Berlin-Chemie Newsletter vom 04. Juni 2020

Berlin-Chemie Newsletter vom 04. Juni 2020

Interview:
  • Künstliche Intelligenz nur so gut wie die Datengrundlage
EinBlick sprach mit Dr. Anne Schwerk, Centogene AG, über Künstliche Intelligenz (KI) bei der Diagnose und Behandlung von seltenen Erkrankungen

Kurzstrecke:
  • Deutsche halten sich an die vorgegebenen Maßnahmen
Ergebnisse des aktuellen Covid-19 Snapshot Monitoring
  • Eigene Medikamentenproduktion in Deutschland ausbauen
Bundesärztekammer fordert Unabhängigkeit von Importen
  • Probanden mit Corona-Impfstoff bilden Antikörper
Erfolgreicher Impfstofftest in China
  • BfArM stellt Weichen für Apps auf Rezept
Antragsportal für DiGAs online
 
Young Health:
  • Rolle der Gesundheitsberufe in der Klimakrise
Sylvia Hartmann von der Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG)
 
Meldungen:
  • 900.000 Euro für die Erforschung von Corona
Projekte der Ulmer Universitätsmedizin zur Ausbreitung und Eigenschaften von Sars-CoV-2
  • Patientendaten für die Forschung
Acht Verbände der Gesundheitswirtschaft wollen Gesundheitsdaten mitbenutzen
  • KBV-Chefs warnen vor Sparmaßnahmen
Gesundheitswesen darf keine Abstriche in der Versorgung machen
  • Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung
Das Coronavirus wird in der Bevölkerung immer noch als Gefahr wahrgenommen

Künstliche Intelligenz nur so gut wie die Datengrundlage

Einblick sprach mit Dr. Anne Schwerk, Centogene AG, über Künstliche Intelligenz (KI) bei der Diagnose und Behandlung von seltenen Erkrankungen              



 Dr. Anne Schwerk

 hat in Amsterdam Neurowissenschaften studiert und anschließend an der Charité in Berlin, im
 Bereich der Stammzellforschung, promoviert. Nach einer zweijährigen Station am Deutschen
 Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz arbeitet sie aktuell für das Unternehmen
 Centogene AG und beschäftigt sich dort mit Projekten, die Methoden des maschinellen Lernens
 für die Analyse von Daten für die Diagnose und Behandlung von seltenen Erkrankungen
 einsetzen.





Wenn Patienten unter Schmerzen leiden und keine Ärztin und kein Arzt weiß, woran es liegt. Wie kann Künstliche Intelligenz dabei helfen, eine Diagnose zu stellen?
Künstliche Intelligenz (KI) kann helfen, tieferes Wissen aus Daten zu extrahieren. Sie berücksichtigt bei einem Patienten viele unterschiedliche und oft multidimensionale Daten und setzt diese miteinander in Zusammenhang. Beispielsweise verarbeiten wir Daten aus der Genomik, die globale Veränderungen von Genen zeigen können, und korrelieren diese mit Daten aus der Klinik. Außerdem nutzen wir Metabolomik-Daten, um globale Veränderungen auf dem Level kleinster Moleküle zu erforschen und besonders um Biomarker-Signaturen zu finden, die wir für die Diagnose und auch für ein Monitoring von Krankheiten nutzen. All diese Daten können wir mittels KI verbinden und auswerten. So kann die KI oftmals sehr komplexe und spezielle Muster interpretieren. Diese sind oft tief und vielfältig, sodass es für Ärzte schwer ist, diese Daten ohne die Assistenz von KI zu analysieren.
 
