Berlin-Chemie Newsletter vom 20. August 2020

Berlin-Chemie Newsletter vom 20. August 2020

Interview:

  • ›Apps auf Rezept‹, Fast-Track und DiGA Summit Eine Zwischenbilanz beim health innovation hub EinBlick sprach mit Prof. Dr. Jörg Debatin,
    Chairman des health innovation hub (hih) des Gesundheitsministeriums

Kurzstrecke:

  • Menschen in Deutschland vernachlässigen Hautkrebsscreening
    Ergebnis einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK)

  • Deutsche halten sich an die ›AHA-Formel‹
    Unterschiede bei den Altersgruppen

  • Krankenhäuser müssen dem Patienten dienen
    BAK-Chef betont Vorrang des Versorgungsauftragess

  • RKI: Impfquoten bei Schulkindern zu niedrig
    Über 12,6 Millionen Downloads nach der ersten Woche

Young Health:

  • Notfallversorgung: Die Tücken der Reform
    Michelle Nilles ist Notfallsanitäterin im Hochtaunuskreis

Meldungen:

  • Digitalisierung in der Pflege
    Verbände fordern Politik zum Handeln auf

  • Deutschland ist nicht gut vorbereitet
    Der Klimawandel bedroht Menschenleben

  • Umfrage der KBV zeigt
    Vertrauen in Ärzte ist hoch, Sorge vor Ärztemangel ist präsent

  • Erreichbarkeit von Spezialkliniken
    Medizinische Erstversorgung dauert unterschiedlich lang


EinBlick zum Hören:

Der Podcast ab 4. September

Das neue wöchentliche Angebot ergänzt künftig unseren EinBlick Newsletter:

EinBlick – Der Podcast präsentiert Ihnen die wichtigen gesundheitspolitischen Nachrichten der Woche immer Freitag mittags. In gut zehn Minuten hören Sie, was in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt hat und was in der folgenden Woche wichtig sein wird.
Zusammen mit den tieferen Analysen des Newsletters EinBlick, sind sie stets bestens auf dem Laufenden.

Seien Sie gespannt:
EinBlick – Der Podcast ab 4. September immer freitags, ab 12 Uhr in allen bekannten Podcastportalen

 


Interview

 

»Apps auf Rezept«, Fast-Track und DiGA Summit Eine Zwischenbilanz beim health innovation hub

EinBlick sprach mit Prof. Dr. Jörg Debatin, Chairman des health innovation hub (hih) des Gesundheitsministeriums

 

Prof. Dr. Jörg Debatin
leitet seit März 2019 das health innovation hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit.
Er arbeitete als Direktor der Radiologie am Universitätsklinikum Essen und war anschließend ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf.
Außerdem war er Vice-President der GE Healthcare.
https://hih-2025.de/

 

 

 

Seit Juni 2020 können ›Apps auf Rezept‹ das Zulassungsverfahren des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) durchlaufen. Das health innovation hub (hih) unterstützt Unternehmen bei der Zulassung. Was müssen diese aktuell beachten?
In dieser Phase unterstützen wir vor allem durch Informationsveranstaltungen und die Schaffung von Transparenz. Eine individuelle Beratung können wir nicht leisten – das entspricht auch nicht unserem Auftrag. Im Vorfeld haben wir alle Akteure an einen Tisch gebracht, um die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche, praktikable und an vielen Stellen pragmatische Einführung der DiGAs in die reale Welt der Gesundheitsversorgung zu erarbeiten. Viele der Anregungen sind anschließend vom BMG in die Verwaltungsvorschrift übernommen worden und stellen heute die Grundlage für die ›App auf Rezept‹ dar. Das Zulassungsverfahren beim BfArM ist transparent und anhand eines Leitfadens gut dokumentiert. Wer sich daran hält, hat sicherlich gute Chancen, eine Zulassung zu erhalten.

Wie wird das Zulassungsverfahren, der ›Fast-Track‹, von Unternehmen angenommen?
Für genaue Antrags- und Bewilligungszahlen ist es noch zu früh. Wir sehen aber ein riesiges Interesse, was sich unter anderem durch eine unerwartet große Teilnahme an unseren Online-Info-Veranstaltungen mit mehreren tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern festmacht. Die Entwickler schätzen die Möglichkeit, ihre digitalen Innovationen als integralen Bestandteil der Gesundheitsversorgung einsetzen zu können. Die dadurch gesammelten Erfahrungen sind außerordentlich wertvoll und werden die Qualität der medizinischen Versorgung sicherlich stärken. Mit dem Fast-Track öffnet sich das deutsche Gesundheitssystem für digitale Innovationen in einem bislang nicht vorstellbaren Maße. Das Interesse daran kommt übrigens auch stark aus dem Ausland.

