Berlin-Chemie Newsletter vom 24.04.2014

Berlin-Chemie Newsletter vom 24.04.2014

  • ARMIN bekommt „Grün“
  • TK-Report sieht rot
  • IGES zählt anders
  • Kassen rangeln richtig
  • Destatis liefert gesund
  • HzV-Ärzte kommen schneller
  • Pflegereform modelliert Leuchtturmprojekte
  • Ärzte zieht es in die Berge

ARMIN bekommt „Grün“

Wirtschaftlichkeit geht über Gesundheit - Apotheker statt Arzt entscheidet über Medikation.

Der Sächsische und der Thüringer Apothekerverband (SAV, ThAV), die Kassenärztlichen Vereinigungen in Sachsen und Thüringen (KVS, KVT) und die AOK PLUS starteten gemeinsam am 01. April die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen „ARMIN“. Die dahinterstehende Idee geht bereits auf das Jahr 2009 zurück und wurde im Versorgungsstrukturgesetz 2011 verankert. Mit dem Modellvorhaben soll die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung erhöht werden. Das Versorgungsangebot soll laut Politikerwunsch eine sichere und korrekte Einnahme der Medikamente und die Therapietreue von chronisch kranken Patienten im Rahmen eines gemeinsamen Medikationsmanagements von Arzt und Apotheker fördern. Kritiker verweisen demgegenüber auf die Schwachpunkte. So werde dem Arzt die Hoheit über die Verordnung entzogen. Wenn der Mediziner den Namen eines Präparates in die Software eingibt, wirft das System einen automatisch generierten Code aus. Erst der Apotheker entscheidet über das konkrete Produkt, wobei er auch nach dauerhafter Verfügbarkeit entscheiden soll. Ein Zielkonflikt, wenn er sich gleichzeitig an die wirtschaftlichen Rabattverträge halten soll. Ist die Software für ARMIN erstmal installiert, spricht sie bei allen AOK-Plus-Versicherten an und ersetzt den Klarnamen durch den Wirkstoffcode. Eine Einschreibung der Versicherten ist dafür nicht notwendig. Nach der Einführungsphase muss der Arzt die Software voll bezahlen und erhält keine Vergütung dafür. Vergütet wird erst eine später startende Phase, wenn chronisch Kranke mit mehr als fünf Wirkstoffen am Tag eine intensive Betreuung von Arzt und Apotheker erhalten. Die Krankenkasse lobt die „konsequentere Abgabe von Rabattarzneimitteln“ unverhohlen als Ausgabensenker. Inwieweit sich die errechneten Einsparungen als dauerhaft und der Patientengesundheit zuträglich erweisen, wird ARMIN im Praxistest beantworten müssen.

TK-Report sieht rot

Der 2. Innovationsreport der Techniker Krankenkasse - Das grobe Bewertungssystem in drei Stufen ruft den Protest der Pharmaindustrie hervor.

