA festzulegen, so Oliver Schenk aus dem Bundesgesundheitsministerium. In einer anderen conhIT-Session erklärte Nino Mangiapane, dass er ein zusätzliches Bundesinstitut für die ePA, wie sie im Vorfeld und auch auf der Messe gefordert wurde, für überflüssig hält.

Gesundheitsapps und die Frage der Qualität

Gesundheitsapps sind nach wie vor ein kontroverses Thema. Weltweit boomt die Anzahl neuer Apps, aber die wenigsten sind als Medizinprodukt zertifiziert und noch weniger sind in der Versorgung angekommen. Was muss sich tun und wie wird die Qualität der Apps verbessert? Das diskutierten Experten auf der conhIT - Connecting Healthcare-IT.

Über 100.000 Apps mit Bezug zur Gesundheit gibt es weltweit. Davon stammen nur sieben Prozent aus Deutschland. Die Gründe sind vielfältig. Es fehlt an Investorenkapital, denn dieses ist in vielen anderen Ländern einfacher zu bekommen. Es fehlt zwar nicht an Start-up-Hubs oder Fördermechanismen, aber es fehlt an einem strukturierten Marktzugang – und einer vernünftigen Qualitätssicherung. Denn bei aller Kritik an Politik und Selbstverwaltung muss auch angemerkt werden, dass viele Entwickler schlecht über das deutsche Gesundheitswesen informiert sind oder eine Medizinproduktzertifizierung als unnötige Ausgaben und zu großen Aufwand einordnen. Wichtig sei eine Typologisierung von Apps, so Katrin Keller, Geschäftsführerin der samedi GmbH und Vorständin im Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg), die darauf hinwies, dass es sehr viele unterschiedliche Appkonzepte gibt. „Die App, die einen Nutzen verspricht, wird erst einmal gewählt werden. Die Frage nach dem Nutzen ist essentiell. Wir wollen alle etwas haben, das die Versorgung verbessert. Aber was soll es denn nun sein? Wir sind an einem Zeitpunkt, dass wir sehen, was die Technologie alles kann. Aus meiner Sicht wird die App, die den Kontakt zum Behandler erleichtert, es bringen“, ist Dr. Urs-Vito Albrecht, stellvertretender Leiter des Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover, überzeugt. Albrecht ist zudem übrigens Auto der CHARISMHA-Studie („Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps“), die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit erarbeitet wurde. „Viele Start-ups haben erkannt, dass die Qualitätsanforderungen für eine Gesundheitsapp anders sind als für ein Computerspiel“, so Albrecht weiter. Daran schloss Dr. Wolfgang Lauer, Leiter der Abteilung Medizinprodukte beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, an. Den Entwicklern von Gesundheitsapps und Apps im medizinischen Bereich müsse bewusst sein, dass sie in einem Spielfeld spielen, das bestimmten Regeln unterliege. „Eine Zertifizierung ist nicht nur Aufwand und Kostenfaktor, sondern hilft, sich im Markt abzugrenzen“, führte er weiter aus. Dabei sei die CE-Zertifizierung als Medizinprodukt die einzige ernstzunehmende Wahl. Er wies auch daraufhin, dass nicht jede App, die nicht in der Kostenerstattung ist, schlecht oder unsicher sei. Es müsse zwischen einer CE-Zertifizierung und der Kostenerstattung beziehungsweise Nutzenbewertung unterschieden werden.

Bezüglich der neuen EU-Medizinprodukteverordnung, welche derzeit in Brüssel final verhandelt wird, erklärte Lauer: „Es wird sehr deutliche Auswirkungen haben. Man hat festgestellt, dass Apps und andere künftige Produkte viele Gemeinsamkeiten mit klassischen Medizinprodukten haben, aber eben auch viele nicht. Diese wurden in den bisherigen Risikostufen nicht komplett abgebildet. Der größere Teil der Apps wird künftig in den Risikoklassen 2a, 2b und 3 liegen. Darüber kommen wir zu einer besseren Qualität an Apps, da erst eine Zertifizierung erteilt werden muss.“ Während in Risikoklasse 1 Hilfsmittel wie Lesebrillen und Rollstühle sowie Verbandsmittel wie Mullbinden eingeordnet sind, finden sich in den höheren Risikoklassen Produkte wieder, an die (zu Recht) höhere Anforderungen und Qualitätsbestimmungen gestellt werden. Dies sind in der Gruppe 2a zum Beispiel Hör- oder Ultraschallgeräte, in Klasse 2b Infusionspumpen oder Röntgengeräte. In Klasse 3 finden sich Produkte aus der Klasse der Herzkatheter und Brustimplantate wieder. Herzschrittmacher (Aktive Implantate) oder diverse Bluttests (In-vitro-Diagnostika) sind in gesonderten Richtlinien katalogisiert. Dass medizinische Apps (zum Beispiel EKG-Apps) künftig in deutlich höhere Risikoklassen eingeordnet werden zeigt, dass diese als Medizinprodukte ernstgenommen werden und sich denselben Qualitätsbestimmungen ähnlicher Produkte stellen müssen. Auf die Diät-App oder das Pollenflug-Tagebuch treffen diese Regelungen nicht zu.