Was sind Vorteile von Künstlicher Intelligenz bei der Diagnose und Behandlung von seltenen Erkrankungen?
Eine KI kann sehr komplexe Informationen berücksichtigen und interpretieren und ihre Leistung ist immer konstant. Außerdem hat sie keine Vorurteile, da sie rein Datengetrieben arbeitet. Ärztinnen und Ärzte tragen oft einen Bias, also eine Verzerrung, mit sich. Beispielsweise gibt es den sogenannten ›Availability Bias‹, der aussagt, dass je nach der Präsenz bestimmter Fälle, Ärzte dazu neigen, diese auch öfter zu diagnostizieren. Natürlich hat ärztliches Personal auch enormes komplementäres Wissen, darum sollte eine KI immer nur eine Assistenz sein und eine mögliche Entscheidungsgrundlage darstellen.
 
Welche Möglichkeiten bietet die Künstliche Intelligenz?
KI ist vielfältig einsetzbar. Wir arbeiten mit Modellen, die auf Methoden des maschinellen Lernens basieren, zur Ableitung von Biomarkern und zur Gewinnung von tiefen Einsichten in molekulare Veränderungen. Das hilft uns neue Medikamente zu entwerfen und Krankheiten besser zu verstehen. Denn gerade im Bereich der seltenen Erkrankungen werden oftmals komplexe Datengrundlagen genutzt, die ohne KI schwer für Ärzte zu interpretieren sind.
Eine intelligente Behandlungsunterstützung könnten außerdem webbasierte Portale sein, auf denen Patienten rund um die Uhr mit einem Computer interagieren können. Dort können sie Symptome angeben, Fragen stellen und Informationen einsehen. Die KI kann wichtige Informationen aus den Verläufen extrahieren und diese Ärzten übermitteln.
 
Sie beschäftigen sich vor allen mit der Analyse von Daten. Welche Daten kann die Medizin nutzen und wie müssen diese aufbereitet sein?
KI kann nur so gut sein, wie die Datengrundlage. Dies bedeutet, dass Daten standardisiert sein müssen. Beispielsweise müssen Messfehler bis in das kleinste Detail berücksichtigt werden, um große Messungen zu vergleichen, auch auf die Hintergrunddaten der Patienten, wie zum Beispiel Geschlecht, Diäten oder Medikamenteneinnahmen. Denn diese Parameter beeinflussen die Daten signifikant und können somit wirkliche Unterschiede verdecken. Im Schnitt verbringen Datenwissenschaftler 80 Prozent ihrer Zeit mit Vorarbeiten. So ist die Aufbereitung der Daten und die Bereinigung der Daten von höchster Relevanz. 


 

Ohne Gewebespende keine Transplantation

 
Die Covid-19-Pandemie hat den regulären Klinikbetrieb stillstehen lassen. Auch viele Gewebe- und insbesondere Augenhornhauttransplantationen mussten verschoben werden. Mit der sukzessiven Wiederaufnahme von elektiven Transplantationen ist für Patienten eine rasche Versorgung mit Gewebe-transplantaten wichtig. Anlässlich des Tags der Organspende am 6. Juni macht die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) auf  dringend benötigte Gewebespenden aufmerksam.
Die gemeinnützige Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) realisiert die Spende von Augenhornhaut, Herzklappen, Blutgefäßen und Knochen- und Knorpelgewebe bundesweit an über 100 Krankenhäusern.
In einem Live-Chat beantwortet die DGFG am Samstag, den 6. Juni, Fragen zur Gewebespende unter www.organspendetag.de


Kurzstrecke

 

Deutsche halten sich an die vorgegebenen Maßnahmen

Ergebnisse des aktuellen Covid-19 Snapshot Monitoring

Etwa 80 Prozent der Menschen in Deutschland halten sich an Abstands-, Hygiene- und Atemschutz-Regeln. Das zeigt die aktuelle repräsentative Befragung des Covid-19 Snapshot Monitorings, das wöchentlich herausgegeben wird.
 
