Berlin-Chemie Newsletter vom 05. November 2020

Berlin-Chemie Newsletter vom 05. November 2020

Interview:

  • Wie der ÖGD sich in Zukunft aufstellen muss
    EinBlick sprach mit Dr. med. Ute Teichert über den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst

Kurzstrecke:

  • Neue App für junge Mediziner
    Bereit für die Niederlassung

  • Drei weitere Biomarker-Tests bei Brustkrebs
    G-BA beschließt Aufnahme in  Regelversorgung

  • Was kostet die Beatmung?
    Covid-19-Behandlung

  • 33 Projekte erhalten Förderungen
    Innovationsausschuss hat Versorgungsvorhaben ausgewählt

Young Health:

  • Ärztinnen und Ärzte richtig über DiGA informieren
    Dr. Anne Sophie Geier ist Geschäftsführerin beim Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung

Start-up Telegram

Meldungen:

  • Wenn der Erste Hilfe Kurs lange her ist
    Durch eine App Wissen auffrischen

  • Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst
    Wie wirkt sich die Tarifeinigung aus?

  • News zur elektronischen Patientenakte
    Leistungserbringer übermitteln Dokumente und Gematik optimiert Prüfprozess

  • Drittes Digitalisierungsgesetz
    Medizinische Versorgung grenzüberschreitend sichern


Kongress trotz Corona: Hybrides Konzept

Dass die Coronapandemie die Digitalisierung stark beschleunigt, haben wir in den vergangenen Monaten wohl alle zu spüren bekommen. Oder anders betrachtet: Vieles bleibt dank der Digitalisierung trotz aller coronabedingten Einschränkungen weiter möglich, nur anders – auch der Kongress für Gesundheitsnetzwerker. Unsere Lösung ist ein hybrides Format, bei dem wir ganz auf die Vorzüge der digitalen Technologie setzen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Webplattform GNWvirtuell: Im virtuellen Kongresszentrum können angemeldete Teilnehmer das Plenum über den Videostream ansehen. Dank professioneller Bildregie und Moderation erwartet Sie ein kurzweiliges und ansprechendes Erlebnis. Hybrid, das bedeutet, dass wir kein rein digitales Format planen, sondern auch eine Präsenzveranstaltung mit begrenzter Publikumskapazität. Neben einer Videoschaltung zu diesem Plenum sind an beiden Kongresstagen parallel laufende Themenblöcke mit virtuellen Meetingräumen vorgesehen, an denen die Teilnehmer Ton und Video übertragen können – unabhängig davon, wo Sie sich befinden. Wichtig ist lediglich eine stabile Internetverbindung.

Der direkte fachliche und persönliche Austausch soll natürlich auch beim neuen hybriden Format nicht zu kurz kommen. Das Tool GNWvirtuell bietet vielfältige Möglichkeiten, mit anderen Teilnehmern in Kontakt zu treten. So können Sie über eine interaktive Teilnehmerliste potenzielle Gesprächspartner nach Interessengebieten auswählen, den Onlinestatus einsehen und per Chatfunktion oder Videocall direkt Kontakt aufnehmen.
Weiterführende Diskussionen nach einer Session sind so – statt wie sonst am Buffet – weiterhin möglich. Und noch einen Vorteil hat die hybride Version: Wenn Sie eine Session verpasst haben, werden Sie diese noch für ein paar Tage nach der Veranstaltung als Mediathek-Version erleben können.

Alle Informationen zum Kongress finden Sie unter: www.gesundheitsnetzwerker.de
Folgen Sie uns auch auf Twitter: @GesNetzwerker #kfgn21


Interview

 

Wie der ÖGD sich in Zukunft aufstellen muss

EinBlick sprach mit Dr. med. Ute Teichert über den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst

 

Dr. med. Ute Teichert, MPH

ist Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und der Notfallmedizin. Sie ist Direktorin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen
in Düsseldorf. Seit 2014 ist sie außerdem Mitglied im Vorstand der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.