Und noch ein Report, der die Einschätzung, welches Arzneimittel in welchem Fall viel hilft, schwieriger macht. Mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse (TK) hat das Zentrum für Sozialpolitik zum zweiten Mal einen Innovationsreport erstellt. Darin wird für die im Jahre 2011 neu auf dem Arzneimittelmarkt angebotenen Arzneimittel eine Bewertung nach Nutzen- und Kostengesichtspunkten erarbeitet. Außerdem liefert er auf der Basis von TK-Daten eine Analyse der Verordnungscharakteristika im ersten Jahr nach der Zulassung. Wichtig ist aus Sicht des Auftraggebers den Bestandsmarkt der „ausgabestarken Produkte“ zu beurteilen, betont Professor Dr. Gerd Glaeske bei der Vorstellung der Studie. Es zeige sich, dass zum Zeitpunkt der frühen (Zusatz-)Nutzenbewertung, also bei der Markteinführung, noch keine ausreichenden Erkenntnisse darüber vorliegen können, welchen therapeutischen Fortschritt neue Arzneimittel im realen Versorgungsalltag darstellen. Schließlich tauchen seltene Nebenwirkungen überhaupt erst bei einer gewissen Menge von Verordnungen auf. Mit Warnhinweisen für acht der zwanzig Wirkstoffe, reagiert das System darauf sehr schnell. Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands, schließt daraus: Eine einmalige Bewertung neuer Arzneimittel reiche nicht aus. Diese müsse durch Spätbewertungen mit Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag ergänzt werden, um den tatsächlichen Nutzen neuer Medikamente besser einschätzen zu können. Der TK-Report bedient sich des Ampelschemas, um die neuen Arzneimittel einzuordnen. Betrachtet werden drei Dimensionen: Erstens, ob es bereits verfügbare Therapien zur Behandlung der jeweiligen Krankheit gibt. Zweitens, ob der Wirkstoff tatsächlich einen relevanten therapeutischen Fortschritt darstellt. Und drittens, ob die Kosten höher oder niedriger im Vergleich zu vorhandenen Therapien ausfallen. Während im Innovationsreport 2013 lediglich zwei Arzneimittel im Gesamtscore grün bewertet wurden, haben es im Innovationsreport 2014 drei Wirkstoffe auf die Spitzenplätze geschafft. Im Vergleich zum vorigen Jahr sind diesmal auch nur sieben von 20 Wirkstoffen im roten Bereich eingeordnet. Das einfache Schema, das Bewertungsdetails nicht darstellt, führt allerdings zu falschen Schlussfolgerungen. „Das von der Techniker Krankenkasse eingeführte Grob-Bewertungssystem für Medikamente in Gestalt von Ampeln erweist sich als ungeeignet, um die besonderen Eigenschaften und Vorzüge neuerer Medikamente so zu erfassen, dass Ärzte und Patienten damit bessere Verordnungsentscheidungen treffen können“, so die Hauptgeschäftsführerin des vfa, Birgit Fischer. „Die fehlende Transparenz mag auch dazu beigetragen haben, dass die zentrale Aussage des Reports vielerorts dahingehend missverstanden wurde, dass nur wenige Arzneimittel als ‚innovativ‘ eingeschätzt worden seien“, so Fischer. „Dabei sieht der Report das selbst - mit seinem restriktiven Bewertungsraster tatsächlich für 13 von 20 Arzneimitteln, als gegeben an.”

IGES zählt anders

Anwachsen auf 110.000 bis 2020 oder Stagnation bei 50.000 Patienten. Unterschiedliche Prognosen zum drohenden Versorgungsengpass in der Dialyse.

Zu Irritationen führt ein aktuelles Gutachten des IGES Instituts. Am 31. März 2014 stellte das IGES Institut im Rahmen einer Pressekonferenz ein Gutachten vor, in dem unter anderem die Entwicklung der Anzahl dialysepflichtiger Patienten von 1995 bis 2011 dargestellt und eine Prognose der Patientenzahl bis zum Jahr 2020 berechnet wird. Als Datenquelle gibt das IGES Institut Abrechnungszahlen der KBV an. Die Anzahl der kontinuierlich behandelten Patienten wird für das Jahr 2011 mit ca. 83.500 angegeben. Aus dem Patientenzuwachs bis zum Jahr 2011 wird durch Hochrechnung eine Steigerung der Patientenzahl um ca. 20 Prozent auf ca. 110.000 Patienten bis zum Jahr 2020 berechnet. Aus dieser Steigerungszahl und einem unterstellten Mangel an Fachärzten wird weiter prognostiziert, dass die Versorgung der Patienten in der heutigen Qualität nicht gesichert sei. Ein Ausweg aus diesem drohenden Versorgungsengpass sei unter anderem die Ausweitung der Heimdialyse, eventuell verbunden mit der Verlagerung der Verantwortlichkeit von Ärzten auf Pflegepersonal (Substitution) und eine Änderung der Bedarfsplanung. Der Verband Deutsche Nierenzentren DN e.V. hat Anfang 2014 die Anzahl der bundesweit kontinuierlich dialysepflichtigen Patienten untersucht und kommt mit etwas über 50.000 Patienten zu einem deutlich anderen Ergebnis. Insbesondere stellt sich auch der Patientenzuwachs ab 2010 nur noch als marginal dar, ein zukünftiger Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich ist nicht erkennbar. Die deutlich höheren Zahlen des IGES Instituts komme durch Zählung von „Dialysefällen“ zustande. Die Fallzahl repräsentiere aber keinesfalls die Zahl der tatsächlich dauerhaft dialysierten Patienten. Die hohe Zahl und die starke Zunahme der „Dialysefälle“ entspräche lediglich einer erhöhten Fluktuation in den Dialysezentren und nicht einer echten Zunahme dauerhaft dialysierter Patienten. Das Gerangel um die „richtigen Zahlen“ wird verständlich vor dem Hintergrund, dass der DN e.V. den Ausbau der Heimdialyseverfahren vorantreibt.

