Berlin-Chemie Newsletter vom 25. Juni 2020

Berlin-Chemie Newsletter vom 25. Juni 2020

Interview:
  • Fazit einer digitalen Großveranstaltung im Gesundheitswesen: Highlights der DMEA Sparks
EinBlick sprach mit Sebastian Zilch, Geschäftsführer beim Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg), dem Veranstalter der größten Messe und Konferenz zur digitalen Gesundheitsversorgung in Europa – der DMEA

Kurzstrecke:
  • Verschiedene Perspektiven bündeln
DFG gründet interdisziplinäre Kommission für Pandemieforschung
  • Absenkung der Erstattung
Preis für Corona-Test wird zum 1. Juli angepasst
  • Aktuelle Befragung unter Vertragsärzten
Auswirkungen von TSVG, DSGVO und COVID19 in Praxen
  • Corona-Warn-App feiert erste Erfolge
Über 12,6 Millionen Downloads nach der ersten Woche
 
Young Health:
  • Diskriminierung im Gesundheitswesen
Maria Krayem von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland
 
Meldungen:
  • TK und TU Ilmenau starten Kooperation
Gemeinsam Diversität und Internationalität von Studierenden fördern
  • Goethe Interactive Covid-19 Analyzer
Tool der  Frankfurter Universität vergleicht Fallzahlen einzelner Länder miteinander
  • Televisite mit Robotern
ERIC soll Folgeschäden nach intensivmedizinischen Behandlungen minimieren
  • KBV-Vertreterversammlung
Starke Kritik an der gematik und Lob für Vertragsärztinnen und -ärzte

Fazit einer digitalen Großveranstaltung im Gesundheitswesen: Highlights der DMEA Sparks

EinBlick sprach mit Sebastian Zilch, Geschäftsführer beim Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg), dem Veranstalter der größten Messe und Konferenz zur digitalen Gesundheitsversorgung in Europa – der DMEA

 

 Sebastian Zilch

 ist seit Juni 2017 Geschäftsführer des Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg). Zuvor leitete er
 dort den Bereich Politik und Kommunikation.

 Der bvitg vertritt in Deutschland die führenden IT-Anbieter im Gesundheitswesen und ist
 Veranstalter der größten Messe und Konferenz zur digitalen Gesundheitsversorgung in Europa,
 der DMEA sparks. Dieses Jahr fand sie vom 16.-18. Juni erstmals komplett online statt. Einige
 Programmpunkte sind noch bis zum 15. Juli abrufbar auf der Webseite www.dmea-sparks.de


 


Die erste DMEA sparks im Online-Format ist geschafft. Was waren die Highlights?
Natürlich haben wir uns sehr gefreut, dass Bundesgesundheitsminister Spahn wieder bei der Eröffnung der DMEA mitgewirkt hat – dieses Mal in Form eines Interviews zu ganz aktuellen Themen wie der Corona-Warn-App, Vernetzung in Europa und Interoperabilität. Ein weiteres Highlight war die Keynote von Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski, die erst kürzlich in den Deutschen Ethikrat gewählt wurde. Zudem haben wir in diesem Jahr erfolgreich unser interaktives Format ›eHealth Hot Seat‹ fortgeführt, bei dem der gematik-Geschäftsführer Dr. Markus Leyck Dieken trotz kniffliger Fragen einen kühlen Kopf bewahrt hat.
Zusätzlich gab es eine ganze Reihe hochkarätig besetzter Panels mit Themen wie dem europäischen Datenraum oder IT-Sicherheit in der Praxis. Wer bei der DMEA sparks nicht einschalten konnte, kann übrigens noch bis 15. Juli auf der Website www.dmea-sparks.de viele unserer Programmpunkte kostenlos abrufen.
 