 

 

 

Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) spielt in der Corona-Pandemie eine wichtige Rolle. Wie muss er in Zukunft aufgestellt sein, um Deutschland weiterhin gut durch die Pandemie zu bringen?
Wir benötigen genügend Personal in den Gesundheitsämtern, damit diese Kolleginnen und Kollegen sämtliche Aufgaben erfüllen können. Das sind nicht nur Herausforderungen der Pandemie, sondern auch zahlreiche andere breit gefächerte Aufgaben, um die Gesundheit der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Beispielsweise kümmern wir uns um psychisch kranke Menschen, fördern die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen oder überwachen das Trinkwasser und die Einhaltung von Hygienevorschriften. Im ÖGD ist in den vergangenen Jahren sehr gespart worden. Das muss dringend umgekehrt werden.

Die Gesundheitsministerinnen und Minister von Bund und Ländern haben sich Ende September auf den ›Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst‹ geeinigt. Sind Sie damit zufrieden?
Grundsätzlich bin ich damit zufrieden. Der Pakt ist ein historisches Ereignis und eine Chance, den ÖGD nachhaltig aufzustocken. Die 5.000 Stellen, die demnächst geschaffen werden sollen, sind ein richtungsweisendes Beispiel. Ich denke jedoch, dass wir noch weiteres Personal benötigen. Wir hatten im ÖGD einmal von 10.000 Stellen gesprochen. Der Pakt ist auf fünf Jahre ausgelegt. Das bedeutet, dass im Moment in der Pandemie noch kaum Stellen geschaffen wurden und wir nur temporäre Hilfen, zum Beispiel durch die Bundeswehr oder Medizinstudierende, erhalten haben. Zu den Stellen laufen aktuell noch Verhandlungen.

Wichtig finde ich, dass der Pakt auch das Thema Digitalisierung behandelt. Mit den hierfür geplanten 850 Millionen Euro können wir einiges verändern.
Insgesamt ist der Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst ein rundum gutes Paket. Dass der Bund vier Milliarden Euro in die Hand nimmt, um die kommunalen Gesundheitsämter zu stärken, ist ein klares Signal.

5.000 neue Stellen sollen für den ÖGD geschaffen werden. Wie ist das möglich? Welches Personal soll dafür eingesetzt werden?
In den Gesundheitsämtern arbeiten viele verschiedene Berufsgruppen. Weniger als 20 Prozent davon ist ärztliches Personal. Daneben sind gerade in der Pandemie Hygienekontrolleure und Kontrolleurinnen wichtig. Das ist eine spezielle Ausbildung im Bereich der Gesundheitsämter. Auch brauchen wir sozialmedizinische Assistenten, Psychologen und Gesundheitswissenschaftler. Wir müssen den Öffentlichen Gesundheitsdienst insgesamt stärken. Das ist das Ziel des Paktes und auch das Ziel der 5.000 Stellen. Wir sind uns bewusst, dass wir so viel Personal nicht direkt nachbesetzen können. Deshalb ist es gut, dass der Bund im Pakt auch Ausbildungen eingeplant hat. Denn um beim Öffentlichen Gesundheitsamt zu arbeiten, braucht es Zusatzausbildungen. Voraussetzung für die Einstellung von qualifiziertem Personal ist allerdings die Bereitschaft der kommunalen Arbeitgeber, hierfür eine leistungsgerechte Bezahlung anzubieten. Dafür sieht der Pakt ausdrücklich zusätzliche finanzielle Mittel vor.

Kann der ÖGD während der Corona-Pandemie seinen anderen Aufgaben ausreichend nachgehen?
Nein, derzeit nicht. Gerade bei dem steilen Anstieg der positiv getesteten Personen arbeitet das gesamte Personal an den Kontaktpersonennachverfolgungen. Dabei sind alle Berufsgruppen in den Gesundheitsämtern mit eingespannt, auch Zahnärzte, Apotheker, Psychologen und viele andere Fachgruppen helfen mit.


Kurzstrecke

 

Neue App für junge Mediziner

Bereit für die Niederlassung

Die App ›Praxisraum – spielend selbstständig‹ möchte mit einer virtuellen Arztpraxis junge Mediziner:innen für die Niederlassung begeistern. Die Software wurde mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in Kooperation mit den Kassenärztlichen Vereinigungen entwickelt. Die künftig Selbstständigen bauen mithilfe der App eine fiktive Arztpraxis auf, organisieren diese und erreichen im besten Fall Wirtschaftlichkeit und Qualität.

