Berlin-Chemie Newsletter vom 12. März 2020

Berlin-Chemie Newsletter vom 12. März 2020

  • Interview:
    Wie kommen Gesundheits-Apps in die Versorgung?
    EinBlick sprach mit Philip Kopf, Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Qualität und Regulation digitaler Medizin (QuR)
  • Kurzstrecke:
    120.000 Pflegekräfte braucht Deutschland zusätzlich Gutachten im Auftrag der Bundesregierung vorgelegt
  • Neue Studie: Lungenkrebs frühzeitig erkennen 
    Deutsche Krebshilfe fördert Diagnostik
  • Höhere Mindestlöhne für die Pflege
    Bundesweite Angleichung ab Juli 2020
  • Medizin studieren auch ohne Einser-Abi
    Hohe Nachfrage von Studienplätze mit Landarztquote
  • Young Health:
    Wie können verschiedene Gesundheitsberufe miteinander zusammenarbeiten?
    Constanze Czimmeck möchte einiges verändern in der Gesundheitsbranche
  • Meldungen:
    Krankschreibung per Telefon, Selbstabstrich und Home-Office
    Der aktuelle Stand zum Coronavirus
  • Das ändert sich durch das GKV-FKG
    Weniger Engpässe bei Arzneimittelnund fairerer Wettbewerb der Krankenkassen
  • Mehrheit in Deutschland fordert
    Verbot von Schönheits-OPs bei Minderjährigen
  • Fusion der Klinikkonzerne
    Asklepios plant Übernahme von Rhön-Klinikum
  • In eigener Sache:
    ​Neue Redaktion für EinBlick


Hilfen für Wirtschaft und zusätzliche Mittel zur Bekämpfung des Coronavirus

Bundeskanzlerin Merkel und Bundesminister Spahn stellten Maßnahmen vor    

Bundeskanzlerin Angela Merkel trat am Mittwoch gemeinsam mit Bundesgesundheits-minister Jens Spahn vor die Bundespressekonferenz, um zur aktuellen Entwicklung beim Coronavirus Stellung zu beziehen.
Die Kanzlerin sieht es als zentrale Aufgabe an, die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. »Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen.« Besonders gefährdet seien ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Merkel stellte der Wirtschaft Hilfen in Aussicht und verwies auf eine Konferenz mit Arbeitgebern und Gewerkschaften am Freitag.
Bundesminister Spahn stellte sich am Mittwoch dem Bundestag in einer sogenannten Regierungsbefragung. Er riet zu weiterer Besonnenheit und betonte: »Die Folgen von Angst können weit größer sein, als die durch das Virus selbst.« Der Höhepunkt der Epidemie sei noch nicht erreicht. Der Bundestag wird zusätzliche Mittel bis zu einer Milliarde Euro zur Bekämpfung des Virus bereitstellen. Zuvor hatte der Minister über Twitter erklärt, die Krankenhäuser müssten »bei der Personalplanung flexibel auf die Ausbreitung des Coronavirus reagieren können.« Deshalb wurden verschiedene Auflagen in der Pflege ausgesetzt.
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) stellt tagesaktuelle Informationenzum Coronavirus bereit: www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus


Kongress für Gesundheitsnetzwerker abgesagt

Nach ausführlichen Überlegungen hat das Team der Gesundheitsnetzwerker bei BERLIN-CHEMIE entschieden, den Kongress für Gesundheitsnetzwerker abzusagen. Damit wurde der aktuellen Empfehlung, Großveranstaltungen zu streichen beziehungsweise zu meiden, Rechnung getragen.
Ein Schritt, der dem Team nicht leichtgefallen ist, der aber notwendig ist, um verantwortungsvoll mit der aktuellen Situation umzugehen.  Die Besucherinnen und Besucher des Kongresses kommen fast alle aus dem Gesundheitsbereich – gerade ihnen wird empfohlen, Großveranstaltungen zu meiden, um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren.
Den Preis für Gesundheitsnetzwerker wird es dennoch geben – die Preisträger werden am 17. März 2020 bekanntgegeben.
 
Weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter www.gesundheitsnetzwerker.de


Wie kommen Gesundheitsapps in die Versorgung?

