Berlin-Chemie Newsletter vom 08. April 2021

Berlin-Chemie Newsletter vom 08. April 2021

Interview:

  • Künstliche Intelligenz in der Diabetestherapie
    EinBlick sprach mit Prof. Dr. Bernhard Kulzer über Daten in der Diabetesversorgung

Kurzstrecke:

  • In eigener Sache: Jetzt für den bytes4diabetes-Award bewerben
    Preise im Wert von insgesamt 25.000 Euro ausgelobt

  • Vernetzung der allgemeinmedizinischen Praxen für die Forschung
    Initiative DESAM-ForNet als Koordinierungsstelle

  • Impfen in ärztlichen Praxen
    Bundesärztekammer und Hartmannbund fordern Lockerung der Impfreihenfolge

  • Unverständliche Reaktion
    GKV-Spitzenverband kündigt die Rahmenvorgaben der Wirtschaftlichkeitsprüfung

  • Sachverständigenrat Gesundheit veröffentlicht Gutachten zur Digitalisierung
    Digitalisierung im Gesundheitswesen muss verantwortlich und wissenschaftlich genutzt werden

Interview:

  • Impfen und Innovationsprojekte
    EinBlick sprach mit Franz Knieps u.a. über Impfangebote durch Betriebsärzt:innen

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Aktuelle Studie zeigt
    Erster Lockdown hat mentale Gesundheit von Kindern verschlechtert

  • Bessere Therapie und Behandlung
    Rückläufige Sterberate bei Covid-19-Erkrankungen in deutschen Unikliniken

  • E-Rezept-Summit
    Bleibt es bei der termingerechten Einführung?

  • IQWiG veröffentlicht Liste
    15 Eingriffe, bei denen sich eine Zweitmeinung lohnt


In der Dokumentation zum 16. Kongress für Gesundheitsnetzwerker finden Sie das Grußwort zum Kongress von Dr. Gottfried Ludewig aus dem Bundesministerium für Gesundheit. Seit drei Jahren leitet er dort die Abteilung Digitalisierung und Innovation des Gesundheitswesens.

»Es ist das 16. Mal, dass hier im Netzwerk über die Zukunft des Gesundheitswesens diskutiert wird. Die Kongresshistorie zeigt, wie viel sich in dieser Zeit getan hat«, resümiert Ludewig zu Beginn seines Grußworts. »So vieles, was heute selbstverständlich erscheint, zum Beispiel, dass eine Sprechstunde per Telemedizin möglich ist – war vor drei Jahren regulatorisch noch nicht erlaubt, geschweige denn, vergütet. Die behandelnde Telemedizin im Erstkontakt wurde erst 2018/19 auf den Weg gebracht.«

Weiter finden Sie hier die Keynote
›Corona als Durchlauferhitzer der Digitalisierung?‹ von Prof. Dr. Alena Buyx, der Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, dort sowie ein ergänzendes Interview mit ihr.

»Was nicht passieren darf ist, dass man aufgrund der Risiken kaum noch was digital macht. Denn die Zettel- und Faxwirtschaft ist ganz sicher schlechter. Sie ist am Ende des Tages viel risikohafter, weil der Datenschutz auch noch schlecht ist, und sie erreicht auch nicht das Ziel, das man erreichen möchte und mit digitalen Tools erreichen könnte.«

Die Dokumentation zum Kongress finden Sie hier: https://www.gesundheitsnetzwerker.de/dokumentation/auftakt/

Einblicke einiger Referent:innen hören Sie in unseren EinBlick-Podcast zum Kongress der Gesundheitsnetzwerker.

Folge 1
mit Marina Weisband, Prof. Dr. Dr. Christian Dierks, Sabrina Kühn und Prof. Dr. Antonio Krüger.
Diese Folge des EinBlick-Podcasts können Sie hier anhören: https://t1p.de/7eyw

Folge 2
mit Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Daniela Teichert, Henrik Emmert und Prof. Dr. Bernhard Kulzer
Diese Folge des EinBlick-Podcasts können Sie hier anhören: https://t1p.de/kiv8
 


Interview

 

Künstliche Intelligenz in der Diabetestherapie

Einblick sprach mit Prof. Dr. Bernhard Kulzer über Daten in der Diabetesversorgung

 

 

Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Bernhard Kulzer

ist leitender Psychologe des Diabetes- Zentrums Bad Mergentheim, Psychotherapeut, Fachpsychologe Diabetes der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Psychodiabetologe. Als Geschäftsführer des Forschungsinstituts der Diabetes- Akademie Mergentheim (FIDAM) widmet er sich wissenschaftlichen Aufgaben wie der Entwicklung von Schulungsprogrammen oder Fragestellungen im Zusammenhang mit psychosozialen Aspekten der Diabetes.