Am 16. September findet im hih der ›international DiGA Summit‹ statt. Für wen ist die Veranstaltung konzipiert und worum geht es genau?
Deutschland hat mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) und dem sogenannten Fast- Track eine Weltneuheit geschaffen. Uns schlägt überall Neugier entgegen und uns erreichen internationale Anfragen aus den unterschiedlichsten Richtungen – sowohl App- Entwickler als auch Stakeholder interessieren sich sehr für das, was hier vor sich geht, und dafür, wie es um die Teilhabe bestellt ist. Der „International DiGA Summit“ trägt diesem hohen Interesse Rechnung und ist eine Veranstaltung für die ganze Community. Über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich bereits angemeldet.

Was sind die Zukunftspläne des hih?
Die ›Zukunft‹ des hih endet am 31. Dezember 2021. Im ersten Jahr durften wir das DVG begleiten und mit Leben füllen. Seit Anfang dieses Jahres prägt vor allem die Corona- Pandemie unser Wirken. Unser Corona_digital (heute: Gesundheit_digital) Newsletter hat dem Team große Aufmerksamkeit und Anerkennung beschert. Wir haben mit diesem Angebot viele kluge und engagierte Menschen miteinander vernetzt, die digitale Unterstützung in nahezu allen betroffenen Bereichen anbieten. In den kommenden Monaten geht es nun um die Einführung der ePA zum 1. Januar 2021 mit dem e-Rezept zum 1. Juli 2021 und natürlich um das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) und den darin enthaltenen Digitalpakt für Krankenhäuser.

Was wollen Sie bis Ende 2021 erreichen?
Das Anliegen des hih war und ist es, die Digitalisierung nicht als Selbstzweck zu begreifen, sondern immer als Prozessunterstützung für echten medizinischen und organisatorischen Patientennutzen. Wir werben um eine möglichst breite Akzeptanz dieser digitalen Initiativen unter Patienten wie auch unter den Leistungserbringern. Es geht darum, Digitalisierung als sinnvolles Instrument für eine bessere Gesundheitsversorgung der Menschen zu begreifen.

Ist eine Überführung des hih in eine andere Form geplant?
Nein, jedenfalls nicht mit diesem Team.


Digital Health erfolgreich umsetzen

Online-Kurs für Entscheidungsträger im Gesundheitswesen

Digitale Anwendungen finden langsam Beachtung und Eingang in die Kliniken, Praxen und Labors. Die Akteure im Gesundheitswesen werden sich bewusst, dass sich etwas verändert, wächst. Nicht zuletzt hat der Ausnahmezustand der Pandemie zu einer Art ›Defreezing‹ von eHealth und Digital Health in Versorgungsprozessen geführt. Viele tauen langsam auf, beziehen digitale Tools und Technologien ein, etablieren digitale Prozesse, kurz: die Haltung dem digitalen Wandel gegenüber wird offener. Aber welche konkrete Anwendung hat Zukunft? Wie sieht das neue Gesundheitswesen, das vor unseren Augen entsteht, aus? Was wird sich für wen darin wie verändern?

Ein neues digitales Fortbildungsangebot macht fit für die technischen, rechtlichen, kulturellen und organisationalen Herausforderungen dieses Wandels. In 10 interaktiven Abendsessions werden die Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation für das Gesundheitswesen mit 24 Expertinnen und Experten diskutiert.

Geleitet wird der Studiengang von Prof. Dr. Andrea Belliger, Luzern und Prof. Dr. Volker Amelung, Berlin. Zwei ausgewiesene Experten des Gesundheitswesens haben ihre Expertise und Kontakte in diesem Studiengang zusammengeführt. Der Online-Kurs beginnt im September und dauert bis Januar. Die Online-Sessions sind Freitag nachmittags bis abends, also gut mit anderen Pflichten vereinbar.

