Berlin-Chemie Newsletter vom 01. September 2022

Berlin-Chemie Newsletter vom 01. September 2022

Interview:

  • Heilungschancen plus Lebensqualität bei Brustkrebs verbessern!
    EinBlick sprach mit Prof. Dr. med. Cornelia Kolberg-Liedtke über Studien in der Brustkrebsforschung zur Reduzierung von Nebenwirkungen

Kurzstrecke:

  • Menschen ab 60 Jahren sollen zweite Corona-Auffrisch-Impfung erhalten
    Empfehlungen der Stiko auch für Risikogruppen

  • Hormonpräparate in den Wechseljahren weiter rückläufig
    Aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse zeigt Wandel

  • Nicht nur bei den TI-Anwendungen wird nachgesteuert
    Neuer Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums

  • Bund überweist eine Milliarde Euro an soziale Pflegeversicherung
    Liquiditätsengpässe sollen mit Darlehen überbrückt werden

Interview:

  • Abrechungslösungen und female Empowerment
    EinBlick sprach mit mit Dr. Susan Niemeyer, Leiterin des Geschäftsbereichs Business Development & Strategic Affairs der HMM Deutschland GmbH

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Referentenentwurf zum Krankenhauspflegentlastungsgesetz
    Verbände zeigen sich enttäuscht

  • Ambulantes Operieren und Hybrid-DRGs 
    Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) fordert eine konsistente Reform

  • Protestaktion am 7. September in Berlin
    MFA und ZFA fordern bessere Arbeitsbedingungen

  • Forschungsprojekt zur Immunantwort
    Welche Abwehrmechanismen hindern Viren an der Vermehrung?


17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker:

Sind Sie dabei, wenn sich die Entscheider der Gesundheitsversorgung in Berlin treffen?

am Dienstag startet der 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker »Versorgung der Zukunft: Wie viel digital ist gesund?« Zum ersten Mal seit 2019 treffen wir sich die Gesundheitsnetzwerker wieder in Präsenz. Am Schlossplatz 1 in der Mitte des Regierungsviertels von Berlin wird die Zukunft des Gesundheitswesen diskutiert.

Mit dabei u.a.:
 
Dr. Dirk Heinrich
Bundesvorsitzender des Virchowbundes – Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e. V., Berlin
 
Melanie Wendling
Geschäftsführerin des Bundesverbandes Gesundheits-IT – bvitg e. V., Berlin
 
Matthias David Mieves MdB
Mitglied der SPD-Fraktion sowie des Ausschusses für Digitales und des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, Berlin

Prof. Dr. Henriette Neumeyer
Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft e. V., Berlin

Dr. Dominik Graf von Stilfried
Vorstandsvorsitzender des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin
 
Prof. Dr. Sylvia Thun
Direktorin der Core Unit eHealth & Interoperability des Berlin Institut of Health der Charité – Universitätsmedizin Berlin; Professorin des Studiengangs eHealth – IT im Gesundheitswesen der Hochschule Niederrhein, Krefeld
 
Dr. Carola Reimann, Ministerin a. D.
Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Berlin

Informationen, Programm und Anmeldung für den 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker finden Sie hier https://www.gesundheitsnetzwerker.de/de


Interview

 

Heilungschancen plus Lebensqualität bei Brustkrebs verbessern!

EinBlick sprach mit Prof. Dr. med. Cornelia Kolberg-Liedtke über Studien in der Brustkrebsforschung zur Reduzierung von Nebenwirkungen

 

Prof. Dr. med. Cornelia Kolberg-Liedtke

ist gynäkologische Onkologin. Sie hat mehr als 15 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der klinischen und translationalen Forschung. Ihre klinische Karriere erstreckt sich über die Universitäten Münster und Lübeck mit einer Postdoc-Zeit am MD Anderson Cancer Center der Universität Texas, USA, und als stellvertretende Klinikdirektorin an der Klinik für Gynäkologie der Charité Berlin – Campus Mitte. Als Mitgründerin und Geschäftsführerin von "Phaon scientific" widmet sie sich der Verbesserung von Studien für Menschen mit Brustkrebs. Daneben ist sie Autorin und Co-Autorin von mehr als 100 Peer-Review-Publikationen zu diesem Thema. Sie erhielt mehrere nationale sowie internationale Auszeichnungen und ist aktives Mitglied der Kommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO).