Prof. Dr. Bernhard Kulzer nahm am 17. März beim 16. Kongress für Gesundheits-netzwerker auf dem Panel »KI und neue Technologien in der Diabetestherapie« teil.

 

Wie weit hat sich die Künstliche Intelligenz (KI) in der Diabetestherapie bereits durchgesetzt?
Wenn man sich die Publikationen zu KI und Diabetes durchliest, stellt man fest: In den letzten drei Jahren haben sich die Studien in diesem Bereich dramatisch erhöht. Es handelt sich dabei um ein sehr junges Thema mit einem breiten Anwendungsspektrum. Weil Diabetes eine datengetriebene Erkrankung ist – mit Blutzuckerwerten, Verhaltensdaten und weiteren Disziplinen –, kann man die Krankheit gut über Algorithmen systematisieren. Beispielsweise wurde 2019 erstmals ein Screening zur Diagnose von Retinopathien über KI angeboten, seitdem gibt es weltweit eine Reihe derartiger Systeme. Wir nutzen in unserer Diabetesklinik die Software EyeArt von Eyenuk, um Retinopathien zu erkennen. Hier hat sich in sehr kurzer Zeit viel getan.

Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Versorgung?
Ein großer Vorteil ist die personalisierte Medizin. Durch Prognosemodelle kann das individuelle Risiko für jeden einzelnen Menschen ermittelt werden. Die Leitlinien differenzieren hier immer mehr, denn nicht die Glucose- oder HbA1c-Werte sind entscheidend, sondern die Prognose der Patient:innen bezüglich ihrer Sterblichkeit oder des Ausmaßes, Folgeerkrankungen zu entwickeln. Ärzt:innen möchten jeden einzelnen Fall richtungsweisend behandeln und wissen, ob sie beispielsweise den Blutdruck straffer einstellen oder strenge bzw. laschere Zielwerte für den Blutzucker vorgeben sollen… All dies sind wichtige Voraussetzungen. Durch große Datenmengen konnten wir aufzeigen, dass es Subgruppen bei Menschen mit Diabetes gibt, die unterschiedliche Prognosen haben. Um diese konkret zu identifizieren, braucht es KI.

Gibt es auch Nachteile oder Grenzen der datengetriebenen Medizin?
Die Ergebnisse einer KI hängen stark davon ab, welche Daten man hineinbringt. Man sieht, dass eine KI aus China oder den USA nicht automatisch auf Deutschland übertragbar ist. Die Merkmale des Datensatzes, der in die Analyse einfließt, sind sehr wichtig. Meistens reden wir eher von KI im Sinne des maschinellen Lernens (ML). Wir versuchen, mit KI bestehende Datensätze über Algorithmen zu verstehen. Wenn die KI allerdings die nächste Stufe erreicht, also zum selbstlernenden System wird und eigene Prozesse initiiert, kann es gefährlich werden – in genau dem Fall, wenn wir den Algorithmus nicht mehr verstehen. Bei Gesundheitsdaten und Prognosen müssen wir zu hundert Prozent sicher sein, dass alles Ermittelte stimmt. Wir möchten nachvollziehen können, wie die KI zu einer Prognose gekommen ist. Liegt die KI also in einer Art Reinform vor und zieht selbstständig Schlüsse wie ein lernendes System, dann gibt es hier medizinisch gesehen ganz sicher Grenzen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Diabetestherapie?
Ich glaube, dass die Therapie immer mehr personalisiert wird und das ist auch gut so. Wir haben beispielsweise viele ältere Menschen mit Diabetes. Bei ihrer Behandlung kommt die Frage auf, wie intensiv ihre Glucose eingestellt sein muss, um dem Einzelnen mehr Nutzen als Schaden zu bringen. Wir möchten für jeden Menschen eine bessere Lebenserwartung und Lebensqualität erreichen.

Im Moment führen wir noch weniger personalisierte Therapien durch. Doch je mehr wir wissen, was für den jeweiligen Menschen die entscheidenden Faktoren sind, desto besser wird die Therapie: Ist es die Einstellung des Blutzuckers, des Blutdruck oder der Lipide – oder eine ganz andere Erkrankung, die im Vordergrund steht? Ältere Menschen haben oft mehrere Krankheiten, was wichtig ist bei einer Person mit Diabetes. Muss ich im Altersheim einen HbA1c-Wert von 8 oder 7 haben – oder sogar darunter? Das ist eine entscheidende Frage! Je mehr KI-Modelle wir haben, desto eher schaffen wir es, für den Einzelnen bessere Prognosen seiner Erkrankung zu geben und damit die Therapie zu individualisieren und zu personalisieren. Das ist ein großer Vorteil für alle Patient:innen, vorausgesetzt, die Algorithmen stimmen…


Kurzstrecke

 