Das Planspiel zielt darauf ab, die Praxisgründung und -entwicklung positiv zu erleben. Konkrete Fragen zu einer künftigen Vertragsarzttätigkeit ergeben sich gewollt. Für die Beantwortung und Beratung stehen die Kassenärztlichen Vereinigungen zur Verfügung, Webseiten wie www.praxisraum.de und www.lass-dich-nieder.de unterstützen.
Das Thema Niederlassung sei im Studium ein Stiefkind, so der Vorstandsvorsitzende des Zi Dr. Dominik Graf von Stillfried.

 

Drei weitere Biomarker-Tests bei Brustkrebs

G-BA beschließt Aufnahme in Regelversorgung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat drei weitere Biomarker-Tests bei Brustkrebs in die Regelversorgung aufgenommen. Damit umfasst der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung für dieses Krankheitsbild künftig vier Biomarker- Tests. Einen ersten Test hatte der G-BA bereits 2019 aufgenommen. Die Biomarker-Tests sollen Patientinnen bei einer Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie nach einer Operation unterstützen. Der Einsatz von Biomarkern ist sinnvoll, wenn Ärztinnen und Ärzte mittels klinischer Faktoren oder anhand der Eigenschaften des Tumors das Rückfallrisiko einer Frau nicht sicher bestimmen können. Biomarker-Tests untersuchen, wie aktiv Gene in Krebszellen sind. So bestimmen sie, wie hoch das Rezidivrisiko des Tumors ist.

Der Beschluss wird nun dem Bundesministerium für Gesundheit vorgelegt. Er tritt nach Nichtbeanstandung und Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft. In Deutschland erkranken jährlich circa 70.000 Frauen an Brustkrebs. Bei ungefähr 20.000 Patientinnen kann aufgrund klinisch-pathologischer Kriterien keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie ausgesprochen werden.

 

Was kostet die Beatmung?

Covid-19-Behandlung

Laut AOK betragen die Kosten einer stationären Behandlung von Covid-19-Erkrankten durchschnittlich 10.700 Euro, bei schweren Verläufen mit Beatmung rund 38.500 Euro. Bei der Barmer liegen die Durchschnittskosten bei 6.900 bzw. 31.700 Euro, die BKK VBU spricht von 5.058 und 43.300 Euro. Bei der Nebendiagnose Covid-19 liegen die Kosten bei der BKK VBU niedriger: im Mittel bei 27.400 Euro für beatmungspflichtige Patienten.

Derartige Durchschnittszahlen sind schwer zu verwerten. Barbara Steffens, Leiterin der TK-Landeszentrale NRW, bestätigt die Zahlen allerdings tendenziell: »Die Kosten, die Krankenhäuser für die Behandlung eines Patienten, bei dem – in der Regel zusätzlich zu weiteren Diagnosen – eine Covid-19-Erkrankung festgestellt wurde, variieren stark. Es gibt Fälle, in denen die Kliniken weniger als 1.000 Euro abrechnen. Bei schweren Verläufen mit mehrwöchiger Beatmung steigen die Kosten entsprechend an. Sie können dann mehrere 10.000 Euro betragen.«

 

33 Projekte erhalten Förderungen

Innovationsausschuss hat Versorgungsvorhaben ausgewählt

33 Projektgruppen aus dem Gesundheitswesen können sich über eine Förderung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) freuen. Der beim G-BA angesiedelte Innovationsausschuss hatte im vergangenen Jahr Förderrichtlinien im Bereich der Versorgungsforschung veröffentlicht, auf die insgesamt 186 Projektanträge eingingen. Die Gewinner kommen aus den Bereichen der Versorgung in nicht-ärztlichen Versorgungssettings, aus digitalen Versorgungsangeboten, Künstlicher Intelligenz sowie der Versorgungsforschung zu Leitlinien. Insgesamt stehen dem G-BA im Jahr 2020 rund 200 Millionen Euro für die Förderung von neuen Versorgungsformen und der Versorgungsforschung zur Verfügung. Dies geht aus einem Gesetzesbeschluss des Deutschen Bundestages, das Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale-Versorgung-Gesetz – DVG) betreffend, hervor.

