Berlin-Chemie Newsletter vom 21. Januar 2021

Berlin-Chemie Newsletter vom 21. Januar 2021

Interview:

  • Ideenschmiede und Zukunftswerkstatt
    EinBlick sprach mit Dr. Tobias Gantner über Thinktanks und Erfindungen

Kurzstrecke:

  • Förderung für Krankenhäuser im ländlichen Raum
    Gesetzliche Krankenkassen unterstützen 140 Kliniken

  • Bundesärztekammer fordert Corona-Pandemierat
    Laut BÄK-Präsident Reinhardt würde dies die Akzeptanz der Maßnahmen stärken

  • GMDS gründet Konsortium »Digitale Zukunft Krankenhaus«
    Umsetzung der Vorgaben des KHZG

  • ›Babyfernsehen‹ ab sofort verboten
    Gesetz schützt Embryos vor unnötigen Ultraschallstrahlen

Young Health:

  • Ein neuer Job, die Zukunft von Hashtag Gesundheit und die Ergebnisse seiner Masterarbeit
    Timo Frank gründete den Verein Hashtag Gesundheit e.V. und ist seit 2021 bei Ada Health als Market Access Operations Manager

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Änderungen und News im Jahr 2021
    Erwartete Medikamente, Gesetze, Richtlinien

  • Gesetz zur Digitalisierung in der Pflege
    Pflege-Bündnis begrüßt Gesetzesentwurf, sieht jedoch Verbesserungsbedarf

  • Umfrage zur elektronischen Patientenakte
    Neun von zehn Menschen wissen nicht, wie die ePA funktioniert

  • IT-Sicherheitsrichtlinie
    So müssen Praxen künftig auf Datenschutz achten


Der 16. Kongress für Gesundheits- netzwerker:innen am 16. und 17. März 2021 steht unter dem Motto »Das neue Normal – Digital?«

Digitale Formate bestimmen zunehmend unser Handeln und die Pandemie hat diese Prozesse beschleunigt – auch im Gesundheitswesen. So wird der bewährte Kongress mit einer Vielzahl an Themenschwerpunkten erstmals als hybrides Format stattfinden.

Wie man sich aufstellen sollte, um die neuen digitalen Technologien nachhaltig zu nutzen, erklärt unter anderem Dr. Tobias Gantner im Interview mit EinBlick.

Melden Sie sich hier an für ein neues virtuelles und digitales Kongress- erlebnis: https://www.gesundheitsnetzwerker.de
/programm-2021/


Interview

 

Ideenschmiede und Zukunftswerkstatt

EinBlick sprach mit Dr. Tobias Gantner über Thinktanks und Erfindungen

 

 

Dr. Tobias Gantner

studierte Humanmedizin, Philosophie, Gesundheitsökonomie und Rechtswissenschaften in Deutschland, der Schweiz, der Volksrepublik China und in den USA. Er war Assistenzarzt in der Transplantationschirurgie und in leitenden Funktionen tätig für Siemens Healthcare, Novartis Pharma, Bayer Healthcare und Johnson & Johnson.
Überzeugt davon, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen unser Leben verbessern und erleichtern kann, ist er genervt von ›Innovationsverhinderern‹. Mit seinen Hackathons, Erfindungen und Firmengründungen redet er nicht nur über die Medizin von morgen – er macht sie!

 

Was beinhaltet die Arbeit der ›Healthcare Futurists‹ und wie sind Sie dazu gekommen?
Die ›Healthcare Futurists‹ sind ein Think-Tank und ein Make-Tank – also Werkstatt und Agentur für Innovationen im Gesundheitsbereich. Wir arbeiten schon seit Jahren als internationales Netzwerk aus Expert:innen unterschiedlicher Disziplinen zusammen, unter anderem mit Niederlassungen in Belfast, Brüssel, Zürich und Köln.

