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Berlin-Chemie Newsletter vom 08. Juni 2018

Hauptstadtkongress: Telematik-Infrastruktur zu kompliziert?

Der Hauptstadtkongress 2018 widmet sich schwerpunktmäßig der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Das machte schon die Eröffnung deutlich. Dem Bundesminister für Gesundheit sind manche Umsetzungen zu kompliziert gestrickt.

Eines machte Minister Jens Spahn gleich zu Beginn seiner Rede bei der Eröffnung des 21. Hauptstadtkongresses 2018 in Berlin deutlich: Unter seiner Führung hätte die Telematik-Infrastruktur ein anderes Konzept gehabt – smarter, simpler, einfacher eben. „Natürlich brauchen wir die Telematik-Infrastruktur. Wir sind endlich dabei die Arztpraxen anzuschließen.“ Es sei aber einfach nicht einfach, wenn man eine Karte, ein Kartenlesegerät und fünf Stöpsel brauche, um als Bürger in das Netz zu kommen. „Der Zugang für den einzelnen Bürger muss einfacher gemacht werden, als es jetzt vielleicht noch geplant ist.“ Das ist lobenswert, lässt sich natürlich aus heutiger Sicht einfach sagen. Spahn spricht immer wieder von Smartphone-Lösungen. Immer dabei, komfortabel, praktisch. An Smartphones war vor 14 Jahren, als das Konzept zur Telematik-Infrastruktur so langsam Züge annahm, noch nicht einmal zu denken. Zuvor hatte Bundesärztekammerpräsident Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery bereits gesagt: „Wer weiß, ob wir heute noch von der eGK reden würden, wenn das Gesetz neu gemacht worden wäre.“ Da dürften Spahn und Montgomery einer Meinung sein. Dem Minister ist es wichtig zu betonen, dass die Politik ihren Gestaltungsanspruch bei den Rahmen und Regelungen wieder deutlicher machen müsse. Und bei der Digitalisierung gehe es auch darum, die Ansprüche wieder ein bisschen höher zu schrauben. Die Lösungen für hohe Ansprüche liefern vor allem auch Start-ups, die sich bisher meistens als David am Goliath Erstattung die Zähne ausbeißen. Dass es für neue eHealth-Lösungen im System nicht einfach ist, weiß der Minister: „Solange du in Deutschland nicht in einer verlässlichen Erstattungsfähigkeit bist, sind die Chancen für Wachstum nicht groß. Wir müssen Apps und digitale Anwendungen mit einem nachweisbaren Nutzen für den Patienten schnell in die Erstattung der Krankenversicherungen bekommen.“ Na immerhin. Hören tun das die Pioniere aber schon eine ganze Weile.

Ein solches System, das vor allem den Ärzten zu Gute kommen könnte, ist Ada Health. Platt gesagt basiert es auf Künstlicher Intelligenz (KI) und ausgeklügelten Algorithmen. Entwickelt wurde es in sieben Jahren Grundlagenforschung in Berlin. Das „Siri der Medizin“ ist ein Gesundheitsassistent, der bei Beschwerden deutlich genauere Vorschläge liefern soll als der viel kritisierte Doktor Google. „Woher soll ein normaler Hausarzt manche seltenen Erkrankungen kennen?“, so Dr. Martin Hirsch, Gründer von Ada. Komme ein Patient mit der Vermutung des Ada-Algorithmus‘ zum Arzt, dann könne dieser den neuen Ansatz verfolgen. Es überfordere den Menschen einfach kognitiv immer auf dem aktuellsten medizinischen Stand zu sein. Eine KI könne neue mögliche Krankheiten in die Diagnose-Suche einbringen. „KI-Systeme können dem Arzt prospektive, hochwertige Unterstützung bei der Diagnose bieten“, so Hirsch. Dr. Friedrich von Bohlen, Geschäftsführer der dievini Hopp BioTech holding GmbH & Co. KG, wies daraufhin, dass die Chinesen schon im Medizinstudium im Umgang mit Künstlicher Intelligenz geschult werden. Vielleicht etwas, worüber in Deutschland auch zeitnah nachgedacht werden sollte. Denn eines ist klar: Kommen solche KI-Lösungen nicht aus Deutschland, dann werden sie über kurz oder lang einen Weg aus dem Ausland in das deutsche System finden. Eine Zukunft der Medizin ohne Künstliche Intelligenz können sich wohl die wenigsten Systemexperten vorstellen.