 

Frau Prof. Kolberg-Liedtke, als Gynäkologin hatten Sie zwischenzeitich drei berufliche Standbeine, wie muss ich mir das vorstellen?
Drei Standbeine bedeutet, ich arbeite in drei Bereichen. Ursprünglich habe ich als Gynäkologin mit einer klinisch-akademischen Laufbahn bis zur Professur begonnen. Vor vier Jahren habe ich jedoch die Phaon scientific mitgegründet und mittlerweile die Patientenversorgung verlasse. Bei Phaon scientific handelt es sich um eine akademische Studiengruppe, die sich auf die Verbesserung von Behandlungsstrategien durch von Prüfärzt:innen initiierte Studien – sogenannte IITs, investigator-initiated trials – für Brustkrebspatient:innen konzentriert. Das heißt, wir entwickeln Fragestellungen, wie Patient:innen besser und mit weniger Nebenwirkungen behandelt werden können. Ferner habe ich übergangsweise bei Palleos Healthcare, einer internationalen Full-Service-Organisation für klinische Forschung, gearbeitet. Derartige CRO-Firmen setzen die entwickelten, in der Regel multizentrischen, Studienkonzepte strategisch in Kliniken um. Unter all den regulatorischen Auflagen ist das recht aufwendig. Bei Palleos habe ich im Bereich Science mit unserem Team aus Ärzt:innen und Statistiker:innen klinische Studien medizinisch-wissenschaftlich betreut. Darüber hinaus habe ich ein drittes, kleineres Standbein: In der Universitätsfrauenklinik Essen arbeite ich im Labor für translationale Forschung an grundlagen-wissenschaftlichen Projekten und betreue Doktorand:innen.

Bitte beschreiben Sie, wie Sie klinische Studien mit wissenschaftlich medizinischer Perspektive begleiten. Was ist der Gegensatz zu anderen Studien?
In der klinischen Forschung muss man zwei Dinge unterscheiden. Corporate Research ist die Forschung, die ein Pharmaunternehmen verfolgt, um eine Zulassung zu erzielen. Wenn es sich um ein sehr kleines Unternehmen handelt, zielt dies möglicherweise auf einen Exit bzw. den Verkauf an ein größeres Unternehmen ab. Bei dieser Forschung folgt man in der Regel einem Clinical Development Plan CDP, d.h. einer detaillierten Entwicklungsstrategie, die zehn bis 15 Jahre dauert und verschiedene Studienkonzepte und -phasen umfasst. Ziel dieses CDPs ist der erfolgreiche Abschluss einer großen Phase-III-Studie – und die Zulassung eines neuen Medikaments. Das ist der größte Teil der klinischen Forschung.

Im Gegensatz hierzu kann die Forschung aber auch direkt aus der akademischen Community kommen. Insbesondere Ärzt:innen oder Wissenschaftler:innen, die Patient:innen mit Brustkrebs betreuen oder in diesem Bereich forschen, entwickeln Ideen, die dem Einsatz des Medikaments helfen können. Diese akademische klinische Forschung ist vielleicht als die Weiterführung der ehemaligen klinischen Forschung von vor mehr als 100 Jahren zu sehen, in der passionierte Ärzt:innen und Wisssenschaftler:innen neben der Patientenversorgung eigenständig ohne den Apparat der Pharma-Industrie teils bahnbrechende Forschungsergebnisse erzielt haben. Heutzutage stehen auch hierfür gewisse Finanzmittel zur Verfügung, um die man sich bewerben kann. Neben öffentlichen Drittmitteln gibt es die Möglichkeit, Kontakt mit einem (Pharma-)Unternehmen aufzunehmen, seine Ideen zu bestimmten Krebsuntertypen oder Fragen zur Dosierung vorzustellen und anzubieten, diese unter finanzieller Unterstützung durch das Unternehmen auszuarbeiten. Oft sind diese speziellen Fälle nicht durch das aktuelle Forschungsprogramm des Unternehmens abgedeckt. Man stellt ein Studienkonzept vor, verhandelt und einigt sich, die Studie gemeinsam durchzuführen. Mit Phaon ist uns diese Umsetzung für eine Studie gelungen, andere befinden sich aktuell in Verhanldungen.

Welche konkreten Herausforderungen birgt das Forschungsfeld Brustkrebs?
Fakt ist: Brustkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen der Frauen: Eine von acht wird im Laufe ihres Lebens daran erkranken. Allerdings hat Brustkrebs im Verhältnis zu vielen anderen Krebserkrankungen eine sehr gute Prognose. Die Heilungsrate liegt zwischen achtzig und neunzig Prozent. Doch es gibt viele Untertypen. Diese Variabilität bildet sich ebenso in der aktuellen Forschung ab, weil nur Patientinnen mit spezifischen Kriterien die Anforderungen für die Unterstudien erfüllen. Die Therapiestrategien – also der Einsatz der Chemotherapie, der zielgerichteten Antikörper- oder Antihormontherapie bzw. einer Kombination daraus – sind völlig unterschiedlich. Hier muss man schon ausgefeilte Algorithmen in die Studienideen einflechten. Die hohen Heilungsraten sind beeindruckend, doch werden angesichts dessen Rufe nach einer Therapie-Deeskalation laut. Konkret bedeutet dies, dass wir nicht immer mehr Medikamente mit den daraus resultierenden erhöhten Nebenwirkungen kombinieren sollten, sondern stattdessen versuchen, Brustkrebsuntergruppen zu identifizieren, bei denen man die Therapieintensität und damit –toxizität zurückdrehen kann. Wir wollen gute Überlebensraten mit möglichst wenig Nebenwirkungen erreichen. Heute ist Brustkrebsforschung ein Bereich, in dem stark auf Lebensqualität und Nebenwirkungsmanagement geschaut wird. Diese Entwicklung freut mich sehr, denn sie ist im Endeffekt die Konsequenz daraus, was in den vorangegangen zwanzig bis dreißig Jahren bereits erreicht worden ist.