Nach meiner Arbeit als Chirurg und Leitungsfunktionen bei DAX-gelisteten Unternehmen entschloss ich mich, die Healthcare Futurists als GmbH zu gründen – als eine unabhängige und international agierende Plattform, auf der wegweisende Ideen umgesetzt werden. Wir haben zunächst mit Hackathons und Innovationslaboren angefangen (www.innovate.healthcare), daraus weiterführende Projekte und Produkte entwickelt sowie Firmen ausgegründet. Unser Portfolio ist genauso weitreichend wie das Spektrum der Gesundheitsbranche. Wir entwickeln Apps, Gadgets und Wearables, haben mehrere KI-Produkte mit Kunden erstellt (Beispiel www.fasterthancorona.org) und sind im Bereich ›Mixed Reality Healthcare Gamification‹ (Beispiel www.jakiba.de) sowie 3D- Druck unterwegs. Neben der Produktentwicklung sind wir auch in der Versorgung tätig  und betreiben einige Ohne(fach)arztpraxen (www.ohnearztpraxis.de) mit unseren telemedizinischen Produkten. Unser Antrieb ist die Demokratisierung der Medizin – stets mit dem Patienten im Blick. Dabei steht nicht die Technologie im Mittelpunkt, sondern der Mensch, dem sie helfen soll. Unser YouTube Kanal Dr. Future informiert darüber.

Aus Ihren Hackathons sind bereits nachhaltige Projekte entstanden. Welche finden Sie am spannendsten?
Wir haben unsere Hackathons im Jahr 2014 gegründet. Mittlerweile gibt es mehr als 1.500 Alumnae und Alumni unserer internationalen Veranstaltungen sowie einige Fachableger wie den Odontathon für Zahnärzt:innen oder Neurathons für Neurolog:innen. Daneben haben ehemalige Partner unsere Veranstaltungen kopiert, beispielsweise für Krankenkassen oder für die Energiewirtschaft.

In Köln haben wir 2018 den größten privat organisierten Healthcarehackathon Europas durchgeführt, mit Teilnehmer:innen aus 20 verschiedenen Ländern. Alle ›Challenges‹ sind dauerhaft online einsehbar unter www.innovate.healthcare.

Besonders stolz bin ich darauf, dass wir mit einem internationalen Team ein Mobil entwickeln konnten, das die Krankheitsausbrüche in Subsahara-Ländern schneller detektieren soll. Es wurde zu einem Gemeinschaftsprojekt mit der WHO.

Auch Apps haben wir entwickelt: Eine Sport-Anwendung namens Spoins legt individuelle Trainingsrouten fest. Gleichzeitig sammeln die Übenden Punkte, die sie später beim Einzelhandel einlösen können. Dieses Team hat nicht nur einen Hackathon gewonnen, sondern sich zudem einen Platz in einem Accelerator sichern können.

Manche Ideen entstanden in unseren Hackathons und wurden von Teilnehmer:innen auf eigene Faust – mit oder ohne Ursprungsteam – weiterentwickelt. Einige sind auch in der Versorgung gelandet. Aus einem Projekt, das bei einem Unfall ein Smartphone direkt an eine Rettungsleitstelle koppelt, um schnell Informationen an die Einsatzkräfte weiterzugeben, hat sich ein Unternehmen entwickelt. Es erhielt zudem eine Förderung durch EIT Health und hat später einen eigenen Hackathon durchgeführt.

Ihre neue Erfindung ist ein Labor auf vier Rädern? Was verbirgt sich dahinter konkret?
Wir haben das ›Healthcare MakerMobil‹ entwickelt (www.healthcaremakermobil.com). Das Gefährt stellt einen Innovationsraum auf vier Rädern dar, mit dem wir die digitale Transformation in der Gesundheit erfahrbar zu den Bürger:innen bringen möchten. Dazu wurde ein Sprinter komplett umgebaut: mit Solarpanel auf dem Dach, Erdgasbetrieb, mehreren Bordcomputern, 5G Hub, autarker Stromversorgung, Blaulicht, Unterbodenbeleuchtung etc. Wir transportieren darin unter anderem 3D-Drucker, VR- und AR-Masken sowie Telemedizingeräte zu Veranstaltungen mit Patient:innen, Ärzt:innen, Unternehmen oder weiteren Interessierten, die den digitalen Wandel in der Medizin


Kurzstrecke

 

Förderung für Krankenhäuser im ländlichen Raum

Gesetzliche Krankenkassen unterstützen 140 Kliniken

Im Jahr 2021 erhalten Krankenhäuser im ländlichen Raum eine pauschale Förderung von 400.000 bis 800.000 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen fördern dadurch die Kliniken, die für die flächendeckende Grundversorgung, die Geburtshilfe oder die Kinder- und Jugendmedizin notwendig sind. Diese Krankenhäuser haben bestimmte Kriterien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu erfüllen. Dabei geht es um den Versorgungsbedarf, bedarfsnotwendige Fachabteilungen und ein definiertes Erreichbarkeitsmaß.