Innovationsfonds: zwei Jahre, viel Geld, positives Zwischenfazit?

Rund 100 durch den Innovationsfonds geförderte Projekte befinden sich bereits in der Umsetzung. Aber wie können diese nach erfolgreicher Evaluation in die Regelversorgung überführt werden? Dieser Frage widmete sich der G-BA-Kongress in Berlin.

„Aus Kindern werden Leute“ – im Falle des Innovationsfonds innerhalb von zwei Jahren – laut Professor Josef Hecken, Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der erklärte, dass dieses kostspielige Innovationsinstrument nun nicht mehr „Jugend forscht“ sei. Für kommendes Jahr erwarte er die ersten Zwischenergebnisse der Projekte. Entgegen mancher Kritik sei der Innovationsausschuss „keine Top-Down-Veranstaltung“ bei der Auswahl der Projekte. Es werde über das entschieden, was von unten gekommen ist, so Hecken. Und von unten ist so einiges gekommen: Bei den neuen Versorgungsformen gingen bisher 389 Anträge mit beantragten Fördermitteln in Höhe von 2,049 Milliarden Euro ein. Förderbescheide haben 81 Projekte erhalten, die mit 423,4 Millionen Euro gefördert werden. Zwei Klageverfahren unzufriedener Bewerber laufen noch. Zusätzlich erhielten 116 Projekte zur Versorgungsforschung knapp 140 Millionen Euro Fördergelder. Aus dieser bunten Tüte sollen mindestens (!) zwanzig bis dreißig Prozent der geförderten Projekte in der Regelversorgung landen, waren sich Hecken und Lutz Stroppe einig. Letztgenannter, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, betonte, dass ihm 1,2 Milliarden Euro (300 Mio. €, vier Jahre) für ein reines Versuchslabor auch etwas viel Geld sei. Der Druck auf die Selbstverwaltung ist folglich hoch – vor allem, weil die Finanzierung über Versichertengelder läuft. Nach erfolgreicher Evaluation wird die große Hürde das Übertragen eines Projekts aus dem „Test“-Bundesland auf andere Bundesländer sein. Die Implementierung in der Fläche lässt sich ohne zusätzliches Geld wohl kaum organisieren, meint Professor. Dr. Holger Pfaff, Vorsitzender des Expertenbeirats des Innovationsfonds. Er schlägt einen Transferfonds vor, der nicht als Weiterfinanzierung der Projekte gedacht ist. Er argumentiert, dass ohne die Finanzierungsmöglichkeit die Krankenkassen ihre Projektlieblinge herauspicken und finanzieren würden. Die Idee des Transferfonds kommt jedoch nicht überall gut an. Als „leidenschaftlichen Gegner“ outete sich Hecken. „Wenn wir ein Projekt drei Jahre geprüft haben, dann fliegt es entweder oder es geht in die Hose. Wenn das Projekt super ist, dann wird die Kasse nicht sagen: Ende Gelände.“ Auch von Kassenseite glaubt man nicht an den Nutzen eines Transferfonds. Dieser sei keine Antwort, so Dr. Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Der Gesetzgeber müsse in dieser Legislatur aber den Rahmen zur Umsetzung schaffen. Ausruhen kann sich folglich weder die Selbstverwaltung noch der Gesetzgeber.

Die Sommerpause naht

Zwei von drei Gesetzesentwürfen, die der Gesundheitsminister bis zum Juli versprochen hat, hat er schon vorgelegt. Nun muss er sich mit seinen Gegnern auseinandersetzen.