Was nehmen Sie als Learnings mit? Was hat gut geklappt und was würden Sie bei einer Wiederholung anders machen?
Es war in der Tat keine leichte Aufgabe, innerhalb weniger Wochen eine komplett digitale Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Unsere Speaker und die Supporter waren sehr offen für ein digitales Format und haben uns sehr unterstützt. Wenn wir die Wahl hätten, würden wir uns bei einer Wiederholung etwas mehr Zeit für die Planung nehmen. Wir sind aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Uns war klar, dass wir eine Vor-Ort-Veranstaltung nicht Eins-zu-eins in ein digitales Format übertragen können. Daher hoffen wir sehr darauf, dass die DMEA 2021 wieder regulär stattfinden kann. Auch wenn wir die Teilnehmenden in einem Chat aktiv eingebunden haben, hat der persönliche Kontakt und Austausch einen unbestechlichen Charme.
 
Ihr Verband stellt auf der DMEA die Digitalisierung im Gesundheitswesen jedes Jahr in den Vordergrund. Vor welcher digitalen Herausforderung steht das deutsche Gesundheitswesen aus Sicht des bvitg aktuell besonders?
In der Corona-Pandemie hat Gesundheits-IT eindeutig unter Beweis gestellt, wozu sie imstande ist. Aufgabe ist es nun, diese Energie und Motivation auch ›Post-Corona‹ beizubehalten. Statt auf alte Pfade zurückzufallen, muss unser Gesundheitssystem endlich digital fit gemacht werden. Das im Konjunkturpaket angekündigte Zukunftsprogramm für Krankenhäuser ist dafür schon einmal ein guter Schritt. Das darf aber nur der Anfang sein.
 
Wie geht es weiter mit der DMEA im nächsten Jahr? Welchen Termin dürfen wir uns vormerken?
Es gilt natürlich wie immer: Nach der DMEA ist vor der DMEA. Deshalb starten wir bald schon in die Programmplanung fürs kommende Jahr. Vormerken dürfen Sie sich schon einmal den 13. bis 15. April 2021 – dann hoffentlich wieder wie gewohnt in den Berliner Messehallen.


 

AOK startet ›Familiencoach Pflege‹

Die AOK bietet seit dem 23. Juni ein neues Online-Programm zur Selbsthilfe für psychisch belastete pflegende Angehörige an: Der ›Familiencoach Pflege‹ (www.familiencoach-pflege.de) ist ein kostenloses und für alle Interessierten anonym nutzbares Angebot, das die Psyche von pflegenden Angehörigen stärken und sie vor Überlastung schützen soll. Aktuelle Ergebnisse einer repräsentativen Befragung für den ›Pflege-Report 2020‹ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen den Bedarf: Danach ist jede vierte Person, die einen Angehörigen zuhause pflegt, durch die Pflege »hoch belastet«.
 
Der ›Familiencoach Pflege‹ vermittelt unter anderem, wie wichtig es für pflegende Angehörige ist, sich nicht zu isolieren. »Auch in schwierigen Zeiten sollten sie persönliche Kontakte zu Freunden, Bekannten und Nachbarn aufrechterhalten«, sagt Professorin Gabriele Wilz, Leiterin der Abteilung für Klinisch-psychologische Intervention an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. »Das Programm zeigt den Nutzern Methoden und Wege auf, gut für sich zu sorgen und vor allem Zeit für sich zu finden«, so Wilz, die den ›Familiencoach Pflege‹ als Expertin federführend entwickelt hat.


Kurzstrecke

 

Verschiedene Perspektiven bündeln

DFG gründet interdisziplinäre Kommission für Pandemieforschung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat eine interdisziplinäre Kommission zur Pandemieerforschung eingerichtet. 18 Mitglieder aus vielfältigen Wissenschaftsgebieten sollen neue DFG-geförderte Projekte zur Erforschung von Pandemien und Epidemien begleiten. Die Kommission soll die gesamte grundlagenwissenschaftliche Forschungslandschaft rund um Pandemien und Epidemien überblicken und mögliche Forschungsbedarfe identifizieren.
 