In eigener Sache: Jetzt für den bytes4diabetes-Award bewerben

Preise im Wert von insgesamt 25.000 Euro ausgelobt

Um den Digitalisierungsprozess in der Diabetologie weiter voranzutreiben und den konstruktiven Austausch zwischen den Akteur:innen zu fördern, hat die BERLIN-CHEMIE AG gemeinsam mit führenden Expert:innen den bytes4diabetes-Award ausgeschrieben. Bei diesem Wettbewerb können Interessierte, die die Diabetestherapie digital denken, Projekte, Produkte oder Systeme bis zum 15. September 2021 einreichen. Das können beispielsweise Apps, Künstliche Intelligenz, Schulungssysteme oder Kommunikations- lösungen sein. Denn die BERLIN-CHEMIE AG als eines der führenden Unternehmen in der Diabetestherapie ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung in den kommenden Jahren die Diabetesversorgung stark verändern wird.

Die besten Projekte werden mit Preisen im Wert von insgesamt 25.000 EUR ausgezeichnet. Auch Support und Mentorship können Teil des Gewinnes sein. Die Gewinner:innen präsentieren ihre Projekte auf der jährlichen Fortbildungsveranstaltung DiaTec in Berlin.

 

Vernetzung der allgemeinmedizinischen Praxen für die Forschung

Initiative DESAM-ForNet als Koordinierungsstelle

Sechs regionale Forschungspraxennetze und eine Koordinierungsstelle in Berlin werden durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis zum Jahr 2025 gefördert. Entstehen soll eine Netzwerkstruktur für Forschung im ambulanten Bereich. Mit 21 Millionen Euro Förderung zielt die Initiative DESAM-ForNet dabei auf eine Stärkung der Allgemeinmedizin ab. Die hochwertige Forschung in diesen Praxen soll nachhaltig ausgebaut werden und bundesweite Zusammenarbeit ermöglichen.

Die Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) und die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e. V. (TMF) koordinieren das Projekt. Gemeinsame Kommunikationsstrukturen unterstützen die Vernetzung und den Austausch zwischen den regionalen Netzwerken. Künftig ist eine Verknüpfung mit der Medizininformatik-Initiative (MII) geplant. Die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzt:innen und Universitätskliniken soll gestärkt werden, langfristig auch durch Studien in Primärversorgungspraxen.

 

Impfen in ärztlichen Praxen

Bundesärztekammer und Hartmannbund fordern Lockerung der Impfreihenfolge

Während die Corona-Schutzimpfung aktuell in den ärztlichen Praxen anläuft, fordern sowohl die Bundesärztekammer als auch der Hartmannbund von der Impfreihenfolge abzusehen. »Sobald wir ausreichend Impfstoff für alle haben, sollten Haus- und Fachärzte selbst über die Impfreihenfolge entscheiden dürfen«, sagt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Ärzt:innen würden am besten wissen, welche ihrer Patient:innen besonders gefährdet sind. Auch der Hartmannbund stellt die derzeit geltende Priorisierung innerhalb der Impfkampagne infrage. »Mindestens sobald ausreichend Impfstoff vorhanden ist, sollte ausschließlich nach STIKO-Empfehlung geimpft werden wie bei allen anderen Impfungen auch«, sagt Dr. Marco Hensel, Vorsitzender des Arbeitskreises ›Ambulante Versorgung‹.

Darüber hinaus kritisiert er die damit verbundene Bürokratie. »Andere Länder impfen, Deutschland schreibt erst einmal Regelbücher.« Laut dem Hartmannbund würde niemand auf Kosten der Patientensicherheit aufs Tempo drücken wollen, aber mit dem anstehenden Ballast an Dokumentation und Information werde man die angepeilten Impfziele verfehlen.

 

Unverständliche Reaktion

GKV-Spitzenverband kündigt die Rahmenvorgaben der Wirtschaftlichkeitsprüfung

Vor rund einem Jahr verständigte sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit den Kassen darauf, das Regressrisiko für niedergelassene Ärzt:innen zu verringern und ihnen Erleichterungen bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu verschaffen. Diese Vereinbarung kündigte der GKV-Spitzenverband »einseitig und mitten im Kampf gegen die Pandemie«, so Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Auch Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen zeigt sich enttäuscht über dieses rücksichtslose Verhalten. Dem vorangegangen waren regionale Blockaden durch einige Krankenkassenverbände.

Das im Jahr 2019 in Kraft getretene Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) zog eine Aktualisierung der Rahmenvorgaben nach sich. Demnach sollen bei Regressen für verordnete Leistungen nicht die Gesamtkosten der ›unwirtschaftlich erachteten Leistung‹ erstattet werden, sondern nur die Differenz zwischen unwirtschaftlicher und wirtschaftlicher Leistung.

