Diabetikerschulung

Veränderte Lebensumstände im Alter

„Alt“ ist nicht gleich „krank“

Durch die Verbesserung der medizinischen Versorgung hat sich heute die Altersgrenze weit nach oben verschoben. Von dem so genannten „Alter“ wird heute erst ab dem 80. Lebensjahr gesprochen. „Alt“ bedeutet jedoch nicht gleich „krank“.

Erst wenn zu einem chronologischen Alter von über 60-65 Jahren Multimorbidität und Funktionsstörungen hinzukommen wird aus einem „älteren Menschen“ ein „geriatrischer Patient“. Als altersbedingte Funktionsstörungen, auch „Geriatrische Syndrome“, werden im Wesentlichen die „5 Is“ genannt:

  1. Immobilität
  2. Inkontinenz
  3. Intellektueller Abbau
  4. Instabilität (z.B. die hohe Anfälligkeit für Stürze im Alter)
  5. Iatrogene Schäden (Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln)

ergänzt durch ein 6. I: die Interaktion (durch gleichzeitiges Vorliegen einer weiteren Erkrankung, z.B. Diabetes mellitus).

Die zentraleuropäische Arbeitsgemeinschaft geriatrischer Gesellschaften definiert den geriatrischen Patienten wie folgt: „Ein biologisch älterer Patient, der durch altersbedingte Funktionseinschränkungen bei Erkrankungen akut gefährdet ist, der zu Multimorbidität neigt, bei dem ein besonderer Handlungsbedarf rehabilitativ, somatopsychisch und psychosozial besteht.“

Die Probleme älterer Diabetiker sind vielfältig

Etwa zwei Drittel aller Menschen mit Diabetes mellitus sind älter als 60 Jahre. Aufgrund des Wandels der Bevölkerungsstruktur ist damit zu rechnen, dass dieser Anteil in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird.

Oberstes Ziel der medizinischen Versorgung geriatrischer Patienten mit Diabetes mellitus ist der Erhalt der Selbständigkeit. Nur so kann eine Einweisung in ein Pflegeheim so lange wie möglich hinausgeschoben werden. Um auch den älteren Diabetiker adäquat zu therapieren, ist es notwendig, sich mit den altersspezifischen Veränderungen, die ältere Menschen einschränken können, auseinanderzusetzen.

Im Alter oft mangelernährt
Hunger- und Sättigungsregulation ändern sich im Alter. Der daraus resultierende Appetitverlust führt zu einer verringerten Nahrungsaufnahme, die in eine Mangelernährung (Kachexie) münden kann. Weitere Veränderungen wie z.B. eine verringerte Geschmacks- und Geruchswahrnehmung, oder Kaubeschwerden durch Zahnverlust verstärken die Problematik.

Sehkraft und Gehör lassen im Alter nach
Auch die Einschränkung der Sinneswahrnehmung macht vielen älteren Menschen zu schaffen. Betroffen sind vor allem die Augen. 70 Prozent aller blinden Menschen sind älter als 70 Jahre. Eine Makuladegeneration ist bei alten Menschen häufig zu beobachten, die das Lesevermögen stark einschränkt. Auch die Hörfähigkeit nimmt im Alter ab.

Schwindel und Stürze belasten Ältere besonders
Schwindel und die daraus resultierenden Stürze werden von älteren Menschen besonders gefürchtet. Nicht zu unrecht, denn Stürze zählen zu den 8 häufigsten Todesursachen bei älteren Menschen. Etwa 30 Prozent aller über 65-jährigen stürzt mindestens einmal pro Jahr. Von diesen erleiden 30-40 Prozent schwerwiegende Verletzungen.

Feinmotorik im Alter eingeschränkt
Eine Folge des Älterwerdens äußert sich auch in nachlassenden feinmotorischen Fähigkeiten. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der bei der Therapie (z.B. Insulintherapie) nicht außer Acht gelassen werden darf. Da ältere Patienten oft Probleme haben, ihre Füße gut zu pflegen, hat auch das Diabetische Fußsyndrom eine besondere Relevanz in dieser Altersgruppe.

Kognitive Defizite bei älteren Menschen berücksichtigen
Der altersbedingte intellektuelle Abbau oder häufig auftretende Altersdepressionen stellen hohe Anforderungen an die Behandlung geriatrischer Diabetespatienten. Diabetiker leiden im Vergleich zu Nicht-Diabetikern häufiger unter Demenz und kognitiven Störungen. Die Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten des einzelnen Patienten sollte daher immer im Vordergrund stehen.