Mit dabei sind sowohl Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, als auch die Professorin für Gesundheitskommunikation, Dr. Cornelia Betsch aus Erfurt. Die Präsidentin der DFG, Prof. Dr. Katja Beckern, leitet die Kommission: »Wir halten ein Gremium für essenziell, das sich mit der Grundlagenforschung in dieser Krise befasst und neben der medizinischen und epidemiologischen Perspektive auch wirtschaftliche, ethische, rechtliche, soziale, psychologische und historische Aspekte einbezieht.«

Absenkung der Erstattung

Preis für Corona-Test wird zum 1. Juli angepasst

Ab dem 1. Juli erhalten medizinische Labore für einen SarsCoV2-Test 39,40 Euro. Bis dato konnten Labore eine PCR-Diagnostik mit 59,00 Euro abrechnen. Das beschloss der Erweiterte Bewertungsausschuss bestehend aus Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie drei unparteiischen Mitgliedern. »Wir haben einen sachgerechten Preis gefunden, der die Entwicklung in den Laboren von vereinzelten Tests hin zu Massentestungen widerspiegelt«, sagt Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverband.
 
Kritik dazu gab es von Seiten der Labore und von der Diagnostik-Industrie. »Mit den 39,40 Euro liegen wir definitiv nicht mehr im Rahmen und der enorme Aufwand um die Leistungen während der Pandemie sind nicht mehr gedeckt«, sagt Prof. Jan Kramer, Vorstandsmitglied der akkreditierten Labore in der Medizin. »Die Absenkung der ärztlichen Vergütung für das Testen um ein Drittel ist ein verheerendes Signal für die Bewältigung der Pandemie«, so Ulrich Schmid, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Diagnostica-Industrie.

Aktuelle Befragung unter Vertragsärzten

Auswirkungen von TSVG, DSGVO und COVID19 in Praxen

Welche Auswirkungen hat das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) auf das Terminmanagement der Arztpraxen und welche Kosten entstehen Praxen durch die Datenschutzgrundverordnung (DGVO)? Das untersucht das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) aktuell in seinem ZI-Praxis-Panel. Von Mitte Juni bis Ende Juli können über 53.000 Vertragsärzte und -psychotherapeutinnen kostenfrei an der Online-Umfrage teilnehmen.
 
Ziel der Befragung sei es, eine über alle Fachgruppen und Regionen repräsentative Datengrundlage zur vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland zu schaffen. Ein weiterer Bestandteil der Befragung sind die Zusatzkosten durch Corona.

Corona-Warn-App feiert erste Erfolge

Über 12,6 Millionen Downloads nach der ersten Woche

Seit dem 16. Juni können sich Bürgerinnen und Bürger die ›Corona-Warn-App‹ der Bundesregierung auf ihr Smartphone laden. Über 12,6 Millionen Mal wurde die App heruntergeladen, so die Bilanz von Bundesregierung und Robert-Koch-Institut. »Das ist mehr als wir uns für die erste Woche vorgestellt haben«, bilanzierte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Dienstag in einem Radiointerview.
 
Einfaches Prinzip der App: Menschen können dort ihren positiven Corona-Test eintragen. Danach werden andere Menschen, die Kontakt mit der positiv getesteten Person hatten, informiert. Das Ganze sei anonym und sicher. Selbst der Chaos-Computer-Club (CCC) lobt das. »Da kann sich die Bundesregierung auf die Schulter klopfen«, sagt CCC-Sprecher und Hacker Linus Neumann dem ZDF.
 
Ab einer Nutzungsquote von 15 Prozent rechnen Experten mit einem spürbaren Effekt bei der Eindämmung der Pandemie. Dazu muss die App als Teil eines Pandemiekonzepts wirken, das auch Mund-Nasenschutz, Abstandsregeln und Hygienevorschriften einschließt. Würde sie als alleinige Maßnahme eingesetzt, bräuchte es laut einer Berechnung der Universität Oxford eine Nutzungsquote von 60 Prozent. Am Dienstag wurde erstmals ein Datensatz mit mehr als 20 positiv getesteten Nutzern hochgeladen – erste Kontakte werden nun gewarnt.


young health

 

Diskriminierung im Gesundheitswesen

 

 Maria Krayem

 ist im letzten Jahr ihres Medizinstudiums, studiert nebenbei Politik und setzt sich seit vielen
 Jahren für Menschenrechte ein. In der Bundesvertretung der   Medizinstudierenden in
 Deutschland und auf internationaler Ebene beschäftigt sie sich vor allen mit den Themen
 Diskriminierung, Diversity und Rassismus im Gesundheitswesen.

