Berlin-Chemie Newsletter vom 30. Juli 2020

Berlin-Chemie Newsletter vom 30. Juli 2020

Kurzstrecke:

  • Krankschreibung über Videosprechstunde
    Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss gilt generell

  • Jeder zweite Befragte fühlt sich gestresst
    Umfrage der Techniker Krankenkasse zur Corona-Pandemie

  • Mehr Transparenz gewünscht
    Umfrage: 89 Prozent fühlen sich schlecht über Gesundheits-Apps informiert

  • Meldefehler oder wurde falsch abgerechnet?
    7.300 bezahlte Intensivbetten fehlen in Deutschland

Young Health:

  • »Mini-Anwendungen« für Pflegekräfte einfach zum Herunterladen
    David Müller hat mit 15 Jahren angefangen, ein Start-up zu gründen

 Meldungen:

  • Aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt
    Deutsche wollen digitale Gesundheitsangebote nutzen

  • Forderungskatalog der Pharmabranche
    Vfa klagt über mögliche internationale Wettbewerbsnachteile

  • EU-Ratspräsidentschaft
    Gemeinsame Ziele für europäische Gesundheitspolitik

  • Universität Greifswald ist mit an Bord
    Forschungsdateninitiative soll Gesundheitsdaten optimieren


Covid-19 verschärft wirtschaftliche Situation deutscher Kliniken

Die Covid-19-Krise hat die ohnehin angespannte Situation der Krankenhäuser in Deutschland deutlich verschärft. Fast sechs von zehn deutschen Kliniken (57 Prozent) rechnen für 2020 mit einem Defizit, im vergangenen Jahr schrieben noch 32 Prozent rote Zahlen. Hauptgrund ist die rückläufige Auslastung während der Pandemie-Hochphase im März und April. Hier sank die Belegung der Intensivstationen großer Krankenhäuser mit über 1.000 Betten um 27 Prozent, auf Normalstationen sogar um 37 Prozent. Das sind Ergebnisse der ›Krankenhaus-studie 2020‹ von der Unternehmensberatung Roland Berger. Für die Unter-suchung haben die Autoren Klinikmanager der 600 größten Krankenhäuser in Deutschland befragt.

»Das Gesundheitssystem in Deutschland funktioniert – das hat sich während der Covid-19-Krise einmal mehr gezeigt. Aber die wirtschaftliche Situation vieler Kliniken hat sich durch die Pandemie noch einmal deutlich verschlechtert,« sagt Peter Magunia, Partner bei Roland Berger. »Mit einer schnellen Erholung der Patientenzahlen und damit verbundenen Einnahmen ist nicht zu rechnen. Um in dieser Situation zu bestehen, sollten Häuser noch offener für intensivere Kooperationen mit anderen Kliniken sein, ihre ambulanten Angebote gezielt ausbauen und Schritt für Schritt Reformvorhaben im Bereich Digitalisierung vorantreiben.«

Grundsätzlich spielt die Organisationsstruktur eines Krankenhauses eine immer wichtigere Rolle für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. In 2019 erzielten 76 Prozent der in einem Verbund organisierten Kliniken zumindest eine schwarze Null. Bei den eigenständigen Kliniken verzeichneten 38 Prozent ein Defizit. »Die Verbundkliniken profitieren von Synergieeffekten und stehen in Summe signifikant besser da. Covid-19 wird den Trend zu mehr Zusammenarbeit noch weiter beschleunigen«, sagt Magunia.


Kurzstrecke

 

Krankschreibung über Videosprechstunde

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss gilt generell

Patientinnen und Patienten können sich künftig in der Videosprechstunde von Ärztinnen und Ärzten krankschreiben lassen. Das beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Bislang mussten Versicherte sich persönlich in der Praxis vorstellen, wenn sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigten. Die Online-Krankschreibung hat allerdings bestimmte Voraussetzungen. Zum einen muss die Patientin oder der Patient in der Arztpraxis bekannt sein. Zum anderen darf das ärztliche Personal die Krankschreibung nur über maximal sieben Tage ausstellen. Eine Folgekrankschreibung per Video ist nicht möglich. Außerdem dürfen Ärzte den gelben Schein nur über Videoschaltung und nicht einfach per Telefon oder einen ausgefüllten Online-Fragebogen ausstellen.

Der Beschluss gilt generell und ist nicht gebunden an die Corona-Situation. »Im Einzelfall soll die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit über eine Videosprechstunde möglich sein, ganz unabhängig von Pandemiegeschehnissen«, sagt Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied beim G-BA.