Neben den Grundversorgern im Bereich Innere Medizin und Chirurgie sollen insbesondere Kinderkliniken überall in Deutschland gleichmäßig gut erreichbar sein. In Summe erhalten die bedarfsnotwendigen Häuser in diesem Jahr eine Gesamtförderung in Höhe von 68,4 Millionen Euro. Interessant ist, dass der Pauschalzuschlag für diese Krankenhäuser im ländlichen Raum auch dann ausgezahlt wird, wenn die Kliniken kein Defizit erwirtschaftet haben.

 

Bundesärztekammer fordert Corona-Pandemierat

Laut BÄK-Präsident Reinhardt würde dies die Akzeptanz der Maßnahmen stärken

Der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, fordert ein kontinuierlich tagendes Beratungsgremium für die Politik während der Corona-Pandemie. Das soll aus Ärzt:innen verschiedener Fachrichtungen, Jurist:innen, Ethik-Expert:innen, Soziolog:innen und Vertreter:innen weiterer Professionen bestehen.

Mit diesem Verfahren soll die Akzeptanz für die Anti-Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung gestärkt werden. Außerdem fordert Reinhardt die Kontaktbeschränkungen zu verschärfen. Denkbar seien Maßnahmen wie zum Beispiel feste Seniorenzeitfenster für Einkäufe im Einzelhandel oder spezielle Terminslots in öffentlichen Einrichtungen.
Reinhardt betont, dass der Gesetzgeber mehr Augenmerk auf den Schutz der Bewohner:innen in Pflegeeinrichtungen legen müsse. »Die Ausbrüche in einigen Heimen in den letzten Wochen haben gezeigt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend kontrolliert werden«, sagte Reinhardt dem Deutschen Ärzteblatt. Er sieht das Problem nicht in ungenügenden gesetzlichen Regelungen, sondern in deren praktischer Umsetzung durch die Länder und Kommunen.

 

GMDS gründet Konsortium ›Digitale Zukunft Krankenhaus‹

Umsetzung der Vorgaben des KHZG

Unter der Leitung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) hat sich das Konsortium ›Digitale Zukunft Krankenhaus‹ formiert. Neben ausgewählten akademischen Partnern sind auch Anwender- und Nutzergruppen, IT-Entscheider, Patienten- sowie Herstellervertretungen mit an Bord. Drei Kompetenz- Säulen spielen dabei eine wichtige Rolle: Wissenschaft, operative Umsetzung und praktische Expertise.

Entsprechend den Vorgaben des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG), das eine zeitnahe Erhebung des digitalen Ausstattungsgrades aller Kliniken in Deutschland vorsieht, empfiehlt das Konsortium ein Messinstrument, das die Stärken bestehender Ansätze berücksichtigt und mehr als nur die technologische Verfügbarkeit erfasst. Dazu wird ein Evaluationsinstrument entwickelt, das neben dem Digitalisierungsgrad auch den Effekt auf die Versorgungssituation aufzeigt und die Besonderheiten der deutschen Krankenhauslandschaft berücksichtigt.

 

›Babyfernsehen‹ ab sofort verboten

Gesetz schützt Embryos vor unnötigen Ultraschallstrahlen

Seit Anfang des Jahres sind Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft, bei denen keine medizinische Notwendigkeit vorliegt, verboten. Der Gesetzgeber hat die
›Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV)‹ im Zuge der Modernisierung des Strahlenschutzrechts verabschiedet.