Kassen rangeln richtig

Der ServiceAtlas 2014 fragt nach Kundenorientierung. Audi BKK und TK rangieren in der Gunst ganz vorn.

Wie es um die Zufriedenheit der Krankenkassenkunden bestellt ist, zeigt der ServiceAtlas Krankenkassen 2014, für den über 3.700 Kunden zu den Leistungen der 30 größten deutschen Krankenkassen befragt wurden. Demnach hat sich Kundenorientierung der Krankenkassen gegenüber dem Vorjahr leicht verschlechtert. Im Drei-Jahresvergleich deuten die Ergebnisse insgesamt auf ein stabiles Niveau hin. Wer als Krankenkasse seine Kundenorientierung über die untersuchten acht Leistungskategorien am besten unter Beweis stellen konnte, zeigt die Ranking-Liste. Folgende Testsieger wurden in den acht Leistungskategorien ermittelt: Beim Kundenservice hat die Techniker Krankenkasse die Nase vorn. Bei Erreichbarkeit und Wahltarifen punktet die Audi BKK. Im Preis-Leistungs-Verhältnis wiederum siegt erneut die Techniker Krankenkasse, während die besten Bonus-Programme die Audi BKK anbietet. Die individuelle Gesundheitsförderung gekoppelt mit Leistungserweiterungen bringt die Knappschaft bei den Versicherten in eine Spitzenposition. Service-Zusatzleistungen lassen die SBK-Kunden jubeln. Nach dem Modell von Noriaki Kano lassen sich die untersuchten Leistungskategorien in die drei Anforderungsarten Basisanforderungen, Leistungsanforderungen und Begeisterungsanforderungen einteilen. Die Erreichbarkeit und der Kundenservice gehören zu den Basisanforderungen. Es handelt sich dabei um Leistungen, die jeder Versicherte von seiner Krankenkasse erwartet – und wie die Ergebnisse zeigen, auch erwarten kann: Hier erhalten die Krankenkassen die besten Bewertungen aus Kundensicht, hier haben sie über Jahre „ihre Hausaufgaben gemacht“. Im Mehrjahresvergleich zeigen sich jedoch keine großen Veränderungen, was auch die Beitragsstabilität der letzten Jahre widerspiegelt. Die aus Kundensicht relativ gesehen schwächsten Bewertungen erhalten die Krankenkassen bei den Wahltarifen, den Leistungserweiterungen, der individuellen Gesundheitsförderung sowie den Service-Zusatzleistungen.

Destatis liefert gesund

Die Ausgaben steigen um 2,3 Prozent. Moderate Steigerung reicht zum Sprung.