Die Mittel werden von den gesetzlichen Krankenkassen und aus dem Gesundheitsfonds bereitgestellt. Aktuell hat der G-BA neue Förderbekanntmachungen veröffentlicht. Bis Anfang Februar 2021 können sich Projektgruppen aus den Bereichen der Versorgungs- forschung, beispielsweise beim Umgang mit Pandemien, von Hygienemaßnahmen oder der Altersmedizin, beim Innovationsausschuss bewerben.


EinBlick zum Hören: Der wöchentliche Podcast

Das neue Angebot ergänzt unseren EinBlick Newsletter.

 

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags.
In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.

Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

EinBlick – Der Podcast immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen.
Die aktuelle Folge finden Sie hier: www.einblick-newsletter.de 

 


Machen Sie mit bei unserer Umfrage zum EinBlick-Podcast

 

Wir möchten Sie als Zuhörer zu unserer kurzen Podcast Befragung einladen. Unser Ziel ist es den Podcast stetig und gemeinsam mit Ihnen weiterzuentwickeln. Die Befragung dauert keine fünf Minuten und ist selbstverständlich anonym.

Hier geht es zur Befragung: https://bit.ly/3p3goRg
Vielen Dank für Ihre Mitwirkung.

Ihr EinBlick-Redaktionsteam


young health

 

Ärztinnen und Ärzte richtig über DiGa informieren

 

 

Dr. Anne Sophie Geier

ist Geschäftsführerin beim Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung. Die promovierte Pharmazeutin war vorher Sachgebietsleiterin des GKV- Spitzenverbandes. Dort war sie für die frühe Nutzenbewertung von neu zugelassenen Arzneimitteln zuständig. Nach ihrem Studium der Pharmazie hat die 34-Jährige an der WWU Münster sowie an der Harvard Medical School geforscht und promoviert.

 

 

 

Seit kurzem können Ärztinnen und Ärzte die ersten digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) verschreiben. Mit Stand vom 2. November sind fünf Anwendungen offiziell vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) anerkannt. Haben Sie bereits Rückmeldungen erhalten? Wie ist generell die Informationslage in der Ärzteschaft?
Mit den digitalen Gesundheitsanwendungen gibt es jetzt erstmals eine neue Art der Versorgung. Mit diesen fünf offiziellen DiGA haben wir eine erste Grundlage. Wir stehen aber noch immer ganz am Anfang eines neuen Zeitalters für die digitale Gesundheitsversorgung. Jetzt ist es wichtig, dass die DiGA angenommen werden. Wir spüren im Spitzenverband ein großes Interesse an den digitalen Lösungen – aber gleichzeitig auch ein Informationsbedürfnis. Uns ist es wichtig, umfassend und transparent Ärztinnen und Ärzten, aber auch andere Akteure im Gesundheitswesen zu informieren, beispielsweise zum Verordnungsprozess und zu den Grundlagen des BfArM-Prozesses.

Können Sie uns verraten, welche Apps bald noch verschrieben werden? Worauf dürfen wir gespannt sein?
Als Spitzenverband sind wir das Sprachrohr und Vertreter innovativer Unternehmer der E-Health-Branche in Deutschland. Zu unseren Aufgaben zählt daher auch, dass wir unsere Expertise bei Gesetzgebungsvorhaben einbringen. Gleichzeitig unterstützen wir unsere Mitglieder und leisten Hilfestellung bei den verschiedensten Themengebieten. Dazu bieten wir Webinare und den Austausch mit Expertinnen und Experten an und fördern aktiv den Wissensaustausch unter den Mitgliedern.

Können Sie uns verraten, welche Apps bald noch verschrieben werden? Worauf dürfen wir gespannt sein?
DiGA entstehen für die unterschiedlichsten Anwendungsfelder im Gesundheitsbereich. Auf unserer Webseite finden Sie eine Übersicht über die aktuellen Projekte unserer Mitglieder. Wer als nächstes als DiGA anerkannt wird und wann das geschieht, dafür ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) der Ansprechpartner.