Die Themen:

  • Digital Healthcare Transformation: Innovation zwischen Vision und Realität Politisches Umfeld und rechtliche Rahmenbedingungen
  • Digital Health Technologien verstehen
  • Market Access und Pricing für digitale Lösungen Datenschutz und Datensicherheit
  • Digitale Anwendungen in der Versorgungspraxis: Von Prävention bis Adherence
  • Digitale Anwendungen in der Versorgungspraxis: ambulant, stationär, home based
  • Neuer Mindset und Agile Thinking im Gesundheitswesen Women in Health & Care: Von Unternehmerinnen lernen

 

Weitere Informationen und Anmeldung: https://bit.ly/2FGRwfO


Kurzstrecke

 

Menschen in Deutschland vernachlässigen Hautkrebsscreening

Ergebnis einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK)

Nur knapp 20 Prozent der Deutschen gehen regelmäßig zum Hautkrebsscreening. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK) in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und der Universität Bremen. Sowohl im Jahr 2018 als auch in 2019 hat nur jeder fünfte Versicherte in Deutschland ein Screening in Anspruch genommen. »Dabei ist Hautkrebs mit jährlich über einer Viertelmillion Neuerkrankungen die häufigste Krebserkrankung in Deutschland«, sagt Tim Steimle, Leiter des Fachbereichs Arzneimittel bei der TK.

»Es gilt: Je früher Hautkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.« In Deutschland können gesetzlich Versicherte die Vorsorgeuntersuchung alle zwei Jahre durchführen lassen.

 

Deutsche halten sich an die ›AHA-Formel‹

Unterschiede bei den Altersgruppen

90 Prozent der Deutschen tragen im Alltag einen Mund-Nase-Schutz, 80 Prozent waschen sich mehrmals täglich 20 Sekunden lang die Hände und 85 Prozent halten die empfohlenen 1,5 m social distancing ein. Das sind die Ergebnisse der aktuellen COSMO- Befragung. »Die große Akzeptanz der AHA-Formel - Abstand wahren, auf Hygiene achten und Alltagsmaske tragen - in der Bevölkerung ist ein positives Signal«, sagt Prof. Dr. med. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Jedoch halten sich jüngere Befragte seltener an die Regeln als Ältere. Bei den über 65- Jährigen sind es fast 100 Prozent, die angeben, eine Alltagsmaske zu tragen. Bei den 18- bis 29-Jährigen halten sich hingegen lediglich 81 Prozent an die Regeln. »Es gilt für alle Altersgruppen, nicht nachlässig zu werden, Solidarität auch weiterhin zu stärken und diese in Zukunft über die Generationen hinweg zu erhalten«, so Prof. Thaiss. Das
COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Erfurt mit weiteren Organisationen, die BZgA ist Teil des Projektes.

 

Krankenhäuser müssen dem Patienten dienen

BAK-Chef betont Vorrang des Versorgungsauftrages

Laut Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BAK), brauchen Krankenhäuser in Deutschland ein neues System, das nicht ausschließlich auf wirtschaftliche Effizienz ausgerichtet ist. »Krankenhäuser müssen dem Patienten dienen, nicht dem Profit«, sagte Reinhardt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Gesundheitswesen dürfe nicht an Personal sparen. Die Corona-Krise habe gezeigt, dass Deutschland sowohl bei den Klinikkapazitäten als auch bei der flächendeckenden ambulanten Versorgung im internationalen Vergleich gut aufgestellt sei.

»Ein Abbau der Versorgungskapazitäten, den uns immer wieder verschiedene politikberatende Stiftungen empfehlen, hätte bei uns im März und April zu gleichen Verhältnissen geführt wie in Spanien und Italien«, so Reinhardt.

 

RKI: Impfquoten bei Schulkindern zu niedrig

Wichtige Impfziele werden verfehlt

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat erstmals Daten zum Impfstatus von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. »Die Ergebnisse zeigen, dass immer noch wichtige Impfziele verfehlt werden«, sagt Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.
»Entscheidende Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind in allen Altersbereichen zu niedrig.«

Bei den Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten ist in den letzten Jahren ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Außerdem würden Impfserien oft später begonnen, als von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, und diese dann auch nicht immer abgeschlossen. Dadurch blieben Kinder unnötig lange ungeschützt. Deutschland würde so wichtige internationale Impfziele zur Ausrottung von Polio oder Masern verfehlen.


young health

 

Notfallversorgung: Die Tücken der Reform

 

 

Michelle Nilles

ist 27 Jahre alt und seit 2012 im Rettungsdienst tätig. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr als Rettungssanitäterin begann sie ihre Ausbildung als Rettungsassistentin. 2016 schloss sie ihre Ausbildung als Notfallsanitäterin ab und ist seitdem im Hochtaunuskreis im Dienst.