Das Verbot bezieht sich auf Verfahren, die umgangssprachlich ›Babyfernsehen‹,
›Babykino‹ oder ›Babyviewing‹ genannt werden. Die Verordnung soll Embryos vor einer unnötigen bzw. zu hohen Ultraschallintensität schützen. Während der Schwangerschaft stehen Frauen gesetzlich drei Ultraschalltermine zur Verfügung. Sollten dabei Auffälligkeiten bei der Entwicklung des Embryos festgestellt werden, können Ärzt:innen weitere Untersuchungen ansetzen. Die Neuregelung gilt nicht für medizinisch sinnvolle, aber nicht im GKV-Leistungskatalog enthaltene Ultraschalluntersuchungen, wie beispielweise das Ersttrimesterscreening oder die Kontrolle des Schwangerschaftsverlaufs.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


young health

 

Ein neuer Job, die Zukunft von Hashtag Gesundheit und die Ergebnisse seiner Masterarbeit

 

 

Timo Frank

hat Gesundheitsökonomie studiert, den Verein Hashtag Gesundheit e.V. gegründet und seine Masterarbeit über die Akzeptanz digitaler Gesundheitsanwendungen verfasst.
2021 startete er bei dem Gesundheits-Start-up Ada Health als Market Access Operations Manager.

 

 

 

Herr Frank, wie fühlt sich Ihr neuer Lebensabschnitt für Sie an?
Aufregend. Ich darf an vorderster Front im digitalen Gesundheitswesen mitwirken. Und das bei einem der tollsten Digital Health Unternehmen, die ich kenne. Das ist ein riesiger Sprung für mich und genau das Richtige zur richtigen Zeit.

Sie beschäftigen sich viel mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Was begeistert Sie daran?
Digitalisierung hat für mich etwas zutiefst Menschliches, ähnlich wie alle medizinischen Berufe oder die Arbeit in der Pflege. Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, haben meist die Motivation, Menschen zu helfen. Auch ich habe die intrinsische Motivation, etwas im Gesundheitswesen bewegen zu wollen – vielleicht ist das mein persönliches Helfersyndrom. Ich denke, das habe ich in die Wiege gelegt bekommen, denn meine Mutter arbeitet als Krankenpflegerin. Im Bereich der digitalen Gesundheit habe ich meine Passion gefunden, da ich hier meine Begeisterung für Technik und Innovationen ausleben kann und sie gleichzeitig an ein wichtiges Grundbedürfnis der Menschen adressiere, die Gesundheit.

Ihre Masterarbeit verfassten Sie über die Akzeptanz digitaler Gesundheitsanwendungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Was sind die wesentlichen Ergebnisse?
Die meisten Menschen (80 Prozent der Befragten) nutzen Anwendungen dieser Art noch nicht. Das ist nicht verwunderlich, weil digitale Gesundheitsanwendungen noch nicht lange auf dem Markt sind und noch nicht zu den Menschen durchgedrungen sind. Unsere Eltern haben davon wahrscheinlich noch nichts gehört. Dennoch sind die Leute neugierig. Ebenso können gut 80 Prozent der Befragten sich vorstellen, solche Apps zu nutzen. Diejenigen, die eine Nutzung in Zukunft beabsichtigen, waren Gegenstand meiner Arbeit.

Was fanden Sie bei dieser Gruppe heraus?
Im Vordergrund standen oft Ängste und Bedenken hinsichtlich Datenschutz oder Anonymität. Darüber hinaus habe ich herausgefunden, dass sich Menschen, ihre Gesundheit betreffend, am liebsten etwas von Menschen im weißen Kittel sagen lassen, sprich: Die meisten Personen vertrauen auf die Empfehlung ihrer Ärztin oder ihres Arztes, wenn es um eine digitale Gesundheitsanwendung geht. Deshalb ist es wichtig, Patient:innen und Ärzt:innen über Chancen und Risiken aufzuklären. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis klinisch validierte und evidenzbasierte digitale Gesundheitsanwendungen in der gesamten Breite der Bevölkerung ankommen.

Vergangenes Jahr haben Sie den Vorsitz von Hashtag Gesundheit e.V. abgegeben. Wie geht es mit dem Verein weiter?
Ich bin froh, dass der Verein nicht mehr an meiner Person hängt, sondern, wie sagt man so schön, »das Kind laufen lernt«. Das tut sowohl mir gut als auch Hashtag Gesundheit. Ich finde, dieser Verein trägt als Netzwerk etwas Positives zum Gesundheitswesen bei. In den letzten zwei Jahren habe ich das sehr stark auf meinen Schultern getragen. Es tut gut zu sehen, dass es ohne mich läuft, weiterläuft und besser läuft. Denn: »das Kind läuft auch ohne die Eltern weiter.«

Nun haben Sie einen neuen Job bei Ada Health angefangen. Warum genau dieser?
Ada verfolgt einen sehr zentralen Ansatz im Gesundheitswesen – die Diagnostik. Das ist für mich der wesentliche Kern. Mich faszinieren hier ganz viele Faktoren, vor allem das Potential zur früheren Erkennung seltener Erkrankungen.