 

Sachverständigenrat Gesundheit veröffentlicht Gutachten zur Digitalisierung

Digitalisierung im Gesundheitswesen muss verantwortlich und wissenschaftlich genutzt werden

Der Sachverständigenrat Gesundheit (SVR) hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn das ›Gutachten zur Digitalisierung‹ übergeben. Ein Team aus sieben Expert:innen formulierte im Gutachten u.a. konkrete Empfehlungen zur Ausgestaltung der elektronischen Patientenakte (ePA) sowie zur kontrollierten Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung. »Wir brauchen eine ehrliche Diskussion über bisherige Fehlentwicklungen«, sagt der SVR-Vorsitzende Prof. Dr. med. Ferdinand Gerlach. »Ziel muss die Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung sein: hin auf ein digitales, ein systematisch lernendes Gesundheitssystem.«

Darüber hinaus werden in dem Gutachten die Nutzung und Kostenerstattung von digitalen Gesundheitsanwendungen und die Steigerung digitaler Gesundheitskompetenz in den Heilberufen diskutiert. Außerdem skizzierten die Expert:innen die Rahmenbedingungen bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen und welche strategischen Schritte hin zu einem dynamisch lernenden Gesundheitssystem notwendig sind. Bundestag und Bundesrat erhalten nun das Gutachten, über das dann am 17. Juni 2021 im Rahmen eines Symposiums mit der Fachöffentlichkeit diskutiert wird.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 


Interview

 

Impfen und Innovationsprojekte

 

 

 

Franz Knieps

ist Jurist und seit 2013 Vorstandsvorsitzender des BKK- Dachverbandes. Davor war er im AOK- Bundesverband, im Bundesministerium für Gesundheit und im Bundesministerium für Arbeit und Soziales tätig.

 

 

 

Der BKK-Dachverband fordert ein Impfangebot der Corona-Schutzimpfung durch Betriebsärzt:innen. Wie könnte das umgesetzt werden?
Die vorhandene Infrastruktur der Betriebsärzt:innen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsschutzes der Unternehmen in Deutschland kann ideal dazu beitragen, gezielt gegen eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus vorzugehen. Es kann sogar der entscheidende Durchbruch in der Pandemiebekämpfung sein, wenn zukünftig auch Betriebsärzt:innen in den Firmen impfen dürfen. Voraussetzung dafür ist allerdings: Es muss genügend Impfstoff zur Verfügung stehen.

Ist das gewährleistet, können die Betriebe ihre bewährte Logistik analog der alljährlichen Grippeschutzimpfung – unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen gemäß Corona- Bedingungen – nutzen. Wir als Betriebskrankenkassen sind im engen Austausch mit unseren Träger- und Schwerpunktunternehmen und bereiten gemeinsam das organisatorisch Notwendige vor. Ist die Lieferung der Impfdosen gesichert, ist die Lagerung der Vakzine geübte Praxis. Wenn diese Logistik steht, ist die Umsetzung der Impfung leicht zu bewerkstelligen. Dann fehlen ›nur noch‹ der Impfstoff und die Möglichkeit, diesen ggf. nach unternehmensinterner Priorisierung verimpfen zu können. Das könnten in der Belegschaft beispielsweise diejenigen sein, die im Berufsalltag viele persönliche Kontakte mit Kund:innen haben, die im Außendienst arbeiten oder in den Fabriken beschäftigt sind und nicht im Homeoffice arbeiten können. Hoffentlich klärt sich bald, wann es losgehen kann.

Wie würde sich die Möglichkeit von Corona-Schutzimpfungen durch Betriebsärzt:innen insgesamt auf die Impfstrategie auswirken?
Alleine 40,8 Millionen Personen waren im Jahresdurchschnitt 2020 angestellte Arbeitnehmer:innen mit Arbeitsort in Deutschland. Wenn also Betriebsärzt:innen in den Unternehmen gegen Corona impfen könnten, würden viele Menschen direkt am Arbeitsplatz erreicht werden. Zusätzlich zu den Impfzentren und Arztpraxen würde also das Impfangebot drastisch erhöht, das Impfen selbst auf viele Schultern verteilt und damit die Schlagkraft signifikant beschleunigt werden. Damit ginge eine rasch steigende Durchimpfungsrate einher.

Auch der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist beim BKK-Dachverband ein Thema. Können Sie uns erfolgreiche Projekte nennen?
Seit 2016 werden innovative, insbesondere sektorenübergreifende Versorgungsformen und personennahe Versorgungsforschung über den Innovationsfonds gefördert. Erste Projekte sind abgeschlossen, weitere stehen kurz vor dem Abschluss. Am 31. März 2021 ist zum Beispiel das Innovationsfondsprojekt ›BGM-innovativ‹ ausgelaufen. Im Mittelpunkt stand eine bessere Versorgung von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenleiden. Das Besondere dabei: Maßgeschneiderte Präventionsmaßnahmen und Früherkennung sowie eine schnelle Behandlung gingen hier Hand in Hand, um die Arbeitenden so lange wie möglich gesund beziehungsweise so rasch wie möglich wieder arbeitsfähig zu machen.
Erste Ergebnisse zeigen, dass sich durch langfristige und sektorenübergreifende Behandlungsmethoden die Lebensqualität der Patient:innen verbessert und lange Fehlzeiten am Arbeitsplatz deutlich verringert werden konnten.