 






Woran erkennt man, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung im Gesundheitswesen diskriminiert werden?

Das kann zum einen sehr offensichtlich sein. Beispielsweise, wenn das Personal sich weigert, bestimmte Menschen zu behandeln, oder anders behandelt. Diskriminierung kann aber auch versteckt sein. Es reicht schon, wenn mit Menschen anders und unfreundlich geredet wird, sie länger warten müssen, oder ihnen bestimmte Symptome nicht geglaubt werden. Diese Form der Diskriminierung ist die sehr viel Gefährlichere. Denn diese Probleme zu erkennen und zu benennen, ist schwer und sie können sehr gut wegargumentiert werden.
 
Was können wir dagegen tun?
Wir als Personal im Gesundheitswesen brauchen Skills, um uns selbst zu reflektieren. Warum handeln wir, wie wir handeln? Wir müssen unsere Vorurteile erkennen. Nur so können wir unser eigenes problematisches Handeln und das unserer Kolleginnen und Kollegen besser sehen. Das fehlt in Deutschland komplett.
 
Was muss sich im deutschen Gesundheitswesen ändern?
Erstens muss das Thema Diskriminierung im Gesundheitswesen deutlicher angesprochen werden. Bisher gibt es nicht mal Forschung dazu. Doch Fakt ist: Es ist ein alltägliches Problem vieler Menschen. Dass erkennen viele nicht an. Zweitens braucht es Trainings und Weiterbildungen. Die müssen in die Berufsausbildung integriert sein. Und drittens müssen wir für Betroffene, das können sowohl Patienten als auch Personal sein, einen Raum für Gespräche bieten. Wenn Menschen Diskriminierung erleben, müssen sie es ansprechen können. Ihre Erfahrungen müssen gehört werden.
 
Was sollten Menschen in Führungspositionen gegen Diskriminierung tun?
Erst einmal sollten sie sich mehr bemühen, zuzuhören. Erfahrungen kommen oft in Führungspositionen gar nicht an. Darüber hinaus können sie einen sogenannten ›Safe Space‹ einrichten. Das kann ein Raum, eine Anlaufstelle oder eine Beauftragte im Unternehmen sein. Diese sollte einen diversen Hintergrund haben, damit die Menschen sich sicher fühlen. Außerdem sollte die Person Trainings dazu erhalten, um zu wissen, wie sie mit Diskriminierung umgeht. Auch im Personalbereich gibt es viele Formen von Diskriminierung. Stelle ich bei einem Bewerbungsgespräch Frauen die gleichen Fragen wie Männern? Frage ich Frauen mit Migrationshintergrund andere Fragen als weiße Frauen? Sortiere ich die Bewerbungsunterlagen nach Fotos? Das sind alles Fragen, die wir uns stellen sollten. Ganz grundsätzlich sollte sich jede und jeder mit seinem eigenen Rassismus auseinandersetzen. Jeder hat eine persönliche Verantwortung und kann diskriminierende Strukturen verändern.


Meldungen

 

Techniker Krankenkasse und TU Ilmenau starten Kooperation

Gemeinsam Diversität und Internationalität von Studierenden fördern

Die Technischen Universität Ilmenau (TU Ilmenau) und die Techniker Krankenkasse (TK) beschäftigen sich in einem neuen Modellprojekt gemeinsam mit der Gesundheit von Studierenden mit ausländischem oder diversem Hintergrund.
 
Zusammen fördern die TU Ilmenau und die TK das Gesundheitsmanagement von internationalen und diversen Studierenden. Anfang Juni startete die Kooperation ›Studentisches Gesundheitsmanagement unter besonderer Berücksichtigung von Internationalisierung und Diversitätsmanagement‹. Damit seien sie in Deutschland bisher das einzige Hochschulprojekt, das sich mit Gesundheitsförderung speziell für diese Studierende auseinandersetzt.
 