Was wird aus den Präsenzapotheken?

Die Apotheker haben es nicht leicht: Seit dem EuGH-Versandhandelsurteil vom 19. Oktober 2016 machen sie Stimmung gegen den Versandhandel. Was hat es bisher gebracht? Nichts, denn der Entwurf zum Rx-Versandhandelsverbot wurde wieder verworfen. Auf dem 54. DAV-Wirtschaftsforum gab es erneut Klagelaute – aber auch zufriedene Worte über das Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG).

„Wir lehnen die Päckchen-Pack-Pharmazie ab. Das Rx-Versandhandelsverbot ist die einzige Lösung für eine Gleichpreisigkeit bei Rx-Mitteln“, erklärte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, in seiner Eröffnungsrede und machte das Verbot des Rx-Versandhandels zum politischen Kernanliegen der Apothekerschaft für die nächste Legislatur. Die Teilnehmer des 54. DAV-Wirtschaftsforums fanden es - wenig überraschend - gut. Am 17. Mai trifft sich der Gesundheitsausschuss erneut, und wahrscheinlich zum letzten Mal in dieser Legislatur, um über das Thema Rx-Versandverbot zu diskutieren. Dann geht es zwar nicht um den gescheiterten Gesetzesentwurf Gröhes, aber um einen Verbots-Antrag der Fraktion der Linken. Claudia Korf, Geschäftsführerin des ABDA-Bereichs Wirtschaft, Soziales und Veträge, hatte anschließend auf dem Wirtschaftsforum die Aufgabe, diese Forderungen mit Zahlen zu untermauern. Im ersten Quartal 2017 seien rund 80 Apotheken vom Netz gegangen. Somit sei die Anzahl der Apotheken von 20.023 (Ende 2016) auf etwa 19.943 gefallen und damit in etwa auf das Niveau des Jahres 1990. Den Versandapotheken konnte sie dafür aber nicht die Schuld geben.

Denen widmete sie sich kurz darauf: 2016 habe der Versandhandel einen Anteil von 13 Prozent am Absatz der OTC-Packungen gehabt. Bei Rx-Pharmazeutika habe der Anteil gerade einmal ein Prozent betragen. Eigentlich harmlos, oder? Unter „normalen“ Erwartungsbedingungen steige der Rx-Absatz im Versandhandel mittelfristig auf rund zehn Prozent, meinte Korf. Dann würden rund 70 der 736 Millionen Packungen (2016) den öffentlichen Apotheken fehlen – gleichbedeutend mit rund 560 Millionen Euro fehlendem Rohertrag. Sie spricht vom „Teilchenbeschleuniger gegen die Präsenzapotheken“ und einem „Todesstoß für die flächendeckende Versorgung“ bei steigendem Marktanteil der Versandhändler. Nur, woher stammen die – wohl stark gerundeten - Zahlen und wie kommt sie zu diesen Annahmen? Zu Grunde liegt dieser Prognose wohl nicht mehr als die Annahme, dass der Online- und Versandmarkt in jeder anderen Branche auch gewachsen ist. Die Zahlen sollten also erst einmal nicht auf die Goldwaage gelegt werden.

Dass es den Apotheken gar nicht so schlecht geht, zeigen andere Zahlen: Das Apothekenhonorar ist von 2016 auf 2017 gestiegen und auch das Apothekenentgelt an den GKV-Ausgaben wächst. Verantwortlich hierfür sind die positiven Effekte des Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetzes (AMVSG), die sich in verschiedenen Bereichen widerspiegeln. Unter anderem freue Becker, dass „endlich die Vergütung bei Rezepturen und dokumentationspflichtigen Arzneimitteln angepasst wird“ und es so mehr Geld für die Apotheken gebe Dies stelle eine „Anerkennung unserer pharmazeutischen Leistungen dar“, so Becker weiter. Zudem bewertete er positiv, dass es Exklusivverträge von Krankenkassen in der Zytostatika-Versorgung nun nicht mehr geben soll. Becker erklärte, dass diese Änderungen „überfällig“, aber „erfreulich“ seien.

KBV fordert gesetzliche Klarstellung für Arzneimittelpreise

Mit Dringlichkeit hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) darauf hingewiesen, die Wirtschaftlichkeit von Mischpreisen für sogenannte AMNOG-Präparate gesetzlich zu verankern.