EinBlick sprach mit Philip Kopf, Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Qualität und Regulation digitaler Medizin (QuR)    ­

 
Philip Kopf

 Er ist Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Qualität und Regulation digitaler
 Medizin (QuR). 

 Das Institut berät und unterstützt Hersteller digitaler Medizinprodukte bei der rechtssicheren
 und nachhaltigen Produktentwicklung. Von der Idee, über die Herstellung der Verkehrsfähigkeit
 bis hin zur Erlangung der Erstattungsfähigkeit nach dem DVG.




Herr Kopf, ab wann ist eine App ein digitales Medizinprodukt?

Philip Kopf: Digitale Medizinprodukte sind Anwendungen, die wir etwa auf dem Handy haben und die einen medizinischen Zweck verfolgen. Für die Frage, ab wann vom Vorliegen eines Medizinproduktes auszugehen ist, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Leitfaden herausgegeben. Das digitale Medizinprodukt dient vor allem zur Überwachung, Diagnose oder Behandlung von gewissen Krankheitsbildern – zum Beispiel Tracking von Blutzucker oder einer Therapiebegleitung. Damit grenzen sich diese Apps insbesondere von Lifestyle-Applikation ab.

Kann jede Gesundheits-App einfach auf den Markt und in die Appstores?

Philip Kopf: Wenn eine App von den gesetzlichen Krankenversicherungen im Zuge des Digitalen-Versorgung-Gesetzes (DVG) erstattet werden soll, muss sie zertifiziert sein. Es zwingt aber niemand die Herstellerin oder den Hersteller dazu, in die Erstattungsfähigkeit gehen zu müssen. Dennoch: Wenn die Anwendung die Kriterien aus der Medizinprodukte-verordnung (MDR) erfüllt, ist sie dann keine Lifestyle-App mehr und muss auf jeden Fall zertifiziert sein. Ansonsten haben Hersteller Probleme mit der Aufsichtsbehörde und der Verkehrsfähigkeit ihrer Anwendung.

Sie erwähnten die Medizinprodukteverordnung. Was bestimmt diese Verordnung? 

Philip Kopf: Bis zum 26. Mai 2020 gilt noch die Medizinprodukterichtlinie (Medical Device Directive, MDD). Danach greift die Medizinprodukteverordnung. Das ist die Norm, an die sich alle Hersteller dann zu richten haben. Für die Gesundheits-Apps auf Rezept stehen in der Richtlinie zwei verschiedene Risikoklassen: Produkte mit niedriger Klassifizierung (Risikoklasse 1) und Produkte mit systematischen Risiken (Risikoklasse 2a), die Informationen für Diagnose oder Therapie liefern. Das sind zum Beispiel Apps, die eine Psychotherapie begleiten. Bei den Apps der Risikoklasse 1 können Hersteller ihre Zertifizierung selbst vornehmen. Ab der Klasse 2a muss eine zusätzliche Stelle einbezogen werden, zum Beispiel der TÜV.

Dank des Digitalen-Versorgung-Gesetzes dürfen Ärztinnen und Ärzte bald Apps verschreiben. Diese werden von den gesetzlichen Krankenkassen dann erstattet. Wie schaffen es Hersteller, dass ihre Apps von den Kassen bezahlt werden?

Philip Kopf: Der größte Baustein ist die Zertifizierung nach der Medizinprodukte-verordnung. Wenn die Anwendung zertifiziert ist, müssen Hersteller ein sogenanntes Evaluationskonzept erstellen. Innerhalb eines Jahres muss auf Grundlage dieses Konzeptes der positive Versorgungseffekt nachgewiesen werden. Die Guideline dazu hat das BfArM allerdings noch nicht veröffentlicht. Wenn dann die Herstellerin oder der Hersteller den positiven Versorgungseffekt der App nachweisen konnten, geht es abschließend in die Preisverhandlung. Hersteller und Krankenkassen ermitteln dann einen Preis für die Anwendung. Nach diesem Prozess ist die Applikation gelistet und in der Erstattung.    ­


Kurzstrecke

120.000 Pflegekräfte zusätzlich notwendig

Gutachten im Auftrag der Bundesregierung vorgelegt

In Deutschland fehlen Pflegekräfte - das ist bekannt. Doch nun haben Experten neue Zahlen errechnet: 120.000 Pflegekräfte werden in Altenheimen zusätzlich benötigt. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens der Universität Bremen im Auftrag der Bundesregierung. Wissenschaftler haben erstmals den erforderlichen Personalschlüssel in Pflegeheimen auf wissenschaftlicher Basis berechnet.