Ziel ist es, Studentinnen und Studenten Chancen zu geben, erfolgreich und gesund zu studieren. Der kürzlich ausgeschiedene Rektor der Universität, Prof. Peter Scharff, sieht darin auch einen Wettbewerbsvorteil für seine Hochschule. Er ist überzeugt, dass das Projekt für gesundheitsbewusste Studierende aus aller Welt einen positiven Anreiz für einen Wechsel an die TU Ilmenau darstellt. Tobias Lamprecht, Leiter des Kundenservice der TK, stimmt dem zu: »Wenn wir uns erfolgreich für die Gesundheit von Menschen im Studium einsetzen möchten, müssen wir deren individuelle Verschiedenheit und auch die Vielfalt der Bedürfnisse, die daraus resultiert, in den Blick nehmen.« Bereits jetzt kommt jeder Vierte der über 5.600 Studierenden an der TU nicht aus Deutschland.
 
Das Projekt startet am 1. August 2020 und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Damit wird der bereits bestehende Kooperationsvertrag zwischen der TU und der TK zum betrieblichen Gesundheitsmanagement bis 2023 verlängert und auf Studierende ausgeweitet. Es sollen organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Vielfalt der Menschen auf dem Campus berücksichtigen.
 
Die TK will solche Hochschulprojekte an weiteren Universitäten einführen. »Der Modellcharakter macht dieses Vorhaben für die TK außergewöhnlich. Ich habe das Gefühl, wir leisten an der TU Ilmenau gerade Pionierarbeit«, so Lamprecht.                ­

Goethe Interactive Covid-19 Analyzer

Tool der  Frankfurter Universität vergleicht Fallzahlen einzelner Länder miteinander

Ab sofort können Menschen Fall- und Todeszahlen der Corona-Pandemie einzelner Länder miteinander vergleichen. Das Tool steht online kostenfrei zur Verfügung.
 
Die Physiker der Goethe-Universität in Frankfurt am Main entwickelten das Tool auf Basis der Covid-19-Datenbanken des ›Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten‹ und des amerikanischen ›Johns Hopkins Center for Systems Science and Engineering‹. »Unser interaktives Tool kann Forschern, Journalisten und anderen Interessierten schnell einen Überblick über Ausbruchsverläufe verschaffen«, erklärte Prof. Claudius Gros, der selbst am Institut für Theoretische Physik an der Modellierung von Covid-19-Ausbrüchen forscht und das Projekt initiierte. Interessierte können die ›Goethe Interactive Covid-19 Analyzer‹-Webseite aufrufen, die Länder und gesuchten Fallzahlen anklicken, und dann die Kurven übereinander schieben. Je nach Suchanfrage lassen sich tägliche Fall- und Todeszahlen oder die Gesamtzahl infizierter oder verstorbener Menschen miteinander vergleichen.
 
Nach Gros ist das Tool auch für Studierende gedacht. »Für studentische Abschlussarbeiten und Doktorarbeiten, die es bald zu Covid-19 geben wird, ist die Webseite in jedem Fall nützlich«, sagt Gros und fügt hinzu, dass die Seite »auch für Schüler, die ein Referat über Corona anfertigen wollen« interessant sei. Das Analyseprogramm bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, das vorhandene Datenmaterial per Mausklick zu kombinieren. Für Gros selbst überraschend war, dass die skalierten Verlaufskurven der Fallzahlen aus Deutschland und Spanien »fast identisch sind, obwohl die beiden Länder deutlich unterschiedliche Lockdown-Maßnahmen verfolgt haben«.

Televisite mit Robotern

ERIC soll Folgeschäden minimieren

Die Gefahr von Folgeschäden nach einer intensivmedizinischen Behandlung ist groß. Das Projekt ERIC der Charité in Berlin, der Barmer Krankenkasse und weiterer Partner soll Abhilfe schaffen – unter anderem durch Televisiten mit Robotern.
 