 

 

 

Was sind aus Ihrer Sicht die aktuellen Probleme in der Notfallmedizin?
Zum einen haben wir einen Personalmangel. Zum anderen hat der Gesetzgeber 2014 einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, den ›Notfallsanitäter‹, geschaffen. Ziel war es, die Qualität der Versorgung anzuheben. Doch die Ausbildung zum Notfallsanitäter läuft nicht flächendeckend gleich ab. So können in verschiedenen Bundesländern Unterschiede im Wissen und dem praktischen Können entstehen, die zu einer ungleichen Versorgung führen. Hinzu kommen die unterschiedlichen Versorgungsstrategien, deren Verantwortlichkeiten bei den ärztlichen Leitern des Rettungsdienstes (ÄLRD) der Bundesländer liegen. Hier gilt es Lösungen zwischen den Ländern zu finden, damit jeder Patient eine optimale und vor allem ortsunabhängige und gleichwertige Versorgung erhält. Menschen warten in ländlichen Regionen teilweise bis zu einer halben Stunde auf einen Rettungswagen. Doch jeder Mensch sollte innerhalb von zehn Minuten eine notfallmedizinische Versorgung erhalten. Dazu beklagen Notfallsanitäter seit Jahren, dass ihnen zu wenig Verantwortung übertragen wird und zu wenige heilkundliche Maßnahmen erlaubt werden.

Jens Spahn will Notfallsanitätern mehr Verantwortung zusprechen. Laut einer Novellierung des vorliegenden Gesetzes sollen Notfallsanitäter künftig bis zum Eintreffen eines Notarztes oder bis zum Kontakt mit einem Arzt per Telefon oder Video selbst heilkundliche, auch invasive Maßnahmen ausüben dürfen. Ist das der richtige Weg?
Es ist keine Gesetzesänderung, sondern eine Umformulierung des bestehenden Gesetzes. Das Problem ist das Fehlen einer detaillierten Auflistung von bundesweit einheitlichen heilkundlichen und invasiven Maßnahmen, die ein Notfallsanitäter eigenverantwortlich durchführen darf. Da diese Kompetenzen aber durch die ÄLRD festgelegt werden, ist es von Bundesland zu Bundesland oder sogar von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich. Mit der Reform wird auch wieder die Verantwortlichkeit für die standardisierten Kompetenzen für Notfallsanitäter an die ÄLRD der Länder abgegeben.

Welche rechtlichen Grundlagen muss die Politik für Notfallsanitäter schaffen?
Wir brauchen bundesweit einheitliche Rettungsdienstvoraussetzungen in Bezug auf Ausstattung, Ausbildung, Rechtssicherheit und Kompetenzen. Die Politik muss ein bundesweites Rettungsdienstgesetz schaffen. Dadurch können die Länder gemeinsam den Bedarf an Rettungswachen und Einsatzwagen ermitteln. Außerdem braucht
Deutschland einen einheitlichen Indikationskatalog. Dieser existiert bereits, wird allerdings nicht umgesetzt. Auch Fachschulen sollten für Auszubildende einheitliche Curricula haben und staatlich anerkannt sein. Des Weiteren müssen sowohl der private Krankentransport als auch das Ehrenamt besser von der Notfallversorgung getrennt werden.

Ist der Beruf Notfallsanitäterin oder -sanitäter für junge Menschen noch attraktiv?
Ich vermute, dass der Beruf Notfallsanitäter für junge Menschen unattraktiv geworden ist. Die körperlichen und psychischen Belastungsfolgen sind enorm und werden oft unterschätzt. Die Gewalt gegen Rettungskräfte nimmt immer mehr zu, die Einsatzzahlen steigen exponentiell, doch gleichzeitig fehlt Personal.