Je älter die Befragten, desto eher glauben sie daran, dass Gleichaltrige auch die Maßnahmen umsetzen. 60 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren glauben dagegen nicht, dass sich die Mehrheit an die Handlungsempfehlungen zum Infektionsschutz hält. Bei der Einschätzung der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen und Lockerungen sind es zum einen viele Unentschiedene (45 Prozent), zum anderen zwei eher polarisierte ›Lager‹: 30 Prozent finden die Lockerungen (eher) übertrieben, während knapp 20 Prozent die Maßnahmen für zu viel halten.
 
Das Snapshot Monitoring ist ein Projekt der Universität Erfurt in Kooperation mit dem Robert-Koch-Institut, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und weiteren Institutionen.   

Eigene Medikamentenproduktion in Deutschland ausbauen

Bundesärztekammer fordert Unabhängigkeit von Importen 

Die Bundesärztekammer (BÄK) fordert, sich bei der Arzneimittelproduktion stärker von Asien abzugrenzen. »Deutschland und Europa müssen bei Schutzausrüstung und Medikamenten die Abhängigkeit von Fernost deutlich reduzieren und eigene Produktionsstätten fördern«, verlangt Klaus Reinhardt, Präsident der BÄK, als Konsequenz aus der Corona-Krise in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse.
 
Grundsätzlich positiv sieht Reinhard das deutsche Gesundheitssystem im internationalen Vergleich. Deutschland würde die Pandemie »mit am besten« bewältigen. Einen kompletten Umbau hält der BÄK-Präsident deshalb nicht nur für unnötig, sondern sogar schädlich. Darüber hinaus appelliert er, weiterhin bei Erkrankungen eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Zuletzt hätte es 30 Prozent weniger Herzinfarkt-Patienten gegeben, aber sicher nicht 30 Prozent weniger Herzinfarkte.    

Probanden mit Corona-Impfstoff bilden Antikörper

Erfolgreicher Impfstofftest in China

 
In China wurde erstmals ein Corona-Impfstoff getestet, der bei Probanden eine Immunabwehrreaktion auf das Virus Sars-CoV-2 im Körper erzeugte. »Diese Ergebnisse stellen einen wichtigen Meilenstein dar«, erklärt Wei Chen vom Beijing Institute of Biotechnology. Der Impfstoff aus China namens ›Ad5-nCoV‹ habe sich in einer ersten Versuchsphase als sicher und gut verträglich herausgestellt. Das schreiben die Forscher aus China im Journal ›The Lancet‹.
 
Laut den Wissenschaftlern reiche eine einzelne Dosis des Impfstoffes aus, damit Menschen innerhalb von 14 Tagen Antikörper und eine entsprechende Reaktion spezieller Abwehrzellen entwickeln. Der Forscher Wei Chen empfiehlt dennoch, die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren. Ein flächendeckender nutzbarer Impfstoff sei noch weit entfernt. Die Ergebnisse der ersten Tests mit dem Impfstoff ›Ad5-nCoV‹ wollen die Forscher nach sechs Monaten final auswerten.               

BfArM stellt Weichen für Apps auf Rezept

Antragsportal für DiGAs online

 
Ab sofort können Unternehmen Anträge für Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) zur Aufnahme ins DiGA-Antragsportal einsenden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat das Portal für das Fast-Track-Verfahren Ende Mai online geschaltet. Damit ermöglicht das BfArM, die Anträge einfach zu verwalten und Interessierte bei der Einreichung bestmöglich zu unterstützen.
 
Für Hersteller hat das BfArM einen Leitfaden veröffentlicht, der einen transparenten Überblick zum Verfahren und Interpretationshilfen zu den Anforderungen leistet. Ärztinnen und Ärzte können Apps auf Rezept bald an Patientinnen und Patienten in der Regelversorgung verschreiben. Den Grundstein dafür legte Gesundheitsminister Jens Spahn im Digitalen-Versorgung-Gesetz. 


young health


Rolle der Gesundheitsberufe in der Klimakrise

 

 
 Sylvia Hartmann

 ist Ärztin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Allianz für Klimawandel und Gesundheit
 (KLUG). Außerdem leitet sie in diesem Jahr die neu gegründete Planetary Health Academy