Wer beauftragt Sie?
Die Beauftragung muss man differenzieren. Unsere Ideen entstammen der klinischen Versorgung. So sind unsere eigentlichen Auftraggeber letztlich die Patient:innen. Im Kontakt mit ihnen ergeben sich Fragen und Notwendigkeiten, die wir ausarbeiten. Unsere Partner:innen auf der anderen Seite sind die, die unsere Studienprojekte fördern, also neben öffentlichen Drittmittelgebern insbesondere die Pharmakonzerne. Teilweise erreichen wir diese in Deutschland, doch viele sind international aufgestellt, sodass der Kontakt über die globalen Unternehmensstrukturen, oft mit Sitz in den USA, erfolgt. In der Regel gibt es allerdings lokal ansässige Partner, mit denen wir in der Projektdurchführung direkten Kontakt haben.


Informationen, Programm und Anmeldung für den 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker finden Sie hier https://www.gesundheitsnetzwerker.de/de


Kurzstrecke

 

Menschen ab 60 Jahren sollen zweite Corona-Auffrisch-Impfung erhalten

Empfehlungen der Stiko auch für Risikogruppen

In ihrer 21. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine zweite Booster-Impfung für alle Menschen ab 60 Jahren. Daneben sollen Personen ab fünf Jahren, die ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe infolge einer Grunderkrankung aufweisen, ebenfalls die zweite Auffrischung erhalten. Diese Risikogruppen sollten aktuell nicht auf einen angepassten Impfstoff warten.

Die Empfehlung zu einer weiteren Impfung, vorzugsweise mit einem mRNA-Impfstoff, bezieht sich auf Menschen mit bislang ›drei immunologischen Ereignissen‹, wobei das letzte mindestens sechs Monate zurückliegen sollte. Ferner wurde der Impfstoff Nuvaxovid von Novavax zur Grundimmunisierung entsprechend einer Erweiterung auch für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren zugelassen. Angeraten ist die Immunisierung mit zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens drei Wochen und mit der gleichen Dosierung wie für erwachsene Personen.

 

Hormonpräparate in den Wechseljahren weiter rückläufig

Aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse zeigt Wandel

Während vor 20 Jahren noch rund 40 Prozent aller Frauen in den Wechseljahren Hormonpräparate verschrieben bekomme haben, sind es im Jahr 2022 nur noch sechs Prozent aller Menschen mit Uterus, die Hormonpräparate gegen Beschwerden in den Wechseljahren einnehmen. Das zeigt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). Ein Grund dafür sei der wissenschaftliche Erkenntnisstand, schreibt die TK.

So galten vor 20 Jahren hormonelle Behandlungsmethoden gegen Beschwerden in den Wechseljahren noch als gängige Therapieform. Wissenschaftliche Studien zeigten dann jedoch zunehmend mögliche Risiken und Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie auf. So können bestimmte medizinische Präparate das Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose und verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

 

Nicht nur bei den TI-Anwendungen wird nachgesteuert

Neuer Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums

Laut einem neuen Referentenentwurf zur Pflegepersonalbemessung im Krankenhaus darf die Einbindung aller Komponenten und Dienste, die von der gematik zugelassen sind und den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, niemanden benachteiligen. Eine Beschränkung auf bestimmte Hersteller ist ebenso unzulässig wie direkte und indirekte Kosten in diesem Zusammenhang.

Das deutsche Ärzteblatt berichtet, die Kassenärztliche Bundesvereinigung erhalte nun die Möglichkeit, mit einzelnen Herstellern von Telematikinfrastruktur-Komponenten und Primärsystemen Rahmenvorgaben zu vereinbaren, von denen die Leistungserbringer profitieren. Zusätzlich könnte ein neuer Paragraf im Sozialgesetzbuch V die Position der medizinischen Leistungserbringer gegenüber den IT-Anbietern stärken. Falls IT-Anbieter technische Rahmenbedingungen nicht rechtzeitig gewährleisten, können die Leistungserbringer eine Anpassung des Vertrags oder einen Rücktritt verlangen.
Zudem enthält der Entwurf Fristverschiebungen: Die Erklärungen zur Organ- und Gewebespende, zu Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen und Notfalldaten sollen erst im Oktober 2024 in die elektronische Patientenakte überführt werden. Die E-Rezept-Pflicht im Betäubungsmittelbereich soll auf April 2024 verschoben werden.