Die Experten kommen zu dem Entschluss, dass die Zahl der Pflegekräfte von 320.000 auf 440.000 angehoben werden müsse – das wäre ein Anstieg um 36 Prozent. Die zusätzlichen Personalkosten würden sich demnach jährlich auf etwa vier Milliarden Euro belaufen.

Die Gutachter nennen konkrete Handlungsempfehlungen. Sie haben einen neuen Personalschlüssel errechnet, der nötig sei, um eine angemessene Betreuung in den Altenheimen zu ermöglichen. Rechnerisch müsste jede Pflegekraft künftig 1,8 Pflegebedürftige betreuen. Bisher sorgt sich eine Pflegekraft um 2,5 Patienten. 

Im Gutachten heißt es auch, dass die Überlastung vieler Pflegekräfte nicht nur zu mehr Krankenstand führt, sondern auch zu mehr Teilzeitarbeit und einem früheren Ausstieg aus dem Beruf.    ­


Neue Studie: Lungenkrebs frühzeitig erkennen

Deutsche Krebshilfe fördert Diagnostik

Bereits sieben Jahre vor Ausbruch eines Lungenkrebses soll im Blut von Patientinnen und Patienten die Krankheit identifiziert werden können. Zu dieser Erkenntnis kam ein Team aus Bioinformatikern und Biologen der Universität des Saarlandes. 

Die Experten verglichen Blut von 519 gesunden Menschen mit dem Serum von Lungenkrebs-Patienten, die ihr Blut Jahre vor der Lungenkrebs Diagnose gespendet hatten. Das Ergebnis: Bestimmte Nukleinsäuren - sogenannte microRNAs - wiesen bei dem Blut der Lungenkrebs-Patienten einen anderen molekularen Fingerabdruck auf, als die von gesunden Personen.

Die Wissenschaftler hoffen, dass es in ein paar Jahren möglich sein wird, Tumore über einen einfachen Bluttest frühzeitig zu erkennen. Deshalb untersucht das Forschungsteam nun, ob sich diese Unterschiede im Blut auch bei Diagnosen von Brustkrebs und Dickdarmkrebs nachweisen lassen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt zur Früherkennung von Tumoren an der Saar-Uni mit insgesamt 370.000 Euro.    ­


Höhere Mindestlöhne für die Pflege

Bundesweite Angleichung ab Juli 2020

Ab dem ersten Juli 2020 sollen die Mindestlöhne in der Pflege gestaffelt steigen. Die Gehaltsunterschiede im Osten und Westen sollen bis April 2022 angeglichen werden. Die Erhöhungen unterteilen sich nach Pflegehilfskräften, qualifizierten Pflegehilfskräften und Pflegekräften. Den Pflegehilfskräften steht ab dem ersten Juli diesen Jahres im Osten von Deutschland ein Mindestlohn von 10,85 Euro pro Stunde zu. Im Westen erhalten diese 50 cent pro Stunde mehr. Ab April 2022 erhalten dann Pflegehilfskräfte einheitlich in Deutschland 12,55 Euro die Stunde.

Qualifizierte Hilfskräfte – das sind Menschen mit einer mindestens einjährigen Ausbildung oder Tätigkeit – profitieren erst nächstes Jahr von den Erhöhungen. Ab April 2021 erhalten diese im Osten 12,20 Euro die Stunde, im Westen 12,50 Euro pro Stunde. Ab April 2022 sollen 13,20 Euro einheitlich in ganz Deutschland gezahlt werden.
Pflegefachkräfte hingegen erhalten erst ab Juli 2021 einen neuen Mindestlohn. Dieser soll einheitlich in Deutschland 15,00 Euro pro Stunde betragen. Neun Monate später bekommen Pflegekräfte dann nochmal 40 Cent mehr pro Stunde. 