Sie schreiben: »Der Gesundheitsbereich muss jetzt für mehr Klimaschutz tun.« Welche Rolle spielt der Gesundheitssektor in der Klimakrise?
Erst einmal ist der Gesundheitssektor ein Bereich, der flächendeckend unterschiedlichste Menschen in verschiedensten Altersgruppen erreicht. Gleichzeitig genießen Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte ein hohes Maß an Vertrauen – mehr als Politiker. Wir können also vielen Menschen den Klimaschutz näherbringen. Darüber hinaus sollte das Gesundheitswesen ein eigenes Interesse haben, seinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Die Produktion von Medikamenten und das Betreiben eines Krankenhauses kosten extrem viel Energie. Außerdem ist ein Krankenhaus ein Ort, an dem Menschen wieder gesund werden sollen. Warum bietet man den Patientinnen und Patienten nicht Mahlzeiten an, die nachhaltig und dazu auch noch gesund sind? Das wäre auch im Sinne der Prävention.
 
Auf was müssen Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, in Bezug auf den Klimawandel achten?
Ein entscheidender Faktor, den wir in den letzten Sommern deutlich gespürt haben, ist Hitze. Wenn es extrem heiß ist, sollte das Personal beispielsweise eine zweite Visite durchführen. Sie sollten kontrollieren, wie die Flüssigkeitsbilanz bei den Patienten ist, ob sie genug trinken oder ob Medikamente neu eingestellt werden müssen. Krankenhäuser brauchen dementsprechend auch Hitze-Aktionspläne. Generell sollten wir uns alle politisch mehr für den Klimaschutz einsetzen. Denn Hitze ist nicht nur für Patienten eine große Herausforderung, sondern es ist auch eine Belastung für das Gesundheitspersonal. Jeder hat selbst schon erlebt, dass es bei hohen Temperaturen schwieriger ist, sich zu konzentrieren und das Gemüt im wahrsten Sinne des Wortes nicht erhitzen zu lassen.
 
Sie haben mit der KLUG die Planetary Health Academy gegründet. Unter anderem gibt es dort Vorträge von Forschenden, Klimaaktivistin Luisa Neubauer und Arzt Eckart von Hirschhausen. Wofür steht die Academy?
Im Medizinstudium wird der Klimaschutz wenig thematisiert. Wir wollten mit der Planetary Health Academy ein Angebot schaffen, um viele Menschen darüber aufzuklären, was die Verbindung zwischen der Gesundheit unserer Umwelt und uns Menschen ist. Wir wollen Wissen verbreiten und Menschen ermutigen, selbst aktiv zu werden. Themen der Academy sind zum einen die Grundlagen des Klimawandels und der planetaren Grenzen. Zum anderen fokussieren wir uns natürlich auch auf die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Gesundheit wie etwa Hitzeauswirkungen, die Verbreitung von Infektionskrankheiten oder die Entstehung von Allergien. Nicht zuletzt geht es auch um die Kommunikation derartiger Themen und politische Teilhabe.
 
Die KLUG hat sich einem offenen Brief an die Staatschefs der G20-Staaten angeschlossen. Dort fordern über 40 Millionen Menschen aus dem Gesundheitssektor den Gesundheitsschutz während und nach der Corona-Pandemie zu sichern. Es geht in dem Brief auch um die »planetare Gesundheit«. Was verändert sich durch Corona bei dem Thema Klimawandel und Gesundheit?
Ich hoffe, dass Corona uns lehrt, dass wir die Belastungsgrenzen unserer Erde gerade extrem ausreizen und uns wachrüttelt. Denn noch können wir handeln. Wenn wir mit unserer Erde weiter so umgehen, wie bisher, ist Corona ein vergleichsweiser kleiner Schaden, denn das, was Forscher allein an Auswirkungen des Klimawandels für die Gesundheit vorhersagen, ist nicht rosig. Vermehrte Wetterextreme wie Stürme, Dürren oder Überflutungen, Infektionserkrankungen breiten sich weiter aus, die Luftverschmutzung nimmt zu, Hitzewellen treten häufiger auf und Bereiche um den Äquator werden für den Menschen unbewohnbar, was wiederum vermehrt zu Migration führt. Wir können das Ganze aber auch verhindern und damit gleichzeitig unsere Gesundheit verbessern. Für gesunde Menschen auf einem gesunden Planeten sozusagen.