Hintergrund ist ein vorläufiger Beschluss des LSG Berlin-Brandenburg zur Preisbildung bei Arzneimitteln, bei denen der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für bestimmte Patientengruppen einen Zusatznutzen festgestellt hat; jedoch für andere nicht. Gebildet wird dann ein Mischpreis, der die verschiedenen Nutzen für verschiedene Patientengruppen abbilden soll. Beklagt war hier ein Schiedsspruch. Konkret ging es um eine Preisfindung, bei der die Gewichtung stark zugunsten der Gruppen mit Zusatznutzen ausfiel. Das Gericht beschäftigte sich aber auch grundsätzlich damit, dass der Gesetzgeber fordert, den Erstattungsbetrag bei keinem Zusatznutzen nicht höher als die Vergleichstherapie zu setzen. Wenn dies die Maxime der Preisbildung sei, könne ein Mischpreis aus positivem und keinem Zusatznutzen folglich in Gruppen ohne Zusatznutzen nie wirtschaftlich sein. Außerdem habe die Schiedsstelle die Preisherleitung nicht ausreichend begründet.

Mit dieser Situation musste der Arzt in seinen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen auch schon in der Vergangenheit umgehen. Schließlich hat er bei jeder Verordnung die Wirtschaftlichkeit zu beachten und zu begründen, warum eine kostengünstigere Therapie nicht in Frage kommt. Denn in den Verhandlungen über Erstattungsbeträge können nur Mischpreise verhandelt werden – Subgruppenspezifische Einzelpreise sind nicht vorgesehen. Die Alternative wäre also nur der Ausschluss oder die Einschränkung von Verordnungen.

„Wir haben die Sorge, dass neue Arzneimittel damit nicht mehr bedarfsgerecht und frühzeitig in die Versorgung kommen – wenn man der Logik des Beschlusses folgt“, mahnt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Dr. Stephan Hofmeister. Die zu behandelnden Menschen würden mit ihren Erkrankungen nicht immer den strengen Ein- und Ausschlusskriterien von klinischen Studien entsprechen - diese Subgruppen fielen hinten runter, weil kein Zusatznutzen erfasst werde. „Unsere Forderung ist also schlicht: Die Idee, dass man genau das in den Mischpreis einkalkulieren kann“, betont Hofmeister mit Nachdruck. Der vereinbarte Erstattungsbetrag müsse in der Wirtschaftlichkeit das gesamte Versorgungs-Spektrum abdecken und realistisch eingepreist werden; unter Beachtung solcher Gruppen.

Sein Appell an den Gesetzgeber: Eine rechtliche Klarstellung vorzunehmen, um genau solche Folgen zu verhindern! Das abschließende Urteil liegt noch nicht vor. Aber schon jetzt ist laut KBV abzusehen, dass der Beschluss des LSG zu einer erheblichen Verordnungsunsicherheit bei den niedergelassenen Ärzten führen wird.

Rheuma: DGRh fordert mehr Einsatz der Politik

Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) fordert von der Politik mehr Aufmerksamkeit für das Thema.

Um entzündlich-rheumatischen Erkrankungen frühzeitig behandeln und so die Kosten für das Gesundheitswesen verringern zu können, braucht Deutschland rund 600 internistische Rheumatologen mehr. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in einem Memorandum festgehalten, mit dem sie ihren Forderungen nach einer besseren Versorgungsstruktur Nachdruck verleihen will. Prof. Angela Zink, Leiterin des Programmbereichs Epidemiologie und Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum, erklärte, dass sich die Versorgungssituation grundsätzlich verbessert habe, aber noch viel zu tun sei. Bei einer entzündlich-rheumatologischen Erkrankung sei es enorm wichtig, früh zu handeln, um die immunologischen Prozesse kontrollieren zu können. Gerade mal ein halbes Jahr stehe das Handlungsfenster offen. Um diese Zeiten erreichen zu können, bräuchte es allerdings viel mehr Ärzte. Zink rechnet vor, dass Deutschland mindestens zwei internistische Rheumatologen je 100.000 Einwohner benötigt. Der Schnitt liegt jetzt bei 1,1. „Uns fehlen aktuell etwa 600 Rheumatologen, was sich aktuell in den langen Wartezeiten widerspiegelt. Damit verpassen wir viel zu häufig die Chance auf Frühbehandlung", sagt Zink.