Neben dem Mindestlohn soll auch der Urlaubsanspruch für Beschäftigte in der Pflege erhöht werden. Dieser beträgt bei Beschäftigten mit einer 5-Tage-Woche für das Jahr 2020 fünf Tage zusätzlich zum gesetzlichen Urlaubsanspruch. Für die Jahre 2021 und 2022 soll dieser Anspruch jeweils sechs Tage betragen.    ­


Medizin studieren auch ohne Einser-Abi

Hohe Nachfrage von Studienplätze mit Landarztquote

Wer Medizin studieren möchte, braucht dafür in Deutschland normalerweise einen Top-Abschluss. Das Bundesland Bayern schafft nun für Menschen auch ohne Einser-Abi Medizin-Studienplätze. Mit einer Voraussetzung: Die Studierenden müssen sich für zehn Jahre verpflichten, auf dem Land zu arbeiten. Das Konzept wird gut angenommen - die Bewerbungen haben sich vom Start der Bewerbungsphase bis zum Ende hin verzehnfacht. Während Mitte Februar rund 60 Bewerbungen vorlagen, wurden laut Gesundheitsministerium in München am Ende der Frist 640 Bewerbungen eingereicht.

Bei diesem Konzept will Bayern bis zu 5,8 Prozent seiner Studienplätze für Menschen reservieren, die danach mindestens zehn Jahre auf dem Land arbeiten. Dafür erhalten sie ein gesondertes Auswahlverfahren: Sie müssen einen Eignungstest und eine Berufsausbildung vorweisen. Danach folgen individuelle Auswahlgespräche. »Wir brauchen mehr junge Mediziner, die sich für den Beruf des Hausarztes begeistern und ihn auch dort ausüben wollen, wo sie besonders ge­braucht werden«, sagt Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml. So wolle sie der Unterversorgung im ländlichen Raum entgegenwirken.    ­

    
young health: Constanze Czimmek

Wie können verschiedene Gesundheitsberufe zusammenarbeiten?

 
Constanze Czimmeck


 Die Medizinstudentin kommt im April ins siebte Semester und ist seit Juli 2019
 Fachschaftssprecherin an der Charité Berlin. 2018/19 war sie Koordinatorin für
 Gesundheitspolitik im Vorstand der Bundesvertretung der Medizinstudierenden
 in Deutschland (bvmd).

 Ein Schwerpunktthema ist für Constanze Czimmeck Inter-professionalität. Sie
 möchte die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe verbessern und das
 Thema mehr in die einzelnen Ausbildungs- und Lehrpläne integrieren.


Was genau bedeutet interprofessionelles Zusammenarbeiten in den Gesundheitsberufen?

Constanze Czimmeck: Von Interprofessionalität sprechen wir, wenn nicht nur verschiedene Fachbereiche, wie eine Kinderärztin und ein Herzmediziner zusammenarbeiten, sondern auch verschiedene Gesundheitsberufe, wie die Pflege und die Hebammen miteinander agieren. Dabei bringt jede Profession den eigenen Blickwinkel und entsprechendes Know-How mit. Beispielsweise sind Ärztinnen und Ärzte Expertinnen und Experten für den medizinischen Bereich und Pflegekräfte haben die Expertise für die pflegerischen Kenntnisse.

Sie wollen Interprofessionalität mehr in den Ausbildungsplan der einzelnen Gesundheitsberufe integrieren. Wie soll das genau funktionieren?

Constanze Czimmeck: Die Medizinstudierenden in Berlin haben bereits ein Modul in ihrem Studium integriert. Da geht es viel um das richtige Kommunizieren untereinander und mit den Patientinnen und Patienten. Doch wir wollen interprofessionelles Arbeiten auch in der Praxis umsetzen. Unser großes Ziel ist es eine interprofessionelle Ausbildungsstation ins Leben zu rufen. Das soll eine Teilstation mit zwei bis vier Zimmern sein, die von Auszubildenden der Pflege im dritten Jahr und Medizinstudierenden in ihrem Praktischen Jahr gleichermaßen betreut wird. Die Studierenden und Auszubildenden sollen hier möglichst früh Eigenverantwortung übernehmen und interprofessionelles Arbeiten zusammen erlernen.