 

Bund überweist eine Milliarde Euro an soziale Pflegeversicherung

Liquiditätsengpässe sollen mit Darlehen überbrückt werden

Um die Liquidität der sozialen Pflegeversicherung sicherzustellen, hat jetzt das Bundesamt für Soziale Sicherung der sozialen Pflegeversicherung ein Darlehen in Höhe von einer Milliarde Euro an den Ausgleichsfonds überwiesen.

Grund für die Liquiditätsengpässe seien vor allem pandemiebedingte Ausgaben für den Schutz von Pflegebedürftigen, Beschäftigten in der Pflege sowie von pflegenden Angehörigen. Dazu würden der Pflegeschutzschirm und Testkosten zählen. Bei finanziellen Engpässen dieser Art seien in diesem Jahr auch unterjährige Darlehen möglich. Um die Finanzen der Pflegeversicherung langfristig zu sichern, arbeitet das Bundesministerium für Gesundheit an Reformvorschlägen, die noch dieses Jahr vorgelegt werden sollen.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Interview

 

Abrechungslösungen und female Empowerment

EinBlick sprach mit Dr. Susan Niemeyer, Leiterin des Geschäftsbereichs Business Development & Strategic Affairs der HMM Deutschland GmbH

 

 

Dr. Susan Niemeyer

ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, hat einen MBA absolviert und ist seit Januar 2021 als GBL Business Development & Strategic Affairs bei der HMM Deutschland GmbH. Dr. Susan Niemeyer startete ihre berufliche Laufbahn als Nachwuchsführungskraft Vertrieb beim internationalen Handelskonzern Lidl. Nach der Promotion übernahm sie dort die Projektleitung für Lidl Irland. Seit 2010 hat sie verschiedene Führungspositionen in der Healthcare Branche inne.

 

 

Frau Dr. Niemeyer, HMM Deutschland ist ein Anbieter für Versorgungs- und Abrechnungslösungen im Gesundheitswesen. Bei welchen Prozessen besteht bei den Krankenkassen hier noch Optimierungsbedarf?
Die Frage impliziert, dass Krankenkassen in ihren Arbeitsprozessen bereits weitgehend optimiert sind. Das mag in einigen Fällen sicherlich so sein, bei vielen Leistungsprozessen ist das allerdings nicht der Fall. Das gilt vor allem bei den nachgefragten Antrags- und Genehmigungsprozessen, mit denen wir uns bei der HMM vor allem beschäftigen. Hier beantragen Patient:innen Versorgungen bei Krankenkassen und warten auf die Entscheidung. So eine Entscheidung dauert manchmal sehr lange, denn Krankenkassen erhalten am Tag viele tausend Anträge.

Und weil diese Anträge papierbasiert sind und ebenso die danach folgende Abrechnung, braucht es viele Menschen und eine gute Organisation, bis diese Anträge abgearbeitet sind. Der Gesetzgeber hat sich dazu entschieden, die Bearbeitungsdauer der Anträge auf drei Wochen zu begrenzen. Das ist immer noch sehr lange, wenn zum Beispiel Patient:innen drei Wochen auf einen Rollstuhl, ein Pflegebett oder ein Atemgerät warten müssen. Da können drei Wochen unter Umständen lebensentscheidend sein. An dieser Stelle setzt die HMM an. Die nachgelagerte Abrechnung ist papierbasiert, bürokratisch und teuer. Um das alles zu optimieren, haben wir digitale Lösungen entwickelt. Damit Entscheidungen und Abrechnungen in wenigen Sekunden statt in einigen Monaten durchgeführt werden können.

Die HMM, Opta Data sowie Medicomp haben einen Standardprozess für den elektronischen Kostenvoranschlag zur Digitalisierung im Hilfsmittelbereich entwickelt. Warum ist das wichtig?
Das ist ein Teil unseres Kerngeschäfts – der digitale Antrags- und Genehmigungsprozess. Der digitale Kostenvoranschlag ist davon ein Bestandteil. Opta Data, Medicomp und HMM haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass bei diesem Prozess alle Krankenkassen digital mit allen Leistungserbringern kommunizieren können. Eigentlich arbeiten wir unabhängig voneinander, da wir alle drei dieses System anbieten. Für uns war der Zusammenschluss eine Meisterleistung, weil es etwas Vergleichbares im ganzen Gesundheitswesen nicht gibt. Ohne politischen Druck und ohne finanzielle Unterstützung durch die Regierung hat es eine Branche geschafft, eine vollständige Basisdigitalisierung herzustellen.
Und auf der Grundlage des elektronischen Kostenvoranschlags können nun alle anderen digitalen Services aufgebaut werden, die dringend gebraucht werden.