Die Regierungsbildung hat so lange gedauert, dass eigentlich kaum Zeit blieb, um wenigstens die drängendsten Themen auf der gesundheitspolitischen Agenda bis zur parlamentarischen Sommerpause anzuschieben. Jens Spahn hat sich jedoch größte Mühe gegeben, um seinen straffen, selbst gesetzten Zeitplan einzuhalten und bereits zwei von den drei geplanten Gesetzesentwürfen vorgelegt. Nun treten die Krankenkassen jedoch auf die Bremse und zögern die von ihm angestrebte schnelle Entlastung der Versicherten. Die von Spahn geplante Entlastung der Versicherten durch eine Absenkung der Krankenkassenrücklagen kommt ein Jahr später als geplant. Denn kurzerhand wurde die Beitragssenkung im Kabinettsentwurf des Versichertenentlastungsgesetzes an eine Reform des morbiditätsorientierten Finanzausgleichs zwischen den Krankenkassen (Morbi-RSA) geknüpft – und die lässt noch auf sich warten. Unverändert sieht das Gesetz vor, dass sich die Arbeitgeber ab dem 1. Januar 2019 wieder zur Hälfte an der Finanzierung der Zusatzbeiträge beteiligen sollen – eine erste Entlastung für die Beitragszahler. Mit dem Thema muss und wird sich Spahn also nach der Sommerpause intensiver auseinandersetzen müssen.

Damit bleibt ihm jetzt jedoch mehr Zeit, um seinen dritten Gesetzesentwurf auf den Weg zu bringen, der die Versorgung verbessern soll. Regeln will der Minister unter anderem, dass Terminservicestellen künftig bessere Angebote machen, um die Wartezeiten zu verkürzen und damit das Gefühl der Zwei-Klassen-Medizin aufheben. Entsprechende Änderungen in der ärztlichen Honorierung sind dabei die logischen und unvermeidlichen Konsequenzen, so Spahn. Auch da wird sich der Minister auf viele Streitgespräche vorbereiten müssen.

Ein weiteres großes Thema zu Beginn der Legislaturperiode ist die Pflege. Sein Entwurf für das Sofortprogramm steht und geht über das hinaus, was im Koalitionsvertrag vereinbart worden war. Dafür erntete er zwar Lob. Aber eben nicht nur. Die Verbände kritisierten, dass auch das aufgestockte Sofortprogramm ein Tropfen auf dem heißen Stein sei. Das weiß auch Spahn, der darum die Pflege ganz oben auf seiner Agenda behält und das Problem in seiner Amtszeit an der Wurzel angehen will.

Planlose Krankenkassen verloren im Neuland?

Eine Studie gibt Handlungsempfehlungen. Manche sind so naheliegend, dass die Beseitigung der Baustellen überfällig ist.