Wie weit ist das Vorhaben der interprofessionellen Ausbildungsstation?

Constanze Czimmeck:  In Deutschland gibt es das schon in einzelnen Städten. Wir Berliner Studierende haben nun eine konkrete Station, auf der wir das umsetzen wollen. Wir arbeiten gerade an einem genauen Konzept und haben schon mit der Berliner Senatorin für Gesundheit und verschiedenen Akteuren der Charité gesprochen. Wir können uns zukünftig auch vorstellen noch mehr Gesundheitsberufe wie die Hebammen mit einzubinden, da die Charité ja nun einen Studiengang für Hebammen entwickelt.

Wo liegen Hürden, Interprofessionalität in den Ausbildungsplan aller Gesundheitsberufe zu integrieren?

Constanze Czimmeck: Es ist organisatorisch eine Herausforderung die ganzen Berufsgruppen miteinander zusammenzubringen. Das liegt an unterschiedlichen Längen der Ausbildungen, den Unterschieden zwischen Studium und Ausbildung als auch den rechtlichen Vorschriften. Generell wird Interprofessionalität häufig noch zu wenig oder wenn nur sehr punktuell mitgedacht.

Was erhoffen Sie sich von diesem Projekt?

Constanze Czimmeck: Ich wünsche mir, dass alle Berufsgruppen anerkennen, dass jeder seine Expertise in die Gesundheitsversorgung einbringt. Alle Berufsgruppen müssen verinnerlichen, dass wir nur zusammen eine gute Patientenversorgung sicher stellen. Wir müssen mehr miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.    ­


Meldungen

Krankschreibung per Telefon, Selbstabstrich und Home-Office

Der aktuelle Stand zum Coronavirus

Die Atemwegserkrankung Coronavirus (SARS-CoV-2) ist im Januar 2020 in der chinesischen Stadt Wuhan ausgebrochen. Weltweit gibt es mittlerweile 119.300 Infizierte und 4.292 Tote. 80.000 Infizierte leben in China. Außerhalb von China sind folgende Länder aktuell besonders stark betroffen: Italien (10.149 Infizierte), Iran (8042 Infizierte), Südkorea (7755 Infizierte), Frankreich (1784 Infizierte), Spanien (1695 Infizierte), USA (1010 Infizierte), Japan (580 Infizierte) und Singapur (166 Infizierte).
In Deutschland gibt es aktuell 1296 Infizierte, und zwei Tote. Die Infektionsschwerpunkte liegen in NRW (484 Infizierte), Bayern (314 Infizierte) und BaWü (237 Infizierte).
54 Prozent der Corona-Patienten ist männlich, das Altersgefüge reicht von null bis 82 Jahre. Insgesamt sind aktuell bei uns in Deutschland elf Kinder unter fünf Jahren infiziert.
Die häufigsten Symptome sind Husten, Schnupfen, Fieber, Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen. Diese Zahlen gab Dr. Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert Koch Instituts (RKI) am 11. März bekannt.

Welche Maßnahmen trifft Deutschland aktuell:

Krankschreibung per Telefon
Die kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) haben sich darauf geeinigt, dass ab sofort Patientinnen und Patienten mit einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege per Telefon eine Bescheinigung auf Arbeitsunfähigkeit (AU) ausgestellt bekommen. Ärzte stellen diese dann per Post zu. Die Regelung gilt vorübergehend für vier Wochen.

Selbstabstrich von zu Hause aus
In Nordrhein-Westfalen empfiehlt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), dass Menschen mit Verdacht auf eine SARS-COV-2-Infektion ihren Abstrich nicht bei einer Ärztin oder einem Arzt durchführen, sondern zu Hause selbst Hand anlegen. Erkrankte oder Angehörige können den Test an einer Praxis abholen und wieder zurück bringen. So kommt es zu keinem weiteren menschlichen Kontakt.

Lieferengpässe bei Arzneimitteln
Deutschland bezieht einen Großteil der Arzneimittel aus China. Das Land ist eines der wichtigsten Produzenten für Europa. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betont, dass es derzeit keine Einschränkung in der Arzneimittelversorgung gebe, er wolle jedoch trotzdem die Arzneimittelversorgung unabhängiger von China  gestalten.