Optimierungsbedarf sehen Sie auch, wenn es um Frauen in Führungspositionen geht. Wo ist Ihrer Meinung nach der größte Handlungsbedarf?
Ich sehe großen Handlungsbedarf auf breiter Fläche. Das Gesundheitswesen ist sehr weiblich, aber oben ist die Luft dünn und männlich. Und das ist nach wie vor so. Da hat sich in den letzten Jahren eigentlich nichts gravierend verändert. Ich setze mich für Chancengleichheit ein: dass jüngere Frauen gefördert werden, dass Frauen die Chance bekommen, überhaupt in Führungspositionen zu kommen. Es ist immer noch ein Problem, dass Stellenanzeigen – im Grunde auf Männer zugeschnitten - ausgeschrieben sind und Frauen gar nicht gefragt werden. Frauen bekommen nicht einmal die Chance, nein zu sagen, wenn sie denn nein sagen wollen würden. Und dafür setze ich mich ein, da müssen wir unbedingt viel mehr tun.

Sie bringen dazu bald ein Buch heraus: ›FeMale Forward‹. Was bedeutet das für Sie?
Bei ›FeMale Forward‹ liegt die Betonung auf dem großen ›M‹. Meine Mitautorin Cornelia Wanke und ich haben uns vor einigen Jahren bei den Healthcare Frauen e.V. kennengelernt – ein starkes Frauennetzwerk in der Gesundheitswirtschaft. Wir hatten beide die Idee, ein Buch zu schreiben. Da ich gerade Zwillinge bekommen hatte, wurde ich immer wieder mit so komischen Fragen konfrontiert wie, warum ich jetzt überhaupt noch Karriere machen möchte. Wir beide sind dann unabhängig voneinander mit anderen Frauen ins Gespräch gekommen, die Hürden zu überwinden hatten auf dem Weg zum C-Level-Posten oder zum Vorstandsgremium. Mit denen haben wir uns ausgetauscht. Die Frauen haben uns erzählt, wie sie ihre Hürden überwunden haben. Ziel des Buches ist es, die Geschichten dieser Frauen zu erzählen, damit andere Frauen es leichter haben und ähnliche Positionen bekleiden können.  Und wir haben übrigens auch eine Handvoll Männer interviewt – deshalb das große ›M‹. Wir sind der Meinung, dass wir nur gemeinsam Großes erreichen können. Und das zeigen jetzt die Lebens- und Karrierewege von 20 Vorständinnen und zehn Vorständen aus den verschiedensten Branchen. Da sind auch drei GKV Vorständ:innen dabei sowie Führungskräfte und C-Level aus dem Gesundheitsbereich. Und alle verbindet eine Gemeinsamkeit: die Förderung von Frauen, denn alle unterstützen die Karrierewege von Frauen, insbesondere von Müttern. Das Buch erscheint im November. Ich glaube, das wird einiges bewegen, wenn man die Lebenswege nachlesen und nachvollziehen kann, was schon getan wird. Und es gibt trotzdem noch viel zu tun.


Startup-Telegram

 

Das Start-up Sqin hat eine KI-basierte App entwickelt, die bei Fragen rund um die Hautgesundheit beratend unterstützt. Dadurch werden die praktizierenden Dermatolog:innen entlastet. Von der Hautanalyse bis hin zum gesünderen Lebensstil begleitet die Plattform die Nutzer:innen und hält sogar approbierte Hautärzt:innen vor. Die App ist kostenfrei, einzelne Funktionen sind jedoch kostenpflichtig bzw. nur per Abonnement erhältlich. https://sqin.co/

Die App Kata von VisionHealth erinnert Patient:innen mit chronischen Lungenerkrankungen an ihre Inhalation. Über eine Smartphone-Kamera hilft sie ihnen dabei, die Übungen richtig auszuführen – orientiert an den Kriterien der Atemwegsliga. Dabei wird jeder Inhalationsschritt begleitet und bewertet, um eine bestmögliche Wirkstoffabgabe in die Lunge zu ermöglichen. Über die Plattformtechnologie können auch klinische Studien von Inhalationstherapien begleitet werden. In Kooperation mit der AOK erhielten bereits 1000 Patient:innen die App, die eine DiGA Zulassung anstrebt. https://visionhealth.gmbh/kata/

Enna möchte Menschen ohne Digitalkompetenz, meist Ältere oder Erkrankte, den Zugang zu digitalen Angeboten ermöglichen. Dafür hat das Start-up ein einfaches Bedienkonzept für Tablets geschaffen. Eine mit dem Tablet verbundene Dockingstation steuert per App verschiedene NFC-Standardkarten mit eindeutigen Befehlen: Wird die Karte auf dem Dock abgelegt, führt die App den entsprechenden Befehl aus. Das Abo-Modell kostet monatlich 19,99 EUR (ohne Tablet). https://enna.care/cards/


Informationen, Programm und Anmeldung für den 17. Kongress für Gesundheitsnetzwerker finden Sie hier https://www.gesundheitsnetzwerker.de/de


Meldungen

 

Referentenentwurf zum Krankenhauspflegentlastungsgesetz

Verbände zeigen sich enttäuscht

Seit Anfang August ist der Referentenentwurf zum Krankenhauspflegeentlastungsgesetz (KHPflEG) öffentlich. Doch die Reaktionen darauf sind vorwiegend negativ. Sowohl der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), der Deutsche Pflegerat als auch der GKV-Spitzenverband kritisieren den vorliegenden Gesetzesentwurf. 