Was planen Sie für dieses Jahr? Auf was dürfen wir uns freuen?
Es gibt noch einige Projekte, die ich vorhabe. Das sind zum Beispiel wissenschaftliche Publikationen, wie das Veröffentlichen der Ergebnisse meiner Masterarbeit oder das Schreiben einiger Buchartikel. Doch da uns die Corona-Pandemie auch noch in 2021 begleiten wird, halte ich mich etwas mehr im Hintergrund. Was definitiv kommen wird, ist ein Comeback des Podcasts ›Generation Gesundheit‹.


Startup-Telegram

 

Die Liste der Apps auf Rezept beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) umfasst nun zehn erstattbare Anwendungen. Noch nicht berichtet haben wir über Vivira. Diese Anwendung unterstützt die Behandlung von Rücken-, Knie-, Hüft- und Kreuzschmerzen und hilft ebenso bei verschiedenen Arthrosen mit täglichen Übungen. www.vivira.com

Eigenverantwortung und als therapiebegleitende Maßnahme ermutigt sie dazu, den Alltag durch positives Wissen, Motivation und Organisation aktiv zu verbessern. So werden die Erkrankten aktiver, der Therapieerfolg wird gesteigert und das Risiko für einen Reinfarkt reduziert. www.rehappy.de

Mit der digitalen Medikamentenversorgung befasst sich das Projekt Maja sana. Ein automatischer, intelligenter Dispenser mit intuitiver Ein-Knopf-Bedienung für die Anwendung zu Hause enthält Medikamente für sieben Tage. Das digitale Dosier- und Kommunikationssystem unterstützt alle Prozesse von der Apotheke bis zur Einnahme und löst notwendige Reaktionen – beispielsweise die Information von Pflegedienstleistern, Notdiensten und Angehörigen – automatisch aus. Über zertifizierte Apotheken lässt sich das Mietmodell erwerben. www.majasana.de

Die Start-ups Memoresa und Erixa bieten an, E-Rezepte und andere Gesundheitsdokumente über eine neue Kooperation zu verschicken und geordnet abzuspeichern. Die digitalen Datenplattformen unterstützen dabei Arztpraxen ebenso wie Patient:innen. Memoresa legt zudem einen Schwerpunkt auf die Verwaltung des digitalen Nachlasses, Erixa sorgt für den Austausch von E-Rezepten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nach der gematik-Spezifikation. www.memoresa.de und www.erixa.de


Meldungen

 

Änderungen und News im Jahr 2021

Erwartete Medikamente, Gesetze, Richtlinien

Ein wichtiges Vorhaben ist die elektronische Patientenakte, auf die Bürger:innen seit dem 1. Januar Anspruch haben. Noch scheitert die umfassende Umsetzung an der Verfügbarkeit, der Installation, fehlendem Support einiger Kassen und dem umstrittenen Thema Datenschutz.

Ferner ist das Gesetz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege (GPVG) zum 1. Januar in Kraft getreten. Es sieht unter anderem eine finanzielle Stabilisierung der GKV vor, mehr Stellen für Pflegende, Verbesserungen für Pflegebedürftige und Angehörige sowie zusätzliche Hebammen in Kliniken. Eine wichtige Neuerung ist zudem die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln, bei der künftig digitale Prozesse stärker berücksichtigt werden.

Die neuen Untergrenzen für das Pflegepersonal (PpUGV) – auch für die Abteilungen der inneren Medizin, der allgemeinen Chirurgie und der Kinderheilkunde – werden zum 1. Februar verbindlich. Bestehende Vorgaben für die regulierten pflegesensitiven Bereiche wurden überarbeitet.

Auch die Heilmittel-Richtlinie für Vertragsärzt:innen und Zahnärzt:innen wurde angepasst. Seit 1. Januar enthält sie umfangreiche Neuerungen wie eine längere Frist für den Beginn der Heilmittelbehandlung, die nun 28 Kalendertage beträgt. Die neuen Verordnungsformulare 9 bzw. 13 lösen alte Formulare ab.