An dem Projekt waren 15 Betriebskrankenkassen mit mehr als 30 Trägerunternehmen sowie die gesetzliche Rentenversicherung, Rehabilitationseinrichtungen und Trainingszentren beteiligt. Nach Beendigung der Projektphase muss nun der Gemeinsame Bundesausschuss prüfen, ob BGM-innovativ eine Empfehlung für die Regelversorgung erhält. Unabhängig davon setzen bereits zehn Betriebskrankenkassen an 15 Betriebsstandorten das Programm auf eigene Kosten fort. Das ist nur ein Beispiel aus den vielen vom Innovationsfonds geförderten Projekten.

Welche innovativen Projekte der Betriebskrankenkassen stehen in Zukunft noch an?
Da gibt es einige. Beispielhaft ist das Innovationsfondsprojekt, das derzeit die Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) in Konsortialpartnerschaft zusammen mit der BAHN-BKK, der BKK VBU und der Berliner Charité auf den Weg bringt: Es ist das Projekt ›Chronisches Fatigue Syndrom‹ (CFS). Hierbei handelt es sich um ein Symptom, das mit schwerer Erschöpfung, Schmerzen, schweren Konzentrationsstörungen, einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität und in schweren Fällen mit Behinderung und Berufsunfähigkeit einhergehen kann. Die Betroffenen sind oft auch junge Menschen. Sie haben nicht selten eine lange Versorgungsodyssee hinter sich, da diese Symptome regelhaft psychischen Störungen zugeschrieben werden. Das Projekt wurde glücklicherweise schon vor Ausbruch der Pandemie angebahnt mit dem Ziel, Menschen mit CFS besser und vernetzter zu versorgen. Nun, gerade im Zusammenhang mit #LongCovid, zeigt sich, dass dieses Syndrom zahlenmäßig dramatisch zunimmt. Das Projekt ist also am Puls der Zeit. Umso wichtiger, dass es jetzt den Förderzuschlag erhalten hat und ab dem 1. Juli 2021 starten kann. Es läuft über drei Jahre.


Startup-Telegram

 

Im März wurde die zwölfte DiGA vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen: Die App ›Mika‹ von Fosanis ist eine digitale Therapiebegleitung für Krebspatientinnen. Bisher unterstützt sie bei drei gynäkologischen Krebsarten: Ovarial-, Zervix- und Endometriumkrebs. Mit evidenzbasierten Informationen zur Erkrankung werden Betroffene mit wissenschaftlich erprobten Methoden und validierten Techniken des Therapie-Managements begleitet. Dazu gehören Bewegungstrainings, Ernährungsempfehlungen und Achtsamkeitsübungen, um selbstbestimmt mit der Krankheit zu leben. www.mitmika.de

Das Portal ›Bitte-pflege-mich-richtig‹ erfasst persönliche Daten, Behandlungswünsche und wichtige Dokumente insbesondere von alleinstehenden Menschen, damit Pflegeeinrichtungen im Falle einer Einweisung rechtzeitig informiert sind. So geht keine Zeit für die optimale Pflege verloren. Die Nutzer:innen können jederzeit Änderungen ihrer Eingaben vornehmen. Ein Aufkleber auf der Gesundheitskarte weist Heime darauf hin, dass nach einen Authentifizierungsprozess Daten zum Abruf zur Verfügung stehen. https://bitte-pflege-mich-richtig.de/
 
Qunomedical, eine Plattform für die Arzt- und Kliniksuche, möchte Patient:innen den Zugang zur Versorgung auf der ganzen Welt ermöglichen. Das Behandlungsspektrum in 25 Ländern umfasst Zahnimplantate, Haartransplantationen, Fettabsaugungen und sogar Herzoperationen. Qualität und Patientenzufriedenheit werden ständig geprüft. Der Service ist für Patient:innen kostenfrei, eigene Ärzt:innen stehen während der medizinischen Reise unterstützend zur Seite. https://www.qunomedical.com/de

Kianava bietet seit Ende Dezember 2020 ursachenorientierte Behandlung für Menschen mit chronischen Beschwerden und akutem Stress. Ein integrativ-medizinisches Team aus Ärzt:innen und Therapeut:innen betreut ganzheitlich über eine Kombination aus Schulmedizin, Mind-Body-Medizin und evidenzbasierter Naturheilkunde. Das digitale Behandlungskonzept steht online über eine DSGVO-konforme Plattform zur Verfügung, inklusive Videokonferenz- und Chatmöglichkeit. Die Sitzungen und Kurse richten sich zunächst an Selbstzahlende. https://kianava.de/


Meldungen

 

Aktuelle Studie zeigt

Erster Lockdown hat mentale Gesundheit von Kindern verschlechtert

Die Motorik-Modul-Längsschnittstudie (MoMo) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) zeigt, dass sich die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im ersten Lockdown verschlechtert hat.
Andererseits hat eine bereits bestehende mentale Gesundheit die Aktivität während des Lockdowns befördert.