Homeoffice-Möglichkeiten
Aktuell gibt es kein Recht auf Homeoffice in Deutschland. Das Bundesministerium stellt den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern frei, ob sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Arbeiten von daheim ermöglichen.


Das ändert sich durch das GKV-FKG

Weniger Engpässe bei Arzneimitteln und fairerer Wettbewerb der Krankenkassen

Der Bundestag hatte Ende Februar das ›Gesetz für einen fairen Kassenwettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-FKG)‹ beschlossen. Damit soll der Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen zielgenauer gestaltet werden. Das bedeutet konkret:

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) soll neu strukturiert werden. Er bekommt einen neuen Lenkungsausschuss aus Vorstandsmitgliedern der Krankenkassen. Auch soll es künftig eine Frauenquote in den Entscheidungsgremien geben. Außerdem wird der Finanzausgleich der Gesetzlichen Krankenkassen (RSA) weiterentwickelt. Zum Beispiel sollen Krankenkassen Leistungsausgaben, die über 100.000 Euro pro Jahr hinausgehen, zu 80 Prozent erstattet bekommen. Insgesamt sollen die Kassen sich besser miteinander abstimmen und Kooperationen zwischen den Aufsichtsbehörden bilden.

Ein weiterer Punkt des GKV-FKGs sind Lieferengpässe bei Arzneimitteln. Folgende Maßnahmen sollen gegen sie wirken:  Pharmazeutische Unternehmen müssen dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Informationen zu Lagerbeständen, zur Produktion und Absatzmengen melden. Auch müssen Arzneimittelhersteller, bis auf wenige bestimmte Ausnahmen, ihre Produkte, die sie in Deutschland herausgeben, in deutscher Sprache kennzeichnen. Darüber hinaus dürfen die Behörden Vorgaben bei der Lagerung für versorgungskritische Arzneimittel erteilen. Die Apotheken sind dazu verpflichtet preisgünstige Produkte heraus zugeben. Diese entstehen durch Rabattverträge der Krankenkassen mit pharmazeutischen Herstellern. Sind die rabattierten Arzneimittel in einer Apotheke nicht vorhanden, dürfen Pharmazeuten ein vergleichbares Produkt verkaufen.
Die Mehrkosten zahlt dann nicht die Patientin oder der Patient, sondern die Krankenkasse.    


Mehrheit in Deutschland fordert

Verbot von Schönheits-OPs bei Minderjährigen 

Durch Schönheitsoperationen kann der Traum einer kleineren Nase oder volleren Lippen verwirklicht werden. Um Kinder und Jugendliche vor solchen Eingriffen in jungen Jahren zu schützen, gilt auf Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ab dem 01. März das Werbeverbot für Schönheits-OPs bei Jugendlichen. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland fordert laut einer Umfrage der kaufmännischen Krankenkassen (KKH) sogar das komplette Verbot von ästhetischer Chirurgie bei Minderjährigen.

Nach einer forsa-Umfrage unter 1004 Personen sind 82 Prozent der befragten Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren dafür, Schönheitsoperationen bei Minderjährigen zu untersagen, wenn diese nicht medizinisch notwendig sind. Die Meinungen gehen jedoch je nach Altersgruppe auseinander. Während es bei den 44- bis 65-Jährigen 86 Prozent sind,  die ein Verbot befürworten, stimmen nur 73 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 16 und 29 Jahren dieser Regulation zu. Diese wären in Teilen von dem Verbot selbst betroffen.

Ein Verbot für Schönheitsoperationen bei Jugendlichen fordert auch die Vereinigung der deutschen ästhetisch-plastischen Chirurgen (VDÄPC). In einer Pressemitteilung begrüßen sie das aktuelle Werbeverbot von Jens Spahn und bestärken die gesetzlichen Regelungen in Österreich. Dort sind Schönheits-OPs ohne medizinischen Grund bei Menschen unter 16 Jahren verboten. Zwischen dem sechzehnten und achtzehnten Lebensjahr muss eine Psychologin oder ein Psychologe ein Beratungsgespräch mit der minderjährigen Person führen. Darüber hinaus muss eine Wartefrist von vier Wochen zwischen Einwilligung und Operation eingehalten werden.