Prozentual bescheiden, aber in der Summe trotzdem beachtlich. Die Ausgaben für Gesundheit überstiegen in Deutschland im Jahr 2012 erstmals die Marke von 300 Milliarden Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Weltgesundheitstages mitteilt, waren sie mit einem Wert von 300,4 Milliarden Euro um 6,9 Milliarden Euro oder 2,3 % höher als 2011. Auf jeden Einwohner entfielen gut 3 740 Euro (2011: 3 660 Euro). Die Gesundheitsausgaben betrugen 11,3 % des Bruttoinlandsproduktes. In den Vorjahren lag dieser Wert bei 11,2 % (2011) beziehungsweise 11,6 % (2010). Der leichte Anstieg gegenüber 2011 ist auf das geringere Wachstum der Wirtschaftsleistung und den höheren Anstieg der Gesundheitsausgaben zurückzuführen. Die gesetzliche Krankenversicherung war 2012 der größte Ausgabenträger im Gesundheitswesen. Ihre Ausgaben beliefen sich auf 172,4 Milliarden Euro und lagen somit um 3,9 Milliarden oder 2,3 % über den Ausgaben des Vorjahres. Der von der gesetzlichen Krankenkasse getragene Ausgabenanteil blieb im Vergleich zum Vorjahr konstant bei 57,4 %. Nahezu unverändert blieb auch der Anteil der privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck mit 13,5 % (2011: 13,6 %). Sie gaben mit 40,6 Milliarden Euro rund 0,6 Milliarden Euro oder 1,6 % mehr aus als im Vorjahr. Auf die private Krankenversicherung entfielen rund 28 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 0,2 Milliarden Euro oder 0,9 %. Die Ausgaben für Güter und Dienstleistungen im ambulanten Bereich betrugen 147 Milliarden Euro und machten wie im Jahr 2011 mit 49 % fast die Hälfte der Ausgaben aus. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Ausgaben im ambulanten Bereich mit + 2,1 % leicht unterdurchschnittlich. Dies ist auf den geringen Anstieg der Ausgaben in Apotheken zurückzuführen, die im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 % oder 0,2 Milliarden Euro auf 40 Milliarden Euro wuchsen. Die wichtigsten (teil-)stationären Einrichtungen waren die Krankenhäuser (+ 2,5 % auf 78,8 Milliarden Euro), gefolgt von den Einrichtungen der (teil-)stationären Pflege (+ 2,5 % auf 22,8 Milliarden Euro) sowie den Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen mit 8,7 Milliarden Euro (+ 4,0 %).

HzV-Ärzte kommen schneller

Mit einer schnellen Honorarauszahlung wirbt der Verband um die Teilnahme an der HzV außerhalb der KVB.

The early bird catches the worm! Unter dieses Motto stellt der BHÄV seine Bemühungen um die Neuauflage der HzV-Verträge außerhalb des Kollektivs. Entgegen der Vorgaben im Koalitionsvertrag ist die Umsetzung der Termingarantie und der KV-Sektionierung noch offen und in der Diskussion, so zumindest die Warnung von Unionsfraktionsvize Dr. Georg Nüßlein in seiner Bankett-Rede zum 22. Bayerischen Hausärztetag im historischen Rathaussaal der Stadt Nürnberg. Er gratuliert den Hausärzten allerdings zum Erfolg mit der Rücknahme der Refinanzierungsklausel des §73b SGB V in der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV). Damit ist der Weg für weitere Verträge zumindest insoweit seit 01. April freigemacht. Der Nachwuchsmangel in der flächendeckenden Basisversorgung rühre nicht allein von externen wirtschaftlichen Faktoren her, sondern der Beruf werde von Berufsverbandsvertretern in der Öffentlichkeit als wenig attraktiv dargestellt, so der Appell, die Strategie zu wechseln. Der Beigeordnete des Deutschen Landkreistages Jörg Freese nahm dagegen die Mediziner in Schutz. Deren Arbeit sei in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Umso wichtiger sieht er die Unterstützung durch eine leistungsfähige Infrastruktur in der stationären Versorgung. Dr Dieter Geis Vorsitzender des Vorstandes im BÄHV sieht die Große Koalition hier auf einem guten Weg mit der Einräumung der Lotsenfunktion für die Basisärzte. Wir feiern den §73b SGB V als alternative Versorgung unter dem Motto: "Heilen manchmal, lindern häufig, trösten immer!" Geld für Zeit ist die Philosophie, der auch die Politik Tribut zollt.