In einer Langzeitstudie untersuchten Wissenschaftler:innen insgesamt 1.711 Kinder und Jugendliche. Sie bewerteten die Ergebnisse nach einem Punktesystem, das das Wohlbefinden der Kinder ausdrückt. Dabei liegt der durchschnittliche Wert bei Kindern und Jugendlichen bei 50 Punkten. »Schon vor der Pandemie hatten Jungen und Mädchen im Vergleich zum europäischen Durchschnitt mit 44 und 45 Punkten eher schlechte Werte«, sagt Dr. Kathrin Wunsch, Erstautorin und Sportwissenschaftlerin am Institut für Sport und Sportwissenschaften des KIT. Die Expert:innen konnten feststellen, dass diese Werte sich im Lockdown weiter verschlechterten. »Aktuell liegen die Werte zur mentalen Gesundheit bei 40 Punkten bei Jungen und bei 41 Punkten bei Mädchen. Wir sehen deutlich, dass die Pandemie einen negativen Einfluss auf die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat.«

Die Studie zeigt jedoch auch, dass sich die körperliche Aktivität sowie die mentale Gesundheit von Kindern mit einer guten mentalen Gesundheit schon vor dem Lockdown während des Lockdowns sogar noch verbessert haben. Die Kinder, die zu den fünf Prozent mit der besten mentalen Gesundheit vor Corona gezählt haben, haben ihre Aktivität während der Pandemie um einen halben Tag mehr gesteigert als Kinder, die vor Corona zu den fünf Prozent mit der schlechtesten mentalen Gesundheit zählten.

Die Langzeitstudie untersucht den direkten Einfluss des COVID-19-Lockdowns auf verhaltensübergreifende Zusammenhänge bei Kindern. Als Nächstes wollen die Forschenden analysieren, wie das unterschiedliche Verhalten von Kindern und Jugendlichen mit eher schlechter und eher guter mentaler Gesundheit zu den einzelnen Messzeitpunkten in Bezug auf deren Aktivitätsniveau zusammenhängt. Die Studie soll auch nach dem COVID-19-Lockdown fortgeführt werden, um einerseits die langfristigen Auswirkungen von COVID-19 auf die körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen und andererseits den Zusammenhang von körperlicher Aktivität mit der körperlichen und psychischen Gesundheit zu beobachten.

 

Bessere Therapie und Behandlung

Rückläufige Sterberate bei Covid-19- Erkrankungen in deutschen Unikliniken

Die Sterblichkeit von Covid-19-Patient:innen in Universitätskliniken nahm laut einer Studie im Laufe des letzten Jahres kontinuierlich ab. Optimierte Behandlungen, bessere Therapieempfehlungen und mehr Erfahrung in den betreuenden Teams zeigten Wirkung. Die Gesamtsterberate lag bis September 2020 bei 18,8 Prozent.

Eine vom Universitätsklinikum Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nürnberg geleitete Forschungsgruppe untersuchte 1318 Krankheitsverläufe mit Covid-19- Kranken in 14 Universitätskliniken. Ermöglicht wurden die klinikübergreifenden Auswertungen durch das CODEX-Projekt der Medizininformatik-Initiative. Die Analyse zeigt von Januar bis April einen Rückgang der durchschnittlichen Sterberate auf 20,7 Prozent, vom Zeitraum Mai bis September sogar auf 12,7 Prozent.

Die Forschenden sehen darin einen Beleg für kontinuierliche Optimierungen der Behandlung, bessere Therapieempfehlungen und zunehmende Erfahrungen der Behandlungsteams. Bei beatmeten Fällen machte sich die reduzierte Sterblichkeitsrate insbesondere bei Patient:innen im Alter über 60 Jahre bemerkbar. Häufige Komorbiditäten waren Niereninsuffizienz (35,2 Prozent), Blutarmut (26 Prozent) und Diabetes mellitus (21 Prozent). In der aktuellen Studie bestätigten sich die Risikofaktoren aus vorangegangenen Publikationen wie männliches Geschlecht, höheres Alter und das Komorbiditätsmuster.