Was sind die Pläne des Verbandes für 2021?
Wir haben jetzt die Chance, die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland wirklich umfassend und nachhaltig voranzubringen und DiGA in der Versorgung zu etablieren. Wichtig sind dabei eine gute Koordinierung und vertrauensvolle Kooperationen. Vielfach bestehen diese bereits und werden von uns weiter gepflegt und  
ausgebaut. Von diesem Schulterschluss erhoffen wir uns den notwendigen Schwung, um rückblickend mit Stolz sagen zu können: Deutschland ist das erste Land mit erfolgreich integrierten digitalen Gesundheitsanwendungen in der Regelversorgung.

https://digitalversorgt.de/diga-verzeichnis/


Startup-Telegram

 

Nachdem die ersten Apps auf Rezept beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet wurden, hat sich ein Telemedizinportal neu platziert, um die Verschreibung zu vereinfachen. Mit ›Appsaufrezept.com‹ erhalten Kassenpatient:innen ohne Arztbesuch ein Rezept zum Download als PDF-Datei für die jeweilige App. Der Anbieter startete im Übrigen bereits Ende 2018 mit Online- Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bei leichten Atemwegserkrankungen über: www.au-schein.de

Apropos Apps auf Rezept: Zu den ersten drei auf der BfArM-Liste zugelassenen Medizinprodukten gehört die digitale Gesundheitsanwendung Somnio von Mementor, die auf der Basis kognitiver Verhaltenstherapie bei der Behandlung von Schlafstörungen hilft. Über eine randomisierte Studie konnte das Unternehmen eine Verringerung der Schlafprobleme um rund 50 Prozent nachweisen. www.mementor.de

Zanadio, das vierte Medizinprodukt auf der Liste, bietet eine digitale Adipositastherapie durch Verhaltensänderung in den Bereichen Bewegung, Ernährung etc. Persönliches Coaching unterstützt begleitend, um das Körpergewicht auf gesundem Wege nachhaltig und langfristig zu reduzieren.
Therapeutisches Training bei Rücken-, Knie- oder Hüftschmerzen wird von zuhause auf digitalem Wege durch die Anwendung von Vivira ermöglicht. https://aidhere.de/ und www.vivira.com

Eigenes Verhalten und der Lebensstil werden von Wellabe untersucht. Das Start-up führt mobile Gesundheits-Check-ups am Arbeitsplatz durch. Per Videogespräch werden verschiedene Gesundheitsdaten der Mitarbeiter:innen erhoben und direkt mit einem Arzt besprochen. Arbeitgeber:innen erhalten auf Wunsch anonymisierte Reports, die bei der Auswahl, Umsetzung und Evaluierung gesundheitsfördernder Maßnahmen helfen. www.wellabe.de

Fimo beschäftigt sich mit Fatigue. Darunter versteht man ein Folge-Syndrom (anhaltende Erschöpfung) verschiedener chronischer Krankheiten, wodurch die Betroffenen in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt sind. Das Unternehmen verbindet moderne Technologien, um relevante Parameter zu erheben und individuell auszuwerten. Aktuell laufen klinische Studien, unter anderem mit einer großen MS- Klinik. Die Aufnahme in den DiGA-Katalog ist ebenso geplant wie die Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen. www.fimohealth.de


Meldungen

 

Wenn der Erste Hilfe Kurs lange her ist

Durch eine App Wissen auffrischen

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) traut sich jede/r Vierte in Deutschland nicht zu, selber Erste Hilfe zu leisten. Eine App soll hier Abhilfe schaffen.

Zwar haben 93 Prozent der Menschen in Deutschland schon einmal einen Erste Hilfe Kurs belegt, jedoch ist dieser bei vielen Bürgerinnen und Bürgern schon einige Jahre her. »Die meisten haben ihren letzten Erste Hilfe Kurs im Zusammenhang mit dem Führerschein gemacht«, sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Laut der repräsentativen, telefonischen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der TK ist der Lehrgang bei fast jeder/m Vierten mehr als 20 Jahre her. Bei Personen ab 60 Jahren betrifft das sogar fast jede/n Zweite/n. »In Skandinavien lernen bereits Kindergartenkinder, wie Erste Hilfe funktioniert.« Das sollte laut dem Krankenkassen-Chef auch in Deutschland selbstverständlich sein. So könnten 10.000 Menschen jährlich durch Sofortmaßnahmen in einer Notfallsituation gerettet werden.