Psychologische Psychotherapeut:innen, auch für den Kinder- und Jugendbereich, dürfen laut ›Einheitlichem Bewertungsmaßstab‹ (EBM) seit 1. Januar psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen. Hintergrund dafür war die Anpassung des Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung im September 2020.
 
Nach erfolgtem Brexit müssen Leistungserbringer darauf achten, dass Versicherte aus dem Vereinigten Königreich die neue Version der britischen Europäischen Kranken- versicherungskarte (EHIC) zur Abrechnung besitzen.

Zudem erwarten die forschenden Pharma-Unternehmen mehr als 30 neue Medikamente für das Jahr 2021, vor allem im Bereich Infektionskrankheiten. Dabei handelt es sich um Impfstoffe und Medikamente rund um Covid-19, verschiedene Krebsarten, HIV, MS sowie Antibiotika. Auch neue Gentherapien gegen Krebserkrankungen oder seltene Stoffwechselstörungen werden hinzukommen.

 

Gesetz zur Digitalisierung in der Pflege

Pflege-Bündnis begrüßt Gesetzesentwurf, sieht jedoch Verbesserungsbedarf

Mit dem aktuellen Entwurf des ›Gesetzes zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege‹ will Gesundheitsminister Jens Spahn die Pflege digitalisieren. Das Bündnis ›Digitalisierung in der Pflege‹, bestehend aus bvitg, dem Deutschen Pflegerat und weiteren Verbänden, bewertet das Vorhaben insgesamt positiv. Die Bündnispartner bemängeln jedoch ungenaue Vorgaben und unklare Finanzierungsmodelle. Sie fordern einen nationalen Strategieplan.

Laut dem Gesetzesentwurf zur Digitalisierung in der Pflege sollen Apps und digitale Anwendungen in die Pflegeversicherung integriert werden. Dabei soll die Pflege digitale Pflegeanwendungen (DIPAs) etablieren. »Gute Pflege kann noch besser werden, wenn sie digital unterstützt wird«, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Partner des Bündnisses ›Digitalisierung in der Pflege‹ sehen allerdings noch Klärungsbedarf bei der Abgrenzung zwischen digitalen Pflegeanwendungen (DIPAs) und Gesundheits- anwendungen (DiGAs). Dies sei nötig, damit Kranken- und Pflegekassen nicht über die Finanzierung einzelner Apps streiten. Auch die geplanten 60 Euro pro Monat zur Preisdeckelung sehen die Verbände kritisch. Sie würden womöglich nicht genügend Anreiz für die Entwicklung und den Einsatz bieten.

Darüber hinaus sei die geplante Anbindung der Pflege an die Telematikinfrastruktur und die elektronische Patientenakte (ePA) ein wichtiger Schritt. Jedoch wiesen die Verbände darauf hin, dass Pflegekräfte dann auch umfassende Lese- und Schreibrechte erhalten müssten. Nur so könne das Potenzial der ePA voll ausgeschöpft werden. Bemängelt wurde außerdem, dass in dem Entwurf Vorgaben dazu fehlen würden, wie Pflegeplanung, Dokumentation sowie Genehmigungs- und Abrechnungsverfahren digitalisiert werden können. Es hapere des Weiteren an grundlegenden Regelungen, wie Pflegeeinrichtungen Betriebskosten, die durch die Digitalisierung anfallen, beispielsweise Softwarelizenzen, finanzieren können.

Um diese Schwachstellen zu verbessern, fordern die Verbände gemeinsam einen nationalen Strategieplan für die Digitalisierung der Pflege, der interdisziplinär von allen relevanten Akteuren erarbeitet wird.

Das Bündnis setzt sich zusammen aus dem Bundesverband Gesundheits-IT, dem Verband der diakonischen Dienstgeber Deutschlands sowie dem Deutschen Pflegerat, dem Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege, dem Fachverband Informationstechnologie in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung und dem Verband für Digitalisierung der Sozialwirtschaft.

 

Umfrage zur elektronischen Patientenakte

Neun von zehn Menschen wissen nicht, wie die ePA funktioniert

Laut einer repräsentativen Umfrage des Kommunikationsdienstleisters Socialwave, der WLAN-Verbindungen in ärztlichen Praxen bereitstellt, haben vier von zehn Patient:innen noch nie etwas von der elektronischen Patientenakte gehört und 43 Prozent der Versicherten sind nur oberflächlich informiert.