 

Mehr Transparenz gewünscht

Umfrage: 89 Prozent fühlen sich schlecht über Gesundheits-Apps informiert

Ärztinnen und Ärzte wünschen sich mehr Transparenz bei Gesundheits-Apps. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Barmer. 89 Prozent der Befragten fühlen sich wenig bis schlecht über digitale Gesundheitsanwendungen informiert. Sie erwarten Informationen von Ärztekammern, kassenärztlichen Vereinigungen, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, von Krankenkassen und Herstellern selbst.

Ärztinnen und Ärzte die neue Verordnung. »Um eine Gesundheits-App einschätzen und einsetzen zu können, sind kurze Steckbriefe mit allen relevanten Fakten hilfreich«, rät Straub

 

Meldefehler oder wurde falsch abgerechnet?

7.300 bezahlte Intensivbetten fehlen in Deutschland

Der Bund hat in den vergangenen Monaten für 39.700 Intensivbetten bezahlt. Doch die Krankenhäuser meldeten nur 32.400 Betten. Das hat die ARD-Sendung ›Kontraste‹ offengelegt. Laut Recherchen der Redaktion würden 7.300 Betten fehlen, die die Regierung bereits mit rund 360 Millionen Euro bezahlt hat. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn versprach, daraufhin die Krankenhäuser zu überprüfen. »Eine Kontrolle der Zahlungen gibt es, in diesem Falle aber eben nachgelagert«, sagte der Minister in der Sendung. Laut ARD sei es unklar, ob die fehlenden Betten einfach ein Meldefehler seien, oder ob Kliniken tatsächlich Betten abgerechnet hätten, die gar nicht vorhanden seien.

Während der Corona-Krise erhielten Kliniken für jedes weitere geschaffene Intensivbett 50.000 Euro Steuergelder.


young health

 

»Mini-Anwendungen« für Pflegekräfte einfach zum Herunterladen

 

David Müller

hat mit 15 Jahren angefangen, ein Start- up im Gesundheitswesen zu gründen.

Damit ist er Deutschlands jüngster Gründer im Gesundheitswesen.

Der 16-Jährige besucht nach den Sommerferien die 11. Klasse eines Gymnasiums in Baden-Württemberg. Neben der Schule arbeitet er bei SAP und ist Mitglied bei Hashtag Gesundheit e. V.

 

 

Du entwickelst gerade ein Tool für die Digitalisierung des Pflegemanagements. Worum geht es da genau?

Ich entwickle einen App Store für Pflegeheime. Pflegekräfte können sich dort dann individuell »Mini-Anwendungen« herunterladen. Diese sollen sie in ihrem Berufsalltag unterstützen. Das können Schichtpläne, Pflegemanagement-Systeme oder Anwendungen zur Dokumentation sein. So möchte ich eine Infrastruktur für Einrichtungen aufbauen. Die Struktur können dann auch andere Start-ups nutzen und ihre Anwendungen über den Store bereitstellen.

An welchem Punkt der Entwicklung deiner Idee bist du zurzeit?

Der Prozess der Ideenfindung ist abgeschlossen. Das Geschäftsmodell ist klar und der Businessplan steht. Jetzt muss ich das, was auf dem Papier steht, umsetzen. Da bin ich gerade in die Entwicklung eines Prototyps gestartet. Dieser soll mit einfachen Funktionen zeigen, wozu die Plattform in der Lage wäre. In der nächsten Zeit möchte ich dann ein Unternehmen gründen und die ersten finanziellen Mittel dafür sammeln. Das Programmieren übernehme ich erstmal selber. Ich suche aber noch nach motivierten Mitgründern.

Wie kamst du zu deiner Idee?

In den vergangenen Jahren gab es in meiner Familie einige Krebserkrankungen. Dadurch ist mir bewusst geworden, wie schlecht es um die Digitalisierung in Krankenhäusern und Pflegeheimen steht. Die Einrichtungen haben teilweise Programme genutzt, die nicht mehr zeitgemäß waren, unzureichende Funktionen hatten und deren Nutzung mehr Zeit kostete, als dass sie Arbeit abgenommen hat. Für mich stand dann schnell fest, dass ich mit meinem technischen Know-how und meinen kreativen Lösungsansätzen etwas verändern möchte.