Meldungen

 

900.000 Euro für die Erforschung von Corona

Projekte der Ulmer Universitätsmedizin zu Ausbreitung und Eigenschaften von Sars-CoV-2

 
Das Institut für Molekulare Virologie der Ulmer Universitätsmedizin untersucht ab sofort in zwei verschiedenen Forschungsprojekten die Eigenschaften und Ausbreitung des Coronavirus. Institutsdirektor Professor Frank Kirchhoff und Juniorprofessor Dr. Daniel Sauter begleiten die Projekte. Diese werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt 900.000 Euro gefördert.
 
Die Forscherinnen und Forscher im Projekt von Institutsdirektor Prof. Frank Kirchhoff analysieren das Zusammenspiel verschiedener Coronaviren mit der körpereigenen Immunantwort. Denn unterschiedliche Coronaviren unterscheiden sich in ihren krankmachenden Eigenschaften. »Einigen Coronaviren gelingt es, zunächst die Immunreaktion ihres Wirts so zu unterdrücken, dass sie sich ungestört vermehren können. Eine spätere, aufgrund der hohen Viruslast überschießende Abwehrreaktion des Infizierten kann dann allerdings zu schweren, mitunter tödlichen Krankheitsverläufen führen«, erklärt Professor Kirchhoff. Sein Projektziel ist ein tieferes Verständnis der biologischen Grundlagen der verschiedenen Coronaviren. Er erhofft sich Ansatzpunkte für eine Immuntherapie bei Covid-19 herauszufinden. Die Projektförderung des BMBF beträgt über 542.000 Euro für eineinhalb Jahre.
 
Das neue Projekt von Juniorprofessor Dr. Daniel Sauter beschäftigt sich hingegen hauptsächlich mit dem Coronavirus-Typ Sars-CoV-2. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in diesem Projekt das Ziel, die Aktivierung von Sars-CoV-2 besser zu verstehen. Sie suchen dabei neue therapeutische Angriffspunkte. Dabei plant die Projektgruppe, das Virus bei Fledermäusen und Schuppentieren zu erforschen und Mutationen, die im Verlauf der Pandemie aufgetreten sind, zu analysieren. Die BMBF-Förderung beläuft sich auf rund 367.000 Euro. Daniel Sauter kooperiert unter anderem mit Forschenden der Universitäten Tübingen und Tokio sowie des DPZ in Göttingen.         
 

Patientendaten für die Forschung

Acht Verbände der Gesundheitswirtschaft wollen Gesundheitsdaten mitbenutzen

 
In einem gemeinsamen Papier kritisieren acht Verbände der eHealth-Allianz die im Entwurf des Patientendaten-Schutz-Gesetzes (PDSG) vorgesehene Möglichkeit einer freiwilligen Datenfreigabe nur für Forschungszwecke. Laut PDSG soll die private Wirtschaft die Daten für ihre Forschung nicht nutzen dürfen.
 
In dem Entwurf des Patientendaten-Schutz-Gesetzes ist geregelt, wie Patientinnen und Patienten ihre Gesundheitsdaten freiwillig für die Forschung spenden können. Ermöglicht wird das durch die elektronische Patientenakte, die voraussichtlich am 1. Januar 2021 verfügbar sein wird. So können Bürgerinnen und Bürger einen Beitrag zur Erforschung von Krankheiten leisten. Diese Rechtsgrundlage begrüßen auch die Verbände der eHealth-Allianz. Sie kritisieren jedoch, dass sie die gespendeten Daten nicht nutzen dürfen. In ihrem gemeinsamen Papier weisen sie deshalb darauf hin, dass forschende Industrieunternehmen insgesamt rund 75 Prozent der Forschungsvorhaben im Gesundheitswesen tragen würden.
 