»Überrascht hat uns, dass der öffentliche Diskurs über Vorteile und Bedenken bezüglich der ePA offenbar nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung verfolgt wird«, sagt Felix Schönfelder, Geschäftsführer der Socialwave GmbH. »Einer der größten Meilensteine in der Digitalisierung des Gesundheitswesens muss nicht nur eine technische Hürde bewältigen, sondern vor allem eine kommunikative.«

Der Umfrage zufolge nutzen Patient:innen für Informationen vor allem die Hausärztin oder den Hausarzt und die Krankenversicherung. Acht von zehn der Befragten fordern eine Aufklärung durch die hausärztliche Praxis und mehr als die Hälfte findet, das wäre Aufgabe der Krankenkassen. An dritter Stelle nehmen Patient:innen Gesundheits- behörden und -ämter in die Pflicht (30,4 Prozent), gefolgt von Medien (25,4 Prozent) und Apotheken (16,4 Prozent). Außerdem ist den Befragten vieles noch unklar. Die meisten wissen nicht, dass die ePA seit dem 1. Januar 2021 verfügbar ist. Ein Drittel der Versicherten geht davon aus, dass der Dienst im 1. Halbjahr 2021 startet, ein Viertel hingegen vermutet, dass der Dienst erst im 2. Halbjahr 2021 zur Verfügung steht, und knapp ein weiteres Drittel tippt auf einen Marktstart im Jahr 2022, während 11,1 Prozent die Einführung sogar erst ab 2023 erwarten. Darüber hinaus glaubt ein Viertel der Befragten, dass die ePA verpflichtend sei. Nur jede:r zehnte Versicherte hat verstanden, wie die elektronische Patientenakte funktioniert, und verbindet damit einen tatsächlichen Mehrwert.

Die Zahlen stammen aus der Studie ›Datapuls 2021‹. Die bundesweite repräsentative Studie zur Digitalisierung des Gesundheitswesens wurde von Socialwave in Auftrag gegeben. Durchgeführt hat die Befragung das Hamburger Marktforschungsinstitut Consumerfieldwork im Zeitraum zwischen dem 3. und 9. Dezember 2020. Insgesamt befragte das Institut 1.005 Bürger:innen im Alter von 19 bis 85 Jahren.

 

IT-Sicherheitsrichtlinie

So müssen Praxen künftig auf Datenschutz achten

Die IT-Sicherheitsrichtlinie nach § 75 b SGB V wurde am 15. Dezember 2020 beschlossen und gilt seit 1. Januar 2021. Daneben verabschiedete die KBV eine weitere Richtlinie für IT-Dienstleister. Beide zielen darauf ab, IT-Systeme und sensible Daten in den Praxen besser zu schützen. Technische und organisatorische Vorkehrungen sollen den Datenschutz laut Europäischer Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gewährleisten. Die ersten neuen Anforderungen greifen ab dem 1. April 2021, weitere Termine folgen bis Mitte 2022, je nach Anlage, wie unten stehend erläutert.

Für Praxisinhaber:innen hängt der zu betreibende Aufwand von der Belegschaftsstärke und der vorhandenenTechnikausstattung ab. Je nach Praxisgröße variieren die Anforderungen: a) kleine mit bis zu fünf ständig mit EDV betrauten Mitarbeiter:innen, b) mittlere mit sechs bis 20 ständig mit EDV betrauten Mitarbeiter:innen, c) Großpraxen oder Praxen mit EDV in ›erheblichem Umfang‹. Dies entspricht mehr als 20 Mitarbeiter:innen für die Datenverarbeitung oder einer hohen Datenübermittlung wie bei großen MVZs, Laboren etc.

Anlage 1 regelt die Verhinderung von unbefugten Zugriffen oder Cyberangriffen auf Praxisrechner und Speichermedien sowie den Schutz von Online-Anwendungen und PC- Netzen.

In Anlage 2 sind eigene Sicherheitsrichtlinien für die Nutzung mobiler Endgeräte und Dienst-Handys in Praxen vorgeschrieben. Darüber hinaus gelten für mittlere Praxen erweiterte Anforderungen wie ein Netzwerkmonitoring gemäß Anlage 2 bzw. für Großpraxen gemäß Anlagen 2 und 3.