Im aktuellen Referentenentwurf zum KHPflEG steht ein neuer Paragraf (§ 137l SGB V), der eine Personalbemessung in Anlehnung an die PPR 2.0 einführen will. Laut GKV-Spitzenverband erfülle dieser Vorschlag allerdings nicht die Ziele einer vollständigen, einheitlichen und digitalen Pflegepersonalbemessung. So sagt GKV-Vorständin Stefanie Stoff-Ahnis: »Wir wollen in den Krankenhäusern eine moderne, digitale Pflegepersonalbemessung, damit Bürokratie in der Pflege ab- und nicht aufgebaut wird. Schluss mit handgeschriebenen Listen: Daten könnten im 21. Jahrhundert längst digital erfasst und vernetzt werden.«

Diese Kritik teilt auch der Deutsche Pflegerat. So hat dieser gemeinsam mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Gewerkschaft ver.di die Pflegepersonalregelung 2.0 (PPR 2.0) nach einem Auftrag aus der Konzertierten Aktion Pflege entwickelt und dem Bundesministerium für Gesundheit bereits Anfang 2020 vorgelegt. »Der nun vorliegende Referentenentwurf nimmt diese Intention allerdings völlig unzureichend auf und berücksichtigt wesentliche Vorschläge der Pflegeberufsverbände nicht. Die Chance für eine echte Perspektive auf mehr Patientensicherheit und bessere Arbeitsbedingungen für Pflegefachpersonen im Krankenhaus werden damit bereits im Referentenentwurf verspielt«, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V.

Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe e.V. betont, dass in dem vorliegenden Gesetzesentwurf wesentliche Punkte fehlen würden. So hatte der DBfK gefordert, dass der Einstieg in eine bundeseinheitliche Pflegepersonalbedarfsermittlung auf den sogenannten Normalstationen für Erwachsene mit der PPR 2.0 zeitgleich mit pädiatrischen und Intensivstationen eingeführt werden müsse.

 

Ambulantes Operieren und Hybrid-DRGs 

Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) fordert eine konsistente Reform

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) empfiehlt, die aktuellen Beratungen über die Umsetzung des §115b SGB V, Ambulantes Operieren, direkt mit der Ausgestaltung der Hybrid-DRGs zu verknüpfen. Dazu hat der Verband ein Positionspapier mit konkreten Maßnahmen veröffentlicht. 

Aktuell beraten die Vertragsparteien auf Bundesebene über die Umsetzung des §115b SGB V, der den AOP-Katalog ausweiten soll und eine sektorengleiche Vergütung, ausgehend vom einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM), vorsieht. Wenn jedoch zuerst ein AOP-Prozess abgeschlossen wird und kurz danach Hybrid-DRGs in Form von Vergütungspauschalen für eine erneute Umstrukturierung sorgen, sorgt das für Verunsicherung.

»Beides muss zusammen gedacht und konsistent umgesetzt werden«, sagt BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll. »Die aktuelle EBM-Vergütung reicht oft nicht aus, um ambulante Operationen im gesicherten Krankenhaus-Setting kostendeckend auszuweiten.« Sachkosten und Investitionsmaßnahmen sollten möglichst gleichzeitig mit dem AOP-Katalog neu kalkuliert werden. In seinem aktuellen Positionspapier fordert der MedTech Verband deshalb eine konsistente Reform, die Planungssicherheit bietet und Fehlsteuerungen vermeidet. Das Papier kann unter https://www.bvmed.de/de/bvmed/positionspapiere-stellungnahmen eingesehen werden.

Das Positionspapier enthält gesetzliche Anpassungen in den Bereichen Ersatzvornahme und Befristung durch das Bundesministerium für Gesundheit, eine zeitgleiche Sicherstellung von Prozeduren-Katalog und sachgerechter Vergütung sowie eine gerechte Kalkulation und Abbildung der Sachkosten. Daneben sollen Hybrid-DRGs zeitnah umgesetzt, der Schweregrad sowohl im AOP als auch im Hybrid-DRG-System berücksichtigt und die zeitgleiche DRG-Neukalkulation gesetzlich verankert werden. Der BVMed hält es für richtig, Investitionsmittel für AOP-Leistungen zu erweitern und aufzustocken sowie wissenschaftlich-medizinischen und medizintechnischen Sachverstand im Weiterentwicklungsprozess der AOP und Hybrid-DRGs zu berücksichtigen. Daneben fordert er die Herstellung von Rechtssicherheit, wenn stationäre in AOP-Leistungen für Leistungserbringer überführt werden.