Aus diesem Grund fordern die Verbände die Politik auf, einen geregelten Zugang für die private Forschung zu schaffen. Die eHealth-Allianz argumentiert mit einem Mehrwert für die Politik: So würde Deutschland ein klares Signal senden, dass die Entwicklung von Gesundheitslösungen am Standort Deutschland erwünscht und unterstützt wird.
 
Außerdem zeigen die Verbände in ihrem Papier konkrete Beispiele auf, welchen Mehrwert der Einsatz von Forschungsdaten im Gesundheitsbereich bietet. Ob in der Entwicklung von KI-Anwendungen, der digitalen Diagnostik oder wirksameren Krebsmedikamenten – der Einsatz von Forschungsdaten sei vielfältig.
 
Die Allianz ›eHealth Zielbild‹ hat sich 2018 aus acht Verbänden der industriellen Gesundheitswirtschaft gegründet. Dazu zählen die Vereine: BIO Deutschland, Bitkom, bvitg, BVMed, SPECTARIS Medizintechnik, VDGH, vfa und ZVEI.             
 

KBV-Chefs warnen vor Sparmaßnahmen

Gesundheitswesen darf keine Abstriche in der Versorgung machen

 
Das Gesundheitswesen dürfe auf keinen Fall finanzielle Kürzungen nach der Corona-Krise erfahren. Vor etwaigen Sparmaßnahmen warnen die beiden Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister und Andreas Gassen.
 
Wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem sei, zeige sich gegenwärtig. Durch die gute Versorgung der Krankenhäuser und Arztpraxen habe Deutschland Bilder wie in Italien vermeiden können. Laut einer Umfrage der KBV unter 2.500 Bürgern sei die Hälfte der Befragten mit der ärztlichen Versorgung während der Pandemie zufrieden. Andreas Gassen führt als ein positives Beispiel an, dass Bürgerinnen und Bürger sehr früh und zahlreich auf das Virus getestet worden seien, ohne dafür privat zahlen zu müssen. Deutschland sei ein Land, welches viele Tests durchführe.
 
Deshalb fordern die beiden KBV-Chefs, in den Regelbetrieb zurückzukehren. Patienten sollen wieder in die Praxen kommen. Sie weisen darauf hin, dass beispielsweise psychische Erkrankungen durch die Corona-Krise zugenommen hätten. Diese Menschen sollten sich behandeln lassen. Gebe es eine weitere Welle der Infektionen, sei das Gesundheitswesen darauf gut vorbereitet. »Wir können die aufgebauten Versorgungsstrukturen schnell reaktivieren, wenn es zu einer zweiten Welle kommt«, glaubt Gassen.
 
Weiter raten sie, dass die Politik die Maßnahmen zur Einschränkung der Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger überdenken solle. »Wir dürfen nicht überziehen und müssen gleichzeitig dafür sorgen, dass es keinen unkontrollierten Ausbruch des Virus gibt«, meint der erste Vorstandsvorsitzende Gassen. So sollten bei der Beurteilung des aktuellen Infektionsgeschehens auch lokale und regionale Gegebenheiten miteinbezogen werden. Eine pauschale Vorgabe für Lockerungsmaßnahmen, beziehungsweise deren Rücknahme würde die Landkreise und Städte sehr schnell an ihre Belastungsgrenze bringen, erläutert Gassen.
 

Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung

Das Coronavirus wird in der Bevölkerung immer noch als Gefahr wahrgenommen

 
Der Corona-Monitor des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt wöchentlich, wie die Bevölkerung in Deutschland das Ausbruchsgeschehen des Coronavirus wahrnimmt. Auch nach zehn Wochen stellt Corona bei den Befragten immer noch eine Gefahr dar.
 