Anlage 3 sieht ferner eine sichere Anbindung mobiler Endgeräte wie Tablets oder Smartphones an die IT-Systeme der Einrichtung vor.
Ergänzende Sicherheitsauflagen haben Praxen mit medizinischer Großtechnik (CT, MRT, PET) laut Anlage 4 zu erfüllen.

Die für alle Praxen verbindliche Anlage 5 beinhaltet, worauf beim Betrieb der Telematikinfrastruktur besonders zu achten ist. TI-Komponenten in der Praxis müssen entsprechend den jeweiligen Handbuch-Vorgaben vor unbefugtem Zugriff gesichert sein. Falls die Praxen parallel geschaltete Konnektoren nutzen, müssen zusätzliche Maßnahmen zur Cybersicherheit der Praxis-EDV ergriffen werden.


Bemerkt

 

 

»Das Impfmanagement – einschließlich der Injektion – ist Bestandteil der Ausbildung und gehört zum Berufsalltag der Medizinischen Fachangestellten in den Arztpraxen. Diese Kompetenzen nicht zu nutzen, ist leichtfertig und gefährlich.«

Hannelore König Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V.

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. betont, dass Medizinische Fachangestellte mehr ins Impfen gegen Corona eingebunden werden sollten.

 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

US-Studie belegt: Covid-19 ist mehr als eine harmlose Grippe

Forscher:innen in den USA haben bewiesen, dass Covid-19 extremere Auswirkungen mit sich bringt als eine Influenza Grippe. Die Expert:innen verglichen Daten von 12.748 US- Soldat:innen, die eine Influenza-Grippe diagnostiziert bekommen hatten und anschließend ins Krankenhaus eingeliefert wurden, mit Daten von 3.642 Soldat:innen, die an einer Covid-19-Erkrankung litten.

Die Wissenschaftler:innen stellten fest, dass bei Corona-Patient:innen ein fünffach erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Patient:innen, die an Grippe erkrankt waren, besteht. Außerdem waren Corona-Erkrankte im Durchschnitt drei Tage länger im Krankenhaus, mussten öfter beatmet werden und lagen häufiger auf Intensivstationen. Die US-amerikanischen Forscher:innen publizierten die Studie im ›British Medicinal Journal‹.

Hier finden Sie die komplette Studie beim ›British Medicinal Journal‹: https://www.bmj.com/content/371/bmj.m4677


Empfehlung

Die Digital Medicine Week 2021 vom hih

Das health innovation hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit veranstaltet vom 23. bis 26 Februar die ›Digital Medicine Week 2021‹. Ziel der Woche ist es herauszufinden, wie der Alltag von Patient:innen verbessert werden kann. Die Veranstaltung ermöglicht Einblicke in den Patientenalltag, dient der Vorstellung digitaler, patientennaher Innovationen und dem Entwurf von Studiendesigns für digitale Gesundheitsanwendungen. Das hih bietet Medical Entrepreneurs, Leistungserbinger:innen, DiGA-Hersteller:innen, medizinischen Fachgesellschaften, Krankenkassen sowie Patient:innen, Zertifizierenden und MDR-Expert:innen eine gemeinsame Bühne.

Hier kommen Sie zum digitalen Programm: https://dmw.hih-2025.de


Zuletzt:

 

Dr. Annette Rommel ist neue Vorsitzende des ehrenamtlichen Zi-Leitungsgremiums

Das Kuratorium des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) hat im Dezember 2020 Dr. Annette Rommel als neue Zi-Kuratoriumsvorsitzende gewählt. Das Zi-Kuratorium ist das höchste Kontrollgremium der Stiftung. Es trifft Entscheidungen, die für die Stiftung von grundsätzlicher Bedeutung sind und überwacht den Vorstand.

Dr. Annette Rommel ist seit 2012 Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen und seit Oktober 2019 stellvertretende Zi-Kuratoriumsvorsitzende. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin trägt die Zusatzbezeichnungen Chirotherapie und Psychotherapie und ist seit 1990 in eigener Praxis niedergelassen.

Hier kommen Sie zur Webseite des ZI: https://www.zi.de/das-zi

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