Dabei fühlen sich 98 Prozent der Befragten, die in den letzten zwei Jahren einen Erste Hilfe Kurs besucht haben, fit im Umgang mit einer Notfallsituation. Die Unsicherheit steigt, je länger das Seminar zurück liegt. Mit diesem Wissen hat der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) in Kooperation mit der TK eine Erste Hilfe-App entwickelt. Wie unter echten Bedingungen lernen Interessierte in der App die Herzdruckmassage. Grundlage dafür ist Virtual Reality, ein System, mit dem Realitäten nachgestellt werden können. »Die App ersetzt zwar keinen Erste Hilfe Kurs, aber sie frischt altes Wissen auf«, so Professor Dr. Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender des GRC. Die App ist nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen eingerichtet. So wird zum Beispiel auf die Mund- zu-Mund-Beatmung verzichtet. Um die App zu nutzen, benötigen Interessierte ein Smartphone und ein sogenanntes Cardboard – ein Gestell, in welches das Handy eingeklemmt und um den Kopf gebunden wird. Dieses kann günstig im Internet erworben oder selbst gebastelt werden.

 

Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst

Wie wirkt sich die Tarifeinigung aus?

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen erhalten mehr Lohn. In der Pflege handelt es sich um 8,7 Prozentpunkte, bei Intensivpflegekräften um bis zu zehn Prozent. Zusätzlich wird eine gestaffelte Corona-Prämie – mit Beginn in diesem Jahr und Ende in 2022 – ausgezahlt. So erhält eine Pflegefachkraft im Krankenhaus (Entgeltgruppe 7/Stufe 6) mit einem Monatseinkommen von 3.539,56 Euro einschließlich der vereinbarten Zulagen künftig bis zu 300 Euro mehr. Die Arbeitszeitangleichung zwischen Ost und West erreicht zum 1. Januar 2023 einen Gleichstand.

Während der Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Frank Werneke, in der Einigung ein respektables Ergebnis sieht, stehen die Pflegenden dem Ergebnis eher skeptisch gegenüber. Laut Werneke wurden deutliche Verbesserungen für untere und mittlere Einkommensgruppen erreicht.

Die Pflegekräfte hingegen gründeten in diesem Jahr die Gewerkschaft ›Bochumer Bund‹, die künftig ihre Interessen vertreten soll. Pflegeberater Guido Burkhardt mit Tätigkeitsschwerpunkten in Deutschland und der Schweiz, merkt an: »Krankenhäuser bekommen zusätzliche Pflegefachleute finanziert und die Personalschlüssel in Pflegeheimen wurden optimiert, doch es gibt keine Bewerber:innen. Trotz erneuerter Pflegeausbildung sind die Zugangsvoraussetzungen aus Sorge vor noch weniger Bewerbungen nicht an das internationale Niveau angepasst. Das Pflegewissen sinkt, die Kompetenzen der Pflegenden ebenso. Auch wenn ein Tarif vereinbart wurde, der ordentliche Löhne für wenige Spitzenpositionen garantiert, ermöglicht er für die Mehrzahl der Pflegefachleute keine Verbesserung ihres Lebensstandards. Die Abwärtsspirale bis zum vollständigen Zusammenbruch der Pflege und des stationären Gesundheitswesens dreht sich weiter.«

 

News zur elektronischen Patientenakte

Leistungserbringer übermitteln Dokumente und gematik optimiert Prüfprozess

Die Unternehmensgruppe Bitmarck übermittelt erstmals erfolgreich Dokumente von Leistungserbringern an die von ihr entwickelte elektronische Patientenakte (ePA). Zugleich prüfen Experten bei der gematik die Sicherheit der ePA.

Bitmarck, das Gemeinschaftsunternehmen mehrerer Krankenkassen, entwickelte gemeinsam mit dem Softwarehaus Rise eine Lösung für die ePA, aufgrund derer nun erstmals medizinische Dokumente eines zahnärztlichen Praxisverwaltungssystems übermittelt werden konnten. Damit haben die Unternehmen die Ende-zu-Ende- Interoperabilität nachgewiesen. »Der erfolgreiche Test zeigt, dass unsere ePA bereit ist für die Überführung in den produktiven Betrieb. Das ist eine gute Nachricht für unsere Kunden, denen wir zum 1. Januar 2021 ein fertiges, gematik-zugelassenes Produkt bereitstellen wollen«, sagt Andreas Strausfeld, Vorsitzender der Bitmarck- Geschäftsführung.