»Das Signal unserer Gesellschaft an junge Menschen muss sein: Du bist ok, genauso wie Du bist«, betont Jens Spahn in der Debatte. »Um Jugendliche vor unnötigen OPs zu schützen, wollen wir jede Form von an sie gerichteter Werbung für operative plastisch-chirurgische Eingriffe verbieten. Das ist praktizierter Jugendschutz.«    ­


Fusion der Klinikkonzerne

Asklepios plant Übernahme von Rhön-Klinikum

Die Klinikkonzerne Asklepios und Rhön wollen fusionieren. Dazu erhält der Konzern Asklepios die Anteile der Rhön-Klinikum von Rhön-Gründer Eugen Münch und seiner Familie. Die Familie Münch hält bis dato insgesamt 20 Prozent der Anteile. Diese verkauft sie zu 12,4 Prozent direkt an Asklepios. Die übrigen 7,6 Prozent soll Eugen Münch in das gemeinsame Joint-Venture einbringen. Mit einem weiteren Aktienpaket von rund 1,08 Prozent der Stimmrechte aus anderen Händen hält Asklepios dann insgesamt knapp über 50 Prozent der Anteile an Rhön und sichert sich damit eine Mehrheit der Stimmen. Die Übernahme soll im zweiten Quartal abgeschlossen sein.

Dr. Bernard große Broermann, Gründer und Alleingesellschafter von Asklepios und Rhön-Gründer Eugen Münch planen auch alle anderen Rhön-Aktien aufzukaufen. Sie bieten den übrigen Anteilseignern ein Angebot in Höhe von 18 Euro je Aktie an. Damit kostet ein Anteilsschein rund 25 Prozent mehr, als vor der Bekanntgabe der Pläne - die Aktie lag bis dahin bei 14,40 Euro. In die Quere könnte den beiden Milliardären der Medizintechnik-Hersteller B. Braun kommen. Braun hält gut 25 Prozent der Anteile an Rhön. Ob dieser seine Aktien verkauft, ist unbekannt. 

Sowohl Rhön als auch Asklepios sind private Klinikkonzerne, die deutschlandweit Gesundheitseinrichtungen betreiben. Asklepios gehört seit 2012 zu den Hauptaktionären von Rhön. Durch die Fusion würden sich Asklepios und Rhön hinter den Marktführer Fresenius Helios stellen. Helios versorgt mit seinen 86 Kliniken rund 5,6 Millionen Patientinnen und Patienten im Jahr. Asklepios mit Hauptsitz in Hamburg behandelte 2018 in 160 Krankenhäusern in ganz Deutschland rund 2,3 Millionen Menschen. Rhön betreibt Krankenhäuser in Bayern, Brandenburg und Hessen und versorgte vergangenen Jahres circa 860.000 Patientinnen und Patienten.    ­


In eigener Sache

Neue Redaktion für EinBlick

Nach vielen Jahren gibt es mit dieser Ausgabe des EinBlick einen Wechsel in der Redaktion.Thomas Grünert und die Schlütersche Verlagsgesellschaft haben den Newsletter in Zusammenarbeit mit der der Abteilung Gesundheits-management bei BERLIN-CHEMIE kontinuierlich in hoher Qualität hergestellt und die Hintergründe der Nachrichten der Gesundheitsbranche für die Leserinnen und Leser des EinBlick aufbereitet.

Christoph Nitz und sein engagiertes Team bei meko factory möchte an diese erfolgreiche Arbeit anknüpfen. meko factory ist eine Agentur für Public Affairs und Public Relations mit den Schwerpunkten Konzeption und Durchführung von Veranstaltungen sowie journalistischer Dienstleistungen.

Im Dialog mit den Leserinnen und Lesern wollen wir den EinBlick weiterentwickeln. In dieser Ausgabe finden Sie deshalb zwei Interviews. Wir wollen Akteure der Gesundheitsbranche im Originalton zu Wort kommen lassen und mit Young Health frische Ideen und Köpfe präsentieren.

Für die kommenden Ausgaben wollen wir gern Ihre Anregungen und Ideen aufgreifen.
Schreiben Sie uns an einblick@berlin-chemie.de

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