Wie können junge Menschen zur Ausbildung motiviert werden?
Junge Menschen würden wieder vermehrt diesen Beruf ergreifen, wenn es eine bessere Vergütung gäbe, wir mehr Verantwortung erhielten und die Arbeitszeitenregelung bundesweit auf 38,5 Wochenstunden festgelegt würde. Arbeitgeber sollten Maßnahmen zur Prophylaxe ergreifen und zum Beispiel psychosoziale Ansprechpartnerinnen
und -partner ausbilden, mit denen Rettungskräfte nach belastenden Einsätzen sprechen können. Und Ingenieure müssen Rettungswagen ergonomischer gestalten: mit elektrischen Fahrtragen, großen Arbeitsflächen auf einer ergonomischen Höhe und Tragestühlen mit Hebeunterstützung.


Meldungen

 

Digitalisierung in der Pflege

Verbände fordern Politik zum Handeln auf

In einem Positionspapier haben sechs Verbände Maßnahmen dargelegt, um die Digitalisierung in der Pflege voranzubringen. Das Bündnis setzt sich zusammen aus dem Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg), dem Deutschen Pflegerat (DPR), dem Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) sowie dem Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP e.V.), dem Fachverband Informations- technologie in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung (FINSOZ e.V.) und dem Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft (Vediso e.V.).

Die wichtigste Forderung des Bündnisses an die Politik ist, bis 2022 einen nationalen Strategieplan zur Digitalisierung in der Pflege zu entwickeln. Laut den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern müssen Politikerinnen und Politiker Entscheidungen zur IT-
 
Infrastruktur in der Pflege treffen, Einrichtungen sind besser auf die Digitalisierung der Auszubildenden vorzubereiten und in den Verwaltungen müssen Prozesse verstärkt digitalisiert werden. Zu diesen Schwerpunkten soll eine Expertengruppe Standards entwickeln. Möglich wäre dazu die Gründung eines Kompetenzzentrums, ähnlich wie das health innovation hub des Bundesgesundheitsministeriums, um diesen Plan auszu- arbeiten.

Die Verbände fordern mehr digitale Kompetenzen in der Pflege. Grundlegend für das Bündnis sind dabei digitalisierte Prozesse. Die Einrichtungen benötigen flächendeckendes schnelles Internet und sollen ihre Pflegeprozesse elektronisch dokumentieren. Um diese Daten und Informationen untereinander besser austauschen zu können, soll der Gesetzgeber einen Termin zur verpflichtenden Anbindung der Pflege an die Telematik- infrastruktur festsetzen. Aber nicht nur die Pflegeeinrichtungen sollen mit digitalen Produkten ausgestattet werden, sondern auch die Pflegebedürftigen. Darüber hinaus schlagen die Verbände das neue Berufsbild ›Pflege-Digital-Begleiter‹ vor. Dieser soll Kliniken und Einrichtungen beraten und zwischen Pflege und IT-Dienstleister vermitteln.

Außerdem fordern die Verbände einen Fonds, mit dem innovative Projekte in der Pflege gefördert werden sollen und der aus Beitragseinnahmen der Pflegeversicherung finanziert werden könnte. Neben der Finanzierung von Innovationen ist den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern auch eine Refinanzierung von IT-Kosten wichtig. Dazu soll die Politik Fördermöglichkeiten schaffen.

 

Deutschland ist nicht gut vorbereitet

Der Klimawandel bedroht Menschenleben

Organisationen fordern von der Politik mehr Prävention gegen Hitze infolge des Klimawandels, darunter die Stiftung ›Gesunde Erde – gesunde Menschen‹ von Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen.

»Hohe Außentemperaturen sind ein medizinischer Notfall für Patienten und Profis«, sagt Dr. Eckart von Hirschhausen. Er setzt sich mit seiner Stiftung ›Gesunde Erde – gesunde Menschen‹ seit Jahren für mehr Klimaschutz ein. Zusammen mit der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und dem Aktionsbündnis Health for Feature warnt er vor den Folgen des Klimawandels, der Menschenleben bedroht. Gefährdet seien von den aktuell hohen Temperaturen vor allem chronisch Kranke, Kleinkinder, alleinstehende und ältere Menschen. Hitzestress führt zum einen häufig zu Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, zum anderen können UV-Strahlung zu Muskel- oder Bauchkrämpfen führen, zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und erhöhtem Puls. Die Organisationen kritisieren den Mangel an Maßnahmen seitens der politisch Verantwortlichen, denn obwohl das Umweltbundesamt schon 2014 Handlungsbedarf angemeldet und die Bundesregierung 2017 die Länder aufgefordert hatte, Hitzeaktionspläne aufzustellen, sei bislang so gut wie nichts in dieser Hinsicht passiert.