Der Duden definiert Strategie als „genauen Plan des eigenen Vorgehens, der dazu dient, ein militärisches, psychologisches, wirtschaftliches oder ähnliches Ziel zu erreichen, und in dem man diejenigen Faktoren, die in eigene Aktion hereinspielen könnten, von vornherein einzukalkulieren versucht“. Gut, demnach mangelt es im Gesundheitswesen in vielen Bereichen an Strategien. Dass aber jede fünfte Kasse in der Gesetzlichen Krankenversicherung über keine Digitalisierungsstrategie verfügt, verwundert dann schon. Klar, der Gesetzgeber ist nicht ganz unschuldig, denn in vielen Bereichen – zum Beispiel bei Interoperabilitäts-Standards – gibt es nach wie vor keinen festgezurrten Rahmen als Orientierung. Nun geistern Begriffe wie Telemedizin, ePatientenakte, Vernetzung und Co. aber auch nicht erst seit gestern, sondern schon einige Jahre durch den gesundheitspolitischen Raum. Die Studie von Uni Leipzig und dem Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) gibt an, dass rund ein Drittel der 3.792 Befragten das eigene Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz als eher oder deutlich zurückgeblieben im Zuge der Digitalisierung einstuft. Ein Anzeichen für Unsicherheit? Als externe Schwierigkeiten hinsichtlich des Digitalisierungsprozesses werden rechtliche Rahmenbedingungen, Unsicherheit über zukünftige Technologien und fehlende Standards genannt. Intern bereitet vor allem die Umstellung der bestehenden IT-Systeme Probleme. Die Befragten nennen die Bereiche Prozesse/IT als diejenigen, in denen es im letzten Jahr die größten Veränderungen gegeben habe. Deutlich weniger Entwicklung gab es in den Feldern Versorgung/Leistung und Recht/Compliance/Datenschutz – letzteres sicher auch, weil die EU-Datenschutzgrundverordnung seit Ende Mai in Kraft getreten ist, aber schon länger angekündigt war. Die Autoren haben ihre Handlungsempfehlungen in kurz-, mittel- und langfristige Vorschläge aufgeteilt. Das Personal werde zwar schon zu Digitalthemen geschult; dies müsse aber intensiviert werden, auch unter Einbeziehung der Mitarbeiter bei der Gestaltung der Schulungsprozesse. Die Organisation läge dann vermutlich in der Verantwortung des CDOs – des neu einzuführenden Chief Digital Officers. Was nach Modetitel klingt, halten die Autoren für eine Schlüsselposition bei der Einführung einer langfristigen Digitalisierungsstrategie. Mittelfristig stehe vor allem die Investition in ein einheitliches, erweiterbares, unternehmensweites IT-System an. Zudem müsse an einem unkomplizierten Zugang zu den Kunden gearbeitet werden. Ein neuer Share Point verschaffe den Angestellten Informationen sowie eine Übersicht zu vorhandenen Prozessen und Software. Zudem regen die Autoren eine Zusammenarbeit mit Start-ups für Apps in der Versorgung und Verwaltung an. Langfristig, nach Studiendefinition sind damit die nächsten drei Jahre gemeint, müsse dann ein Leitkonzept für eine Strategie auf Basis der Vorarbeit entstehen. Dazu würden auch Indikatoren gehören, anhand derer Fortschritte messbar gemacht werden – Stichwort Evaluation. Der Personalmarkt der IT-Fachkräfte ist ziemlich umkämpft. Viele Absolventen werden direkt von der Uni in Unternehmen in gut bezahlte Jobs gelockt. Dennoch werden auch die Krankenkassen besser früh als spät zusätzliche Fachkräfte einstellen müssen.
    
       

Gastroenterologen schlagen Alarm

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen fordert von der Politik den Aufbau eines nationalen Forschungsverbundes, um Zivilisationskrankheiten wie Diabetes besser vorbeugen zu können.

2,5 Millionen Menschen werden jedes Jahr wegen Krankheiten des Magen-Darm-Traktes, der Leber, der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse im Krankenhaus behandelt. Bis 2032, so die Schätzung der Demografen, wird die Zahl um weitere 22 Prozent steigen. Angesichts dieser Szenarien schlagen die Experten schlagen Alarm. Die Kosten für das Gesundheitssystem drohen zu explodieren. Darum sei es an der Zeit, mehr und bessere Prävention zu betreiben. Die müsse laut der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen in ihrem Fachbereich beginnen, denn der Magen-Darm-Trakt gilt als Frühwarnsystem.
Gesundheit beginnt nämlich mit einer guten Bakterien-Wohngemeinschaft im menschlichen Körper. Welche Zusammensetzung wie genau wirkt, das wollen die Gastroenerologen durch mehr Forschungsarbeit herausfinden. Wissen die Wissenschaftler, welche Zusammensetzung Diabetes begünstigt, Depressionen wahrscheinlicher macht oder Multiple Sklerose fördert, können sie das Mikrobiom irgendwann gezielt einsetzen, um bestimmte Krankheiten frühestmöglich zu behandeln. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen fordert die Unterstützung der Politik und den Aufbau eines nationalen Forschungsverbundes.