Seine Lösung sollen im nächsten Jahr über 80 Krankenkassen nutzen. Sie ist laut Prof. Thomas Grechenig, Sprecher der Rise-Geschäftsführung, ein hochsicherer digitaler Tresor für die wichtigsten Patientendaten. Dafür haben die Entwicklerinnen und Entwickler zahlreiche Komponenten im Umfeld der Telematik-Infrastruktur (TI) berücksichtigt. Das sieht Holm Diening, Leiter der Sicherheitsabteilung bei der gematik, ebenso. »Die elektronische Patientenakte in Deutschland kann auf einem Sicherheitsniveau starten, das andere Aktenlösungen im europäischen Vergleich übertrifft.« Die beiden Unternehmen sind sich sicher, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen die Versorgung der Versicherten in den kommenden Jahren signifikant verbessern wird.

Die gematik arbeitet mit unabhängigen Gutachtern und Experten zusammen. In drei Schritten durchläuft die ePA ein Prüfverfahren. Im ersten Schritt hat die gematik interne und externe Expertise eingeholt, danach hat sie bei der TU Graz ein Gutachten zur ePA- Sicherheitsarchitektur in Auftrag gegeben, und in Schritt drei wurden weitere Sachverständige hinzugezogen und ihnen das Gutachten zur Verfügung gestellt. Zu den Experten, die das Gutachten gesichtet haben, gehört auch Martin Tschirsich, Programmierer und Mitglied des Chaos Computer Clubs. Er hatte noch eine Schwäche in einem der Sicherheitsprotokolle entdeckt. Sämtliche Schwachstellen wurden laut eigenen Angaben der gematik inzwischen behoben.

 

Drittes Digitalisierungsgesetz

Medizinische Versorgung grenzüberschreitend sichern

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn treibt die Digitalisierung im Gesundheitswesen Referentenentwurfs, sieht neben moderner Technik auch eine Ausweitung der Telematik- Infrastruktur (TI) ins europäische Umland vor.

Ferner sollen die Apps auf Rezept zusätzlich durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert werden. Die Zulassung soll zudem eine Befristung für die Festlegung gruppenbezogener Höchstbeträge enthalten. Eine neue Variante sind digitale Pflegeanwendungen (DiPA) – mit Erstattung über die soziale Pflegeversicherung. Um die Internationalisierung auch im Gesundheitswesen voranzubringen, möchte der Bundesgesundheitsminister die elektronischen Patientenakten (ePA) und das E-Rezept europatauglich machen. Eine Stärkung der grenzüberschreitenden Versorgung ist nicht nur in Pandemiezeiten notwendig.

Weitere Pläne: Videosprechstunden dürfen auch außerhalb der regulären Sprechzeiten sowohl von Ärzten als auch von Heilmittelerbringern und Hebammen angeboten werden. Die Erstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen per Telemedizin wird möglich. Einen Anschluss an die TI erhalten Notfallsanitäter und Hilfsmittelerbringer. Zudem bekommt die Private Krankenversicherung Zugriff und kann unter anderem E-Rezepte digital abwickeln. Sämtliche kartenbasierten Anwendungen werden digitalisiert. Über das E-Rezept können häusliche Krankenpflege und Hilfsmittel verschrieben werden, die Digitalisierung von Betäubungsmittelrezepten ist vorgesehen.

Ob diese Pläne Einzug in das Gesetzgebungsverfahren finden, wird sich in dieser Legislaturperiode entscheiden. Verbände und Organisationen fordern eine nationale E-Health-Strategie mit mehr Interoperabilität. So eröffnete gematik-Geschäftsführer Dr. med. Markus Leyck Dieken den fünften deutschen Interoperabilitätstag: »Wir wollen die Digitalisierung in Deutschland deutlich in den Turbo-Modus bringen. Es besteht dringender Bedarf an übergreifendem, koordiniertem Vorgehen mit einer gemeinsamen Zielsetzung. Wir brauchen nachhaltige Standards, die sowohl in Deutschland als auch in Europa Bestand haben – und einen Fokus auf Nutzerfreundlichkeit.«