»Deutschland ist für Hitzewellen nicht gerüstet«, sagt der Vorstandsvorsitzende der KLUG, Dr. med. Martin Herrmann. Gerade im Gesundheitswesen fehle es an Hitzeplänen.
»Es gibt kein für alle verbindliches Alarmsystem, keine Identifizierung von Gefahrenzonen und Risikogruppen, keine Hitzeleitstellen, keine Kühlzonen und keine Fortbildung für Niedergelassene, Krankenhaus- und Pflegeheim-Angestellte.«

Dabei könnte Deutschland besser aufgestellt sein. In Frankreich beispielsweise lösen Temperaturen ab 32 Grad schon erste Alarmstufen in Kommunen und im Gesundheitswesen aus, ab 38 Grad wird der Zivilschutz aktiv, dann reagieren die Regionalräte nach einem abgestimmten nationalen Hitzeschutzplan. »Gegen die
 
Klimakrise hilft keine Tablette, sondern nur wirksame Politik«, so Dr. Eckart von Hirschhausen.

 

Umfrage der KBV zeigt

Vertrauen in Ärzte ist hoch, Sorge vor Ärztemangel ist präsent

Patienten in Deutschland haben großes Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte, haben jedoch auch Sorge vor einem Ärztemangel. Das sind Ergebnisse der jüngsten repräsentativen Versichertenbefragung der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

»Die Befragung verdeutlicht die hohe Wertschätzung für die Arbeit der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte«, sagt Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. Jährlich befragt die KBV Versicherte in Deutschland nach ihrer Meinung zu Arztbesuchen. In 2020 vertrauten 91 Prozent der Befragten den sie behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Jedoch zeigen die Ergebnisse auch, dass knapp 40 Prozent der Meinung sind, die Digitalisierung würde das Verhältnis zwischen ihnen und ihrer Ärztin oder ihrem Arzt verschlechtern, und nur knapp die Hälfte der Befragten findet die Digitalisierung im Gesundheitswesen sinnvoll. Aktuell nutzen zwei von drei Befragten keine Gesundheits-Apps.
Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, betont: »Der persönliche Kontakt sowie das persönliche Gespräch mit dem Arzt bleiben deshalb der ›Goldstandard‹, und das wird von den Patienten auch so gewünscht.«

Des Weiteren ist der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen eine Sorge der Menschen in Deutschland. Knapp 30 Prozent sehen den Ärzte- und Pflegemangel als eine große Herausforderung in den nächsten Jahren an. Dahinter folgen Ängste bezüglich des Coronavirus und vor weiteren Infektionskrankheiten.

Die Ergebnisse der Befragung haben aber auch gezeigt, dass die Kommunikationsmaßnahmen der KBV inzwischen Früchte tragen: Während 2013 nur vier Prozent der Befragten die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes kannten, sind es jetzt über 30 Prozent, die die 116 117 richtig einzuordnen wussten. Diese Nummer hat in den vergangenen zwölf Monaten ein Viertel der Deutschen schon einmal ins Telefon eingegeben.

Die KBV fragte außerdem nach der Zufriedenheit der Patienten hinsichtlich der Wartezeiten bei der Terminvergabe. 49 Prozent – und damit etwas mehr als in den letzten Jahren – sagten, dass sie überhaupt keine Wartezeit in Kauf nehmen mussten, wenn es ganz allgemein um einen Termin ging. Acht von zehn Befragten hat es demnach nicht zu lange gedauert, bis sie einen Termin bekamen.