Für eine gute Versorgung bräuchte es außerdem 4000 Betten, also rund 700 mehr als jetzt. Man wolle keine neuen Kapazitäten schaffen, sondern Fehlbelegungen abbauen. Die DGRh kritisiert insbesondere, dass im Medizinstudium die Rheumatologie in viel zu geringem Umfang vorkommt und in der Folge viel zu wenige Ärzte in diesem Fachbereich landen. Der Präsident der DGRh, Prof. Hanns-Martin Lorenz, erklärt hierzu: „Rheumaerkrankungen zeigen zu Beginn oft nur unspezifische Symptome, die auch bei anderen Krankheitsbildern auftreten können. Bereits im Medizinstudium muss die Rheumatologie daher eine größere Rolle spielen. Mehrere Studien zur rheumatologischen Integration in die studentische Ausbildung – die RISA-Studien – zeigen, dass die internistische Rheumatologie hier nur mangelhaft verankert ist." Zudem gebe es viel zu wenige universitäre Lehrstühle, um rheumatologische Forschung und Lehre voranzutreiben.

Positionspapier der Techniker Krankenkasse zur Bundestagswahl 2017

Digital, ohne Wenn und Aber – So könnte das Motto der Techniker Krankenkasse (TK) lauten, die ihre gesundheitspolitischen Forderungen an die nächste Legislatur im Zuge der Pressekonferenz „TK-Meinungspuls Gesundheit“ in Berlin veröffentlicht hat.

„Wir müssen die Rahmenbedingungen wieder so reformieren, dass es darum geht: Wer versorgt den Versicherten am besten? Und nicht: Wer schafft es ihn möglichst krank zu codieren?“, meint ausgerechnet der TK-Vorstandvorsitzende, Dr. Jens Baas. Die TK geht davon aus, dass die anvisierten Reformen die Kasse in den nächsten Jahren noch viel Geld kosten werden und urteilt: In den vergangenen vier Jahren gab es eine umfangreiche gesundheits- und pflegepolitische Gesetzgebung. Anders als etwa in der Pflegeversicherung - wo der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren einen Paradigmenwechsel eingeleitet hat – seien zentrale strukturelle Weichenstellungen für die Zukunft der GKV trotz der guten Voraussetzungen ausgeblieben. Für die Krankenversicherungen stünden die wegweisenden Entscheidungen noch an.

Im Groben setzen sich die TK-Vertreter folgende Punkte auf die Agenda: „Digitale Chancen nutzen – Versorgungsqualität stärken – Fairen Wettbewerb ermöglichen“, „Digitalisierung patientenorientiert und qualitätsgesichert vorantreiben“, „Versorgungsqualität gestalten und stärken“, „sektorübergreifende Versorgung ausbauen“ und „fairen Wettbewerb durch manipulationsresistenten Morbi-RSA stärken“.

Die TK sieht sich als Markt- und Innovationsführer und deshalb in besonderer Verantwortung, Antworten auf die Herausforderungen zu formulieren, die der Wandel in der Arbeits- und Lebenswelt vieler Menschen mit sich bringt. Die gesetzliche Kasse bekennt sich zu einer modernen und wettbewerblich ausgerichteten Krankenversicherung, die zugleich auch solidarisch und patientenorientiert sein soll.

DEGUM: Vorteile und Vergütungsfragen des qualifizierten Ultraschalls

Warum Ultraschall bei der Diagnose häufig zuerst zum Einsatz kommt und kommen sollte, ist von Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) diskutiert worden.

Im Mittelpunkt stehen die modernen Möglichkeiten, die das strahlungsfreie, bildgebende Verfahren bietet – beispielsweise bei Blinddarmentzündungen, Morbus Crohn, Nierensteinen oder Rheuma. Diese Krankheiten können inzwischen mittels Sonografie sehr gut diagnostiziert werden. Die Ultraschalluntersuchung ist bei der Behandlung des Patienten häufig einer der ersten Schritte.

Prof. Dr. med. Thomas Enzmann als stellvertretender Leiter der DEGUM Sektion Urologie und Chefarzt im Städtischen Klinikum Brandenburg kritisiert, dass Rettungsstellen und Krankenhäuser, die keine Urologen oder keinen Arzt mit ausreichender Ultraschallausbildung zur Verfügung haben, den Patienten „schnell mal zunächst durch einen Computertomografen (CT) schieben“. Denn schlussendlich bietet der Ultraschall ihm zufolge mehr Möglichkeiten als das Röntgen.

Derzeit seien über 140.000 Geräte für die hochqualifizierte Sonografie im Einsatz. Dies koste etwa das Dreifache der sonst üblichen Anschaffung. Trotz der unbestrittenen Effizienz der Methode bleibe der hoch qualifizierten spezialisierten Bauchsonografie eine angemessene finanzielle Vergütung seitens der gesetzlichen Krankenkassen seit drei Jahrzehnten verwehrt. „Das Problem ist, dass das Entgeltsystem für medizinische Leistungen in Deutschland die Ausbildung unseres ärztlichen Nachwuchses durch die Krankenhäuser und Praxen nicht abbildet“, kritisiert Enzmann, der neben weiteren Vertretern der DEGUM selbst Schulungen gibt und betont, wie wichtig es ist für Nachwuchs in der Branche zu sorgen.

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