Das Projekt ›Enhanced Recovery after Intensive Care‹ (ERIC) wird bereits seit 2017 vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit insgesamt 6,8 Millionen Euro finanziert. Es basiert auf einer täglichen telemedizinischen Visite von Patientinnen und Patienten. Dabei können Ärzte und Pflegekräfte über mobile Roboter standortunabhängig miteinander kommunizieren. Das generierte Wissen wird anschließend auf einer E-Health-Plattform bereitgestellt. So können die evidenzbasierten Erfahrungswerte jeder Einrichtung genutzt werden. Am Projekt beteiligen sich zwölf Intensivstationen in Berlin und Brandenburg.
 
Die Televisiten haben sich in der Corona-Pandemie bewährt. Dank ERIC war das neueste Wissen zu Covid-19 über die E-Health-Plattform sofort standortunabhängig verfügbar. Prof. Josef Hecken, Vorsitzender des Innovationsausschusses sowie unparteiischer Vorsitzender beim G-BA, hält die Zusammenarbeit für sinnvoll: »Das Projekt ERIC zeigt exemplarisch, worum es bei der finanziellen Förderung durch den Innovationsfond geht: Zu erproben, wie Versorgungsstrukturen besser miteinander vernetzt werden können.« Dabei stehe die Verbesserung der medizinischen Behandlung von Patientinnen und Patienten im Vordergrund.
 
Sollte sich das Projekt bewähren, wollen die Initiatoren die Televisite deutschlandweit implementieren. »Bestätigen sich die Erkenntnisse, wünschen wir uns, dass das Projekt bald in die Regelversorgung kommt«, sagte Dr. Mani Rafii, Vorstandsmitglied der Barmer. Die Nachuntersuchung der Patientinnen und Patienten erfolgt über sechs Monate und soll im Oktober 2020 abgeschlossen sein. Neben der Charité und der Barmer sind die Technische Universität Berlin, Fraunhofer FOKUS, die Ernst von Bergmann Klinik Bad Belzig gGmbH und die Ludwig-Maximilians-Universität München an ERIC beteiligt.

KBV-Vertreterversammlung

Starke Kritik an der gematik und Lob für Vertragsärztinnen und -ärzte

Am 12. Juni fand die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin statt. Die KBV kritisierte die gematik, lobte die niedergelassenen Ärzte und zeigte die finanziellen Hürden der Ärzteschaft auf.
 
»Unsere Vertragsärzteschaft ist ein entscheidender Faktor in der bisherigen Krise«, sagte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, auf der Vertreterversammlung. Er betonte, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte den Kliniken in der Corona-Krise zur Seite gestanden und den Regelbetrieb aufrecht erhalten haben. »Der zentrale Teil der Gesundheitsversorgung in Deutschland findet ambulant statt – und nicht in Krankenhäusern. Die Krise zeigt einmal mehr: Ohne uns läuft es nicht.« Auch betonte er, dass die digitalen Anforderungen an Praxen mit großen Kosten verbunden seien.
 
Ein Punkt, der für viel Diskussion sorgte, ist der jüngste Störfall der Telematikinfrastruktur (TI). Seit Wochen sind viele Praxen von der Digitalisierungsinfrastruktur abgeschnitten. Grund dafür ist ein Fehler, der nach einer Aktualisierung im Verschlüsselungssystem auftrat. So ist der automatische Online-Abgleich der Versichertenstammdaten beim Einlesen der elektronischen Gesundheitskarten (eGK) in den Praxen zurzeit nicht möglich. Dr. Thomas Kriedel, KBV-Vorstandsmitglied, kritisierte vor allem die Kommunikation der gematik gegenüber den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. »Wir als KBV – und Gesellschafter der gematik – haben erst zwei Tage nach Auftritt der Störung überhaupt von dem Problem erfahren«, monierte Dr. Kriedel. »Bis dahin hielt die gematik es nicht für nötig, uns oder die Ärzte und Psychotherapeuten selbst zu informieren.« Es sei bei der gematik niemandem die Tragweite des Problems für die Praxen bewusst. Die KBV betonte, dass den Praxen auf keinen Fall Kosten durch diesen Ausfall entstehen dürfen. Die gematik äußerte sich dazu nur knapp. Am 18. Juni schrieb sie auf ihrer Sonderwebsite zur aktuellen TI-Störung: »Aktueller Status: Kostenregelung für Störungsbehebung sichergestellt.«