 

Erreichbarkeit von Spezialkliniken

Medizinische Erstversorgung dauert unterschiedlich lang

Menschen, die einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder ein Unfalltrauma erleiden, werden unterschiedlich schnell medizinisch erstversorgt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Laut Vertretern der notfallmedizinischen Versorgung sollten Patientinnen und Patienten nach erfolgtem Notruf innerhalb von 60 Minuten in einem geeigneten Krankenhaus behandelt werden. Im optimalen Fall erreicht der Krankenwagen nach höchstens 10 Minuten den (Unfall-)Ort, wo der Patient grundversorgt wird, und braucht maximal 30 Minuten bis zu einer Spezialklinik. Das BBSR hat nun untersucht, wie lange die Fahrzeit eines Krankenwagens in bestimmten Regionen zu einem Krankenhaus tatsächlich dauert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fahrdauer unterschiedlich lang ist und oft die vorgeschriebene eine Stunde als maximaler Wert überschritten wird. Die Studie analysierte dabei die Fahrwege bei verschiedenen Krankheitsbildern.

Die schlechteste Versorgung erhalten Menschen, wenn sie einen Herzinfarkt erleiden. In Deutschland existieren 290 Krankenhäuser, die auf unklare Brustschmerzen spezialisiert sind. Rund 14,5 Millionen Menschen leben in Regionen, von wo aus die Fahrt im Rettungswagen zu einem spezialisierten Krankenhaus länger als 30 Minuten dauert. Fast eine Million Menschen erreichen von ihrem Wohnort selbst innerhalb von 60 Minuten Fahrzeit keine der Einrichtungen. Betroffene Regionen liegen in Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg sowie in Mittelgebirgsregionen und einigen Grenz- und Küstenbereichen.

Ebenso betroffen sind Schlaganfallpatienten. 335 Krankenhäuser, sogenannte Stroke Units, sollen Menschen in Deutschland bei einem Schlaganfall schnell versorgen. Rund neun Millionen Menschen leben in Regionen, in denen eine Stroke Unit mit dem Rettungsdienst nicht in 30 Minuten Fahrzeit erreichbar ist. Rund 400.000 Menschen können mit einem Krankenwagen auch nicht innerhalb einer Stunde zu einer Klinik gefahren werden. Dies betrifft vor allem Regionen in Sachsen-Anhalt.

Gute Versorgung hingegen erhalten Patienten bei einem Unfalltrauma: Maximal 60 Minuten benötigen Krankenwagen in jeder Region zu einem von 668 Traumazentren in Deutschland.


Bemerkt

 
 

 

 »Ob in der Klinik oder in der Niederlassung, ob ärztlich oder in der Pflege, jeder hat bisher an seinem Platz Außerordentliches geleistet.«
 

 

 

 

Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.

Etwa ein Fünftel der Covid-19-Patienten, die von Ende Februar bis Mitte April 2020 in deutschen Krankenhäusern aufgenommen wurden, sind verstorben. Bei Patienten mit Beatmung lag die Sterblichkeit bei 53 Prozent, bei Menschen ohne Beatmung waren es 16 Prozent, die nicht überlebten. Insgesamt wurden 17 Prozent aller Covid-19-Patienten beatmet. Das sind Ergebnisse einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der Technischen Universität Berlin. Download als PDF-Dokument: https://bit.ly/2YyQtVZ


Empfehlung

 

Digitale Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen

In seinem neuen Buch erklärt Herausgeber David Matusiewicz, wie sich Unternehmen auf die Herausforderungen der Digitalisierung einstellen können. Im Zentrum des Buches stehen zum einen Interviews und Steckbriefe von Gründerinnen und Gründern aus der Digital-Health-Szene, zum anderen beleuchten Expertenbeiträge Chancen und nächste Schritte in der Digitalisierung.

Weitere Informationen, Interviews und Leseprobe: https://bit.ly/3kXR6Sm
 

 


Zuletzt:

Lachen führt zu weniger Stress


Die Universität Basel hat untersucht, wie sich Lachen auf Stresssituationen auswirkt. Nach Schätzungen lachen Menschen typischerweise 18 Mal pro Tag.
41 Studierende der Fakultät Psychologie an der Universität Basel haben in einer Längsschnittuntersuchung acht Mal am Tag einen Fragebogen ausgefüllt. Sie antworteten 14 Tage lang auf Fragen, die die Häufigkeit, die Intensität und den Grund des Lachens betrafen und wie stressig sie dabei die aktuelle Situation empfunden haben.

Die Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass in Phasen, in denen die Probandinnen und Probanden häufig lachten, belastende Stressereignisse für sie mit geringeren Stresssymptomen (z.B. Kopfschmerzen, Unruhe) verbunden waren.

Lesen Sie weiter bei der Universität Basel: https://bit.ly/2Ykepfk
 

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