Wie ist es für dich, in so jungen Jahren ein Start-up im Gesundheitswesen zu gründen?

Das Gesundheitswesen ist komplex und manchmal für mich etwas unübersichtlich. Ich kann aber sagen, dass die Menschen aus Bereichen der Gesundheit, denen ich bis jetzt begegnet bin, alle unheimlich nett waren und Lust hatten, mir zu helfen. Bestimmt gibt es auch professionelle Angebote, die mich unterstützen könnten, nur sind diese schwer zu finden. Da würde ich mir eine bessere Kommunikation wünschen.
 


Meldungen

 

Aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt

Deutsche wollen digitale Gesundheitsangebote nutzen

Eine aktuelle Befragung des Bitkom e.V. zeigt, die Menschen in Deutschland stehen der Digitalisierung im Gesundheitswesen offen gegenüber.

Rund zwei Drittel der Befragten finden, es sei mehr Tempo beim Ausbau digitaler Gesundheitsangebote nötig. Das ist eines der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom e.V.). Über 60 Prozent der Interviewten sind der Meinung, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems zurückliegen würde. Mit neuen digitalen Angeboten in den kommenden Jahren wird versucht, diesen Rückstand aufzuholen. »Nach 20 Jahren gesundheitspolitischer Lethargie kommt jetzt Schwung in digitale Gesundheitsangebote«, kommentiert Bitkom- Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Darüber hinaus können sich aktuell rund 45 Prozent der Bürgerinnen und Bürger vorstellen, die Videosprechstunde zu nutzen. Im Mai waren es noch 39 Prozent, im vergangenen Jahr sogar nur 30 Prozent. Dabei hat jeder achte Befragte schon einmal die digitale Sprechstunde bei einem Arzt oder einer Ärztin bzw. bei einem Therapeuten oder einer Therapeutin wahrgenommen. Damit hat sich der Wert zum Vorjahr fast verdoppelt. Gründe seien die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus in der Praxis, die Möglichkeit, schnell ärztlichen Rat zu erhalten, Bequemlichkeit, Vermeidung von Wartezeiten und auch Neugier.

Neben der Videosprechstunde sind die Bundesbürgerinnen und -bürger den digitalen Gesundheitsanwendungen gegenüber generell aufgeschlossen. Sechs von zehn Befragten können sich gut vorstellen, eine Gesundheits-App für ihr Smartphone auf Rezept zu testen. Selbst jeder Zweite der über 65-Jährigen möchte eine Gesundheits-App installieren. Vier von zehn Patienten wollen ihre Ärztin oder ihren Arzt sogar aktiv nach einer App auf Rezept fragen.

Auch die elektronische Patientenakte (ePA), die zum 1. Januar 2021 kommt, stößt auf großes Interesse: Über 70 Prozent würden die ePA nutzen. Für 64 Prozent ist es essentiell, dass die Datenhoheit bei den Versicherten liegt und nur die Patientin oder der Patient bestimmen kann, welche Ärzte welche Daten sehen dürfen. Zwei Drittel der Befragten können sich außerdem vorstellen, das elektronische Rezept, welches ebenfalls 2021 bundesweit starten soll, zu verwenden. 44 Prozent sagen, sie würden sich künftig regelmäßig eine Zweitmeinung von einer Künstlichen Intelligenz einholen wollen.

 

Forderungskatalog der Pharmabranche

Vfa klagt über mögliche internationale Wettbewerbsnachteile

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) fordert in einem 7-Punkte- Papier, die Entwicklungen der Arzneimittel in Deutschland zu stärken.

Viele Länder der Welt entwickeln in der Corona-Pandemie Impfstoffe, Medikamente und Tests. Der vfa betont, dass forschende Pharmaunternehmen am Standort Deutschland dabei eine wichtige Position einnehmen. Umso wichtiger sei es, dass die Pharmaindustrie Rückenwind aus der Politik erhält. »Denn der internationale Standortwettbewerb wird härter«, sagt vfa-Präsident Han Steutel. »Neben dem Schwergewicht USA sehen wir Chinas Kräfte wachsen.« Vor diesem Hintergrund hat der vfa nun einen Katalog mit Forderungen vorgelegt.