Grundlage der Studie waren die Angaben der Datenintegrationszentren (DIZ) der Medizininformatik-Initiative, die Versorgungs- und Forschungsdaten klinikübergreifend und datenschutzgerecht nutzbar machen. Durch eine Anbindung an die Krankenhaus-IT- Infrastruktur mit zunächst dezentraler Datenspeicherung behalten die Universitätskliniken die Hoheit über ihre Daten. Systematisch werden klinische Datenquellen erschlossen, Daten harmonisiert und in einem standardisierten DIZ-Modell für die Forschung bereitgestellt.

 

E-Rezept-Summit

Bleibt es bei der termingerechten Einführung?

Das E-Rezept befindet sich auf der Zielgeraden, doch viele Aspekte zur geplanten Einführung sind noch unklar. Neben technischen Voraussetzungen in der Gematik ist der Zugang für die Versicherten nach wie vor offen. Beim ersten E-Rezept-Summit tauschten sich Expert:innen aus Apotheken, Kassen, Forschung und Innovation über den aktuellen Stand aus.

Von einem »eng bemessenen Zeitrahmen und offenen Baustellen« zur Einführungsphase des E-Rezeptes sprach Hannes Neumann, Produktmanager der Gematik. Laut Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) müssen bis Anfang Juli alle erforderlichen Maßnahmen abgeschlossen sein, damit ärztliche Verordnungen für apothekenpflichtige Arzneimittel elektronisch übermittelt werden können. Zur technischen Infrastruktur gehören unter anderem ein zentraler Rezeptserver und die staatliche E-Rezept-App der Gematik.

Wie sich Versicherte digital identifizieren, ist jedoch noch immer offen. Zur geplanten NFC-Technologie haben viele Patient:innen keinen Zugang, und hinzukommt, dass Ältere statt Apps eher Ausdrucke auf Papier nutzen. Krankenkassen und andere Akteure sollen ihre Software auf Basis eines bislang nicht finalisierten Fachdienstes anpassen. Zudem verläuft die flächendeckende Ausstattung der Leistungserbringer mit Heilberufsausweisen  schleppend. Aber nur wenn alle Voraussetzungen stimmen, kann das E-Rezept im Januar 2022 tatsächlich zur flächendeckenden Pflichtanwendung werden.

Rund 800 Teilnehmer:innen verfolgten im März das umfassende Vortragsspektrum des virtuellen E-Rezept-Summits. Das Fazit: »Die Vorteile aus Sicht der Patient:innen sind da, doch die Umsetzung wird keineswegs zum Selbstläufer. Deshalb soll ein Anwendertag im Sommer alle, die praktisch und technisch mit der Infrastruktur zu tun haben, zusammenbringen«, sagt Martin Blaschka vom wissenschaftlichen Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung WIG2. Zusammen mit dem Dresdner Start-up scanacs plant WIG2 zudem einen zweiten E-Rezept-Summit am 23. November 2021 – kurz vor der verpflichtenden Einführung des E-Rezeptes.

 

IQWiG veröffentlicht Liste

15 Eingriffe, bei denen sich eine Zweitmeinung lohnt

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 15 Eingriffe benannt, die in die Zweitmeinungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aufgenommen werden könnten. Dazu zählen Herzkatheteruntersuchungen, der Hüftgelenkersatz sowie bestimmte Nasenoperationen.

Seit 2018 können sich gesetzlich Krankenversicherte bei bestimmten Eingriffen eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Grundlage dafür ist das 2015 beschlossene GKV- Versorgungsstärkungsgesetz. Mandeloperationen und die operative Gebärmutterentfernung waren 2018 die ersten Interventionen, die der G-BA in die Zweitmeinungsrichtlinie aufgenommen hatte. 2019 folgte die Schulterarthroskopie, 2020 die Knietotalendoprothese. Der Anspruch auf Einholung einer Zweitmeinung soll nun auf weitere Eingriffe ausgeweitet werden. Der G-BA beauftragte das IQWiG, therapeutische Eingriffe oder diagnostische Maßnahmen zu identifizieren, die für eine Aufnahme in die Zweitmeinungsrichtlinie des G-BA infrage kommen.

So benannte das IQWiG 15 Eingriffe, bei denen eine mögliche Überversorgung besonders  intensiv diskutiert wird. Patient:innen, die diese Operation und/oder Untersuchungen empfohlen bekommen, könnten von einer Zweitmeinung besonders profitieren. Vor allem Eingriffe am Herzen finden sich in der Liste. Dazu zählen der Herzklappenersatz, die Implantation eines Defibrillators, radiologische Herzdurchblutungsdiagnostik, Untersuchung und Ausschaltung übererregbaren Herzgewebes sowie kathetergestützte Eingriffe zur Durchblutungsverbesserung in verengten Herzkranzarterien. Aber auch der Trommelfellschnitt bei einer Mittelohrentzündung sowie Adipositas-Operationen sind Bestandteil der Aufzählung. »Auch wenn noch weiterer Klärungsbedarf besteht, bildet der vorliegende Bericht eine solide Grundlage für weitere Auswahldiskussionen im Gemeinsamen Bundesausschuss«, sagt IQWiG-Leiter Jürgen Windeler.
 