Bemerkt

 
  

»Für die Arzneimittelforschung ist die CRISPR/Cas9- Technik von großem Wert.
So wird die prämierte Technik entscheidend dazu beitragen, dass künftig Patientinnen und Patienten noch besser geholfen werden kann.«


Han Steutel, Präsident des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen (VFA)

 

 

Der diesjährige Nobelpreis für Chemie ging an die Entwicklerinnen der CRISPR/Cas9- Methode zur gezielten Erbgutveränderung. Pharmaunternehmen entwickeln darauf aufbauende Gentherapien für Patienten mit bestimmten Erbkrankheiten und bei Krebserkrankungen. Außerdem nutzen sie die Technik für Laborexperimente, die zur Erfindung anderer Medikamente dienen.


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Praxiswissen: Welchen Einfluss hat der digitale Wandel
Ergebnisse der Expertenbefragung zur fach- und sektorenübergreifenden Versorgung in der ärztlichen Praxis

Welchen Einfluss hat der digitale Wandel? Wir wollten wissen, wie Expertinnen und Experten den Blick der Ärzteschaft auf den allgemeinen Stand der digitalen Transformation im Gesundheitswesen einschätzen und wo sie Hürden sehen, die es zu beseitigen gilt. Antworten darauf erhielten wir im Rahmen einer Umfrage, deren Ergebnisse wir in dieser Broschüre zusammenfassen.

Hier finden Sie die Broschüre
»Praxiswissen: Welchen Einfluss hat der digitale Wandel« als PDF https://bit.ly/3mY50Uy


Empfehlung

DiGA VADEMECUM des hih

 

Mit diesem Buch klärt ein Expertenteam des health innovation hub (hih) Leserinnen und Leser über alles Wichtige rund um digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) auf. Die Autorinnen und Autoren geben einen Überblick über das deutsche Gesundheitswesen, rechtliche Rahmenbedingungen und erklären den Weg vom Konzept bis zur Zulassung.

»Das Vademecum, lateinisch für ›Geh mit mir!‹, ist ein seit dem Mittelalter etabliertes Format. Es steht für ein handliches Buchformat, das als praktischer Begleiter mitgeführt werden kann. Im Mittelalter zunächst für theologische und liturgische Schriften verwendet, etablierte sich das Format vor allem für medizinische Handbücher.«

Konzipiert für DiGA-Entwickler:innen aus Start-ups sowie für bereits etablierte Unternehmen, werden die notwendigen Schritte von der Idee bis zur erfolgreichen Markteinführung beschrieben. Didaktisch klar strukturiert, vermittelt das DiGA VADEMECUM auch wertvolle Einblicke für Finanzierungspartner der EntwicklerInnen aus dem Venture Capital und aus Private-Equity-Bereichen sowie für mögliche Vertriebspartner aus der Pharma- und Medizintechnikbranche.

Jan B. Brönneke, Jörg F. Debatin, Julia Hagen, Philipp Kircher, Henrik Matthies (Hrsg.)
»DiGA VADEMECUM – Was man zu Digitalen Gesundheitsanwendungen wissen mus«

Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Oktober 2020
Paperback, 195 Seiten
22 farbige Abbildungen,
ISBN: 978-3-95466-568-6
29,99 Euro

Hier geht es zur Seite bei der MWV mit Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: https://bit.ly/3mOosmK


Zuletzt:

Call for Papers für das DMEA-Programm

Der Berufsverband Gesundheits-IT (bvitg) ruft dazu auf, seinen jährlichen Kongress zum Thema digital Health - die DMEA - mitzugestalten. Bis zum 15. November können Interessierte Kurzabstracts unter www.dmea.de/Programm/CallForPapers einreichen. Die Veranstaltung soll vom 13. bis 15. April 2021 in Berlin stattfinden. Das Team sucht Vorträge zu aktuellen Projekten, die zeigen, wie Versorgungsprozesse mithilfe digitaler Tools verbessert oder effizienter gemacht werden können.

Weitere Informationen zur Beteiligung an der kommenden DMEA hier: https://bit.ly/2TXPV96

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