In dem Papier regt der vfa an, die internationalen Handelspartner zu stärken. Dazu sollten öffentlich-private Partnerschaften gezielt gefördert werden. Die Arzneimittelbehörden sollten ihre Ressourcen ausbauen, um Standards international kontrollieren und durchsetzen zu können. Der Verband wünscht sich, dass Forschungskooperationen finanziell unterstützt werden. Außerdem fordert der vfa, Datenschutzregeln und Vorgaben der Aufsichtsbehörden zu vereinfachen und zu standardisieren. Dies sei notwendig, damit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland schneller klinisch forschen können. Forscherinnen und Forscher in Pharmaunternehmen sollten Zugang zu Versorgungsdaten digitaler Apps sowie elektronischer Gesundheitsakten erhalten, neue Therapieansätze erforscht und dann umgesetzt werden. Dabei plädiert der vfa dafür, dass bei seltenen Erkrankungen keine großen Patientenstudien durchgeführt werden müssen.

Des Weiteren bemängelt der vfa zu hohe Steuern. Um Investitionen für neue Forschungsprojekte nach Deutschland zu holen, sei die steuerliche Forschungsförderung auf einem internationalen Niveau essentiell. Das wäre ein wichtiger Faktor für Start-ups. Weiter betont der vfa, dass Impfstoffe und Antibiotika besonders wichtig seien. Deshalb sollten Impfquoten und Grundlagenforschung von Antibiotika erhöht werden.

 

EU-Ratspräsidentschaft

Gemeinsame Ziele für europäische Gesundheitspolitik

Am 1. Juli hat Deutschland den Vorsitz im Rat der Europäischen Union (EU) übernommen. Die Bundesregierung stimmt sich mit Slowenien und Portugal bei den Zielen für die Gemeinschaft als »Trio-Präsidentschaft« ab. Gesundheitsminister Jens Spahn legte auf einer Tagung drei gesundheitspolitische Ziele für Europa offen.

Slowenien, Portugal und Deutschland sind das neue Trio der EU-Ratspräsidentschaft für die nächsten 18 Monate. Sie haben Mitte Juli zusammen mit der EU-Kommission sowie weiteren Expertinnen und Experten auf einer informellen Tagung drei wesentliche gesundheitspolitische Ziele festgelegt. Zum einen sollen Wege gesucht werden, um die Produktion kritischer Arzneimittel und Medizinprodukte, wie zum Beispiel Schutzmasken, wieder nach Europa zu verlagern und europäische Reserven anzulegen. Die Corona- Pandemie habe gezeigt, dass Lieferengpässe nationale Gesundheitssysteme bedrohen können. Dabei soll auf EU-Ebene mehr Informationsaustausch stattfinden, die Wirkstoffqualität verbessert werden sowie Lieferketten sollen ausgeweitet werden und Unternehmen finanzielle Anreize erhalten, um ihre Produkte weiterhin in der EU zu produzieren. Außerdem möchte die Ratspräsidentschaft die EU-Kommission bei der EU- Arzneimittelstrategie unterstützen.

Ein weiteres Ziel ist es, Europa für die Forschung attraktiver zu gestalten. Dafür möchte Jens Spahn einen europäischen Gesundheitsdatenraum schaffen. Gesundheitsdaten sollen sicher auf europäischer Ebene genutzt werden können. Big Data und Künstliche Intelligenz im Gesundheitsbereich stehen im Mittelpunkt bei der Digitalkonferenz ›Digital Health 2020 – EU on the Move‹ am 11. November 2020.

Das dritte Ziel ist die Stärkung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Dabei soll das ECDC das Krisenmanagement und Pandemiepläne weiter ausarbeiten.

Im Januar 2021 wird Portugal den Vorsitz von Deutschland übernehmen, bevor Slowenien im Sommer 2021 die Trio-Ratspräsidentschaft abschließt. Rund 50 gesundheitspolitische Veranstaltungen sind innerhalb der EU-Ratspräsidentschaft geplant.

 

Universität Greifswald ist mit an Bord:

Forschungsdateninitiative soll Gesundheitsdaten optimieren

Mit der Nationalen Forschungsdateninitiative für Gesundheit (nfdi4health) wollen Bund und Länder Forschungsdaten nutzbarer und zugänglicher gestalten. Die Universitätsmedizin Greifswald ist ab sofort Teil des Teams.