 

Protestaktion am 7. September in Berlin

MFA und ZFA fordern bessere Arbeitsbedingungen

Um öffentlich auf die prekäre berufliche Situation der medizinischen Fachangestellten (MFA) und zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) hinzuweisen, hat der Verband medizinischer Fachberufe e.V. am 7. September Protestaktionen am Brandenburger Tor geplant.

Ungefähr 25 Prozent der MFA und 37 Prozent der ZFA erhalten weniger als 12 Euro Bruttostundenlohn. So liegt das mittlere monatliche Bruttogehalt bei 2.655 Euro für eine MFA. Eine ZFA verdient monatlich durchschnittlich 2.269 Euro. Zum Vergleich: Sozialversicherungsfachangestellte erhalten durchschnittlich 4.212 Euro. »Es ist ein Unding, dass verwaltende Tätigkeiten im Gesundheitswesen wesentlich besser bezahlt werden als solche, die unmittelbar Verantwortung für die Gesundheit von Patientinnen und Patienten tragen«, sagt Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. »Hinzu kommt, dass die Stressbelastung für MFA und ZFA und ein gesteigertes Anspruchsverhalten mancher Patientinnen und Patienten inzwischen ein Ausmaß erreicht haben, das immer mehr Berufsangehörige in die Flucht aus dem Beruf treibt, sodass es einen enormen Fachkräfteengpass gibt.« Laut Verband müssen bereits viele ärztliche und zahnärztliche Praxen ihre Leistungen einschränken, weil ihnen nicht mehr ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Deshalb fordert der Verband mehr Gehalt durch eine vollumfängliche und zeitnahe Gegenfinanzierung der Tariflöhne, aktuelle Gebührenordnungen, in denen die Leistungen der MFA und ZFA stärker abgebildet werden, eine höhere Wertschätzung durch eine angemessene Anerkennung ihrer Leistungen in der Patientenversorgung und eine Gesundheitspolitik, die zur Stressprävention beiträgt.

Des Weiteren kritisiert Hannelore König das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz: »Mit dem neuen GKV-Finanzstabilisierungsgesetz müssen wir davon ausgehen, dass für die Personalkosten in den niedergelassenen Arzt- und Zahnarztpraxen noch weniger Geld zur Verfügung steht als bisher. Budgets werden wieder gefordert und die Gesetzliche Krankenversicherung bietet aktuell eine Nullrunde.«

Die Protestaktion findet am 7. September 2022 von 13:30 bis 16:00 Uhr auf der Freifläche vor dem Brandenburger Tor am Pariser Platz statt. Ihre Unterstützung bereits zugesagt haben die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung Berlin, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, der Hartmannbund und der Freie Verband Deutscher Zahnärzte.

Übrigens: Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. bietet gemeinsam mit der gematik ›lunch break-events‹ an, um MFA und ZFA über neu anstehende Digitalisierungsthemen zu informieren. Die Veranstaltungen finden am 8. September  und 22. September 2022 online statt. Am 8. September steht der Kommunikationsdienst KIM im Fokus, die Veranstaltung am 22. September widmet sich dem Thema E-Rezept.

 

Forschungsprojekt zur Immunantwort

Welche Abwehrmechanismen hindern Viren an der Vermehrung?

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Goethe-Universität, des Universitätsklinikums Frankfurt und des Fraunhofer Instituts für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP) zielt darauf ab, die angeborene humane Immunantwort gegen virale Infektionen zu stärken.

Leiterin des Projekts ist Sandra Ciesek, Professorin für Virologie an der Goethe-Universität und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Sie möchte zum einen mit den Fraunhofer Kollegen Dr. Aimo Kannt und Dr. Philip Gribbon den Mechanismus aufklären, wie Viren die Schwachstellen der natürlichen menschlichen Immunantwort unterwandern. Zum anderen möchten die Forscher:innen neue Wirkstoffe finden, die die Selbstheilungskräfte des Körpers stärken.
Zu den Abwehrmechanismen des Immunsystems gehören besondere Enzyme, die Viren an der Vermehrung hindern, indem sie virale Proteine mit einem Zuckermolekül markieren. Dadurch benachrichtigen die infizierten Zellen spezielle Immunzellen, die ihnen zu Hilfe kommen und die eingedrungenen Viren eliminieren. Allerdings können verschiedene RNA-Viren – unter anderem auch SARS-CoV-2 –, diese Zuckermarkierungen wieder entfernen und damit den Abwehrmechanismus des Körpers umgehen.