Pflegereform modelliert Leuchtturmprojekte

Pflegereform soll bis 2017 in den Regelbetrieb gehen. 2,4 Milliarden Euro Mehraufwand.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) „die Zustimmung zur Durchführung von zwei Modellprojekten“ gegeben. Sie dienen der wissenschaftlichen Erprobung einer kompletten Neudefinition von Pflegebedürftigkeit. Profitieren sollen davon vor allem Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Das neue Begutachtungsverfahren soll zunächst auf seine Alltagstauglichkeit und Wirkung getestet werden. Dazu werden Gutachterinnen und Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) geschult. Ab dem Sommer 2014 werden diese in allen Bundesländern insgesamt rund 4.000 Begutachtungen durchführen. In einer ersten Studie geht es um die Praktikabilität des neuen Begutachtungsverfahrens. In allen Bundesländern werden insgesamt rund 2.000 Begutachtungen in Pflegeeinrichtungen und bei der Pflege zu Hause vorgenommen. Ziel ist ein repräsentatives Abbild des Begutachtungsgeschehens zu gewinnen, Fragen zur Gestaltung des Umsetzungsprozesses und zur Akzeptanz bei den Versicherten zu beantworten und aktuelle Erkenntnisse über die Verteilung der Pflegebedürftigen in den neuen Pflegegrade zu erhalten. Die Studie wird vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes koordiniert und von der Hochschule für Gesundheit in Bochum wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Im Rahmen einer zweiten Studie soll ermittelt werden, welchen Versorgungsaufwand die neuen Pflegegrade in stationären Pflegeeinrichtungen auslösen. Begutachtet werden ca. 2.000 Pflegebedürftige aus rund 40 Pflegeheimen in verschiedenen Bundesländern. Dazu wird jeweils erhoben, welcher zeitliche Aufwand mit der Erbringung der konkreten Pflegeleistungen verbunden ist. Die Studie wird von der Universität Bremen durchgeführt. Der GKV-Spitzenverband wird zu den beiden Vorhaben einen gemeinsamen Projektbeirat bilden, in dem Bund, Länder, Verbände und Wissenschaftler vertreten sind. Die Ergebnisse der Begutachtungen sollen Anfang 2015 vorliegen. Auf der Grundlage der Ergebnisse werden dann die gesetzgeberischen Arbeiten zur Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs beginnen. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll noch in dieser Wahlperiode eingeführt werden. 2,4 Milliarden Euro sind für die Umstellung veranschlagt. Mit einer flächendeckenden Ablösung des bisherigen Systems ist allerdings erst 2017 zu rechnen.

Ärzte zieht es in die Berge

Mehr Auskommen im Ausland erhoffen deutsche Mediziner Schweiz und Österreich als Fluchtpunkte.

Seit dem Jahr 2007 sind nach Angaben der Bundesregierung 16.882 in Deutschland ausgebildete Ärzte ins Ausland abgewandert. Wie die Regierung in ihrer Antwort (18/1162) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/944) schreibt, gingen allein 4.269 deutsche Mediziner in die Schweiz, weitere 1.659 nach Österreich. Ferner wanderten 1.041 Ärzte in die USA aus und 605 nach Großbritannien. Die verfügbaren Daten gäben derzeit allerdings nur einen unzureichenden Überblick über die Zu- und Abwanderung von Ärzten, schreibt die Regierung. Die Bundesregierung halte mit den EU-Staaten engen Kontakt, um die Auswirkungen der Abwanderung von Gesundheitsfachpersonal auf die jeweiligen Gesundheitssysteme zu analysieren. Bei der Anwerbung von medizinischem Fachpersonal würden die diesbezüglichen Vorgaben des Globalen Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berücksichtigt, damit in Ländern mit medizinischem Personalnotstand die Gesundheitsversorgung nicht gefährdet werde. So habe die Bundesregierung per Verordnung die aktive Anwerbung und Arbeitsvermittlung von Gesundheitsfachkräften aus Ländern mit einem kritischen Mangel an Fachkräften unterbunden. Umgekehrt ist der finanzielle Aderlass nicht unerheblich In Deutschland schlägt den Angaben zufolge ein Medizinstudium (Humanmedizin) im Schnitt mit 193.000 Euro an Ausbildungskosten bis zum Staatsexamen zu Buche. Die „Wirtschaftsflüchtlinge“ verursachen im vorgenannten Zeitraum einen volkswirtschaftlichen Schaden von annähernd 3,26 Milliarden Euro.

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