Ein weiteres Thema, das die Gastroenterologen seit Jahren beschäftigt, ist der Alkoholkonsum. Prof. Volker Ellenrieder erklärt, dass Deutschland dringend eine bessere Prävention gegen Alkohol benötigt. Elf Liter reinen Alkohol trinke der Deutsche im Schnitt pro Jahr. "Deutschland ist damit ein Hochkonsumland", sagt der Direktor für Gastroenterologie und gastroenterologische Onkologie am Uniklinikum Göttingen. Wer ab und zu mal ein Gläschen trinkt, wähnt sich auf der sicheren Seite. Dabei gelten zweieinhalb Flaschen á 0,5 Liter Bier oder eine 0,75 Liter Flasche Wein pro Woche als Obergrenze, wenn man seine Leber nicht schädigen will. "Gesundheitsgefährdung beginnt eben nicht erst mit der Sucht", so Ellenrieder. 20 bis 30 Prozent aller Deutschen leiden bereits unter einer Fettleber, vielmehr bereits unter erhöhten Leberwerten. Darum fordert die Gesellschaft nun, den Leberwert beim Checkup 35 mit zu erheben, um so noch rechtzeitig einschreiten zu können.

Umstrittener Sonderstatus bei medizinischem Cannabis

Die verursachten Kosten durch Verordnungen von medizinischem Cannabis halten sich sehr in Grenzen. Dennoch gebe es zwingenden Handlungsbedarf, heißt es im Cannabis-Report der Techniker Krankenkasse.

Das Arzneimittelvolumen der Techniker Krankenkasse beträgt 4,3 Milliarden Euro. Mit drei Millionen Euro wurde davon nur ein Bruchteil für Cannabis ausgegeben. Selbst bei einer Verdopplung der Verschreibungen in den nächsten Jahren, mit der TK-Chef Jens Baas rechnet, wäre dies noch kein Grund zur großen Finanzsorge bei den Kassen. Weil die unterschiedlichen Blüten-Sorten über ganz unterschiedliche Dosierungen des Wirkstoffes THC verfügen, ist eine Ausnahmeregelung jedoch etwas abenteuerlich. Mit der Einführung des SGB V §31 Absatz 6 „Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität“ werden Zulassung, frühe Nutzenbewertung und Preisverhandlung nahezu umgangen. Die Zulassungsverfahren für Arzneimittel sind kompliziert und streng. Zu streng und innovationsfeindlich, meinen Kritiker. Gerechtfertigt streng, meinen wiederum andere. „Ich bin sehr erstaunt, dass man sich von Gesetzgeberseite nicht vorher Gedanken über die Blütentherapie gemacht hat“, meint Report-Autor Professor Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Es gebe kaum Studien in Arzneimittel-Qualität. Kein anderes Medikament mit solcher wissenschaftlicher Evidenz würde es durch das Zulassungsverfahren schaffen, ist er überzeugt. Cannabis sollte wie jedes andere Medikament auch behandelt werden, sind Baas und Glaeske überzeugt. Durch die unterschiedlichen Sorten gebe es Unklarheiten über geeignete Dosierungen und Verabreichungsformen. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Cannabis-Blüten standardisiert angewendet werden. Dafür brauchen wir belastbare Studien und Begleitforschung“, so Glaeske. Über das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sollten seiner Meinung nach öffentliche Studien zu diesem Thema finanziert werden.

Turbo für die Digitalisierung

Die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen im Hinblick auf digitale Gesundheitstechnologien besser zusammenarbeiten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat auf ihrer Jahrestagung in Genf den Kurs für die kommenden fünf Jahre abgesteckt. Die Mitglieder sollen sich unter anderem darum kümmern, die bisherigen Digital Health-Aktivitäten umfassend zu bewerten und schließlich dafür sorgen, dass internationale Standards für mehr Interoperabilität beim Einsatz der verschiedenen Lösungen zustande gebracht werden. Im Kern geht es um die Kosteneffizienz dieser sicheren Systeme, für die auch die Nutzung von Big Data, Genomics sowie Künstlicher Intelligenz angeraten wird. Hier geht es um nicht weniger als um die Erfolgsaussichten der Präzisionsmedizin als einer der wichtigsten medizinischen Gesundheitstrends weltweit.

Neben der Digitalisierung hat die WHO auch die Seuchenprävention auf ihrer Agenda. Die eigene Einschätzung fällt in diesem Bereich eher positiv aus. Man sei heute besser gerüstet als noch vor einigen Jahren. Dennoch dürfe man sich darauf nicht ausruhen.


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