Wie die Viren diese Markierungen konkret entfernen und mit welchen Wirkstoffen man sie daran hindern kann, wollen die Forscher:innen herausfinden. Neben Impfstoffen werden in Zukunft wirksame antivirale Medikamente gebraucht, um Pandemien und Krankheiten einzudämmen. Das Projekt wird für drei Jahre von der Stiftung Volkswagen gefördert. Diese widmet sich insbesondere innovativen Ansätzen, die Therapeutika gegen wenig erforschte oder unbekannte Viren entwickeln.


Bemerkt

 

 

»Keine leichte Aufgabe für die STIKO: Hohe Erwartungen aus der Politik, wenig überzeugende Daten für unter 70-Jährige zur vierten Covid-Impfung. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin setzt weiter auf individuelle Beratung in der Hausarztpraxis.«

 

Prof. Dr. med. Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

 

 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Armut hat Einfluss auf Covid-19-Infektionen

Der sozioökonomische Status hat Einfluss auf das Covid-19-Inzidenzrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur regionalen Verteilung der gemeldeten Infektionen über die ersten drei Corona-Wellen, die jetzt im renommierten Fachmagazin ›The Lancet‹ veröffentlicht wurde. Die Forscher:innen fanden heraus, dass die Covid-19-Infektionen in den Gebieten bis zu 15 Prozent höher waren, in denen mehr sozioökonomisch benachteiligte Menschen lebten als in Kommunen mit einem sozioökonomisch höheren Status der Einwohner:innen. Sie untersuchten Einflussfaktoren wie Bildung, Einkommen, Migrationshintergrund und Beschäftigungsstatus.

»Im Verlauf der Pandemie hat der soziale Status als Faktor für das Infektionsgeschehen an Bedeutung gewonnen«, sagt Professor Kayvan Bozorgmehr von der Universität Bielefeld. Auffällig war, dass während der ersten Welle ein umgekehrter Zusammenhang mit dem höchsten Inzidenzrisiko in den am wenigsten benachteiligten Gebieten beobachtet wurde.

Hier kommen Sie zur direkt zur Studie https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370(22)00215-2/fulltext


Empfehlung

 

Bürger:innen partizipativ an Stadtentwicklung teilhaben lassen

Wie können Bürger:innen die Stadt, in der sie wohnen, mitgestalten? Diese Frage hat sich auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gestellt und hat dazu den ›StadtRaumMonitor‹ entwickelt. Mit diesem Tool können Bürger:innen ihr Umfeld, in dem sie wohnen, in verschiedenen Bereichen bewerten. Die Ergebnisse können die Städte und Kommunen kostenfrei nutzen, um die Bedarfe der Menschen bei der Stadtplanung mit zu berücksichtigen. »Der StadtRaumMonitor ist ein sehr vielversprechendes Instrument der Bürgerbeteiligung, mit dem Kommunen ihre Einwohnerinnen und Einwohner an Stadtplanungsprozessen teilhaben lassen können, um auf diesem Weg Verbesserungsbedarfe in verschiedenen Bereichen zu identifizieren«, sagt Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der BZgA. Der StadtRaumMonitor ist kostenfrei nutzbar.

Hier kommen Sie direkt zum StadtRaumMonitor https://stadtraummonitor.bzga.de/


Zuletzt:

 

Mehr Medikamente für Männer

Männer bekommen im Durchschnitt mehr Arzneimittel verschrieben als Frauen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). So erhielt im Jahr 2021 ein erwerbstätiger Mann durchschnittlich 264 Tagesdosen, eine erwerbstätige Frau 256 Tagesdosen. 48 Prozent der Tagesdosen, die Ärzt:innen den Männern verschreiben, sind dabei Herz-Kreislauf-Medikamente, die vorrangig Medikamente mit blutdrucksenkender Wirkung umfassen. Bei Frauen sind es hingegen 26 Prozent der Tagesdosen aus diesem Bereich. An zweiter Stelle stehen bei Frauen Hormonpräparate, wie beispielsweise die Antibabypille, mit 15 Prozent. Die Techniker Krankenkasse betont dabei vor allem den Zuwachs der Verschreibung von Herz-Kreislauf-Medikamenten insgesamt in den vergangenen Jahren. Gründe dafür könnten laut Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, der demografische Wandel und ein erhöhtes Bewusstsein für Bluthochdruck sein: »Bei Herz-Kreislauf-Beschwerden spielt aber auch die Lebensweise eine wichtige Rolle - Faktoren wie mangelnde Bewegung, Stress und ungesunde Ernährung erhöhen das Risiko für eine entsprechende Erkrankung.«
 
Ein weiteres Ergebnis der Auswertung: Auch wenn Männer mehr Medikamente verordnet bekommen, suchen sie dennoch seltener eine Arztpraxis auf. Im vergangenen Jahr hatten männliche Erwerbstätige im Schnitt 2,5 ärztliche Kontakte mit einer Verordnung über Arzneimittel, weibliche hingegen 3,4.

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