Bemerkt

 
 
 »Allein in den vergangenen Wochen hat unser Team über 1.550 Ärzte (u.a. die Charité) mit der
 Video-Sprechstunde ausgestattet, diese konfiguriert und live gebracht. Wir verzeichnen seit
 Anfang der Krise 50 mal mehr Buchungen bei der Videosprechstunde.«

 


Prof. Dr. Alexander Alscher, Gründer und Geschäftsführer der samedi GmbH.
Das Unternehmen für E-Health-Software-Entwicklung machte kürzlich einen Praxis-Check zu Corona: »So geht es Arztpraxen und Kliniken gerade, das fordern sie nach der Pandemie«. Hier können Sie die komplette Presseinformation im PDF-Format nachlesen: https://www.samedi.de/downloads/presse/2020-06-18-samedi-Praxis-Check_samedi-Pressemitteilung.pdf


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Wer wird gefragt? Geschlechterverteilung in der Corona-Berichterstattung:
Zentrale Ergebnisse einer Analyse zur Geschlechterverteilung in der Corona-Berichterstattung im Fernsehen und in Online-Auftritten deutscher Printmedien von Prof. Dr. Elizabeth Prommer und Julia Stüwe vom Institut für Medienforschung Universität Rostock im Auftrag der MaLisaStiftung.
Download als PDF-Dokument: https://malisastiftung.org/wp-content/uploads/Studie_MaLisa_Geschlechterverteilung_in_der_Corona_Berichterstattung.pdf


Empfehlung

Die Zukunft der Arbeit im Gesundheitswesen

 



 Im dem Sammelband diskutieren über 60 Autorinnen und Autoren die Umbrüche der Arbeitswelt.
 Ihnen zufolge fehle der vergangenen Gesundheitsreform eine tiefergehende
 Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Veränderungen im Gesundheitswesen. Die Beiträge
 beschäftigen sich mit  digitalen Lösungen, verschiedenen Instrumenten und
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 zeigen eine große Palette mit Tools und Instrumenten zur Hebung von Effizienzreserven mithilfe
 des Faktors Personal.
 

Unter den acht Herausgebern sind Prof. Volker Eric Amelung, Vorstand am Center for Health Economics Research Hannover, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Managed Care (BMC) Dr. Patricia Ex, BKK-Chef Franz Knieps und Dr. Susanne Eble, Leiterin Gesundheitsmanagement bei Berlin-Chemie AG und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des BMC.
 
Leseprobe als PDF-Download: New Work im Gesundheitswesen – eine Standortbestimmung von Volker E. Amelung und Patricia Ex: http://www.mwv-berlin.de/buecher-bestellen-2016/images/product_images/leseproben_images/9783954665075_Leseprobe.pdf


Zuletzt:

Die Hälfte der Menschen in Deutschland hat Vertrauen in die Corona-Warn-App

 
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey ermittelte, dass 51,2 Prozent der Befragten sehr großes Vertrauen oder ›eher großes‹ Vertrauen in die Corona-Warn-App der Bundesregierung haben. 32,7 Prozent gaben an, wenig oder kein Vertrauen zu haben, 16,1 Prozent waren unentschieden.
 
In einer weiteren Befragung »Was hat Sie bisher davon abgehalten, die Corona-Warn-App auf Ihrem Smartphone zu installieren?« waren 26,2 Prozent der Meinung, sie wüssten nicht, was die App bringen solle.
Hier finden Sie den ›Corona Live-Lagebericht‹ des Meinungsforschungsinstituts: https://civey.com/pro/loesungen/corona-lagebericht-echtzeit?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign

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