Ende 2018 haben Bund und Länder auf einer gemeinsamen Wissenschaftskonferenz entschieden, eine nationale Forschungsdateninfrastruktur für personenbezogene Gesundheitsdaten aufzubauen. Das Forschungsteam setzt sich aus 18 Partnern sowie 46 nationalen und internationalen Befürwortern zusammen. Die Federführung liegt bei der Deutschen Zentralbibliothek Medizin in Köln und dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Neu an Bord der Forschungsgruppe ist ab sofort die Universitätsmedizin in Greifswald. Die Projektleitung in Greifswald verantworten Professor Dr. Carsten Oliver Schmidt und Professorin Dr.-Ing. Dagmar Waltemath vom Greifswalder Institut für Community Medicine. Ziel der nfdi4health ist es, Forschungsdaten aus Studien im Gesundheitswesen nutzbarer und international zugänglicher zu gestalten. In Deutschland seien viele »Daten nicht ausreichend vergleichbar und es gibt viel Intransparenz, weil bestehende Standards uneinheitlich sind und nicht konsequent verwendet werden«, erklärt Frau Prof. Dagmar Waltemath. Die beiden Greifswalder Professoren sind im Projekt nfdi4health dafür verantwortlich, die Datenqualität zu sichern, Standards für Studien zu schaffen und den Datenschutz zu gewährleisten.

Das Projekt ist aktuell eines der größten Medizindatenprojekte in Deutschland und wird mit 85 Millionen Euro pro Jahr über fünf Jahre gefördert. Die Forschungsgruppe widmet sich neuen und bereits bestehenden Studien. Dazu gehört unter anderem die Greifswalder Langzeitstudie SHIP. Dort werden zufällig ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Region Vorpommern in regelmäßigen Abständen medizinisch untersucht. Ziel der Studie ist es, nicht nur einzelne Krankheiten zu analysieren, sondern Gesundheit in ihrer Komplexität zu sehen. »Die Einbindung in dieses bedeutende und wegweisende nationale Zukunftsprojekt stärkt Greifswald als einen der führenden Wissenschaftsstandorte der Gesundheitsforschung«, sagt Professor Schmidt.


Bemerkt

 
 
 »Der Minister wird aufgefordert, in Sachen Digitalisierung etwas vom Gas zu gehen.«​
 


 

Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der KV Bremen gegenüber Handelsblatt Inside. Die Gesprächsatmosphäre zwischen Bundesgesundheitsministerium und Ärzteschaft ist derzeit angespannt. Seit Jens Spahns Amtsantritt als Minister treibt er die Digitalisierung des Gesundheitswesens auch mit Druck auf die Ärzteschaft voran. Beispielsweise sollen Praxen sich an die Telematikinfrastruktur (TI) anschließen, sonst werden sie finanziell sanktioniert. Mit einem Schreiben positionierten sich die Kassenärztlichen Vereinigungen und die KBV gegen Spahns' Kurs.


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Obwohl Covid-19 in erster Linie die Atemwege befällt, berichten einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass das Virus das Nervensystem befallen kann. Einige Studien analysieren psychische Störungen und Depressionen, die durch Corona ausgelöst werden. Die Studie der Universität Regensburg zeigt, wie bereits bei leichtem Verlauf der Krankheit die Spuren von Nervenschäden im Gehirn aussehen können: https://www.springermedizin.de/covid-19/neurologische-beteiligung-bei-infektionserkrankungen/association-of-neuronal-injury-blood-marker-neurofilament-light-/18162788?fulltextView=true


Empfehlung

Datenbank für digitale Medizin in Deutschland

Die Plattform digimedia.de listet digitale Gesundheitsanwendungen auf. In  einem Suchfeld kann die Nutzerin oder der Nutzer ein Interessengebiet, wie zum Beispiel ›Diabetes‹ oder ›Depression‹, eingeben. Die dann erscheinende Liste zeigt mögliche Websites und Apps dazu an. Neben jedem Ergebnis steht, welche Zertifizierungen die Anwendung bereits erhalten hat, ob Studien dazu vorhanden sind und ob es sich um ein Medizinprodukt handelt.

Vertrauenswürdige Anwendungen stehen in den Suchergebnissen weiter oben.

https://digimeda.de/

 


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Tim Bendzko singt für die Forschung

Die Universität Halle-Wittenberg möchte herausfinden, wie Großveranstaltungen während der Pandemie stattfinden können. Deswegen lädt sie am 22. August 4.200 Personen zu einer Live-Simulation in die Arena Leipzig ein. Tim Bendzko unterstützt die Aktion. Zum kostenfreien Konzert und der damit verbundenen Studie können sich Interessierte (im Alter von 18 bis 50 Jahren) bei https://restart19.de anmelden.

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