Zu welchem Zeitpunkt welche Eingriffe in die Zweitmeinungsrichtlinie aufgenommen werden, ist noch unklar. Der Gemeinsame Bundesausschuss prüft aktuell den Bericht.


Bemerkt

 

 

»Für einen Corona- Impfstoff braucht man mehrere Hundert Bestandteile und Hilfsmittel. Die werden von überall auf der Welt geliefert und in Vorbearbeitungsstufen auch zwischen verschiedenen Ländern ausgetauscht. Und genau hier liegt die Gefahr von einseitigen Exportstopps.«

Han Steutel, Präsident des vfa – Verband der forschenden Pharma-Unternehmen

Wenn immer mehr Länder diesem Beispiel folgten, komme irgendwann die ganze Logistikkette ins Straucheln. Das könnten weder Deutschland noch die EU, obwohl sie starke Produktionsstandorte sind, wegstecken! Steutel appelliert an die europäische Politik, jetzt nicht dem Beispiel anderer Länder zu folgen und zum Mittel von Exportstopps zu greifen.

Hier finden Sie Pressemitteilung der vfa https://www.vfa.de/de/presse/pressemitteilungen/pm-006-2021-exportstopps-sind-ein-suesses-gift.html

 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Die Charité Berlin und die Technische Universität Berlin (TU) haben ein Verfahren entwickelt, das die zwischen Menschen übertragenen Aerosolmengen quantitativ erfassen kann. Diese Methode könnte zukünftig dafür eingesetzt werden, die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Aerosolen mit SARS-CoV-2 in bestimmten Situationen deutlich besser einzuschätzen.
 
Hierfür verwenden die Wissenschaftler:innen menschenähnliche Puppen. Zum einen sind im Raum sogenannte Emitter aufgestellt, also Puppen, die Aerosole ausstoßen, die in der Verteilung der Tröpfchengröße vergleichbar mit dem menschlichen Husten sind. Zum anderen befinden sich im Raum Absorber, Puppen, die die Umgebungsluft einatmen. In den Aerosoltröpfchen ist ein Tracer gelöst. Das ist ein Stoff, dessen Konzentration, stellvertretend für die potentielle Virenkonzentration, anschließend in der eingeatmeten Luft der Absorber mengenmäßig erfasst werden kann. Der Tracer bewegt sich wie die Viren weiter mit der Raumluft, während die Flüssigkeit in den Aerosolen zum großen Teil bereits verdunstet ist. »So können wir sehr präzise die Aerosolmenge bestimmen, die ein einzelner Absorber in einem spezifischen Raum an den unterschiedlichen Positionen aufnimmt«, sagt Prof. Dr.-Ing. Oliver Paschereit von der Leitung der Abteilung Experimentelle Strömungsmechanik an der TU Berlin.

Hier finden Sie weitere Informationen bei der TU Berlin: https://www.tu.berlin/ueber-die-tu-berlin/profil/pressemitteilungen-nachrichten/2020/oktober/sars-cov-2-neue-messtechnik-erlaubt-risikoabwaegung/


Empfehlung

 

Symposium Medienethik

Am 29. April 2021 findet von 13 bis 15 Uhr das jährliche Symposium Medienethik statt, diesmal unter dem Titel ›Verschwörungstheorien – Herausforderung für Medien, Nutzer:innen und Demokratie‹. Dabei werden gesellschaftliche, ethische und persönliche Implikationen rund um Verschwörungstheorien beleuchtet. Expert:innen diskutieren live vor Ort an der Fachhochschule St. Pölten, Gäste werden online zugeschaltet.
Interessierte können sich bis zum 25. April anmelden. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://medienethik.fhstp.ac.at/


Zuletzt:

 

DM und Apotheken sollen bald Schnelltests in Corona-Warn-App eintragen können

Bald sollen die Ergebnisse von Corona-Schnelltests in die Corona-Warn-App eingetragen werden können. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. »Wer bei einem Schnelltest positiv auf Corona getestet wird, kann dann auch direkt über die Corona- Warn-App mögliche Kontaktpersonen warnen.« Zu den Partnern, die die Schnelltests in die App eintragen können, gehören der Deutsche Apothekerverband sowie Drogeriemarktketten wie dm und Budni. Weitere Partner sollen folgen.

Hier finden Sie weitere Informationen: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/04/01/apotheken-sollen-testergebnisse-in-corona-warn-app-einpflegen-koennen

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