Diabetikerschulung

19.01.09 - Zwei Jahre strukturierte geriatrische Schulung

SGS motiviert und erhöht die Selbstständigkeit geriatrischer Diabetespatienten

„Es geht nicht um das Verlängern der Lebenszeit, sondern um das Verlängern der Lebenszeit mit Lebensqualität“. Dr. med. Dr. Univ. Rom Andrej Zeyfang, Diabetologe und Geriater, Stuttgart, hat vor 2 Jahren das strukturierte geriatrische Schulungsprogramm (SGS) ins Leben gerufen (1). Maßgeblich unterstützt wird das Programm seitdem von der BERLIN-CHEMIE AG, die unter anderem die Ausbildungsseminare für Diabetologinnen und Diabetologen sowie Diabetesberaterinnen und -berater fördert. Nahezu 1.500 Teilnehmer haben sich bei diesen Seminaren bereits dafür qualifiziert geriatrische Patienten mit Diabetes zu schulen.
Den Grund für den Erfolg sieht Dr. Zeyfang in der Notwendigkeit einer solchen Schulung: „Wir haben eine absolute Lücke geschlossen.“

Die Zahl der Menschen mit Typ-2 Diabetes steigt seit Jahren. Derzeit sind ca. acht Mio. Menschen in Deutschland betroffen. Im Jahr 2010 rechnen Experten mit ca. zehn Mio. Betroffenen. Hierbei wird es sich vorwiegend um ältere und auch „geriatrische“ Menschen mit Typ-2 Diabetes handeln (2). Die wachsende Zahl älterer Diabetiker erfordert ein spezielles Schulungsprogramm, das auf die Belange dieser Patientengruppe ausgerichtet ist. Multimorbidität, kognitive Schwierigkeiten sowie eine eingeschränkte Motorik oder Wahrnehmung sind die gravierendsten Probleme. „Man hat alte Menschen lange Zeit vernachlässigt, weil man ihnen keine Schulung zugetraut hat“, erläutert Dr. Zeyfang, der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der DDG. Er hat die strukturierte geriatrische Schulung (SGS) konzipiert. Die Inhalte dieses Schulungsprogrammes richten sich nach der evidenzbasierten Leitlinie der AG Diabetes und Geriatrie.

Fit bleiben und älter werden mit Diabetes

Das Interesse ist groß: seit 2007 finden regelmäßig in verschieden deutschen Städten Ausbildungsseminare für Diabetologinnen und Diabetologen sowie Diabetesberaterinnen und -berater statt, die von der BERLIN-CHEMIE AG unterstützt werden.
Als eine der ersten nahm Ulrike Lauschke, Diabetesassistentin aus Aßlar teil. Sie war sofort vom neuen Konzept begeistert und schult seitdem ca. 20 ältere Diabetiker im Monat mit SGS. Für sie sind die Schulungseinheiten immer wieder ein positives Erlebnis, das sie nicht missen möchte. „Ältere Menschen sind ein unglaublich dankbares Klientel. Sie sind diszipliniert und dankbar für alles, was sie noch eigenständig erledigen können.“

Viele Pausen, viele Wiederholungen, viele praxisnahe Übungen

Die Didaktik und die Lerninhalte der SGS sind seniorengerecht. „Konventionelle Schulungsprogramme legen großen Wert auf Wissensvermittlung in schulischer Form. Das kann man nicht unreflektiert für ältere Menschen übernehmen“, so Dr. Zeyfang. Bei der SGS gibt deshalb sehr viele Wiederholungselemente und dazu viele Praxiselemente.
Das Programm umfasst ohne Insulinbehandlung insgesamt 6 Schulungseinheiten à 45 Minuten, mit Insulinbehandlung 7 Schulungseinheiten. Die erste Viertelstunde ist ein Wiederholen der Lerninhalte der vorhergehenden Stunde. Diese Wiederholung findet in der Diskussion untereinander statt. Die nächste Viertelstunde ist die Vermittlung der neuen Inhalte und die letzte Viertelstunde ist wieder eine Wiederholung des eben Gelernten. Dabei werden immer wieder praktische Elemente miteinbezogen „SGS ist Lernen auf Augenhöhe, das Gespräch steht Vordergrund“ erklärt Dr. Zeyfang.
Die Gruppengröße wird dabei bewusst gering gehalten, damit die direkte Kommunikation möglich ist und genügend Zeit bleibt, auf individuelle Probleme einzugehen. Das ist für die Motivation der Patienten unerlässlich. „Viele Patienten blühen in der Schulung erst richtig auf. Sie genießen den persönlichen Kontakt zu anderen Menschen. Oft bleiben sie nach einer Einheit noch sitzen und tauschen sich aus, “ berichtet die Diabetesassistentin.

Schulungsinhalte: einfach und alltagsbezogen

Um die Schulungen so einfach wie möglich zu gestalten, wurden für das SGS-Programm speziell auf die geriatrischen Patienten abgestimmte Schulungsmaterialien mit großen Schriften, einfachen Darstellungen und ohne Fremdwörter entworfen. Darüber hinaus sind die Schulungsinhalte auf die praktischen Probleme der älteren Menschen ausgerichtet.
So wird konkret deutlich gemacht, wie wichtig eine gute Blutzucker-Einstellung für den Alltag ist, weil hierdurch zum Beispiel Stürze oder Schwindelanfällen vermieden werden können. „Unsere Motivation zielt nicht auf Abstraktes wie Folgeerkrankungen in 10 Jahren ab, sondern auf die Verbesserung der momentanen Lebenssituation. Das versteht der ältere Mensch sofort, das macht Mut, das motiviert“, betont Dr. Zeyfang.

Die vollständigen Interviews mit Dr. Andrej Zeyfang und der Diabetesassistentin Ulrike Lauschke sowie weitere Informationen zum SGS-Schulungsprogramm finden Sie unter
www.berlin-chemie.de/microsites/diabetikerschulung sowie unter
www.signumpr.de/presseservice/index.html.

Quellen

(1) Zeyfang, Andrej; Feucht, Irene: Fit bleiben und älter werden mit Diabetes, Strukturiertes Schulungsprogramm SGS für Typ-2-Diabetiker im höheren Lebensalter. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der DDG, Verlag Urban & Fischer, 1. Auflage 2007

(2) Zeyfang A: Diabetes und Geriatrie – es wird immer wichtiger. In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2008. Hrsg. von der Deutschen Diabetes Union (DDU), Verlag Kirchheim 2008, S.132-137.

Herausgeber:
BERLIN-CHEMIE AG, Glienicker Weg 125, 12489 Berlin, www.berlin-chemie.de