»Nach mittlerweile zehn Befragungen zeigt sich, dass die Gefahr durch Coronaviren noch immer als bedrohlich empfunden wird«, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. Knapp die Hälfte der 510 Befragten schätzen die gesundheitlichen Auswirkungen für sich persönlich als mittel bis sehr groß ein. Zum Vergleich: Bei der Grippe rechnet nur ein Drittel der Befragten mit größeren gesundheitlichen Auswirkungen. Allerdings hat die Angst im zeitlichen Verlauf etwas abgenommen. Nehmen Jüngere die Pandemie anders wahr als Ältere? Auch dieser Frage ging der BfR-Corona-Monitor nach. Das Ergebnis: Bei Befragten ab 60 Jahren ist die Sorge um die eigene Gesundheit durch das Coronavirus ausgeprägter als bei Jüngeren. Diese haben häufiger mehr Sorgen um die wirtschaft-lichen Auswirkungen.
 
Die große Mehrheit findet weiterhin viele Maßnahmen zur Eindämmung als angemessen. Sowohl die Abstandsregelung, als auch das Absagen von Veranstaltungen wird als wichtig und richtig empfunden. 90 Prozent der Befragten unterstützen diese Maßnahmen.  Lediglich die Hälfte der Befragten findet, dass Kitas und Schulen weiterhin geschlossen bleiben sollten.
 
Um Informationen zum Coronavirus zu erhalten, nutzen die meisten Befragten hauptsächlich Online-Dienste oder das Fernsehen. Während knapp 60 Prozent die Medienberichterstattung als angemessen empfindet, halten immerhin 38 Prozent sie für übertrieben. Nur ein kleiner Teil von drei Prozent betrachtet die Berichterstattung als verharmlosend.
 
Ab 11. Juni 2020 erfolgt die Befragung nur noch alle zwei Wochen. Die Ergebnisse werden auf der BfR-Webseite veröffentlicht. 


Bemerkt

 
 »In medizinisch vertretbaren Fällen sollten auch weiterhin Krankschreibungen möglich sein,
 ohne persönlich eine Praxis aufzusuchen. Videochats und andere digitale Technologien machen
 dies auf vielen Wegen möglich.

 Achim Berg, Präsident des BITKOM e.V., des Branchenverbandes der deutschen Informations-
 und Telekommunikationsbranche
 


Weiterlesen

 
Wir wollen im EinBlick neben einem Überblick zu Themen der Gesundheitsnetzwerker auch einen Blick auf Debatten und Dokumente werfen.
 
Übersicht der Studien zur Bedeutung der Virusdosis, der Menge an Viren, denen eine Person ausgesetzt ist. Dosier der New York Times: https://www.nytimes.com/2020/05/29/health/coronavirus-transmission-dose.html


Empfehlung

Podcast: Gesundheit.Macht.Politik.

 
 Hier sprechen Podcast-Arzt Pascal Nohl-Deryk und Podcast-Pfleger Philip Schunke über
 aktuelle Themen und Probleme in der Gesundheitspolitik. Mit dabei Gäste aus dem
 Gesundheitswesen.

 In der letzten Ausgabe sprach Psychotherapeutin Sabine Maur mit den Podcastern über die
 Psychotherapie während Corona. Einschalten!
 
 Weitere Informationen: https://gmp-podcast.de/#section_1


Zuletzt:

Weniger junge Menschen in Deutschland rauchen

 
Während in Deutschland im Jahr 1979 noch durchschnittlich 43 Prozent der Jugendlichen rauchten, griffen im Jahr 2018 nur noch 17 Prozent der jungen Menschen zur Zigarette.
Hier die entsprechende Grafik von Statista: https://de.statista.com/infografik/9584/immer-weniger-jugendliche-in-deutschland-rauchen/

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